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Ruesselsheim: Ueber 100 Teilnehmer sprechen sich gegen rechtsradikales Gedankengut aus - NPD kommt nicht

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Echo online, 23.1.08

"Wir leben bunt im Dicken Busch"
Politische Demonstration: Über 100 Teilnehmer sprechen sich gegen rechtsradikales Gedankengut aus - NPD kommt nicht

Die erste politische Demonstration der Stadtteilbewohner im Dicken Busch können die hier rührig tätigen Akteure als Erfolg werten: Trotz des absehbaren Fernbleibens der NPD, die ursprünglich einen Wahlstand im Einkaufszentrum angemeldet hatte, waren gestern Morgen mehr als 100 Bürger des Dicken Buschs samt Vertretern von Organisationen und Parteien dem Aufruf zu einer Kundgebung gefolgt. Mit ihr sollte - auch ohne Präsenz des Gegners - verdeutlicht werden, dass rechtsradikales Gedankengut keinen Boden findet, weder in diesem Stadtgebiet noch in ganz Rüsselsheim. Das drückten für die Veranstalter Guido Casu (DGB) und Ernst Peter Layer (Magistrat) deutlich aus. Für weitere Beteiligte schlossen sich dem Ali Sbeitan vom Ausländerbeirat und Dekan Kurt Hohmann (Evangelisches Dekanat) an.

Versammelt hatten sie sich gegenüber einem Kranz von braunen Mülltonnen, auf denen plakativ das "Aufräumen" mit dem Neonazi-Gedankengut dargestellt wurde. Diese Aktion anstelle von Ständen erläuterte Dorothea Castor von der Stadtteilwerkstatt, die mit Matthias Fuchs (Leiter eines Migrantenprojektes) und Bewohnern diesen zentralen Beitrag geliefert hatte. Aufgeräumt werden müsse mit Abschieben, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz, dagegen gesetzt Engagement, Miteinander und Respekt, war auf den Plakaten zu lesen.

Da sich das "Kneifen" der Rechtspartei abgezeichnet hatte, wurde auch die Gegenveranstaltung auf das symbolische Maß beschränkt. Zuletzt waren alle in Rüsselsheim vertretenen Parteien noch eingeladen worden, sich mit Infoständen zu beteiligen. Präsent waren sie dennoch, auch die beiden Landtags-Direktkandidaten für den Wahlkreis, Renate Meixner-Römer (SPD) und Roger Lenhart (CDU). Dafür bot sich Gelegenheit, in dem auch zeitlich verkürzten Rahmen noch Gespräche zu führen.

Die Skepsis im Kreis der Gewerbetreibenden, im ersten Vorbereitungstreffen noch deutlich spürbar, war offenbar gewichen: An vielen Läden klebte das Stadtteil-Logo "Wir leben bunt im Dicken Busch".

Der Wille aller an der Aktion Beteiligten war es, die Versammlung zu einer politischen, nicht parteipolitischen Aktion zu gestalten. Daher blieb auch ein Plakat fern, das als einziges unter den zehn Entwürfen gegen Roland Koch gerichtet war. Denn wichtiger sei es zu zeigen, dass Rechtsradikale keine Basis in diesem Stadtteil hätten.

Vertreter der Veranstalter sehen in der Resonanz auf den Aufruf den Beleg dafür, dass auch beim nächsten Mal auf ein festes Gefüge zurückgegriffen werden könne. Die Akteure im Stadtteil werteten es ebenso im Sinne der Unterstützung für hier laufende Maßnahmen zu mehr Gemeinsamkeit und Engagement.

Der Magistrat hatte seine turnusmäßige Dienstag-Sitzung verlegt, um präsent zu sein, der Caritas-Verband beteiligte sich mit einem Info-Stand vor seinem neuen "Hauptquartier". Die von der NPD nach Rüsselsheim am gleichen Tag in Groß-Gerau und beiden Stadtteilen von Mörfelden-Walldorf geplanten Auftritte fielen ebenfalls aus, jedoch fanden auch dort Gegenkundgebungen statt.

Ernst Eelmae

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26.01.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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