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Thüringische Landeszeitung, 7.9.07
Wichtig, hier zu stehen
Jena. (tlz) "Nazis raus!", riefen die Demonstranten gestern Nachmittag auf dem Löbdergraben und Pfiffe gellten, als die NPD-Spitzen, darunter wieder der Parteivorsitzende Udo Voigt, per Taxi am Stadthaus vorfuhren. Unter starkem Polizeischutz konnten die NPD-Vertreter in den Versammlungsraum gelangen, um eine Pressekonferenz abzuhalten, bei der sie weitgehend unter sich blieben.
Die etwa 200 Demonstranten meldeten kurzerhand eine Spontandemonstration an, um die Teilnehmer der Dauerkundgebung auf dem Randstreifen des Seidelparkplatzes zu unterstützen.
Dort war der Tag wunderbar gelaufen. "Wir waren selbst in der Nacht gegen 4 Uhr noch rund 50 Leute, die die Transparente gehalten haben", sagte Kay Haupt. Er hatte inzwischen zwei Nächte auf dem Randstreifen verbracht. "Weil ich etwas dagegen habe, wenn Menschen mit nazistischer Gesinnung hier Feste feiern wollen. Da muss man Präsenz zeigen, deshalb bin ich hier", sagte er. Über die Müdigkeit nach so vielen Stunden sei er inzwischen hinweg. Zumal die Stimmung und die Verpflegung hervorragend seien. "So eine große Resonanz habe ich nicht erwartet."
"Für mich ist es wichtig, hier zu stehen", sagte Alt-Superintendent Michael Dorsch. Das habe für ihn auch eine religiöse Dimension. Denn "Wachet und betet!" stehe schon in der Bibel.
"Ich habe es gehofft und bin so froh, dass unsere Aktion auf so viel Zuspruch gestoßen ist. Damit sind wir schon sehr zufrieden", sagte Dr. Mariana Thiele, eine der Organisatorinnen der Kundgebung.
Die Demonstranten, die gestern nach der Protestaktion vor dem Stadthaus hinzustießen, versuchten, einen Teil des Seidelparkplatzes zu blockieren, um die Neonazis daran zu hindern, die Bauzäune rund um den Platz aufzubauen. Gut eine Stunde passierte nichts auf dem Platz. Bis dann nach mehreren Aufforderungen der Polizei, die Blockade zu beenden, der Räumungsbefehl kam. Etwa 150 Teilnehmer der Sitzblockade wurden durch die Polizei weggetragen.
07.09.2007 Von Barbara Glasser
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Thüringische Landeszeitung, 7.9.07
Versammeln und handeln
Jena Weil das Verwaltungsgericht es so will, dürfen die Neonazis während ihres Festes heute auf dem Seidelparkplatz mehr als Essen und Getränke verkaufen. Denn alles läuft unter dem Schutz des Versammlungsrechts. Kein Mensch wird ihnen verbieten, T-Shirts mit Aufdrucken, CDs mit Neonazi-Musik, vielleicht gar Bildchen von ihren Vor- und Leitbildern zu verkaufen. Beliebt in diesen Kreisen sollen ja auch diverse Flaggen und Erinnerungsstücke an die Zeit der vermeintlich großen Führer sein. Die kann man in einschlägigen Kreisen jederzeit kaufen.
Nur gut, dass die Jener Markthändler noch nicht auf die Idee gekommen sind, samstags etwa Versammlungen abzuhalten und nur so nebenher ihre Waren zu verkaufen. Vielleicht sollten sie es mal versuchen. Das würde die Stadt zwar heftig ärgern, weil die Standgebühren ausblieben. Aber beim Geraer Gericht würde es womöglich durchgehen.
07.09.2007 Von Barbara Glasser
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