Nadeshda
Forum: cl.politik.antifa-presseschau
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>

Russland: Hinrichtung vor Hakenkreuzfahne / 21. Juli 2007 in Angarsk

Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer persönlichen Information.


URL: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1192058

Hinrichtung vor Hakenkreuzfahne
Russische Rassisten stellen angebliches Mord-Video ins Internet

VON FLORIAN HASSEL

Moskau. Das Video ließ selbst den abgehärteten Nutzern des russischen Internets die Haare zu Berge stehen. Am Sonntagnachmittag stellte der Benutzer "antigypsyone" ("Anti-Zigeuner Eins") im Blog livejournal.com einen Link zur Skinhead-Site National Socialism/White Power ein. Von dort ging es mit wenigen Mausklicken zu einem 2 Minuten und 42 Sekunden langen Video.

Das zeigte, gefilmt in einem Waldstück vor einer Fahne mit Hakenkreuz, den Mord an zwei Männern, angeblich aus der Kaukasusrepublik Dagestan und dem zentralasiatischen Tadschikistan. "Uns haben russische
Nationalsozialisten festgenommen", sagen die verängstigten Männer. Dann schneiden Maskierte einem die Kehle durch, schießen dem anderen vor einer ausgehobenen Grube in den Kopf. Begleitet werden die Morde von HeavyMetal -Musik und von Rufen "Ruhm für Rus!" - eine altertümliche, von Nationalisten gepflegte Bezeichnung für Russland.

Binnen Stunden tauchte das Video unter den Top 30 des führenden Internetdienstes yandex.ru auf. Nachdem am Montag die Tageszeitung Kommersant berichtete, nahm die Abteilung "K" des Innenministeriums, zuständig für Hochtechnologie-Verbrechen, Ermittlungen auf. Ob das Video nun echt oder eine durch Montage entstandene Fälschung sei: Die Urheber hätten sich strafbar gemacht, sagte eine Polizei-Sprecherin - mindestens mit Anstachelung zum Rassenhass und Herabsetzung der Menschenwürde.

Sollten Kriminaltechniker indes die Echtheit des Videos bestätigen, wäre der gefilmte Mord für Russland keine Premiere. Sowohl tschetschenische Rebellen als auch Angehörige russischer Todesschwadronen hielten im Tschetschenienkrieg die Ermordung ihrer Gegner auf Video fest. Neu wäre, dass auch russische Neofaschisten zu diesem Mittel greifen: Bisher filmten sie sich nur beim Zusammenschlagen von Kaukasiern.

Im Fall des Anschlages auf den Zug nach Petersburg vom Montagabend ließen die Behörden am Mittwoch durchsickern, es seien zwei mögliche Verdächtige slawischen Aussehens mit Phantombildern zur Fahndung ausgeschrieben worden. Auch im Lager extremer Nationalisten werde gefahndet, meldete die Agentur Interfax.

Im Fall des mutmaßlichen Mord-Videos gab das Innenministerium schon eine Festnahme bekannt. Ein rechtsextremer Student aus dem südrussischen Maikop habe gestanden, das Video verbreitet zu haben. Er habe es von einem Unbekannten erhalten.

Sollten die Morde tatsächlich geschehen sein, wären sie nur die jüngsten einer Reihe rassistischer Gewalttaten in Russland. Für das Jahr 2005 zählte das Moskauer Sowa-Zentrum 461 Opfer rassistischer Übergriffe - davon 47 Tote. 2006 starben von 541 Opfern 55. In diesem Jahr sei die Todesrate weiter gestiegen, sagt Semjon Tscharnij vom Sowa-Zentrum. "Von Januar bis Juli 2007 haben wir mindestens 36 Tote durch rassistische Übergriffe registriert - vor allem Usbeken und Tadschiken, Armenier und Aserbaidschaner, aber auch Koreaner, Vietnamesen, Georgier, Kalmyken, Tataren und Russen."

Nach Umfragen sympathisieren 15 Prozent der russischen Jugendlichen mit rassistischen Ideen. Das Sowa-Zentrum schätzt die Zahl russischer Neofaschisten auf 60 000 bis 70 000, das Moskauer Büro für Menschenrechte kommt gar auf 500 000 vorwiegend jugendliche Rechtsradikale. Sowa-Zentrum und Menschenrechtsbüro beschuldigen die Regierung, mit Kampagnen gegen Georgien und Litauen, Migranten und dem Arbeitsverbot für kaukasische Händler einen "steuerbaren Nationalismus" zu schaffen.

Rassistische Morde werden oft heruntergespielt. Etwa der am aus Tatarstan stammenden Damir Sainullin. Der 23 Jahre alte Landwirtschaftsstudent wurde am 1. Juli in Sankt Petersburg von Neofaschisten
zusammengeschlagen. Eine 22-Jährige durchschnitt ihm eine Arterie mit einer Glasscherbe. Die Justiz sah den Mord als Rowdytum. Auch als mehr als 20 Skinheads am 21. Juli in Angarsk in der Region Irkutsk ein AntiAtom -Zeltlager angriffen und der 26 Jahre alte Atomkraftgegner Ilja Borodajenko mit gebrochenem Rückgrat starb, wollte die Polizei keinen politischen Hintergrund sehen.

[ document info ]
Copyright C FR-online.de 2007
Dokument erstellt am 15.08.2007 um 18:00:10 Uhr
Erscheinungsdatum 16.08.2007

--


X1000-news mailing list
X1000-news@listi.x1000malquer.de
Abbestellen? Umstellen? http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/x1000-news Fragen zu den Mailinglisten?
&gt;&gt; http://www.x1000malquer.de/mailingliste-faq.html
&gt;&gt; http://www.x1000malquer.de/mailing.html
18.08.07    Anti-Atom-Presseauswertung <x1000-news@listi.x1000malquer.de>
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>
Forum: cl.politik.antifa-presseschau