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## Nachricht vom 16 Sep 05 weitergeleitet
## Ursprung : S.ELLERSICK@SABINE.NADESHDA.ORG
## Betreff : +++ Infomail +++ (337) 16.09.2005
## Ersteller: post@zivilcourage-pirna.de (post@zivilcourage-pirna.de)
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Aktion Zivilcourage e.V.
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- NAZIPROPAGANDA FACHGERECHT ENTSORGEN - SCHULHOF CD UMTAUSCHEN
- ARGUMENTATIONSHILFE GEGEN DIE "SCHULHOF-CD" der NPD
- CANNABEAT - ZUM ERSTEN MAL NACH DER SOMMERPAUSE
- GEDENKSTÄTTENFAHRT TEREZIN
- STUDIE: JUNGE MENSCHEN WOLLEN SICH BETEILIGEN
- ZIVILCOURAGE FÄNGT IM KLEINEN AN
- GEDENKSTÄTTENFAHRT NACH AUSCHWITZ / BIRKENAU
- WORKSHOP FÜR LEHRER/-INNEN & DER BESCHÄFTIGTE JUGENDARBEIT
- ÜBERREGIONALE AKTIONSWOCHE GEGEN ANTISEMITISMUS 2005
10 UNTERSTÜTZEN SIE UNS
- PRESSESCHAU
- | :: NAZIPROPAGANDA FACHGERECHT ENTSORGEN - SCHULHOF CD UMTAUSCHEN!
Seit dem 1. September 2005 verteilt die NPD im Rahmen ihres
Bundestagswahlkampfes gezielt eine Gratis-CD mit rechtsextremer Rockmusik
an Jung- und ErstwählerInnen. Jugendlichen, die diese CD erhalten haben,
aber bessere, demokratische Musik hören wollen, macht das Netzwerk
"Tolerantes Sachsen" folgendes Angebot:
Ihr habt von der NPD die Schulhof-CD bekommen und wollt den Mist wieder los
werden? Kein Problem! Wir tauschen Euch die Schulhof-CD gegen eine
hochwertige Musik-CD von guten, demokratischen Bands um! Schickt uns
einfach die CD's im Briefumschlag (Absender nicht vergessen!) oder kommt in
unseren Büros persönlich vorbei:
- Aktion Zivilcourage, Lange Straße 43, 01796 Pirna
- Alternatives Jugend- und Kulturzentrum, Postfach 100204, 01782 Pirna
- AMAL Sachsen - Büro Görlitz, Bautzener Straße 20, 02826 Görlitz
- BrennPunkt eV, Dr.-W.-Külz-Str. 10, 09618 Brand-Erbisdorf
- Bürger.Courage, Bautzner Strasse 41 HH, 01099 Dresden
- FreibÄrger, Haus der Demokratie, Bebelplatz 3, 09599 Freiberg
- Kulturbüro Sachsen e.V., Bautzner Strasse 41 HH, 01099 Dresden
- Netzwerk für Demokratie & Courage, Schützenplatz 14, 01067 Dresden
- Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. in Wurzen, Bahnhofstr. 19,
04808 Wurzen
- Netzwerk Döbeln, c/o Treibhaus e.V., Bahnhofstr. 56, 04720 Döbeln
und ihr bekommt für jede NPD-Schulhof-CD eine hochwertige Musik-CD. Kleiner
Tip: Lasst Euch am Infostand mehrere CD's geben (sagt einfach ihr wollt an
Freunde auch welche verteilen), schickt uns diese und ihr bekommt umso mehr
CD's von uns!
Diese Aktion wird, unabhängig von einander, auch in Brandenburg von der DGB
Jugend, dem Radio Fritz und dem Verfassungsschutz Brandenburg durchgeführt.
Je mehr CD's ihr also sammelt, umso bessere Musik bekommt ihr. (Angebot
solange Vorrat reicht)
Das Netzwerk "Tolerantes Sachsen" fordert auch Politikerinnen und
Politiker, Ministerien und Kommunal- und Gemeindeverwaltungen auf sich an
der Aktion zu beteiligen.
Mehr Informationen über diese Aktion und eine Argumentationshilfe gegen die
NPD-Schulhof-CD gibt es auf den Webseiten www.tolerantes-sachsen.de
2. | :: ARGUMENTATIONSHILFE GEGEN DIE "SCHULHOF-CD" der NPD ::
Argumentationshilfe gegen die "Schulhof-CD" der NPD
Seit dem 1. September 2005 verteilt die Nationaldemokratische Partei
Deutschlands (NPD) im Rahmen ihres Bundestagswahlkampfes kostenlos MusikCDs
an Jugendliche und junge Erwachsene. Diese CD trägt den Titel"SchulhofCD"
mit dem Zusatz "Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker!". In
einer Pressemitteilung spricht die Partei davon, dass sie vorhabe, bis zu
200.000 Exemplare des Tonträgers in Umlauf zu bringen. Eltern,
Lehrer,Erzieher und Sozialarbeiter sehen sich nun mit der Frage
konfrontiert, welche Inhalte mit dieser CD verbreitet werden, wer die NPD
ist und was diese will.
Die Arbeitsstelle Neonazismus der Fachhochschule Düsseldorf und Argumente &
Kultur gegen Rechts e.V., haben auf 37 Seiten erschöpfende Informationen
über die CD und die darauf enthaltenen Interpreten zusammengestellt.
http://www.turnitdown.de/uploads/media/Argumente-gegen-NPD-CD.pdf
3. | :: CANNABEAT - ZUM ERSTEN MAL NACH DER SOMMERPAUSE ::
Auf zwei Floors gibt es wieder die neuen und alten Hits alternativer Musik,
im Saal mit Los Kallos und Ghost-Dj Mr. NAP & God. Kurz vor 24:00 Uhr
außerdem die drei Erstplatzierten der 24. cannabeat-charts. Mitwählen auf
www.cannabeat.de! Im Gewölbe Tysk og Venner mit "Ska & Punkrock Explosion"
an den Plattentellern.
CANNABEAT | Fr. 23.09.2005 | Jugendhaus HANNO Pirna | ab 21:00
4. | :: GEDENKSTÄTTENFAHRT TEREZIN - 18. bis 21. NOVEMBER 2005 ::
Zeitzeugen leben nicht mehr viele. Die Erinnerung muss jedoch als Mahnung
und Aufruf zu Toleranz wach gehalten werden. Deswegen wurde in
Theresienstadt eine Begegnungsstätte errichtet, in der Geschichte erlebbar
gemacht werden kann und Begegnung mit Jugendlichen über die Grenzen hinweg
möglich ist.
Die Aktion Zivilcourage e.V. möchte gern ein Seminarwochenende vom 18. bis
21. November 2005 in der europäischen Jugendbegegnungsstätte Theresienstadt
mit 20 Teilnehmern aus dem Landkreis Sächsische Schweiz & Decin
(Tschechien) durchführen. Projektarbeit und ein Abend in Litomerice sowie
ein Angebot verschiedenster Führungen und ein Zeitzeugengespräch in Prag
mit Besuch des Jüdischen Viertels warten in diesen vier Tagen auf die
Teilnehmer.
Sehr gute Erfahrungen in der Begegnungsstätte, Kontakte mit den
Mitarbeitern und Freiwilligen sowie den Möglichkeiten der
Auseinandersetzung mit den Geschehnissen in der Zeit des Dritten Reiches
konnten wir schon über die Jahre 2002/2003 sammeln. Wir verbrachten
Wochenendseminare mit einem Fotoworkshop oder einer Videoproduktion in
Theresienstadt.
Gerade die Auseinandersetzung mit der Geschichte am Ort des Geschehens und
die Dauer eines solchen verlängerten Wochenendes, im Vergleich mit den in
der Regel nur kurzzeitigen Besuchen im Rahmen des Schulunterrichts, machen
eine intensive und fundierte Arbeit möglich.
Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler, ab 16 Jahren, aus dem Landkreis
Sächsische Schweiz und Umgebung.
Dieses Seminar (incl. Referenten/Übernachtung/Vollverpflegung/Fahrt) wird
komplett über die Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
finanziert und durch den Verein Aktion Zivilcourage organisiert. Lediglich
20 Euro werden als Teilnahmebeitrag erhoben und gehen als Spende an die
Gedenkstätte.
Anmeldungen bitte an Sebastian Hilbert (s.hilbert@zivilcourage-pirna.de)
5. | :: STUDIE: JUNGE MENSCHEN WOLLEN SICH BETEILIGEN ::
Studie identifiziert fünf Handlungsfelder zur Stärkung der
Mitwirkungsbereitschaft
Junge Menschen würden sich stärker als bisher in die Gestaltung des
Gemeinwesens einbringen, wenn sie dafür gute Rahmenbedinungen hätten. Das
zeigt eine aktuelle Untersuchung, die die Bertelsmann Stiftung im Rahmen
des Projektes "mitWirkung!" durchgeführt hat. Über 12.000 Schülerinnen und
Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren wurden zu ihren
Mitwirkungsmöglichkeiten und politischen Einstellungen befragt. Der Studie
zufolge finden fast 70 Prozent, junge Menschen sollten in der Politik mehr
zu sagen haben und sogar 78 Prozent sind zu einer stärkeren Mitwirkung
bereit.
Die Untersuchung weist nach, dass die Mitwirkung von jungen Menschen durch
fünf gesellschaftspolitisch zu beeinflussende Faktoren gefördert werden
kann: Verbesserung des Informationsstandes über Mitwirkungsmöglichkeiten,
bedürfnisorientierte Beteiligungsangebote am Wohnort und in der Schule,
Qualifikation der Jugendlichen für Partizipationsprozesse sowie die
Förderung von Vereinsengagement sind die Hebel, um die
Beteiligungsbereitschaft zu steigern. Die Initiative "mitWirkung!" wird
diese Ansatzpunkte konzeptionell in der nun beginnenden Praxisphase mit den
Modellstädten Essen, Leipzig, Ahrensburg (Schleswig-Holstein) und Saalfeld
(Thüringen) aufgreifen.
Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse finden Sie im Bericht "Kinderund
Jugendpartizipation in Deutschland - Daten, Fakten, Perspektiven", der
unter
http://www.mitwirkung.net/cps/rde/xbcr/mitwirkung/Kurzbericht_pdf_Version.pdf
zum Download bereit steht.
6. | :: ZIVILCOURAGE FÄNGT IM KLEINEN AN ::
Zivilcourage ist immer dann nötig, wenn man feststellt, dass ungerecht oder
falsch gehandelt wird, ohne dass jemand dagegen einschreitet. Wer dann mit
Worten oder Taten aktiv wird, ohne sich von möglichen Nachteilen
abschrecken zu lassen, der beweist Zivilcourage. Schreiben Sie uns Ihre
Erfahrungen oder Erlebnisse auf, in den Zivilcourage erfolgte.
Die Bewertung der Einsendungen erfolgt durch eine unabhängige Jury. Die
eindrucksvollsten Arbeiten werden prämiert. Anhand ausgewählter Beiträge
soll ein Lesebuch entstehen.
Das können Sie gewinnen:
15 erste Preise: Teilnahme an einer Studienreise
15 zweite Preise: je ein Buch im Wert von 25 ¤
15 dritte Preise: je ein Buch im Wert von 15 ¤
Jeder Teilnehmer erhält kostenlos das Lesebuch. Schriftliche Beiträge
sollen maschinengeschrieben und höchstens 3 DIN A4 Seiten umfassen. Sie
müssen bisher unveröffentlicht sein. Mit Einreichung einer Arbeit
übertragen Sie dem Veranstalter die Nutzungsrechte. Rechtsansprüche
bestehen keine. Jeder Einsender darf nur einen Beitrag einreichen. Es
erfolgt keine Rücksendung der Arbeiten. Bitte richten Sie Ihre Einsendung
bis zum 10. Dezember 2005 an die Sächsische Landeszentrale für politische
Bildung, Frau Dr. Eva-Maria Zehrer, Schützenhofstraße 36, 01129 Dresden
Sie können Ihren Beitrag auch per E-Mail schicken:
doris.pantuschky@slpb.smk.sachsen.de
7. | :: GEDENKSTÄTTENFAHRT NACH AUSCHWITZ / BIRKENAU ::
Die Sächsische Landjugend e.V. und der Deutsche Kinderschutzbund e.V.,
Ortsverband Nossen e.V. veranstalten vom 20. bis 23. Oktober 2005 eine
Gedenkstättenfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz /
Birkenau. Neben der Besichtigung der zwei Gedenkstätten werden Zeitzeugen
interviewt und der Ort Oswiecim besichtigt. Außerdem stehen eine Führung
durch das jüdische Viertel Kazimierz in Krakau und ein Stadtrundgang durch
Krakau (Synagoge, jüdischer Friedhof, ehem. Nazighetto in Podgorze) auf dem
Programm. Da die Fachfahrt durch das DPJW (Deutsch Polnisches Jugendwerk)
und das Landratsamt Mittweida gefördert werden, beträgt der
Teilnehmerbetrag nur 80,00 Euro inklusive Vollverpflegung, Fahrtkosten,
Übernachtung und Eintritt. Teilnahmeberechtigt sind Jugendliche und junge
Erwachsene bis 27 Jahren.
Anmeldungen bis spätestens 30.09.2005 an:
Sächsische Landjugend e.V., Schnorrstr. 70, 01069 Dresden,
Tel.: 0351 / 4717822 oder sylvia.dressler@landjugend-sachsen.de oder
Mandy Wiesner Tel.: 0162 / 6157701
8. | :: WORKSHOP FÜR LEHRER/-INNEN & DER BESCHÄFTIGTE JUGENDARBEIT ::
Wie lässt sich kulturelle Vielfalt gezielt im Unterricht und in der
Jugendarbeit thematisieren? Welche Lernmaterialien können Kinder und
Jugendliche dazu anregen, ein offenes Verhältnis zu anderen
gesellschaftlichen Gruppen zu entwickeln?
Wenn Kinder und Jugendliche einen respektvollen Umgang mit Vielfalt lernen,
hat das langfristig positive Auswirkungen auf das Klima in Schule und
Jugendeinrichtungen: Abgrenzung, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und
Gewalt werden vermindert; das Selbstbewusstsein gestärkt; eine
kooperativere und produktivere Atmosphäre und größere Verbundenheit mit der
eigenen Schule oder Jugendeinrichtung können entstehen.
Das Anne Frank Zentrum bietet einen eintägigen Praxisworkshop zu
interkultureller Kompetenz an. Dabei finden auch altersgruppenspezifische
Lernmaterialien Verwendung, die in Zusammenarbeit mit zahlreichen
Lehrerfortbildungsinstituten für den Deutsch-, Religions-, Philosophie-,
politische Weltkunde- sowie Geschichts- und Sozialkundeunterricht
entwickelt wurden, sich aber auch fachübergreifend und in der
außerschulischen Jugendarbeit einsetzen lassen.
Der Workshop findet am Mittwoch, den 21. September 2005, in der Zeit von 12
Uhr bis 18 Uhr im Anne Frank Zentrum statt. Im Teilnahmebeitrag von 45,00
Euro ist ein interkulturelles Lernpaket enthalten.
Anmeldeschluss ist der 14. September 2005. Die Veranstaltung ist vom LISUM
als Lehrerfortbildung anerkannt und hat die Nummer 05.2-1149. Für weitere
Informationen und die Anmeldung wenden Sie sich bitte an Herrn Georg Rohde,
Tel. 030/30872988 oder per E-Mail: <rohde@annefrank.de>.
Bitte geben Sie bei einer Anmeldung auch an, mit welcher Altersgruppe Sie
vor allem arbeiten.
http://www.annefrank.de/
9. | :: ÜBERREGIONALE AKTIONSWOCHE GEGEN ANTISEMITISMUS 2005 ::
Lokale Kooperationspartner gesucht. Friedhofsschändungen, antisemitische
Schmierereien an Hauswänden und Denkmälern, judenfeindliche Äußerungen auf
Demonstrationen, "du Jude" als Schimpfwort auf Schulhöfen, Übergriffe auf
Personen; die Liste antisemitischer Straf- und Gewalttaten der letzten
Monate ist lang. Eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik findet
jedoch in den Medien und somit einer breiten Öffentlichkeit kaum statt.
Diese Vorfälle zu thematisieren und eine nachhaltige Diskussion über
aktuelle Erscheinungsformen von Antisemitismus in der bundesdeutschen
Gesellschaft anzuregen, ist das Ziel der "Aktionswochen gegen
Antisemitismus" rund um den 9. November. Aus diesem Grund ruft die Amadeu
Antonio Stiftung interessierte Initiativen und Vereine vor Ort auf, sich
mit vielfältigen Projekten an den Aktionswochen zu beteiligen. Denkbare
Veranstaltungen sind u.a. Vorträge, Diskussionsrunden, Lesungen,
Ausstellungen, Filmvorführungen, Stadtrundgänge.
Sämtliche Veranstaltungen werden im Internet auf www.projekte-gegenantisemitismus.
de veröffentlicht. Darüber hinaus wird die Amadeu Antonio
Stiftung u.a. mittels einer Pressekonferenz und eines gemeinsamen Plakats
die Aktionswochen öffentlichkeitswirksam begleiten. Neben der Präsentation
der einzelnen Veranstaltungen steht hierbei die Vermittlung der
alltäglichen Arbeit der einzelnen Projekte gegen Antisemitismus im
Vordergrund.
Wenn sie Interesse an der Durchführung einer oder mehrerer Veranstaltungen
haben, nehmen sie bitte Kontakt mit der Amadeu Antonio Stiftung auf. Wenn
ihnen die Möglichkeit zur Umsetzung einer Idee fehlt, können sie sich
ebenfalls gerne bei der Stiftung melden. Wir entwickeln dann gemeinsam mit
ihnen Aktivitäten und unterstützen sie mit der Vermittlung von
Referent/innen etc.
Die von der Amadeu Antonio Stiftung konzipierte Wanderausstellung "Eine
alltägliche Bedrohung - aktueller Antisemitismus in Deutschland und
Europa", die über Ursachen und Funktionen von Antisemitismus und seine
Geschichte aufklärt, kann bei der Stiftung ausgeliehen oder gekauft werden.
Wenn sie Interesse haben, die Ausstellung in ihrem Ort oder ihrer Region zu
zeigen, melden sie sich bitte bei uns. Wir unterstützen sie auch gern bei
der Planung und Durchführung von Begleitveranstaltungen wie zum Beispiel
Vorträge oder Lesungen.
Das Projekt der Amadeu Antonio Stiftung wird gefördert im Rahmen des
Programms CIVITAS - initiativ gegen Rechtsextremismus in den neuen
Bundesländern.
Kontakt: Amadeu Antonio Stiftung | www.amadeu-antonio-stiftung.de |
Linienstraße 139 | 10115 Berlin
- Ansprechpartnerinnen
-
Heike Radvan | 030 - 240 886 12 | heike.radvan@amadeu-antonio-stiftung.de
Berit Lusebrink 030 - 240 886 13 | berit.lusebrink@amadeu-antonio-tiftung.de
9. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::
UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS
Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus
dem Landkreis Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer
und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten,
Druckkosten und vieles mehr bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen
wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie
regelmäßig eine Spende von Ihrem Bankkonto abbuchen oder überweisen Sie
eine einmalige Spende direkt auf unser Konto. Für eine regelmäßige
Förderung laden Sie bitte das Formular (PDF-Format) http://www.aktionzivilcourage.
com/downloads/assets/spende.pdf) herunter, drucken es aus,
tragen die entsprechenden Daten ein und senden es per Post oder Fax an
unseren Verein. Für eine einmalige Spende finden Sie unsere Bankverbindung
untenstehend. Natürlich senden wir Ihnen auf Wunsch auch eine
Spendenquittung zu.
Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 310 006 839 3 | BLZ: 850 503
00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"
10. | PRESSESCHAU:
+++ Oswiecim: Bericht über Gedenkstättenfahrt +++
+++ bundesweit: Die Neuen Ziele der NPD +++
+++ Sächsische Schweiz: U18 - Die NPD schließt am besten ab +++
+++ Sachsen: Staatsanwalt fordert "Aufstand der Zuständigen" +++
+++ Reinhardtsdorf-Schöna: Ein Dorf kämpft gegen braunes Image +++
+++ Leipzig: "Wir wollen wieder ganz normale Bürger sein" +++
+++ Sebnitz: Eine Stadt probt den Ungehorsam +++
+++ Sächsische Schweiz: Schwarzer Wahlkampf mit braunen Parolen +++
Quelle: TeilnehmerInnen der Gedenkstättenfahrt Oswiecim von AUGEN AUF
e.V und Aktion Zivilcourage e.V
"Die Deutschen, die heute nach Auschwitz kommen, sind Missionare!"
AUGEN AUF e.V § Aktion Zivilcourage e.V. veranstalteten, vom 08.09 -
12.09.05, gemeinsam eine Gedenkstättenfahrt noch Oswiecim (Auschwitz)
Noch ein letzter Blick aus dem Fenster, dann verschwindet auch der letzte
Wachturm hinter der Kurve. Mit einem eigenartigen Gefühl im Bauch drehe ich
mich um und überschaue die Reihen unseres Reisebusses, von dessen Sitzen
mir nachdenkliche Blicke begegnen. Ich kann sie gut verstehen, denn in den
fünf Tagen unserer Gedenkstättenfahrt nach Oswiecim (Auschwitz) ist unsere
22-köpfige bunte Truppe zu einem großen Freundeskreis zusammengewachsen.
Gemeinsam haben wir die schier unfassbaren Bilder, welche auf uns im
Konzentrationslagers Auschwitz, vor allem aber in Birkenau, einwirkten, zu
verarbeiten versucht. Schon die
ersten beiden Tage wurden dem Schwerpunkt der Reise, der Ausstellung im
sogenannten Stammlager "Auschwitz I" sowie der Gedenkstätte Birkenau
("Auschwitz II") gewidmet.
In den jeweils dreistündigen Führungen erhielten wir Einblicke in den
Lageralltag der Gefangenen sowie die Entwicklung des Konzentrationslagers
vom kleinen Kasernengelände zum Zentrum der organisierten Ermordung von
insgesamt 1,5 Millionen Menschen aller Gesellschaftsschichten und
verschiedener Nationen - polnische Intellektuelle, sowjetische
Kriegsgefangene, Minderheiten wie Juden, Sinti & Roma und Zeugen Jehovas,
aber auch Behinderte, Asoziale und Homosexuelle. Diese Darstellung der
Geschichte wirkte auf uns alle viel greifbarer und intensiver als jede
Unterrichtsstunde, weil sich so die Dimensionen der bloßen Fakten und
Zahlen langsam zu einem ungefähren Bild formieren konnten.
Am Nachmittag konnten unsere Eindrücke noch einmal durch ein Gespräch mit
dem Zeitzeugen Kazimir Smolen ungemein bereichert werden. Der polnische
Widerstandskämpfer wurde Dank seiner Kenntnisse in Deutsch und
Maschinenschreiben nicht in einer der umliegenden Fabriken, sondern im
lagerinternen Verwaltungszentrum eingesetzt und erhielt so eine etwas
höhere Überlebenschance.
Trotz seiner schrecklichen Erlebnisse während der fünfjährigen
Gefangenschaft kehrte er nach erfolgreichem Jurastudium 1955 dorthin zurück
und wurde Leiter des "Museums Auschwitz", das 1979 zum UNESCOWeltkulturerbe
ernannt wurde. Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war die
intensive Beschäftigung mit der jüdischen Kultur und Geschichte. So
besuchten wir unter anderem die ehemalige Synagoge in Oswiecim und das
jüdische Viertel "Kazimierz" (auch bekannt als Drehort für den Film
"Schindlers Liste") in Krakau, welche zwar beide gut saniert wurden, leider
aber nur noch wenige Juden beheimaten. Außerdem hielten unsere Betreuer
Angebote wie Bücher und Filme über dieses Thema und Malmaterialien zur
(künstlerischen) Verarbeitung des Gesehenen bereit. Wie wichtig gerade ihr
Beistand war, spürten besonders jene, welche zum ersten Mal ein
Konzentrationslager dieser Größe besichtigten.
Imke, Rahel, Sebastian ("Aktion Zivilcourage" aus Pirna), Armin und Bernd
(beide vom "Augen Auf! e.V." Großhennersdorf) brachten uns nicht nur
Respekt, Vertrauen und ehrliche Freundschaft entgegen, sondern kümmerten
sich ebenso gewissenhaft um die organisatorischen Dinge.
Kulturell abgerundet wurde die Fahrt schließlich durch eine mehrstündige
Besichtigung der Stadt Krakau, die heute noch eines der wichtigsten
Wissenschaft- und Kulturzentren Polens und, wie wir fanden, nicht ohne
Grund ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe ist. Eine Vielzahl an Bauwerken der
Gotik, der Renaissance, des Barock und späterer Epochen (zum Beispiel
Jugendstil) prägen das Bild der alten Stadt, über der alles beherrschend
die Ruhestätte Augusts des Starken thront: die, wie die meisten fanden,
wunderschöne Wawel-Burg.
Leider war unser Zeitkonto eng bemessen und so beschloss ein Großteil der
Gruppe kurzerhand, sich spätestens im nächsten Sommer noch einmal privat,
am Besten gleich mit der selben Gruppe nach "Kraków" aufzumachen. Ein
Erlebnis der ganz besonderen Art erwartete uns auch am letzten Abend: der
Besuch eines jüdischen Restaurants mit typisch jüdischem, also koscherem
Essen ,dazu passender Musik und der Atmosphäre aus Bella Chagalls Büchern.
Spätestens jetzt waren wir uns alle einig: die Fahrt war ein großer Erfolg
und sollte als jährliches Projekt ausgebaut werden, vor allem auch, damit
so viele Menschen wie möglich sich selbst ein Bild von den schrecklichen
Folgen der blutigen Nazi-Diktatur, aber auch vom heutigen Polen machen
können.
Auschwitz gilt als Symbol für den während des Zweiten Weltkriegs von den
Nationalsozialisten begangenen Holocaust, für uns aber nun auch als eine
Stätte der Versöhnung: Fast alle Einheimischen begrüßten uns ohne
Vorurteile, sondern mit großer Freude und Fürsorge.
Im Idealfall gelingt bei einer solchen Fahrt beides: die Aufklärung über
die Verbrechen an der Menschlichkeit und der Abbau bestehender Vorurteile,
um rechtsextremen Gedankengut den Nährboden zu entziehen. "Die Deutschen,
die heute nach Auschwitz kommen, sind Missionare!", bekräftigte auch
Kazimir Smolen # ( Autorinnen: Annegret, Fanny, Kati Der Artikel wurden von
TeilnehmerInnen der Gedenkstättenfahrt geschrieben)
Die Fahrt wurde durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk, den Landkreis
Sächsische Schweiz sowie durch das sächsische Landesprogramm "Tolerantes
Sachsen" unterstütz.
Quelle: Quelle: Berliner Zeitung, 15.09.2005
Neue Ziele
Nach der Bundestagswahl wird sich die NPD entweder radikalisieren oder im
Osten festsetzen
Über mangelnde Präsenz in den Medien während der heißen Phase des
Bundestagswahlkampfes braucht sich die NPD nicht zu beklagen. Die
öffentlich angekündigte Verteilung der so genannten Schulhof-CDs mit
rechtsradikaler Musik, die (gescheiterten) Klagen auf Teilnahme an
Talkshows in ARD und ZDF, die Nachnominierung des rechten Schlachtrosses
Franz Schönhuber für den nach dem Tod einer NPD-Spitzenkandidatin vakant
gewordenen Dresdner Wahlkreis 160, der Prozess gegen den Parteivorsitzenden
Udo Voigt - all das bescherte der rechtsextremen Partei in den letzten
Wochen Schlagzeilen. Der NPD schien damit eine Bedeutung im politischen und
gesellschaftlichen Gefüge der Bundesrepublik zuzuwachsen, die die MiniPartei
tatsächlich nicht besitzt.
Denn natürlich wird die NPD am kommenden Sonntag bei der Bundestagswahl
deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Auch das von der
Parteiführung - gleichwohl immer leiser - beschworene Ziel, mit der
Erringung von drei Direktmandaten doch noch den Einzug in den Bundestag zu
schaffen, ist vollkommen unrealistisch. Die Rechtsextremen werden -
vielleicht abgesehen von zwei, drei Wahlkreisen in Sachsen, wo sie
zweistellige Stimmergebnisse einfahren könnten - unter ferner liefen
einkommen.
In der NPD-Spitze weiß man das, und längst hat auch dort schon die Debatte
über die künftige Strategie der Partei nach der Wahl eingesetzt. Wie diese
Strategie aussehen soll, wird ganz entscheidend von dem Wahlergebnis am
Sonntag abhängen.
Der worst case aus Sicht der NPD wäre ein Ergebnis im Bereich der letzten
beiden Bundestagswahlen, als die Partei Stimmenanteile von 0,4
beziehungsweise 0,5 Prozent erreichte. Das nach den Debakeln bei den
diesjährigen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen
ohnehin angeschlagene "Volksfront-Bündnis" mit der parteiunabhängigen
Neonazi-Szene würde eine solche neuerliche Wahlschlappe kaum verkraften
können. Schon jetzt mehren sich bei den rechten Kameraden, aber auch in
radikalen Kreisen innerhalb der Partei Stimmen, die der NPD Bürgerlichkeit
und eine zu starke Fixierung auf den Parlamentarismus vorwerfen. Bleibt die
NPD am Sonntag unter einem Prozent, dürften sich daher viele Neonazis aus
der rechten "Volksfront" zurückziehen. Und auch der NPD würden wohl heftige
parteiinterne Flügelkämpfe bevorstehen, die in einem Sturz der bisherigen
Führung münden könnten. Die Folge wäre in beiden Fällen eine
Radikalisierung der rechten Szene, da dann jene Kräfte die Oberhand
gewinnen, die einen gewaltsamen Umsturz der Gesellschaft propagieren.
Die Alternative zu diesem Worst-Case-Szenario ist derzeit aber
wahrscheinlicher: Die NPD holt am Sonntag zwei bis drei Prozent, die
Parteispitze bleibt damit handlungsfähig und kann einen Strategiewechsel
einleiten. Der dürfte so aussehen, dass die NPD ihre bundesweiten
Ambitionen vorerst hintanstellt und sich auf einen Ausbau der
Parteistrukturen im Osten Deutschlands konzentriert.
Schließlich hat die NPD - prozentual gesehen - mehr Wähler im Osten als im
Westen. Auch kann sie sich hier mehr als im Westen auf - auch
länderübergreifend - funktionierende Neonazi-Strukturen stützen.
Die Aussichten der rechtsextremen Partei, in absehbarer Zeit in die
restlichen drei Ost-Landtage von Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und - im
Verbund mit der DVU - Sachsen-Anhalt einzuziehen, sind daher nicht
schlecht. Zumal eine mögliche große Koalition im Bund den Anteil der
Protestwähler, die ihre Stimme lieber extremistischen Parteien geben, um
die etablierten zu ärgern, in den kommenden Jahren eher vergrößern dürfte.
(Andreas Förster)
Quelle: Berliner Zeitung, 15.09.2005
Quelle: Quelle: Pressemitteilung Jugendring Sächsische Schweiz Pirna,
14.09.05
U18 Wahlen im Landkreis Sächsische Schweiz
Unter dem Motto "Wir fangen schon mal an! - Jugend wählt" initiierte das
Berliner Netzwerk U18 erstmals in ganz Deutschland ein U18- Wahl. Eine
Woche vor der eigentlichen Bundestagswahl waren Jugendliche unter 18 Jahren
aufgerufen ihre Erst- und Zweitstimme bei einer U18- Bundestagswahl
abzugeben. Für diese Aktion suchte das Netzwerk im gesamten Bundesgebiet
interessierte Projekte, welche sie mit der Einrichtung eines Wahllokales
unterstützen können.
JugendLand - ein Projekt des Jugendring Sächsische Schweiz e.V. beteiligte
sich mit einem mobilen Wahllokal an dieser Aktion. In der Zeit vom
31.08.2005 bis zum 09.09.2005 wurde die Wahl im ländlichen Raum des
Landkreises Sächsische Schweiz durchgeführt. Insgesamt nahmen 371
WählerInnen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren daran teil. Die meisten
Erststimmen entfielen auf den Kandidaten der NPD. Die NPD erreichte mit
28,07% auch die meisten Zweitstimmen. In der weiteren Reihenfolge folgen
Linkspartei.PDS, SPD und CDU. Unter 10% der Zweitstimmen entfielen auf die
FDP, die Grünen und sonstige Parteien. Die Detailergebnisse sind im
nachfolgenden Diagramm dargestellt.
Das Projekt JugendLand zeigt sich angesichts dieser Zahlen enttäuscht,
gleichwohl es nicht überraschend für uns war. Wir fordern die Politik, die
Verwaltung und die mündigen Bürger auf sich mit den Zahlen auseinander zu
setzen und in die inhaltliche Auseinandersetzung mit der NPD zu treten.
Quelle: DNN online 15.09.2005
Staatsanwalt fordert "Aufstand der Zuständigen"
Um den Rechtsextremismus im Freistaat Sachsen zurückzudrängen, sei nicht
nur ein "Aufstand der Anständigen" erforderlich, sondern auch ein "Aufstand
der Zuständigen". Das sagte Jürgen Schär, Leiter des Staatsschutzdezernats
der Staatsanwaltschaft Dresden, am Dienstagabend auf einer
Podiumsdiskussion. "Diese Ergänzung ist wichtig. Politik, Schulen, Polizei
und Justiz haben eine Verantwortung, der sie sich bewusst werden müssen."
Im Freistaat Sachsen sei die Zahl rechtsradikaler Gewalttäter wesentlich
höher als im Bundesgebiet. Kämen deutschlandweit auf 100.000 Einwohner
zwölf gewaltbereite Skinheads, so seien es in Sachsen 37. Schär sagte, aus
seiner Sicht böte das Strafrecht ausreichende Möglichkeiten, um
rechtsextreme Gewalttaten zu verfolgen. "Es muss aber auch der
Strafverfolgungswillen vorhanden sein", mahnte er an.
Außerdem müsse sich die Justiz mehr den Opfern von rechtsextremen
Straftaten zuwenden. Es gehe darum, Vertrauen zwischen den Geschädigten und
dem Staat aufzubauen. "Da ist die Polizei gefordert, die die Anzeigen der
Opfer aufnimmt. Da sind die Richter gefordert, die die Geschädigten als
Zeugen vernehmen. Sie haben eine Fürsorgepflicht. Und da sind die
Verteidiger gefordert, die fair mit den Opfern im Zeugenstand umgehen
sollten." Schär forderte die Anwaltschaft auf, sich stärker der
Nebenklagevertretung in Prozessen gegen rechte Gewalttäter zu widmen.
Forderungen, die Schulhof-CD der NPD zu verbieten, erteilte Schär eine
Absage. Die rechtsextreme Partei habe im Gegensatz zu früheren CDs alles
strafrechtlich relevante Material herausgenommen. Es gebe für die Justiz
keine Möglichkeit zum Einschreiten. Die Schulleiter könnten aber ihr
Hausrecht geltend machen, wenn die NPD im Wahlkampf die CD vor Schulen
vertreibt.
Auf der gleichen Podiumsdiskussion machte Cornelius Weiß, Vorsitzender der
SPD-Landtagsfraktion, 14 Jahre Alleinregierung der CDU in Sachsen mit für
das Erstarken des Rechtsextremismus verantwortlich. "Hochmut und Arroganz
der Macht haben nach 1990 die Entwicklung der Demokratie verhindert. Das
Entstehen und Erstarken rechtsextremer Strukturen wurde von der CDU
verschlafen." (Thomas Hartwig)
Quelle: Sächsische Zeitung, Mittwoch, 14. September 2005
Ein Dorf kämpft gegen sein braunes Image
Lesung. Reinhardtsdorf- Schönaer wollen künftig mehr redenund weniger
wegschauen.
"Reinhardtsdorf-Schöna, ein paar Kilometer elbaufwärts von Königstein. Es
ist das letzte Dorf vor der tschechischen Grenze, die Landschaft ist so
romantisch und deutsch, dass es von ganz alleine tümelt", liest Toralf
Staud aus seinem neuen Buch "Moderne Nazis" und erzeugt ein Schmunzeln bei
den Zuhörern. Diese schauen jedoch gleich wieder ernst, denn der nächste
Satz beschreibt die harte Realität des Ortes: "Hier holte die NPD im Jahr
2004 mit 25,2 Prozent ihr sächsisches Rekordergebnis."
Montagabend in der Kaiserkrone in Schöna: Die Gaststube ist mit rund 50
Personen gut gefüllt. Mittendrin sitzt Staud. Die örtliche Bürgerinitiative
gegen Rechtsextremismus hat den Autor und Journalisten zur Lesung
eingeladen. Schließlich kommt Reinhardtsdorf im Kapitel "Die netten Nazis
von nebenan" vor. Die Bürgerinitiative will mit der Veranstaltung nicht nur
aufklären, sondern kurz vor dem Wahlsonntag den Einwohnern mit auf den Weg
geben: "Nicht und Frust wählen stärkt rechtsextremistische Parteien", sagt
Bianca Richter, 26 Jahre und eine der sechs führenden Köpfe der Initiative.
In der anschließenden Diskussion ist von Rufmord die Rede und von der Sorge
um die Ferienregion auf Grund des bundesweit braunen Images. Auch werden
Vorbehalte gegen das "fremde" Kulturbüro Sachsen geäußert, das für die
Jugend im Dorf etwas machen will. "Wir sollten nichts verharmlosen, denn
eines steht fest: Wir haben Probleme", hält Michael Wacker dagegen und
erinnert sich an die Traube Jugendlicher, die sich bei der Kirmes 2004 um
NPD-Kreisgröße Uwe Leichsenring gebildet hat. In den Familien müsse mehr
mit den Jugendlichen gesprochen werden, sagt er. Mit ihnen reden, nicht
wegschauen - das ist auch die Meinung von Christiane Rau, die dafür
zustimmendes Nicken erntet. Die örtliche Pfarrerin engagiert sich gegen die
NPD, ihre Pfarrstelle wurde jedoch jetzt gestrichen.
Über die NPD aufklären
Die Lesung war nicht im Amtsblatt angekündigt. Die Initiative wollte laut
Richter so einen Besuch von Rechten verhindern, wie ihn die CDU bei ihrem
kürzlichen Wahlkampfauftritt im Ort erleben musste. Diesmal kommt keiner
von ihnen. Nur NPD-Gemeinderat Mario Viehrig taucht kurz auf; dass er nicht
eingelassen wird, akzeptiert er jedoch ohne große Worte. CDU-Bürgermeister
Arno Suddars ist übrigens auch nicht da, auf Grund eines Termins, begründet
er.
Die Bürgerinitiative hat sich vor der Landtagswahl 2004 gegründet und
versucht seither über die NPD aufzuklären. In den nächsten Tagen fragt sie
in einem Workshop im Pfarrhaus zusammen mit dem Projekt
"DemokratieAnStiftung" danach, wie man mit der NPD umgehen sollte. Doch der
örtliche Widerstand gegen die rechte Partei kam lange nicht über ein
kleines Häufchen Aktiver, wie es Toralf Staud in seinem Buch formuliert,
hinaus. Zumindest am Montagabend schien es so, als wollten die
Reinhardtsdorfer daran etwas ändern. (Von Marco Mach)
Toralf Staud, Moderne Nazis, Die neuen Rechten und der Aufstieg der NPD,
KiWi, 232 Seiten, Preis: 8,90 Euro
Quelle: Sächsische Zeitung, Mittwoch, 14. September 2005
"Wir wollen wieder ganz normale Bürger sein"
Geschichte. Vor 150 Jahren wurde die Große Synagoge in Leipzig geweiht.
Heute ist der Ort eine Gedenkstätte.
Für Küf Kaufmann, den Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde,
war der vergangene Sonnabend kein Tag wie jeder andere. Zum einen war
Schabbat, der wöchentliche jüdische Feiertag. Zum anderen jährte sich der
Tag, an dem vor 150 Jahren die Große Synagoge in Leipzig geweiht wurde.
Das mächtige Gotteshaus mit Platz fiel in der Nacht vom 9. zum 10. November
1938 dem Nazi-Pogrom zum Opfer, so wie überall in Deutschland die Synagogen
brannten und den Auftakt gaben zum systematischen Massenmord. Heute steht
an der Stelle des schon kurz darauf abgebrochenen Gotteshauses - die
Rechnung dafür musste die jüdische Gemeinde selbst bezahlen - ein
eindrucksvolles Denkmal. 140 Bronzestühle bilden die Grundfläche im
Kirchenschiff nach, das allerdings einst über 1 000 Glübigen Platz bot. Der
unbebaute Raum im Freien, direkt an der Kneipenmeile Gottschedstraße, wirkt
auf Unkundige zunächst etwas verwirrend. Doch die Stühle sollen zum Platz
nehmen, Verweilen und Nachdenken einladen - und erfüllen durchaus ihren
angedachten Zweck. Gefeiert in der Öffentlichkeit wird also das Datum
nicht, und das wohl auch, weil selbst 60 Jahre nach dem Ende des Grauens
die Geschichte noch Nachwirkungen zeigt und nicht alles vernarbt ist.
Von der einst die Stadtkultur mitprägenden jüdischen Gemeinde mit rund 14
000 Mitgliedern überlebten nur etwa 200, davon nur ein Bruchteil in der
Stadt selbst. Doch auch nach der Gründung der DDR blieben die Menschen
jüdischen Glaubens trotz der offiziell verkündeten Religionsfreiheit im
Spannungsbogen der israelfeindlichen Außenpolitik und der Verstaatlichung
und Abschottung nach Westen, von der auch der Pelzhandel, der wichtigste
Einkommenszweig der Juden in Leipzig, betroffen war. Immerhin wurde 1962
ein bescheidener Gedenkstein für die Synagoge errichtet. Seit dem Fall der
Mauer allerdings wächst die Gemeinschaft wieder, vorrangig durch den Zuzug
von osteuropäischen Einwanderern, zu denen auch Kaufmann zählt.
Als Szenewirt bekannt
"Wir wollen wie vor der Nazizeit wieder ganz normale Bürger sein, wir
wollen die Vielfalt der Kultur, die Vielfalt der Religionen bereichern,
aber offen für alle sein", berichtet Kaufmann. Und räumt ein, dass die
Rückkehr zur absoluten Normalität vielleicht noch nicht in jedem Detail
Realität, sondern noch ein Stück Traum dabei sei. "Aber zum Abschlussfest
der Jüdischen Woche in diesem Sommer haben wir es schon einmal gemeinsam
mit vielen Freunden leben können", sagt Kaufmann, der vielen Leipzigern als
Szenewirt und Veranstalter vieler kleiner Bühnenprogramme längst ein
Begriff ist. Damals im Juli kamen Hunderte, aus dem Ausland, von der wieder
über 6 000 Köpfe zählenden Gemeinde, aber auch aus der Nachbarschaft auf
das Gelände des künftigen Begegnungszentrums. "Wir sehen es auch gern, wenn
Nichtjuden in die Synagoge zum Beten kommen", sagt Kaufmann. Dort, in der
Keilstraße, hatten die Nazis 1938 kein Feuer gelegt, weil die Gebetsräume
mitten in einer Wohnbebauung liegen. Seit der Wende wird das Gebäude rund
um die Uhr von der Polizei bewacht. (Von Manfred Schulze)
Quelle: Berliner Zeitung, 13. September 2005
Eine Stadt probt den Ungehorsam - Schwarz auf weiß
Die Stadtverwaltung von Sebnitz wehrt sich dagegen, einen Artikel über
einen bekannten Neonazi in ihrem Amtsblatt unkenntlich zu machen
Das schöne große Fachwerkhaus in der Sebnitzer Rosenstraße steht nun schon
das fünfte Jahr leer. Die Schaufenster im Erdgeschoss sind vergittert, das
Apotheker-Zeichen am Haus ist überklebt. "Das Haus will keiner haben", sagt
der Sebnitzer CDU-Stadtrat Roland Henkel. "Wozu auch? Wenn Sie da unten
wieder eine Apotheke oder einen Laden reinmachen, gehen Sie pleite. Kein
Sebnitzer geht da mehr rein. Das Haus ist verhext."
Das verhexte Haus gehört noch immer der Familie Kantelberg-Abdulla, die das
sächsische Sebnitz vor fünf Jahren in die Schlagzeilen der Weltpresse
brachte. Ihr siebenjähriger Sohn Joseph war 1997 bei einem Badeunfall im
örtlichen Freibad ums Leben gekommen. Im November 2000 erhob Josephs Mutter
schwere Vorwürfe: Neonazis hätten ihren Sohn vor den Augen von Badegästen
ertränkt. Die Medien berichteten über den angeblichen "rassistischen Mord",
der Kanzler empfing die Mutter, es gab Gottesdienste für Joseph mit der
politischen Spitze des Freistaats in Sebnitz. Nach fünf Tagen aber kippte
die Geschichte, die Vorwürfe von Josephs Mutter stellten sich als haltlos
heraus, Zeugenaussagen als gekauft. Das Ermittlungsverfahren wurde
eingestellt, die Kantelberg-Abdullas zogen fort, irgendwo nach Hessen.
Sebnitz, am Rande der als NPD-Hochburg bekannten Sächsischen Schweiz
gelegen, kämpft seitdem gegen sein Image als Neonazi-Stadt an.
Man muss sich an all dies erinnern, will man den Streit um das "Sebnitzer
Grenzblatt" verstehen, den seit einem Jahr die Stadtverwaltung und der
sächsische Datenschutzbeauftragte ausfechten. Das "Grenzblatt", Amtszeitung
der Großen Kreisstadt Sebnitz, hatte im November 2003 einen Artikel der
Berliner Zeitung nachgedruckt. Darin wird der Werdegang des wegen
Volksverhetzung vorbestraften sächsischen Neonazis Mirko Hesse, der
verbotene Rechtsrock-CDs vertrieb und als V-Mann mit dem Verfassungsschutz
zusammenarbeitete, geschildert. Den Nachdruck des Artikels begründete die
Stadtverwaltung in ihrem Amtsblatt seinerzeit damit, dass der
"stadtbekannte" Neonazi Hesse sein "Tätigkeitsfeld" in den letzten Jahren
auch auf Sebnitz ausgedehnt habe.
Sachsens Datenschutzbeauftragten Andreas Schurig überzeugte dieses Argument
nicht. Er beanstandete die Veröffentlichung und verfügte schließlich im
vergangenen Herbst in einem Schreiben an die Stadt, den Artikel im bereits
erschienenen Amtsblatt nachträglich zu schwärzen. Durch die "eingetretene
Prangerwirkung" sei dem betroffenen Neonazi "eine schwere
Persönlichkeitsverletzung" entstanden, argumentierte der Datenschützer.
Auch habe der Artikel ausgedrückt, "dass die Gemeinde als öffentliche
Stelle das Handeln und die Person des Betroffenen missbilligt", heißt es in
dem Schreiben.
Die Sebnitzer Stadtverwaltung folgte zunächst der Anordnung aus Dresden,
auch wenn diese für sie rechtlich nicht bindend war. Aber von der
Schwärzung waren ohnehin nur einige, in Archiven und im Heimatmuseum
zugängliche Exemplare des Amtsblatts betroffen. Und außerdem hatte nun auch
Neonazi Hesse, gestärkt von den Argumenten des Datenschutzbeauftragten,
eine Schadenersatzklage gegen die Stadt auf den Weg gebracht.
Doch damit hatte Hesse keinen Erfolg. Schon sein Antrag auf
Prozesskostenbeihilfe scheiterte in zwei Instanzen, weil die Gerichte -
anders als der Datenschutzbeauftragte - keine
Persönlichkeitsrechtsverletzung sehen. Vielmehr sei der Artikel durch "das
berechtigte Interesse der Öffentlichkeit an Informationen über
verfassungsfeindliche, nationalsozialistische Aktivitäten gerechtfertigt",
wie das Pirnaer Amtsgericht erklärte.
Durch die Rechtsprechung ermutigt, will die Stadt Sebnitz jetzt die schon
erfolgte Schwärzung des umstrittenen Beitrags rückgängig machen - ob der
Datenschutzbeauftragte dem zustimmt oder nicht. Das aber könnte sogar die
Gerichte beschäftigen: Schließlich hat der Dresdner Datenschützer die
Möglichkeit, beim Landkreis als Rechtsaufsicht der Sebnitzer
Stadtverwaltung auf eine rechtlich bindende Anordnung zu dringen.
"Wenn es dazu kommt, dann wehren wir uns und tragen die Sache notfalls vor
Gericht aus", sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh. Man könne nicht immer nur
von den Bürgern fordern, Zivilcourage zu zeigen und über Rechtsextremisten
in unserer Mitte zu sprechen, fügt er hinzu. "Wir als Kommunalpolitiker
müssen das vorleben - auch und gerade hier in Sebnitz." (von Andreas
Förster)
Quelle: taz Nr. 7767 vom 13.9.2005, Seite 7, 102 Zeilen (TAZ-Bericht),
MICHAEL BARTSCH
Schwarzer Wahlkampf mit braunen Parolen
In der Sächsischen Schweiz wirbt die CDU um Anhänger der NPD, indem sie
deren Positionen teils kritiklos übernimmt
In Sachsen gerät erneut ein CDU-Bundestagsabgeordneter wegen seiner Nähe zu
NPD-Positionen in die Kritik. Für Diskussionen sorgt jetzt ein Auftritt des
Parlamentariers Klaus Brähmig von Ende August. Brähmig hatte in seinem
Wahlkreis Sächsische Schweiz zu einem Forum über Patriotismus und
Heimatstolz eingeladen. Die zahlreich anwesenden Mitglieder und
Sympathisanten der NPD, darunter der Landtagsabgeordnete Uwe Leichsenring,
hatten unter Anspielung auf Willy Brandts Warschauer Kniefall über die
"durchgescheuerten Knie" an den Hosen bundesdeutscher Politiker gespottet.
Brähmig begann seinen Redebeitrag mit der Bemerkung, er habe keine
durchgescheuerten Knie.
Leichsenring witzelte auf der Veranstaltung in Reinhardtsdorf-Schöna
gleichfalls in Richtung Union, es müsse ja nicht überall NPD draufstehen,
wo NPD drin sei. Hauptredner des von etwa 50 Personen besuchten Forums war
der ehemalige sächsische Kultusminister Matthias Rößler. Am Schluss sangen
die Besucher von CDU und NPD gemeinsam die Nationalhymne. In ReinhardtsdorfSch
öna hatte bei der Landtagswahl 2004 jeder vierte Wahlberechtigte NPD
gewählt.
Augenzeugin Petra Schickert vom Mobilen Beratungsteam Pirna vermisste auf
der Veranstaltung konsequente Gegenreden auf die NPD-Attacken. Lediglich
CDU-Landrat Michael Geisler habe eingewendet, Brandts versöhnender Kniefall
sei längst überfällig gewesen. Intern sei die Union ob ihrer Rechtsaußen
wie Brähmig aber gespalten, glaubt Schickert. Sie sieht eine Erschwerung
ihrer präventiven Arbeit gegen rechts, wenn es "eine schleichende
Verschiebung der Normalität durch laufende Tabubrüche" gebe.
Klaus Brähmig war schon in der Vergangenheit durch teils skurrile
Vorschläge aufgefallen. So sollten nach dem amerikanischen Mount-RushmooreVorbild
die Köpfe deutscher Unionskanzler in den Sandstein der Sächsischen
Schweiz gehauen werden. In der DDR hat es nach Brähmigs Auffassung "hundert
Prozent Arbeitslosigkeit" gegeben, weshalb man sich über die wenigen
derzeitigen Prozente nicht weiter aufregen sollte.
Den NPD-Erfolg bei der sächsischen Landtagswahl bagatellisierte der CDUBundestagsabgeordnete
auf einer Tagung über Auswirkungen auf den Tourismus.
Im Juli dieses Jahres antwortete er der Sächsischen Zeitung auf eine Frage
nach den EU-Grenzkontrollen: "An der polnischen-ukrainischen Grenze wäre
ein Stacheldraht oder ein Schutzwall ideal." Brähmig ist bekennender Freund
seines früheren Fraktionskollegen Martin Hohmann, der wegen einer als
antisemitisch kritisierten Rede vor zwei Jahren aus der CDU ausgeschlossen
wurde.
Der NPD-Landtagsabgeordnete und Pressesprecher des NPD-Landesvorstandes
Matthias Paul äußerte gegenüber der taz die Erwartung, dass der Rechtsruck
der CDU die NPD Stimmen kosten werde. Die Strategie, patriotische Themen zu
besetzen, sei teilweise aufgegangen. Wer Rot-Grün unbedingt abwählen wolle,
werde deshalb wieder der Union zuneigen. (MICHAEL BARTSCH)
Unsere Projekte werden gefördert durch: die DGB-Region Dresden - Oberes
Elbtal, das Bundesprogramm CIVITAS, die Amadeu-Antonio-Stiftung, das
Arbeitsamt Pirna, den Landkreis Sächsische Schweiz, die Stadt Pirna, die
Robert-Bosch-Stiftung, das Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich Böll
Stiftung, der Friedrich Ebert Siftung, der Deutschen Augentur für das EUAktionsprogramm
Jugend für Europa, der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung
und Zukunft" sowie durch www.raspunicum.de und www.4koepfe.de.
Die Aktion Zivilcourage unter VR 899 im Vereinsregister des Amtsgerichtes
Pirna als Verein eingetragen.
Bankverbindung: Ostsächsische Sparkasse Dresden, Kontonummer: 310 006 839 3
| BLZ: 850 503 00
Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V.
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