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Bergsträßer Anzeiger (4.5.) zu

Bergsträßer Anzeiger - 04.05.2004

Eine Eskalation ist unbedingt zu vermeiden
In Hochstädten geht die Angst vor einer Auseinandersetzung unter Radikalen um / Klarstellungen

Hochstädten. In Hochstädten geht die Angst vor einer Auseinandersetzung unter Radikalen um. Seit eine gewisse Halle Aufmarschplatz von Neonazis ist, geraten auch völlig unbescholtene Bürger zwischen die Fronten. Hochstädten hat derzeit auch Angst vor linken Gegenreaktionen. Und zwischen den sich unversöhnlich gegenüberstehenden Fronten leben drei Familien, die inzwischen nervlich und gesundheitlich stark angegriffen sind.

Das alles liegt an einem im Nachhinein schwer zu entwirrenden Gebräu von

Vermutungen, Unterstellungen, Verdächtigungen und einer komplizierten Kommunikation. Angst ist eben ein schlechter Ratgeber. Gestern fand Arthur
Greif in einer Art von medialem Befreiungsschlag den Mut, die ganze Entstehungsgeschichte publik zu machen. Greif ist der Schlossermeister, der die Halle gepachtet hat, die an die von den Neonazis gepachtete Halle
angrenzt. Sein Bruder Markus Greif hatte diese Halle für sein Fliesen-Fachgeschäft fünf Jahre lang bis Ende Februar gemietet. Sie diente
so lange als Lager, bis Markus Greif seinen Betrieb in einem Gewerbegebiet
im Bensheimer Westen zusammen gelegt hatte.

Die Halle, die dem Schwiegervater der Greif-Brüder gehört, stand seit dem
1. März leer und sollte vermietet werden. Im April kam ein seriös wirkender junger Mann aus Mannheim, der zudem auch noch liquide war, wie

eine angeforderte Bankauskunft ergab. Der Mann mietete die Halle auf fünf
Jahre. Als Nutzungszweck gab er an, die Halle im Sinne von Jugendarbeit zu
betreiben. Man wolle dort einen Treffpunkt für Jugendliche schaffen, die

bei Musik und Bier Partys feiern.

"Mein Schwiegervater hat keinen Verdacht geschöpft", erklärte Arthur Greif
in einem Gespräch mit Bürgermeister Thorsten Herrmann und Stadtrat Matthias Schimpf. Schimpf ist der zuständige Dezernent für den Bereich öffentliche Sicherheit und Ordnung. Gehandelt wurde also in gutem Glauben;
und so rasch wie der Neonazi-Spuk in Hochstädten begonnen hat, so schnell
wird er auch beendet sein. Der Vermieter hat nämlich sofort nach Bekanntwerden der näheren Umstände den Vertrag gekündigt. Der Mieter hat

jedoch gegenüber der Kripo erklärt, er werde den Kündigungsgrund nicht akzeptieren.

Über eine Einweihungsparty gingen die rechten Umtriebe bisher nicht hinaus. Diese Party fand am Samstag, dem 24. April, statt. Schon am Dienstag, dem 27. April, reagierte man bei der Stadt. Stadtrat Matthias Schimpf hält die Nutzung der Halle für "nicht genehmigungsfähig" und forderte den Kreis Bergstraße in seiner Eigenschaft als
Bauaufsichtsbehörde auf, diesbezüglich ein Nutzungsverbot zu erlassen. Offiziell wird dieses Nutzungsverbot vom Landrat auch aus Gründen des Feuerschutzes erlassen.

Laut Greif droht derzeit die größte Gefahr für den Ort von "den Linken".

Greif geht davon aus, dass es auch linke Autonome waren, die eine Räumung
der Halle verhindert haben, indem die Schlösser zugeklebt wurden. Eine Räumungsklage wurde vom Eigentümer der Halle auf den Weg gebracht. Das aufgesprühte Grafitti an der Halle hat eine linke Diktion. Im Internet kursiert laut Arthur Greif ein Aufruf aus der linken Szene, die Halle "abzufackeln", um vollendete Tatsachen zu schaffen.

"Dort einen Brand zu legen, würde völlig Unschuldige treffen. Auch ich sehe meine Existenz bedroht, weil die von mir gepachtete Halle an den Treffpunkt der Neonazis grenzt," erklärte Arthur Greif, der auch großen zeitlichen Aufwand betreibt, um sein und seines Schwiegervaters Hab und Gut vor Übergriffen zu schützen. So hat er unter anderem auch in der Walpurgisnacht auf der Lauer gelegen und war unversehens zwischen die Fronten geraten.

Greif hielt argumentativ zunächst ein gutes Dutzend mutmaßlicher Rechtsradikaler im Zaum, bevor er sich dann "einem linken Robin Hood" widmete, der sich im Wald versteckt hielt. Dass die Abteilung Staatsschutz
der Polizei die Augen offen hält, versteht sich von selbst.

05.05.04    Infotelefon Garfield <infotelefon.garfield@gmx.de>
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