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Falsche PolizistInnen, braune Schatten und die Sorgen um das Image


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Falsche PolizistInnen, braune Schatten und die Sorgen um das Image

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9.5.2008., 12:52
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No Pasaran!

Es verbirgt sich wie hinter einem Schleier - einem Symbol, das hierzulande längst zu einem Feindbild geworden ist. Doch immer öfter kommt es hervor. Zur Ablenkung ist aus höchsten Kreisen zu vernehmen: Ich will wissen was hinter diesem Schleier steckt. Er meint da nicht die offizielle Fratze Österreichs, mit seinen bis in die Zukunft reichenden braunen Schatten, mit seinem neuen Ruhm als Land der Frauenverachter und Kinderschänder. Nein, er lenkt ab und zeigt einmal mehr sein wahres Gesicht: Das eines Rassisten und Sexisten. Doch dreht es sich bei ihm nicht um einen Einzeltäter. Auch um keine EinzeltäterInnen. Dieses Märchen nimmt ohnehin keineR mehr ernst. Nur sie selbst, die braunen Recken im Dienste althergebrachter Ideologie sind der Meinung, dass damit alles unter den Teppich gekehrt werden soll.

Wir kennen es nicht nur aus Österreich, doch ist es hier sehr stark ausgeprägt. Dieses Gefühl des Nationalismus, das versehen mit ein wenig "Sozialem" eigentlich der Vergangenheit angehören sollte. So zumindest wird es in den Schulen hierzulande immer wieder gelehrt. Eine Geschichte, in der die unzähligen Nazis dieses Landes - wie ihr Führer - gerne als Verführte dargestellt werden. Als verwirrte Einzeltäter. So war es auch der Franzl, der sich selbst gerichtet haben soll, nachdem er für zahlreiche Bombenanschläge alleine seine Hände opfern musste. Und ohne die er es dann sogar schaffte - ohne Hilfe - sich selbst eine Schlinge um den Kopf zu legen, die sein Ende bedeutete. Damit konnten alle gut leben. Jene Nazis, die mit dem Terror in Verbindung gebracht wurden ebenso wie jene, denen die Aufgabe zukam, die Hintergründe herauszufinden. Immer wieder kommt die Frage auf: Wollen sie es tatsächlich wissen? Soll die "Wahrheit", von der immer gefaselt wird, ans Tageslicht dringen? Es hat den Anschein, als ginge es lediglich darum, das Image in der globalen Weltöffentlichkeit zu wahren. Den Mythos aufrecht zu erhalten. Und somit als "erstes Opfer" weiterhin Ansehen zu genießen, ein Ansehen, dass sich dieser braune Sumpf gar nie verdient hat. Sicher, so sollte erwähnt werden, lauert das Böse auch anderswo. Gibt es Feindbilder, die die Menschen beschäftigen und sie vergessen lassen, einen Blick in die eigene Gasse zu werfen. Doch langsam beginnt der Putz von der immer wieder mit neuem Anstrich versehenen Fassade zu bröckeln.

Da konnte mensch doch tatsächlich zuletzt in zahlreichen Zeitungen lesen, dass sich die Spitzen dieses Landes um dessen Ansehen Sorgen machen. Sorgen, weil plötzlich nicht mehr der Schleier für die patriarchalen Strukturen - anderswo - verantwortlich gemacht werden konnte. Nein, da fanden sich plötzlich die Medien aus aller Welt einen kleinen Ort in Niederösterreich ein, um ein wenig vom wirklichen Österreich mitzubekommen. Was für ein Skandal! Lasst sie doch endlich leben! Wie bitte? Lasst sie doch endlich leben? Wen bitte? Da wird bekannt, dass es viele solcher Fälle gibt, schnell werden sie aus aller HERREN Länder herbei zitiert. Die Medien fragen sich: Wie kann es denn so was geben? Bei uns? Wo doch alle so lieb sind. Wo "wir" doch nichts böses wollen. Damals, ja damals haben wir so vielen geholfen. Wie bitte? Ach ja, das Land, das den NachbarInnen in Zeiten der Not gerne beisteht. Es ist ja neutral. So neutral, dass es nichts damit zu tun haben kann. Womit? Mit Krieg, Vertreibung, Ausbeutung, Kolonialismus.... Es hatte ja nie eine Kolonie, wird eingeworfen. Ein Minderwärtigkeitskomplex? Oder doch nur eine Abwehrhaltung? "Wir sind doch nicht rassistisch." Sicher nicht? Die ewige Wiederholung gleich aufgebauter Sätze verändert die Geschichte, deutet sie um. Und lässt die Lebenslüge zum allgemeinen Verständnis werden.

Doch wenden wir unseren Blick mal weg aus dem Vorgarten. Hin auf die Autobahn, die es ermöglicht, dass die Metropolenmenschen schnell ins Grüne kommen. Und die garantiert, dass die Versorgung mit billigem - obgleich immer teurer werdendem - Genuss versorgt wird. Da geht eine Geschichte um: Die der falschen Polizisten. Sie würden unschuldige Opfer überfallen, sie ausrauben. Bei der Frage, ob es wirklich "falsche" PolizistInnen sind, macht eines stutzig: Sie waren unbewaffnet. Da muss ja was nicht stimmen. Wie würde denn eineR der RevolverheldInnen ihre Waffe zu Hause vergessen können, wo diese doch Tag und Nacht das Gefühl der Überlegenheit vermittelt. Eine Überlegenheit, die sie nicht davor zurückschrecken lässt, sie immer und immer wieder zur Schau zu tragen. Die Liste jener, die von wild gewordenen Ballermännern (selten sind es Frauen) an- oder abgeknallt wurden, ist lang. Doch wurde je eineR dafür zur Rechenschaft gezogen? Die Antwort könnte lauten: Alles
Vorverurteilungen. Sie werden tagtäglich schlecht gemacht, in den Dreck gezogen, verunglimpft, zu Unrecht beschuldigt usw. Die Liste der Vorwürfe gegen die KritikerInnen ist endlos. Doch die Verurteilungen? Sie gibt es nicht! Nein, eine böse Zunge können da schon mal äußern: Sie können abknallen, wen sie wollen. Sie haben ja nichts zu befürchten. Und sie wissen es. Denn ihre Vorgesetzten stehen hinter ihnen, vermitteln ihnen dieses Gefühl bei jeder Gelegenheit. Es ist ein perfektes Zusammenspiel. Ihr schafft uns die Probleme von der Straße. Und wir geben euch dafür die notwendige Macht, die notwendige Ausrüstung, lernen euch, wie ihr richtig zuschlagen müsst...

Wobei wir am nächste Schauplatz wären: Inmitten der Großstadt wurde ein neues Übel festgemacht. Und wieder kommen jene ins Spiel, von denen dieser Tage immer wieder behauptet wird, sie hätten einen besonderen Schutz verdient: Die Kinder. Sie sind so schutzbedürftig, dass ihnen gleich mal verboten wird zu betteln. Entweder ihr habt Geld oder ihr müsst halt verhungern, könnte als unausgesprochene Botschaft hinter solchen Vorschriften vermutet werden. Aber: Hierzulande geht es allen gut! Hier muss keineR hungern! Und wenn "ihr" das nicht kapiert, dann werden euch - diesmal die echten - PolizistInnen schon beibringen, was Recht und Ordnung heißt. Unbemerkt von fast jeglicher Öffentlichkeit wird eine Vertreibungspolitik exekutiert, die sich gegen die zu den "Schwächsten der Gesellschaft" erklärten richtet. Sie dürfen ihre Eltern - oft allein erziehende Mütter - nicht mehr zur Arbeit begleiten. Auch dann nicht, wenn es keinen Betreuungsplatz für sie gibt. Und das ist die Regel. Eine Regel, die befolgt werden muss! Denn die Reichen wollen viel. Aber sie wollen eines nicht: Mit Armut konfrontiert werden. Das ist für sie per se ein aggressives Unterfangen. In den schönen, von neuen Fassaden umgebenen Straßen, in den grünen Parks, den U-Bahnen und der Kulturmeile sind nur jene erwünscht, die es sich auch leisten können. Alle anderen sollen dorthin gehen, wo sie... Ja wo sie.... Denkt da eineR mal nach? Wohin gehören all jene, die nicht ins Bild passen. Schnell drängt sich angesichts der Ereignisse vor 60 Jahren ein Gedanke auf. Und führt zum nächsten Schauplatz.

Im "Herzen Europas" wird gedacht. Vor 60 Jahren wurden sie besiegt, wurde ihr Reich zerschlagen. Doch sie lebten weiter. Bis heute sind sie in hohen Ämtern bis hin in die Regierung vertreten. Sie offenbaren ihre Gesinnung meist nur in geschlossener Gesellschaft. Und am liebsten hätten sie es, wenn diese Gesellschaft sich noch mehr verschließt. Nicht vor dem Luxus, den sie aus aller Welt ankarren, nicht vor den billigen Arbeitskräften, die ihren Dreck wegwischen. Nein, darauf wollen sie nicht verzichten. Und sie wissen, dass kaum eineR bereit ist, auf Privilegien zu verzichten. Das vereint sie. Lässt sie überheblich werden. Und nicht davor zurückschrecken, ihre Gesinnung hin und wieder offen zur Schau zu stellen. So wie am Tage des Jubiläums. Eigentlich ein Tag der Freude, wird er von manchen - zu Recht - als Tag der Niederlage betrauert. Und diese Trauer sollte einmal mehr nicht gestört werden. Trotz geplanter Imagekampagne werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Es ist kein großer Akt, aber es hat Symbolik, wenn da wegen 70-80 brauner Recken der Ausnahmezustand erklärt wird. Wenn umfangreiche Platzverbote erteilt werden, um einmal jene zu vertreiben, die "nicht dazugehören" oder nicht dazugehören wollen. Dann marschieren sie auf. Bewaffnet, wie es sich für echte Vaterlandsverteidiger gehört, mit der Waffe zur Hand. Dann wird vor Ausschreitungen gewarnt, weil vielleicht nicht alle jene Meinung vertreten, deren Ende vor 60 Jahren hätte sein sollen. Keine kann mehr vorbei. Es zieht sich über zwei Stunden, mit aller Eile stellen sie die Absperrungen auf, die offiziellen DienerInnen jenes Staates, der das erste Opfer sein wollte. Doch hier wird nicht der Opfer gedacht. Nein, hier werden die Nazis gehuldigt, die für unzählige Verbrechen verantwortlich sind, die selbst Hand angelegt und dann doch den großen Krieg verloren haben. Uniformiert und in alten Farben tragen sie ihre Gesinnung zur Schau.

Sie werden unterstützt von denen in den "neuen" Farben, den Uniformen, die Nähe und gleichzeitig Kampfbereitschaft vermitteln sollen. Selten wurden sie so schnell arbeiten gesehen, als sie weite Teile der Innenstadt einzäunten. Als sie unzählige Leute davon abhielten, ihren tagtäglichen Weg zu gehen. Nein, heute müssen sie großräumig ausweichen. Heute gedenken die Burschenschaften den Opfern der Zweiten Weltkrieges, wird da von wissenden Beamten Auskunft erteilt. Einer der Beamten ist sich nicht zu blöd, auf die Frage ob das sein darf, mit einem Vergleich zu antworten: Auch die Juden würden in Österreich die Staatsgründung feiern... Wozu diese ganzen Absperrungen: Es werde beträchtlicher Widerstand erwartet. Wie bitte, wo bitte? Ach ja, plötzlich sind Sprechchöre zu vernehmen: Ihr habt den Krieg verlor'n, ihr habt den Krieg verlor'n ... dröhnt da von weit her, auf der anderen Seite der Absperrung in die Ohren der Wartenden. Wie bitte, fragt eine Passantin. Was? Da feiern Nazis? Wie kann das sein? Es ist so. Und es ist die Realität. Wenngleich es immer wieder auch Störungen gibt und die braunen ReckInnen daran erinnert werden, dass sie nicht erwünscht sind, scheut das offizielle Österreich nicht davor zurück, ihnen den Weg frei zu machen. Es wundert nicht, sitzen die braunen ReckInnen doch selbst in den höchsten Ämtern dieses Landes. Und dort - es wurde schon erwähnt - gibt es einige, die sich Sorgen machen.

Die Sorgen, dass das Image eines weltoffenen Landes, das Image einer Stadt im "Herzen Europas" etwas bröckeln könnte. So wie die Fassade jener Bauten, die an eine "ruhmreiche" Vergangenheit erinnern und deshalb alle paar Jahre erneuert werden müssen - um den Schein zu wahren. Doch die Show, die an diesem Tag, dem offiziellen Gedenktag an die Zerschlagung des Dritten Reiches in Wien abgehalten wurde, zeigt, dass der neue Anstrich es nicht mehr vermag, die dahinter liegenden braunen Flecken zu verdecken. Das Antlitz einer Gesellschaft kam einmal mehr zum Vorschein. So deutlich, dass längst klar sein sollte, dass es nicht ausreicht, wachsam zu sein. Die Anfänge sind längst überschritten. Und wer denkt, dass diese Anfänge - wie es vielleicht dieser Beitrag vermitteln mag - sich auf diesen kleinen Flecken Erde reduzieren, liegt ebenso falsch. Überall sollte in Erinnerung gerufen werden: Nie wieder! No Pasaran!

19.05.08    Alois Unverdorben <alois.unverdorben@nadeshda.org>
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