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Aktion Zivilcourage Pirna: Infomail (332) 17.06.2005

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## Nachricht vom 17 Jun 05 weitergeleitet

## Ursprung : S.ELLERSICK@SABINE.NADESHDA.ORG
## Betreff : +++ Infomail +++ (332) 17.06.2005
## Ersteller: post@zivilcourage-pirna.de (post@zivilcourage-pirna.de) ## Msg-ID : midrepl20050617134137W@newsmsgid.nadeshda.org


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E-Mail: post@zivilcourage-pirna.de | www.aktion-zivilcourage.net | www.respect05.de
INHALT
  1. ÖDÖN VON HORVATH - EIN KIND UNSERER ZEIT
  2. KONZERTE & PARTY ZUM PIRNAER STADTFEST IN DER S 55
  3. FACHTAGUNG "MOBILE JUGENDARBEIT IM LÄNDLICHEN RAUM SACHSENS"
  4. AUSSTELLUNG IM COPYSHOP KOPIELOT
  5. SPITZENMODERATION ZUM "RESPECT ... is the message" ...
  6. UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT
  7. PRESSESCHAU: + Dresden: Vier Verletzte bei Ausschreitungen + Pirna: Landrat Michael Geisler eröffnet Austellung "Opfer rechter Gewalt"

    + Sebnitz: Polizei befasst sich mit Hakenkreuz + Heidenau: Schüler zeigt Fotos aus Weißrussland + Leipzig: Apfelfront - Rundfrucht-Patrioten + Dresden: Ein Tuch für jeden Totgeschlagenen + Frankfurt (Oder): Exzess + Pirna: Euthanasie-Gedenkstätte präsentiert ein neues Denkmal-Projekt + Sachsen: NPD ohne Geld und Kondition


  1. | :: ÖDÖN VON HORVATH - EIN KIND UNSERER ZEIT ::

Stadtfest 17.06.05 auf der S 55
Ein jugendlicher Arbeitsloser auf der Suche nach einer Lebensaufgabe: In Reih und Glied findet er Halt und Geborgenheit, denn auf den Einzelnen kommt es nicht an. In der Armee hat sein Dasein endlich wieder einen Sinn und eine Zukunft. Er bekommt eine Uniform, zwei silberne Sterne und an seinem freien Sonntag verliebt er sich auf dem Rummelplatz in eine junge Frau. Doch bei einem Überfall der Armee auf ein kleines Land sucht sein Hauptmann den Freitod. Der junge Soldat will ihn zurückhalten, wird selbst verletzt und findet den Abschiedsbrief des Hauptmanns: Verzeiht mir, aber ich passe nicht mehr in diese Zeit. Ödön von Horváths 1938 erschienener Roman "Ein Kind unserer Zeit" zeichnet mit blitzhaftem Schreck das Bild zukünftiger Ereignisse. Vor seinem tragischen Tod wird Horváths letzte Dichtung zur nachdrücklichen Mahnung. Mit starken poetischen Bildern gelingt ihm die literarische Zeichnung der Ursachen: Die Niedertracht ist nicht mehr selbstverständlich. Das Satanische reflektiert sich. Die Idee der Schuld erscheint. Ein neues und großes Motto: Kälte als Schuld. (Franz Werfel) Ein Drittel der Erstwähler in Sachsen haben NPD gewählt. Ödön von Horváths Roman ist aktueller denn je und ein literarisches Ereignis.

20:00 Uhr Theaterstück des Dresdener Staatsschauspiels Ödön von Horváth, Ein Kind unserer Zeit; Es spielt: Frnak Genser

S55 | Schmiedestr.55 | Pirna | www.uniwerk.de


2. | :: KONZERTE & PARTY ZUM PIRNAER STADTFEST IN DER S 55 ::

Vasile Gutman Ensemble und Frontalgebläse rocken die Stadt
Stadtfest 17.06.05 - danach ab ca.22:00 Uhr *Vasile Gutman Ensemble. Das "Vasile Gutman Ensemble" ist eine mitreißende Blaskapelle, die sich der rumänischen Zigeunermusik verpflichtet hat. Die Musiker des Orchesters stammen aus dem berühmten rumänischen Zigeunerdorf Zece Prajini, wo virtuose Musik nach traditionsgemäß von den Älteren an die Jugend weitergegeben wird. Mit seiner Musik konnte das "Vasile Gutman Ensemble" auf verschiedenen Volks- und Stadtfesten schon viele Menschen begeistern, so auf dem Filmfest in Locarno und in unserer Region z.B. auf dem Elbhangfest in Dresden und auf dem Radebeuler Weinfest. (anschl. Party) Am Sonnabend den 18.06.05 ab 22:30 Uhr, Frontalgebläse - Funky Jazz aus Dresden- entfachen mit Energie und Spiellaune ein musikalisches Feuerwerk, das kein Tanzbein ruhig bleiben lässt. www.frontalgeblaese.de (anschließend DJ God & Ghost DJ Mr. Nap)

Infos unter www.uniwerk.de


3. | :: FACHTAGUNG "MOBILE JUGENDARBEIT IM LÄNDLICHEN RAUM SACHSENS" ::

Zu dieser Veranstaltung sind interessierte MitarbeiterInnen der Mobilen Jugendarbeit im ländlichen Raum Sachsens, Bürgermeisterinnen sowie andere InteressentInnen recht herzlich eingeladen. Der Fachtag findet statt: Donnerstag, 16. Juni 2005, 10.00 - 17.00 Uhr | Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Semperstraße 2a, 01069 Dresden | Hörsaal, 3. Etage
Unter anderem erwartet die TeilnehmerInnen ein Fachvortrag von Frau Ute Opitz-Karig, die die Studie des Deutschen Jugendinstituts zum Thema "Jugendarbeit im ostdeutschen ländlichen Raum" leitete.
Kosten (für Programm) Pro Person 10,00 ¤
Mitglieder der SLJ und des LAK Mobile Jugendarbeit können kostenlos teilnehmen

Weitere Infos:
www.landjugend-sachsen.de
http://www.sozialwerk-
mek.de/streetwork/mittelsachsen/material/ft_juni05_programm.pdf Tel. SLJ: 0351 - 471 78 22

Die Veranstaltung wird gefördert aus Haushaltsmitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales.


4. | :: AUSSTELLUNG IM COPYSHOP KOPIELOT ::

Die Schaufenster des Copyshop Kopielot sind derzeit eine kleine Ausstellung: Kinder des Evangelischen und Katholischen Kinderhauses besuchten am 13. Mai die Flößer am Pirnaer Elbufer. Uwe Meinel, einer der Flößer, baute mit ihnen vorher ein "Babyfloß", das dann auch mit auf große Fahrt ging. Am Elbufer konnten sie sich das große Floß anschauen und viel über die Elbflößerei erfahren. Nun malten die Kinder eifrig ihre Eindrücke, die zum Stoff für die Ausstellung wurden.

www.kopielot.de


5. | :: SPITZEN MODERATION zum "RESPECT is the message!" ... ::

am 24. Juni 2005 das wirklich fette Sommer Open Air "RESPECT '05" ganz in der Nähe der Landeshauptstadt, im Schlosspark Graupa bei Pillnitz erleben. Respect
'05 konnte eine Spitzenmoderatorin gewinnen: Anna Maria Scholz, den Meisten bekannt durch ANNAMATEUR und ihre Gitarristen oder als Frontfrau der Dresdner Funkband "FRONTALGEBLÄSE"! Sie wurde von den SAXlesern zur Dresdenerin des Jahres 2004 gewählt. Wir sind froh, die engagiert energisch, energetische Powerfrau neu im Respect '05Team zu haben! YELLOW UMBRELLA, die frisch reunionierten Ska- und Reggaehelden, sind aus ihrer 2-jährigen Rente zurück und werden bei "RESPECT '05" ihren ersten Freiluftauftritt der Tour bestreiten. Außerdem spielen MUTABOR zum Tanz- und Musikgenuss auf, die fabelhaften Beat-SurfMusikanten LOS BANDITOS, der brandneue Punk'n'Roll-Act von fourArtists EL*KE und die Berliner Rock'n'Roller BIG BAD SHAKIN'.

Die Karten gibt's seit Anfang Mai zum Preis von nur 8,70 ¤ über CTS und für nur 7,90 ¤ bei einigen wenigen, ausgewählten Stellen ohne zusätzliche Gebühren im Vorverkauf.

Alle Infos zu Band, Anfahrt, Vorverkaufstellen und viel mehr unter www.respect05.de


8. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::

UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS

Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten, Druckkosten und vieles mehr bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie regelmäßig eine Spende von Ihrem Bankkonto abbuchen oder überweisen Sie eine einmalige Spende direkt auf unser Konto. Für eine regelmäßige Förderung laden Sie bitte das Formular (PDF-Format) http://www.aktionzivilcourage. com/downloads/assets/spende.pdf) herunter, drucken es aus, tragen die entsprechenden Daten ein und senden es per Post oder Fax an unseren Verein. Für eine einmalige Spende finden Sie unsere Bankverbindung untenstehend. Natürlich senden wir Ihnen auf Wunsch auch eine Spendenquittung zu.

Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 310 006 839 3 | BLZ: 850 503 00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"


9. | PRESSESCHAU:

+++ Dresden: Vier Verletzte bei Ausschreitungen +++
+++ Pirna: Landrat Michael Geisler eröffnet Austellung
"Opfer rechter Gewalt" +++
+++ Sebnitz: Polizei befasst sich mit Hakenkreuz +++
+++ Heidenau: Schüler zeigt Fotos aus Weißrussland +++
+++ Leipzig: Apfelfront - Rundfrucht-Patrioten +++
+++ Dresden: Ein Tuch für jeden Totgeschlagenen +++
+++ Frankfurt (Oder): Exzess +++
+++ Pirna: Euthanasie-Gedenkstätte präsentiert ein neues Denkmal-Projekt +++ +++ Sachsen: NPD ohne Geld und Kondition +++


Quelle: Sächsische Zeitung, Freitag, 17. Juni 2005

Vier Verletzte bei Ausschreitungen

Mit vier Verletzten endeten gestern Abend Ausschreitungen zwischen der Antifa und rechts orientierten Jugendlichen in der Neustadt. Etwa 20 Rechtsextreme versuchten laut Polizei an einer Podiumsdiskussion von Bürger.Courage, dem "Freundeskreis gegen rechtsextremes Denken", in der Kunsthofpassage, Görlitzer Straße, teilzunehmen. Dort sind sie von Linksautonomen mit Flaschen und Steinen beworfen worden. 30 Beamte beendeten die Auseinandersetzung schließlich.

SPD-Stadträtin Sabine Friedel sagte, die Polizei hätte angesichts dieser "angekündigten Provokation von Rechtsextremen" das Feld nicht der Antifa überlassen dürfen. Nur vier Beamte hätten zunächst die Veranstaltung abgesichert. Als die Rechten kamen, habe die Antifa Steine geworfen - die Polizei musste zusehen. Friedel: "Soweit hätte es nicht kommen dürfen. Der Veranstalter hat schon am Nachmittag die Polizei um Hilfe gebeten." Bürger.Courage-Mitglied Christian Demuth nannte es einen Skandal, in dieser Situation als Organisator sich selbst überlassen zu bleiben. Erst am Sonntag hatten Rechtsextreme eine Veranstaltung im Japanischen Palais gestört. (lex)


Quelle: Sächsische Zeitung, Freitag, 17. Juni 2005

Opfer rechter Gewalt bekommen ein Gesicht

Ausstellung öffnet am Montag im Pirnaer Berufsschulzentrum. Am 31. März 1991 wurde Jorge Gomondai in Dresden während einer Auseinandersetzung mit Skinheads aus einer fahrenden Straßenbahn gestoßen oder zum Springen gezwungen. Der damals 28-jährige Mosambikaner starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Gomondai ist das wohl bekannteste Opfer rechter Gewalt in Sachsen - und leider kein Einzelfall. 131 Menschen, die deutschlandweit zwischen 1990 und 2004 Opfer rechter Gewalt wurden, zeigt eine Ausstellung der RAA Sachsen Opferberatung Dresden. Von Montag, 10 Uhr, bis 30. Juni ist sie im Berufsschulzentrum für Technik Pirna-Copitz (BSZ), Pillnitzer Straße 13 a, zu sehen. Wie Landrat Michael Geisler mitteilt, unterstützt er das Anliegen der Schirmherrin und Ausländerbeauftragten Friederike de Haas (beide CDU), den Opfern rechter Gewalt ein Gesicht zu geben. De Haas hofft, dass vor allem Jugendliche und Schulklassen die Ausstellung besuchen. Sie empfiehlt Gruppen, sich von der Opferberatung Dresden begleiten zu lassen. Die Ausstellung ist während des Schulbetriebes des BSZ geöffnet.

Dass rechte Gewalttaten auch im Kreis ein Thema sind, zeigt die jüngste Statistik der Opferberatungsstelle Amal. 150 zählte sie 2004 in Sachsen, in der Sächsischen Schweiz mit 24 sogar die meisten.
(Von Marco Mach)

Opferberatung: 0351/8 89 41 74 | www.opfer-rechter-gewalt.de


Quelle: Sächsische Zeitung, Donnerstag, 16. Juni 2005

Polizei befasst sich mit Hakenkreuz
Unbekannte sprühten Unkrautex auf eine Wiese an den Seifen. Ein Hakenkreuz an den Seifen? "Nein, davon ist dem Ordnungsamt nichts bekannt", lautete noch vergangene Woche die Antwort aus dem Sebnitzer Rathaus auf eine entsprechende SZ-Nachfrage.

War der Vorfall dem Rathaus tatsächlich nicht bekannt oder wollte man ihn verschweigen? Doch inzwischen ist das Hakenkreuz auf der Wiese unterhalb der Jostleite an der Schandauer Straße in Sebnitz deutlich sichtbar für die Kraftfahrer. Und auch in der Stadtverwaltung hat man nun doch schon davon gehört. Das Hakenkreuz, vermutlich mit Unkrautex gesprüht, wurde am 9. Mai festgestellt. "Das Ordnungsamt hat zunächst die Wiese mähen, später den Bereich grubbern lassen, um das Hakenkreuz wirksam zu entfernen", sagt Rathaussprecherin Kerstin Nicklisch. "Wir verurteilen den Vorfall aufs Schärfste. Neben dem Imageschaden verursachen illegale Schmierereien, ob rechts- oder linksorientiert, und solcherlei Aktionen mittlerweile Schäden von mindestens 5 000 Euro jährlich. Geld, das an anderen wichtigen Stellen leider fehlt", schätzt Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) die Situation ein. Die Polizei verfolgt inzwischen die Straftat. Wer das Unkrautex dort versprüht hat, ist noch nicht bekannt. Auch die Bewohner der Jostleite haben offenbar nichts bemerkt. "Das muss wohl über Nacht passiert sein. Das Unkrautex wirkt in ein paar Stunden und dann auch ziemlich lange. Deshalb müsste wohl die ganze Fläche noch einmal bearbeitet werden", sagt ein Anwohner. Denn das Hakenkreuz ist noch immer deutlich zu erkennen. "Das dürfte kaum gut für die Werbung der Stadt sein", sagt der Mann. (Von Anja Weber)


Quelle: Sächsische Zeitung, 14.06.2005

Heidenauer Schüler zeigt Fotos aus Weißrussland
Der 19-jährige Dohnaer Robert Semmann zeigt ab dem 18. Juni im Heimatmuseum der Burgstadt Fotos aus Weißrussland. Die Aufnahmen von Land und Leuten entstanden während zweier Aufenthalte in dem Land. Einmal nahm der Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums Heidenau an einem Workcamp teil, das andere Mal renovierte er mit anderen Gymnasiasten in Minsk Klassenräume der weißrussischen Partnerschule. "Fotografieren ist mein Hobby und Weißrussland meine große Leidenschaft", sagt Robert. Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind Souvenirs aus Weißrussland sowie
Informationstafeln über die Zusammenarbeit der Landkreise Sächsische Schweiz und Bragin. Außerdem kann der Besucher in Büchern blättern. Im Rahmenprogramm wird SZ-Redakteurin Heike Sabel aus ihren WeißrusslandB üchern lesen, kündigt Museumsleiterin Eva-Maria Lohberg an. (SZ) Die Bilder-Ausstellung im Heimatmuseum läuft noch bis zum 21. August.


Quelle: Sächsische Zeitung, Dienstag, 14. Juni 2005

Die Rundfrucht-Patrioten
In Leipzig begegnet eine Gruppe junger Leute rechter Dumpfheit mit Spott und Parodie.
Wenn sich der Führer erhebt, geht es los. Diesmal durch die Toreinfahrt auf die Leipziger Körnerstraße. Dort positioniert sich die Front Deutscher Äpfel zum Pressetermin. Man versammelt sich hinter rot-weiß-schwarz bedruckten Tüchern und reckt die rechte Hand zum Himmel. Nur der kleine Finger steht ab. Diese Details sind wichtig. Sonst macht man sich leicht der Dummheit verdächtig. Zumal, wenn man ein Megafon dabei hat. Aber "Megafon heißt Macht", wie Alf Thum, der Führer, meint. Und so krächzt Thum ein ums andere Mal in den Trichter. Man versteht nicht viel. Aber das ist auch egal. Schließlich ist das nur ein Fototermin.

Sonst muss man schon genau hinhören und hinsehen, wenn man der Front Deutscher Äpfel gegenübersteht. Denn, was wie ein versprengter Haufen aus Eichingers "Untergang" aussieht, ist mehr als bloße Scharade. Es ist ein spiegelbildliches Bekenntnis zum "Einzug urdeutschen Obstes in den sächsischen Landtag", wie es auf der FDÄ-Homepage heißt. Das urdeutsche Fallobst ist Holger Apfel, Chef der NPD im sächsischen Landtag und "heimlicher Namensgeber" der Leipziger Obsttruppe. Doch so offen will man das nicht sagen. Vielmehr fühle man sich schon seit längerem der deutschen Rundfrucht verbunden und stehe auch in engem Kontakt zum BWB, dem Bund Weicher Birnen. Holger Apfel adaptiere die Bewegung nur und nehme Synergieeffekte mit.

Gegen das Demo-Ritual

Am 13. Februar stand man sich in Dresden das erste Mal gegenüber. 5 000 Rechte hatten sich angekündigt, da durfte der echte Apfel nicht fehlen. Schließlich ist die Front Deutscher Äpfel angetreten, dem Feind, den Rechten, auf ureigenem Terrain den Kampf anzusagen. Die Losungen wirken entsprechend schnörkellos: "Wille bricht Wille!", "Südfrüchte raus!" So gerüstet drapiert sich die FDÄ auf Neonaziaufmärschen an vorderster Front und fordert die Rechten zum offenen Dialog heraus. Die aber antworten nicht. Sie sind verwirrt. Nicht wenige, die sich über die Stoppel kratzen oder den Scheitel nachziehen, wenn der Apfel führergleich von rotem Grund herüberweht.

"Die haben zuerst geklaut", verteidigt Alf Thum die Adaptions-Strategie. "Auf rechten Demos findet man heute Che-Guevara-Shirts und andere Insignien der Linken. Das können wir auch." Dabei verstehen sich der 41-Jährige und seine Mitstreiter weniger als Linke, denn als Nicht-Rechte. Eine nähere ideologische Eingrenzung ist den Apfelleuten fremd. Sie bezeichnen sich mehr als Künstler, die mit dem gewohnten Demo-Gegendemo-Ritual brechen.

Dass das nicht immer jedem gleich klar ist, weiß Alf Thum, seit ihm ein älterer Herr auf der Karl-Liebknecht-Straße ein Bein stellen wollte. Damals, am 3. Oktober 2004, trat die FDÄ zum ersten Mal an. Im Leipziger Süden hatten sich viele bunte Gestalten versammelt, um Christian Worch und der NPD den Weg zu versperren. Die Neonazis wollten durch den Stadtteil Connewitz marschieren. Während sich die Gegendemo langsam formierte, tauchte plötzlich zwischen Dreadlocks, Punks und Sozialpädagogen ein Trupp dunkel gekleideter Herrschaften auf: uniformiert, ausgestattet mit roter Armbinde, darauf ein weißer Kreis mit schwarzem Symbol. Ein Apfel. Einem 70j ährigen Leipziger fiel es schwer, den zu erkennen: Er überlegte nicht lang und stellte Thum ein Bein. Eine reife Leistung, die auch Führer Thum Respekt abverlangte. Kurz danach entschuldigte sich der ältere Herr. Er hatte den Flyer gelesen, der ihm von der Apfelhorde gereicht wurde. "Da wusste ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt Thum. Das dachte sich auch eine Hand voll Leipziger Jugendliche, die am 3. Oktober spontan eine Jugendorganisation der deutschen Kernobstler formierte, das NFD Nationales Frischobst Deutschlands. Mittlerweile zählt die FrischobstTruppe 25 Mitglieder. Das sind zehn mehr als die Alten. Die Revolution frisst ihre Äpfel?
(Von Sven Näbrich)

www.apfelfront.de


Quelle: taz Nr. 7689 vom 14.6.2005

Ein Tuch für jeden Totgeschlagenen
In Dresden erinnert eine Installation an die Opfer rechtsextremer Gewalt. 100 Namen prangen auf 100 Tüchern. Die Initiatoren wollen ein Zeichen setzen gegen den Rechtsruck in der Stadt. Auch NPD-Abgeordnete und Neonazis kamen zur Eröffnung
In der Schlichtheit des Namenszuges der Opfer erinnert die Installation am Dresdner Elbufer an Gedenkstätten wie das israelische Jad Vaschem. 100 Namen von Menschen, die durch rechtsextreme Gewalttaten ums Leben kamen, sind auf jedem der 100 aufgespannten Tücher vermerkt.

Deutsche und ausländische sind darunter. Auf den drei Quadratmeter großen weißen Tüchern ist wiederum jeweils ein Name ausgespart, sodass sich der einzelne aus der Masse heraushebt.

Gegenüber vom Landtag fallen die Tücher auch den Touristen auf. Verstanden werden sie allerdings oft erst durch ein Faltblatt, das Mitglieder des Freundeskreises "Dresden gegen rechtsextremes Denken" verteilen. "Wir thematisieren die Folgen des hohen Aggressionspotenzials und die Gewaltakte, die von dieser rechtsextremen politischen Bewegung ausgehen", heißt es darin.

Dieser Freundeskreis ist insofern ein Novum, als er sich aus der Mitte der Gesellschaft heraus ohne institutionelle Bindung gebildet hat. Christian Demuth, Doktorand der Politikwissenschaften, ist einer der Initiatoren, die dem Rechtsruck in der Gesellschaft "nicht mehr tatenlos zusehen wollen". Seit Anfang Juni hat der Freundeskreis für knapp drei Wochen eine Bürgeraktion gestartet, deren wichtigstes Zeichen die mahnende Installation am Elbufer ist.

"Die Mehrheit darf keine schweigende sein", rief gestern zur Eröffnung des Kunstprojektes Dietrich Kunze, der Intendant des Theaters Junge Generation Dresden. Doch zu der Veranstaltung hatten sich nur etwa 60 Dresdner eingefunden. Etwas zahlreicher fiel der Besuch der ersten von drei Informationsveranstaltungen aus, in der über das rechtsextreme Gewaltpotenzial informiert und diskutiert werden sollte.

Unter die Besucher hatten sich allerdings etwa ein Dutzend Nationalisten jeden Alters gemischt, so der NPD-Landtagsabgeordnete Klaus-Jürgen Menzel und bekannte vorbestrafte Personen. Vor den später geschlossenen Türen des Japanischen Palais versammelten sich nach Polizeiangaben bis zu 80 Neonazis und etwa 20 Antifa-Anhänger. Sie wurden von der Polizei getrennt, konnten die Veranstaltung nicht nennenswert stören und zogen nach deren Ende in getrennte Richtungen ab.
Die Diskussion stand allerdings kurz vor dem Abbruch, als nach Parolen wie "Rechts marschiert, Links randaliert" Tumulte ausbrachen. Der Extremismusforscher Rainer Erb von der Viadrina-Universität Frankfurt (Oder) hatte zuvor eine Charakteristik der Situationen gegeben, in denen die brutalen Übergriffe möglich werden. Mehrere Ursachen wirken laut Erb zusammen, so ein unterprivilegierter Sozialstatus, Gruppendynamik, Ideologie, Alkohol und männlicher Stärkewahn. Am 14. und am 16. Juni werden die Diskussionen zum Thema Migranten und zum Strategiewechsel rechtsextremer Organisationen und Parteien fortgesetzt. (MICHAEL BARTSCH)


Quelle: Der Tagesspiegel, 13.06.2005

Der Exzess
Er traut sich nicht mehr auf die Straße, und er träumt immer noch davon: Wie ihn Neonazis quälten und folterten. Ein Opfer erzählt. Am liebsten wäre er unsichtbar. Er könnte dann auf die Straße gehen. Ohne fürchten zu müssen, dass jemand Fragen stellt. "Ich hab' Angst, dass ich darauf angesprochen werde: Warum haste denn so was?" Gunnar S. redet hastig, "ich geh' nich' raus, auch wenn es jetzt warm is', ich kann nich' baden gehen, mit freiem Oberkörper, mit den verbrannten Brustwarzen, mit dem ganzen verbrannten Rücken". Er sackt in den Sessel zurück, sein Blick wartet auf eine Reaktion. Aber was soll man einem Mann sagen, dessen Geschichte so grausig ist, dass die verbrannten Brustwarzen fast schon wie ein minderschweres Detail erscheinen?

Vielleicht erwartet Gunnar S. gar keine Antwort. Er will reden, trotz seiner Scheu vor der Öffentlichkeit. "Sonst steht in den Zeitungen nur, wat mit den Tätern is'. Ich will, dass drinne steht, was mit mir is'." Ein Jahr nach der Tat. Erst jetzt hat Gunnar S. die Kraft, mit einem Journalisten zu reden. Aber er bittet, auf keinen Fall seinen vollen Namen zu schreiben. Und nicht, wo er lebt.

Am 5. Juni 2004 geriet Gunnar S. in die Fänge einer Clique von drei rechtsextremen Skinheads und zwei jungen Frauen. Es war nicht die szenetypische Tatzeit, keine tiefe Nacht, sondern ein Vormittag. Gunnar S. traf in Frankfurt (Oder) vor einem Plattenbau auf die Gruppe. Zwei Skinheads kannten ihn. Und zumindest einer der Kahlköpfe wusste, dass Gunnar S. ein Punk gewesen war. Offenbar ein harmloser, aber Punks zählen zu den Feindbildern der rechten Szene. Jedenfalls behaupteten die Skinheads, Gunnar S. habe eine 15-Jährige vergewaltigen wollen. Die drei Männer nötigten ihn, in eine Wohnung mitzukommen. Dort lebte ein Bekannter der Skins, der auch ein paar Schläge abbekam. Dann war Gunnar S. an der Reihe. Zweieinhalb Stunden lang.

Was der 34-jährige arbeitslose Baumaschinist über sich ergehen lassen musste, beschreiben Strafverfolger als ein Verbrechen, das selbst in Brandenburg, bundesweit Nummer-eins-Land bei rechter Gewalt, die Maßstäbe sprengt. Nur selten hat eine märkische Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift so heftig Entsetzen über Szeneschläger formuliert. "Aus angemaßter Rächerrolle, aus auf tiefster Stufe stehender
menschenverachtender dumpfer rechtsextremistischer Einstellung und purer Lust" hätten Ronny B., David K. und Daniel K. ihr Opfer misshandelt, gequält und sexuell missbraucht, schrieb der lang gediente Oberstaatsanwalt Hartmut Oeser. Übertrieben hat er nicht.

Seit Februar müssen sich die drei Rechtsextremisten sowie Ramona P. und Stephanie L. vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Der 29 Jahre alte Ronny B. ist kräftig, sein Blick wirkt allerdings seltsam müde, abwesend. David K., 23 Jahre alt, ist auch ein wuchtiger Glatzkopf. Die beiden Angeklagten sind das, was Kriminalisten als typische Intensivtäter bezeichnen. Die Zahl der Delikte, von "Sieg Heil"-Gebrüll über Raub bis zu x-facher Körperverletzung, ist kaum noch zu überblicken. Daniel K., 21 Jahre alt, erscheint im Gericht mit gegeltem Haar. Sein Vorstrafenregister ist dünn. Die 25 Jahre alte Ramona P. und Stephanie L., 20 Jahre, haben keins. Die zwei Blondinen kommen modisch gekleidet, als ginge es um das Casting einer Model-Agentur. Doch spätestens am heutigen Montag werden die Frauen und ihre drei Kumpel eine Ahnung von der Strafe bekommen, die sie erwartet. Der Staatsanwalt, der Anwalt von Gunnar S. und die Verteidiger sollen jetzt ihre Plädoyers vortragen. Aber kann ein Gericht überhaupt angemessen ahnden, was Gunnar S. erdulden musste?

"Ich musste mich nackt ausziehen und auf dem Boden kriechen, wie ein Tier", sagt er. "Du Scheiß-Alt-Punk ham' sie mir beschimpft, und dass ich unarisch bin." Was Gunnar S. dann in seiner einfachen, manchmal derben Sprache an Details erzählt, ist von Erinnerungslücken getrübt - und doch so furchtbar, dass man es kaum noch aufschreiben kann. Zunächst schlugen und traten die Skinheads auf ihr Opfer ein. Ronny B. reichte das nicht. Die Hilflosigkeit von Gunnar S. reizte ihn, jegliche Hemmung abzustreifen. Und homosexuell aufgeladene Machtfantasien auszuleben. Als sollte Pier Paolo Pasolinis Film "Die 120 Tage von Sodom", in dem er eine fiktive sadistische Orgie italienischer Faschisten aufführt, in Brandenburg als neonazistischer Gewaltexzess umgesetzt werden.

Ronny B. nahm Gegenstände aus der Küche und führte sie Gunnar S. in den After ein. Der Gequälte erlitt lebensgefährliche innere Blutungen, wurde ohnmächtig, wachte wieder auf. David K. und Daniel K. benutzten ein heißes Bügeleisen, um den Rücken des Opfers und weitere Körperteile zu verbrennen. Ronny B. urinierte Gunnar S. in den Mund. Der Skinhead stach ihm mit einem Messer und einer Gabel in den linken Oberschenkel. Gunnar S. musste Weichspüler, Rasierschaum, verdorbenen Saft, eine pulverartige Droge, Taubenkot und Zigarettenkippen schlucken. Die beiden Frauen sollen mit Gelächter und Rufen die Rechtsextremisten angefeuert haben. Ramona P. und Stephanie L. streiten es ab. Geholfen haben sie dem Opfer jedenfalls nicht.

Als die drei Skinheads genug hatten, erpressten sie mit Todesdrohungen von Gunnar S. das Versprechen, niemandem von der Folter zu erzählen. Der benommene Mann taumelte in seine Wohnung in einem benachbarten Plattenbau und ließ Wasser in die Wanne ein. Kurz darauf klingelte es. Da habe "ein Faschokumpel" der Täter an der Tür gestanden, sagt Gunnar S. "Der hat dann Trophäenfotos von mir gemacht." Die Bilder habe der Mann an eine Boulevardzeitung verkauft. Gunnar S. steht auf und holt einen Zeitungsausschnitt. Auf dem Foto steht er da mit verbranntem Oberkörper.

Es war dann aber offenkundig die Freundin des Fotovoyeurs, die einen Notarzt rief. Gerade noch rechtzeitig wurde Gunnar S. im Frankfurter Klinikum operiert. Bei seiner ersten Befragung durch die Polizei war die Panik so groß, dass er eine Geschichte erfand, um die Täter nicht zu nennen. Erst später sagte er, wie es gewesen war.

Als die physischen Schäden halbwegs geheilt waren, kam Gunnar S. in eine sächsische Fachklinik für psychosomatische Medizin. Fünf Wochen blieb er dort, jetzt betreut ihn eine Traumapsychologin. Dreimal täglich muss er Antidepressiva einnehmen. Sein Zustand bleibt prekär.

Im vergangenen Jahr, sagt Gunnar S., habe er einen Selbstmordversuch unternommen. "Manchmal wär' mir lieber, der hätte mich abgestochen", damit ist Ronny B. gemeint. Dann wird die Stimme noch hastiger, "ich kann nur zwei Stunden schlafen, dann träum' ich wat, dann wach' ich auf. Die Täter ham' mich schon n' paar Mal im Traum erwischt." Gunnar S. beugt sich vor, "ich kann mich nich' mehr mit Rasierschaum rasieren, weil ich den schlucken musste. Ich kann keinen Saft trinken, weil ich so wat Verschimmeltes trinken musste. Und wenn ich was trinke, habe ich immer den Weichspüler im Mund, den ich schlucken musste."

Im Prozess ist Gunnar S. einmal kurz als Zeuge aufgetreten. Die Strafkammer unter Vorsitz des sensiblen Richters Andreas Dielitz kam dem traumatisierten Mann entgegen. Er musste sich nicht in den Saal setzen und die Blicke der Angeklagten ertragen. In einem Nebenraum sprach Gunnar S. Anfang März in eine Videokamera, seine Aussage wurde übertragen. Neben Gunnar S. saß ein Mitglied des Vereins Opferperspektive, der sich seit Jahren um Menschen kümmert, die in Brandenburg von rechten Gewalttätern malträtiert wurden. Der Richter hatte auch die Öffentlichkeit ausgeschlossen. "Einige Angeklagte wollten sich entschuldigen", sagt Gunnar S., "aber das geht nicht. Warum haben die mich denn überhaupt zerlegt?"

Warum. Die Frage zieht sich nicht nur durch die Geschichte von Gunnar S., ohne dass es eine Antwort gäbe. Was Gunnar S. erlebt hat, ist Teil einer Serie rechtsextremer Angriffe in Brandenburg, bei denen die Täter die übliche Faust-und-Stiefel-Gewalt noch sadistisch zuspitzten. In der Regel mit tödlichem Ende. Am bekanntesten ist der Mordfall Potzlow. In dem uckermärkischen Dorf quälten im Juli 2002 drei Skinheads den Schüler Marinus Schöberl, ein Täter sprang ihm zuletzt ins Genick. Im Monat zuvor hatten vier Rechtsextremisten den Dachdecker Ronald Masch entführt und auf einem Feld nahe der Ortschaft Neu Mahlisch zusammengeschlagen. Einer der Täter stach etwa 40 Mal auf Masch ein - und schwärmte nach dem Mord vom "Blutrausch". Im August 2001 quälten fünf junge Männer in Dahlwitz den Obdachlosen Dieter Manzke zu Tode. Im März 2003 prügelten drei Rechtsextremisten in einer Wohnung in Frankfurt (Oder) den früheren Punk Enrico Schreiber. Ein Skinhead sprang auf ihm herum und stach mit einem Messer mehrmals zu. Das Opfer ist verblutet. Gunnar S. beinahe auch.

Die Lust an Gewalt bis zur Folter kann niemand erklären. Selbst Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, sonst immer für kernige Sprüche gut, sagt inzwischen, die Polizei stoße an ihre Grenzen. Es mangele der Gesellschaft an nachhaltigem Engagement gegen den Rechtsextremismus und die von ihm ausgehende Gewalt. Ideen, wie der Schrecken wirksam zu bekämpfen wäre, haben weder der Minister noch andere Experten.

Gunnar S. kämpft mit sich selbst. Auch ein Jahr nach dem Exzess fällt es ihm schwer, eine Perspektive zu finden. Er kann nicht arbeiten, lebt von magerer Rente und sitzt die meiste Zeit vor dem Fernseher. Und ringt darum, die Angst vor "draußen" zu überwinden. Seine Mutter hilft ihm, auch der jüngere Bruder, aber es reicht nicht. In dem Gespräch deutet Gunnar S. an, welchen Zeitraum er im Kopf hat, bis zu einem halbwegs normalen Leben. Bis er sich traut, endlich wieder zu seinem Sohn zu fahren, den er mit einer ExFreundin hat. "Das ist mein größter Wunsch", sagt Gunnar S., "ich möchte ihn sehen, bevor er erwachsen wird." Der Sohn ist erst drei Jahre alt. (Von Frank Jansen)


Quelle: Sächsische Zeitung, Donnerstag, 10. Juni 2005

Denkzeichen für Pirna
Der Leiter der Sonnensteiner Euthanasie-Gedenkstätte präsentiert ein neues Denkmal-Projekt.
Ein Denkzeichen für Pirna sollen sie sein: Die 16 eineinhalb Meter hohen Glas-Stelen, die zukünftig den Weg vom Bahnhof bis zur EuthanasieGedenkst ätte auf dem Sonnenstein säumen werden. Innerhalb der Festveranstaltung zum fünfjährigen Bestehen der Gedenkstätte stellte gestern der Leiter, Boris Böhm, das Projekt vor.

Doch zuerst gab er einen Rückblick auf die vergangenen Jahre: Konzentrierten sich seine Mitarbeiter früher auf die Aufarbeitung der Geschichte der Heilanstalt, sammeln sie heute besonders Einzelschicksale der Opfer. In den Jahren 1940 und 1941 töteten die Nationalsozialisten auf dem Sonnenstein 13 720 psychisch kranke sowie geistig behinderte Menschen und mindestens 1 031 Häftlinge aus Konzentrationslagern.

Der zu DDR-Zeiten fast vergessene Massenmord wurde nach der Wende durch engagierte Pirnaer Bürger zurück ins Bewusstsein der Stadt gebracht. "Die Initiative der Pirnaer sucht in Sachsen ihres Gleichen", stellte Norbert Haase fest. Er ist Leiter der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, zu der auch das Pirnaer Haus gehört. In Zukunft wolle sich die Gedenkstätte verstärkt der Aufarbeitung und Sammlung von Täter-Biographien widmen, erklärt Boris Böhm. So präsentierte er ein neues Buch zu den Euthanasieverbrechen der Nazis. Die Betreuung von Besuchern sei aber weiterhin Kernaufgabe. Gut 18 000 Gäste haben die Ausstellung und die Gedenkstätte im Keller des Hauses in den letzten fünf Jahren besucht. "Das ist im Vergleich zu anderen Stätten nicht allzu viel, aber wir haben 95 Prozent der Besucher durch Ausstellung und Gedenkstätte begleitet", hebt Boris Böhm hervor.

16 Glas-Stelen als Denkmal

Bald werden die Pirnaer und Gäste den Weg zum Sonnenstein einfacher finden können: Das Projekt "Denkzeichen" soll vom Bahnhof durch die Innenstadt bis zur Gedenkstätte weisen. 16 Schilder und Stelen aus Glas werden es sein, auf die ein von Canaletto gemalter Blick über Pirna gedruckt wird. Mitten im Bild werden Begriffe stehen, die die Nationalsozialisten während ihrer Verbrechen auf dem Sonnenstein gebrauchten. Rassenhygiene, Urnenversand oder Knochenmühlen soll da zu Lesen sein.

"Zwei Zeitschichten, die diese Stadt geprägt haben, werden so miteinander verbunden. Sie sollen durch Bezug zur Vergangenheit Zukunft mitgestalten", sagt Norbert Haase. Die Stelen sollen provozieren, zum Nachfragen anregen. Sie werden auf eine Internetseite verweisen, auf der über das Projekt diskutiert werden kann. Die Idee dazu hatte die Berliner Künstlerin Heike Ponwitz. 70 000 Euro plant die Gedenkstätte für die Denkzeichen ein. So verschlingt schon das vandalensichere Panzerglas mehrere tausend Euro. Das Geld kommt von der EU und von der Bundeskulturstiftung. Im Mai 2004 hatte der Pirnaer Stadtrat das Projekt gebilligt. "Dass sich die Stadt so der Vergangenheit stellt, ist großartig", stellte Ernst Günther fest. Er ist Mitglied des Kuratoriums Gedenkstätte Sonnenstein, was nach der Wende den Massenmord zurück ins Bewusstsein der Pirnaer holte. Jetzt steht Boris Böhm in Verhandlung mit den Besitzern der Grundstücke, die von den Denkzeichen berührt werden. "Wenn alles klappt, ist Ende September alles realisiert." (Von Michael Rasche)


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 10. Juni 2005

NPD ohne Geld und Kondition
Vor ein paar Monaten fühlten sich die Rechtsextremen an der Elbe noch im Aufwind. Gern sprachen NPD-Führungskader rund um Fraktionschef Holger Apfel vom "Fanal von Dresden" und Fraktionsgeschäftsführer Peter Marx vom generellen Ziel: der Eroberung der Republik bei der Bundestagswahl. Doch mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt auf rechtsextremen Landtagsfluren.
"Im Moment sieht's schlecht aus", meint Marx zum geplanten Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde in Berlin, möglich seien allemal "knapp drei Prozent". Er setze deshalb auf mindestens drei siegreiche Direktkandidaten.

Die plötzliche Genügsamkeit am rechtsextremen Rand hat einen einfachen Grund: Seit Mitte Februar geht es bundesweit bergab mit der NPD, reiht sich eine Wahlniederlage an die nächste. Bitter waren nicht nur die 1,9 Prozent in Schleswig-Holstein, auch bei den OBM-Wahlen in Leipzig und Görlitz verfehlten NPD-Kandidaten mit 2,4 und 3,7 Prozent ihr Ziel. Vollends verheerend für die NPD aber ist das Ergebnis in Nordrhein-Westfalen (NRW) am 22. Mai: 0,9 Prozent, noch hinter der linken Wahlalternative WASG.

Für die NPD im Bundestagswahlkampf hat das Folgen. Ein Prozent gilt bei Landtagswahlen als Schwellenwert für die Wahlkampfkostenerstattung. Weil die NPD in Düsseldorf die notwendigen rund 80.000 Stimmen knapp verfehlte, entgehen ihr über 350.000 Euro - davon fast 150.000 für die Bundeszentrale. Entsprechend regt sich Kritik. "Schlecht aufgestellt" sei die Partei, schreibt der rechtsextreme Vordenker Jürgen Schwab zum Wahlausgang in NRW, die Bundestagswahl komme "zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt".

Marx sieht das anders. Er setzt im Wahlkampf auf eine neue Schulhof-CD für Erstwähler (200.000 Stück), den "Deutschland-Pakt" mit der DVU sowie auf den einstigen APO-Vorkämpfer Bernd Rabehl. Der Ex-Linke soll Intellektuelle am rechten Rand einfangen, in die NPD eintreten will er aber nicht. Dabei ist klar: Mangels Masse verschiebt sich der politische Schwerpunkt im NPDWahlkampf weiter Richtung Elbe. Marx ist Bundeswahlkampfleiter, als Bundeszentrale dafür dienen die Büros im Dresdner Lockwitzgrund. Und die Direktwahlkreise will Marx sowieso vor allem in Sachsen holen - mit Apfel (Riesa-Großenhain) und Uwe Leichsenring (Sächsische Schweiz). Darüber hinaus gebe es Chancen im Spreewald (Brandenburg) sowie in Anklam (Vorpommern).

Sicherheitsexperten geben den Rechtsextremen dabei kaum Chancen. "Insgesamt sind die Erfolgsaussichten der Direktkandidaten eher als gering einzuschätzen", schreibt das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz. Und auch der Hamburger Verfassungsschützer Heino Vahldieck meint, die NPD könne sich kaum mehr "organisatorisch so aufstellen", dass sie Erfolg haben werde.

Umso härter ist die aktuelle Tonart von Marx.
"Wir Nationaldemokraten sind nicht bereit, die Straßen Linkskriminellen zu überlassen", lautet eine seiner Formeln. Wenn Staat und Polizei NPD-Stände im Wahlkampf nicht schützten, "werden wir uns zur Wehr setzen" - eine kaum mehr verhohlene Drohung mit Weimarer Verhältnissen. (Jürgen Kochinke)


Unsere Projekte werden gefördert durch: die DGB-Region Dresden - Oberes Elbtal, das Bundesprogramm CIVITAS, die Amadeu-Antonio-Stiftung, das Arbeitsamt Pirna, den Landkreis Sächsische Schweiz, die Stadt Pirna, die Robert-Bosch-Stiftung, das Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich Böll Stiftung, der Friedrich Ebert Siftung, der Deutschen Augentur für das EUAktionsprogramm Jugend für Europa, der Stiftung
"Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" sowie durch www.raspunicum.de und www.4koepfe.de.

Die Aktion Zivilcourage unter VR 899 im Vereinsregister des Amtsgerichtes Pirna als Verein eingetragen.

Bankverbindung: Ostsächsische Sparkasse Dresden, Kontonummer: 310 006 839 3 | BLZ: 850 503 00

Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V.

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