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Burschenschaften: "Das waren die wilderen Hund'"
28.02.2008 | 18:10 | THOMAS PRIOR (Die Presse)
Aus den Unis wurden sie verbannt, doch in der Politik haben sie ihre
Funktionen. Zumindest elf von 21 Mandataren sind einschlägig zuordenbar.
WIEN. FPÖ- Wissenschaftssprecher Martin Graf ahnte Böses: "Wer im Verdacht
steht, Freiheitlicher zu sein, wurde kurzerhand eliminiert." Die
Bundesregierung hatte eben jene Kandidaten präsentiert, die sie demnächst
in die Universitätsräte entsenden wird. Mit dem Ergebnis, dass ein halbes
Dutzend Burschenschafter, die 2002 unter schwarz-blauer Herrschaft in die
Unis eingezogen waren, rausflogen - und durch rote oder schwarze
Gewährsleute ersetzt wurden. Ein Umstand, der die Hochschülerschaft zum
ätief Durchatmen" veranlasste, gilt doch das Gros der Männerbünde als
deutschnational.
In der Politik hingegen ist der Einfluss der Burschenschafter ungebrochen.
Ein Blick in die FPÖ- Reihen ist ein Streifzug durch Österreichs
Verbindungs- Landschaft: Zumindest elf von 21 Mandataren sind einschlägig
zuordenbar. Parteichef Heinz-Christian Strache gehört der pennalen
Mittelschulverbindung Vandalia an. Martin Graf ist Mitglied der Olympia -
einer Burschenschaft, die schon Holocaust-Leugner David Irving als
Festredner eingeladen hat.
Lutz Weinzinger nennt die Bruna Sudetia seine geistige Heimat, wo noch im
Jahre 1971 vom "großen Reiche aller Deutschen" geträumt wurde. Reinhard
Bösch ist "Alter Herr" bei der Burschenschaft Teutonia Wien, Robert Aspöck
bei der Alten Gymnasialverbindung Rugia Salzburg, Manfred Haimbuchner beim
Linzer Ableger des Corps Alemannia Wien. Die akademische Sängerschaft
Skalden zählt Ewald Stadler zu ihren Mitbrüdern, während Werner Neubauer
bei der Teutonia Linz eingeschrieben und, ganz nebenbei, auch als Autor
für das Burschenschafter-Zentralorgan "Aula" tätig ist.
Wolfgang Zanger gehört dem Grazer Corps Vandalia und dem Knittelfelder
Corps Austria an, Alois Gradauer ist schlagender Pennäler. Und dann wäre
noch Peter Fichtenbauer: Mitglied der Ferialverbindung deutscher
Hochschüler, Gmünd. Im Jahr 2003 fungierte der Anwalt zwischenzeitlich als
Vizeobmann des Vereines "Zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny". Der
machte sich das Gedenken an den 1944 verstorbenen NS- Fliegerhelden zur
Aufgabe, das Grab avancierte zum Treffpunkt der rechten Szene.
Der FP-Parlamentarierin und niederösterreichische Spitzenkandidatin
Barbara Rosenkranz werden zumindest familiäre Verstrickungen in diese
Kreise nachgesagt, ihr Mann war Aktivist der verbotenen NDP. Seit 1991 ist
Horst Jakob Rosenkranz Vorsitzender der "Kritischen Demokraten", diese
gelten als rechtsextrem.
Auch der junge Häupl dabei
Und in den anderen Parteien? ÖVP-Wirtschaftsminister
Martin Bartenstein ist "Alter Herr" des deutschnationalen Akademischen
Turnvereins in Graz. Der einstige FPÖ- und heutige BZÖ-Primgeiger Jörg
Haider kommt aus der Silvania Wien und Albia Bad Ischl.
Und selbst der derzeitige Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl gehörte
in seinen Jugendjahren der Rugia Krems an. Warum sich ausgerechnet der
katholische Internatsschüler dem blauen Lager angeschlossen hatte und
sogar zum Sprecher der Rugia aufgestiegen war, beantwortete dieser einmal
so: äDas waren einfach die wilderen Hund'." In seiner Universitäts-Zeit
wechselte der jetzige Vizechef der Bundes-SPÖ dann das politische Lager.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2008)
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