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Braune Flecken
Dokumentiert Antisemitismus, Neofaschismus, Rassismus, Revanchismus
und Gegenwehr in Chemnitz, Sachsen und überhaupt
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Ausgabe 09/04 - 23. März 2004
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März 2004
Weimar (dpa/ND). Bei einer Kundgebung wollen am 11. April ehemalige
Häftlinge, Bürger und Politiker der Befreiung des
Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar vor 59 Jahren gedenken.
Auf dem ehemaligen Appellplatz spreche unter anderem der in Israel
lebende Robert Büchler, der als Kind in Buchenwald eingekerkert war,
teilte der Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes am
Dienstag mit. Der am 19. April geleistete Schwur der überlebenden
Buchenwaldhäftlinge zur Schaffung einer neuen Welt des Friedens und
der Freiheit ist nach Ansicht des Verbandes für die Friedensbewegung
und für europäische Aktionen für soziale Gerechtigkeit weiter
aktuell. Das Konzentrationslager war am 11. April 1945 befreit
worden. Auf dem Ettersberg bei Weimar starben zwischen 1937 und 1945
mehr als 56000 Menschen aus ganz Europa. Das Internationale Komitee
Buchenwald-Dora und Kommandos riefen zur Teilnahme an der Kundgebung
auf. (ND 17.03.2004)
"Mit dem Feind Geschäfte zu machen, ist nichts Neues für die
Bush-Familie", heißt es in der Veröffentlichung American Freedom
News vom September 2001 über eine ganz besonders delikate "Achse des
Bösen". Danach rührt ein großer Teil des Wohlstands der Bush-Familie
"aus der Lieferung von wichtigen Rohstoffen und Krediten an das
Dritte Reich Adolf Hitlers her. Mehrere Geschäfte von Präsident
Bushs Großvater Prescott Bush wurden von der US-Regierung unter dem
'Trading with the Enemy-Act' gestoppt. Am 20. Oktober 1942 schloß
die Bundesregierung die Union Banking Corporation in New York City
als Frontunter-nehmen der Nazis. Einer der Direktoren war Prescott
Bush. (...) Acht Tage später beschlagnahmte die Roosevelt-
Administration zwei andere von Bush geleitete Unternehmen. Die
Holland-American Trading Corporation und die Seamless Steel
Equipment Corporation, beide gemanagt von der Bush-Harriman-Bank,
wurden von der US-Bundesregierung beschuldigt, Frontorganisationen
von Hitlers Drittem Reich zu sein. Am 8. November 1942
beschlagnahmte die Bundes-regierung von den Nazis kontrolliertes
Vermögen der Silesian-American Corporation, einer anderen mit
Hitler Geschäfte machenden Bush-Harriman-Firma.
München (dpa/ND). Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen
den mutmaßlichen NS-Verbrecher Ladislav Niznansky wegen Mordes in
164 Fällen erhoben. Das teilte die Behörde am Mittwoch mit. Der 86-
jährige soll gegen Ende des Zweiten Weltkrieges für zwei Massaker in
der ehemaligen Slowakei verantwortlich gewesen sein. Niznansky war
am 16. Januar in München verhaftet worden. Als Kommandant der
Spezialeinheit zur Partisanenbekämpfung "Edelweiß" soll er im Januar
1945 an der Erschießung von 146 Menschen beteiligt gewesen sein.
Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte Niznansky vor dem
Einsatz den Befehl gegeben, dass niemand entkommen dürfe. Bei dem
Massaker soll er selbst 20 Menschen erschossen haben.
Niznansky besaß früher die slowakische Staatsbürgerschaft und ist
seit 1996 deutscher Staatsbürger. Er wurde bereits 1962 durch ein
slowakisches Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
(ND 18.03.2003)
Eklat nach Treffen mit tschechischen Politikern
Von Michael Bartsch, Dresden
Der sorbische PDS-Abgeordnete Heiko Kosel redet unverschämterweise
mit tschechischen Abgeordneten tschechisch. Darüber empört sich
ein Lausitzer CDU-Mann.
Ein Treffen des Europaausschusses im Sächsischen Landtag mit den
Hetmännern, den Chefs der drei böhmischen Bezirksverwaltungen,
hatte im Europaausschuss und im Landtagspräsidium ein unerwartetes
Nachspiel. Der Lausitzer CDU-Abgeordnete Peter Schowtka hielt es
für eine "Unverschämtheit", dass der PDS-Abgeordnete Heiko Kosel
bei dieser Begegnung im Februar seine Ansprache auf Tschechisch
gehalten habe. "Wer auf der deutschen Seite sitzt, soll deutsch
reden!" Er kündigte an, solchen Veranstaltungen künftig
fernzubleiben, wenn Kosel weiterhin die tschechische oder
polnische Sprache gebraucht. Bei der fraglichen Begegnung mit den
tschechischen sogenannten Hetmännern war ein anerkannt guter
Dolmetscher anwesend, der Kosels Worte zurück ins Deutsche
übersetzte. Kosel ist Sorbe, hat in Prag ein juristisches
Praktikum absolviert und besitzt die tschechische
Anwaltszulassung.
"Ich dachte, ich bin im falschen Film", zeigte sich Kosel von der
späten Reaktion Schowtkas überrascht. "Das also ist die politische
Klasse, die große Festlichkeiten zur EU-Erweiterung ausrichten
will!" Er habe sein Tschechisch als eine nachbarschaftliche Geste
verstanden. Die Begegnung, bei der es um die zukünftige
Zusammenarbeit der Regionalparlamente ging, sei ansonsten
harmonisch verlaufen. Peter Adler (SPD), Vorsitzender des
Europaausschusses im Sächsischen Landtag, empfand es allerdings
auch als "befremdlich", wenn der Dolmetscher "die Rede eines
deutschen Delegationsteilnehmers ins Deutsche übersetzen" müsse.
Entsprechend den protokollarischen Gepflogenheiten würden die
Tschechen auch nicht deutsch reden, obwohl sie es teilweise
könnten. Er habe zu vermitteln versucht und sehe weder das
Verhältnis zur tschechischen Seite noch das zu Heiko Kosel
getrübt. Landtagspräsident Erich Iltgen (CDU) hat sich im
Präsidium, wo das Thema ebenfalls angesprochen wurde, der Kritik
an Kosel nicht angeschlossen. (ND 19.03.2004)
Stuttgart (dpa/ND): Begleitet von Protesten von Holocaust-
Überlebenden hat die Tierrechtsorganisation PETA in Stuttgart
ihre neue Plakat-Aktion gestartet. Die Kampagne unter dem Motto
"Der Holocaust auf Ihrem Teller" zeigt Tafeln, auf denen jeweils
Fotos von Szenen in Tierfabriken und Schlachthöfen zusammen mit
Fotos aus Nazi-Todeslagern gezeigt werden. (ND 19.03.2004)
Burische Terroristengruppe in Südafrika wollte auch Nelson
Mandela töten
Von Eric Singh
In Südafrika wird im April gewählt - zum dritten Mal seit der
ersten demokratischen Wahl vor zehn Jahren. Der gegenwärtig
laufende Prozess gegen eine burische Terroristengruppe zeigt
jedoch, dass der Kampf gegen die Apartheid noch nicht beendet ist.
Am 13. April sind die Südafrikaner aufgerufen, ihre dritte
demokratische Regierung nach 1994 zu wählen. Es wird erwartet,
dass der Afrikanische Nationalkongress (ANC) wieder als stärkste
Partei daraus hervorgeht. In diesem Falle kann Thabo Mbeki seine
zweite Amtszeit als Staatspräsident antreten.
Doch noch immer gibt es Versuche, das Rad der Geschichte
zurückzudrehen. Des Vorwurfs, erneut die rassistische Herrschaft
von Weißen errichten zu wollen, steht seit vorigen Oktober eine
Gruppe extrem reaktionärer Buren vor Gericht. 22 Vertreter der so
genannten "Boeremag" (Burenmacht) müssen sich vor dem Obersten
Gerichtshof in Pretoria verantworten.
Sie werden des Hochverrats, der Sabotage und des Terrorismus
beschuldigt. Die Anklage beruht auf dem geheimen "Dokument 12" einem
Entwurf der Gruppe "Boeremag" zur Machtübernahme. Dieses
Papier beinhaltete einen detaillierten Plan, nach dem eine Gruppe
von 3772 Männern in fünf Etappen Militär- und Luftstützpunkte
sowie Radiostationen einnehmen wollte. Die Regierung und das
Parlament sollten ausgeschaltet und deren Mitglieder umgebracht
werden. Andere Aktionen sahen die Tötung von Nelson Mandela vor.
Auf die "Boeremag" wurden die Behörden im September 2001 aufmerksam,
als die Gruppe Kontakt zu einem Oberstleutnant der neuen
Südafrikanischen Streitkräfte aufnahm. Dieser Offizier informierte
jedoch seinen Vorgesetzten über die ungeheuerlichen Pläne. Der
Südafrikanische Polizeidienst startete daraufhin im Mai 2001 die
Operation "Zealot" (Fanatiker).
Mutmaßliche Rechtsextremisten wurden polizeilich überwacht. Im
Oktober des gleichen Jahres durchsuchte die Polizei Wohnungen von
Verdächtigen in verschiedenen Städten. Sie beschlagnahmte Dokumente
auf Computerfestplatten, unter ihnen das belastende "Dokument 12".
13 Personen, bei denen man diese Unterlagen fand, wurden im April
2002 festgenommen. Die restlichen neun Vertreter der "Boeremag"
konnten im Oktober des gleichen Jahres dingfest gemacht werden.
Den Verhaftungen war die Aushebung umfangreicher Waffenlager auf
Farmen vorangegangen. Den Rechtsextremisten wird außerdem
vorgeworfen, für zahlreiche Anschläge auf Wohngebiete von Schwarzen
verantwortlich zu sein. Mit Bombenanschlägen hätten sie versucht,
bereits verhaftete Mitglieder freizupressen. Allein an einem Tag im
Oktober 2002 gab es zehn Bombenexplosionen im Johannesburger Vorort
Soweto, die ein Todesopfer und mehrere Verletzte forderten.
Verhindert werden konnte ein geplanter Anschlag auf den UNOWeltgipfel
für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im August
2002.
Vor dem Prozessbeginn gegen die Buren-Gruppierung im Oktober
vorigen Jahres unternahm die Verteidigung alles, um die
Verhandlungen zu blockieren. Gegen den Richter des Verfahrens, Eben
Jordaan, wurde ein Befangenheitsantrag gestellt, dem ermittelnden
Staatsanwalt Paul Fick warf man Rechtsbeugung vor. Ein Großteil der
Angeklagten, vertreten durch Anwalt Piet Pistorius, wollte das
Verfassungsgericht für einfach unzuständig erklären, da die
"Boeremag" die neue Verfassung des südafrikanischen Staates nach
dem Ende der Apartheid nicht anerkennen würde.
In einem weiteren Antrag war von "psychischer Folter" durch die
Haftbedingungen die Rede. Anwalt Paul Kruger erklärte dem Gericht,
dass die "schwarze Musik", die jeden Tag 15 Stunden lang über das
Lautsprechersystem der Haftanstalt ertöne, schon mehrere psychische
Zusammenbrüche zur Folge hatte. Ein Verteidiger besaß sogar die
Dreistigkeit, den Prozess gegen die "Boeremag" mit dem RivoniaProzess
zu vergleichen, in dem Nelson Mandela und andere ANC-Führer
in den Jahren 1963 und 1964 zu lebenslänglicher Haft verurteilt
wurden - übrigens am selben Gerichtshof in Pretoria. Der
vorsitzende Richter wies jedoch einen solchen Vergleich vehement
zurück: "Vergessen Sie den Rivonia-Prozess. Sie kennen weder die
Fakten noch die Sachlage. Befassen wir uns lieber mit dem
vorliegenden Fall."
Obwohl die Rassisten den Status quo in Südafrika nicht anerkennen,
haben sie andererseits nicht gezögert, Geld für ihre Verteidigung vom
Staat anzunehmen. Dieses steht ihnen laut neuer Verfassung zu. Ein
Ende des Prozesses, in dem den Angeklagten eine lebenslange
Freiheitsstrafe droht, ist immer noch nicht abzusehen. (ND 19.03.2004)
Berlin. Familienministerin Renate Schmidt (SPD) hat sich für ein
Kopftuchverbot für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen ausgesprochen.
In einem Interview sagte die SPD-Politikerin, sie würde als Mutter
nicht wollen, dass ihre Kinder von einer Lehrerin mit Kopftuch
unterrichtet würden, "auch wenn sie Mathematik gibt". Das Kopftuch
könne religiös, aber auch politisch motiviert sein oder als Symbol für
die Unterdrückung der Frau dienen, sagte sie. (ap)
(Freie Presse 20./21.03.2004)
Der Kulturstadt droht eine Serie von Naziaufmärschen
Von Markus Drescher
Rechtsextreme demonstrieren heute in Weimar für ein "Recht auf Heimat".
Ein Bürgerbündnis will der "braunen Einfalt" mit einer Demonstration
die Stirn bieten.
Hinter dem für Samstag in Weimar geplanten Aufmarsch von
Rechtsextremisten steckt die "Interessengemeinschaft für die
Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands" (IWG). Unter ihrem Vorsitzenden
Georg Paletta, der die Demonstration anmeldete, tritt die Organisation
für ein Deutschland in den grenzen von 1937 ein. Bereits im Jahr 2000
veranstaltete die IWG eine Reihe von Kundgebungen unter dem Motto
"Recht auf Heimat". Unterstützt von lokalen rechtsextremen Gruppen
gelang es Paletta in den letzten Jahren immer wieder, zwischen 50 und
500 Personen auf die Straße zu bringen.
Unterstützt wird die IWG dabei von der NPD Jena, die ebenfalls zu der
Demo aufruft. Zum "Anlass" erkor die rechtsextreme Partei Äußerungen
des thüringischen Justizministers Karl Heinz Gasser, der ein generelles
Demonstrationsverbot für den Bereich des ehemaligen KZ Buchenwald
erwogen hatte. Seit Jahren gibt es Überlegungen, die
Versammlungsfreiheit an geschichts- trächtigen Orten wie dem
Brandenburger Tor oder vor Konzentrationslagern einzuschränken.
Unterdessen wird befürchtet, dass die Demonstration am Samstag nur der
Auftakt einer Vielzahl rechtsextremer Kundgebungen in Weimar ist. So
seien von April bis Oktober an 25 Wochenenden Naziaufmärsche angemeldet,
wie Fritz Burschel von der "Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus bei
Radio Lotte in Weimar" betonte. Von Anfang an müsse man Gesicht zeigen
und "jede Bewegung der Nazis begleiten". Unter dem Motto "Bunte Vielfalt
statt brauner Einfalt" will sich deshalb nicht nur an diesem Wochenende
ein breites Bündnis Weimarer Bürger gegen die rechten Umtriebe in der
thüringischen Stadt stellen. (ND 20./21.03.2004)
Berlin (epd/ND). Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat gegen die
Plakatkampagne "Holocaust auf dem Teller" der Tierrechtsorganisation PETA
vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung erwirkt. Damit
drohe der Organisation als Initiatorin der Plakataktion im Falle weiterer
öffentlicher Verwendungen ein Ordnungsgeld von 250000 Euro, teilte der
Dachverband der jüdischen Gemeinden am Freitag in Berlin mit. Die direkte
Gegenüberstellung von Tieren mit den Opfern des NS-Völkermords sei
Menschen verachtend und verharmlose den Holocaust. Das Gericht hatte
bereits am Donnerstag jede Verbreitung der Bilder untersagt, sei es durch
Plakate, Handzettel, Internet oder andere Medien. Sollte die Organisation
das Verbot missachten, werde der Zentralrat in jedem Fall ein Ordnungsgeld
beantragen, kündigte der Verband an. Am Freitagnachmittag waren die Bilder
noch auf der Homepage der Tierschützer (www.peta.de) zu sehen.
(ND 20./21.03.2004)
Die Ausstellung "Opfer rechter Gewalt seit 1990 in der Bundesrepublik
Deutschland" von Rebecca Forner ist in Heidelberg noch bis zum 23. Mai im
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in der
Bremeneckgasse 2 zu sehen.
www.sintiundroma.de
Eine radikale Wandlung seiner politischen Vorstellungen hat offenbar
Thomas Frenzel (56) durchgemacht.
Fünf Jahre lang war er in der PDS, nun kandidiert er auf der Liste der
Republikaner für den Stadtrat (Wahl am 13. Juni). Die Reps publizieren das
stolz, Frenzel selber begründet seinen Wechsel mit mangelnder Distanzierung
der PDS zum SED-Unrecht. "Ich kämpfe für soziale Gerechtigkeit", sagte
Frenzel, der erzählt, er habe nach der Wende in Chemnitz die SPD
mitgegründet.
Frenzel arbeitet als Gärtner im Tierpark und genau das könnte - neben
seiner Wechselhaftigkeit - für ihn ein Problem werden. Als Mitarbeiter der
Stadtverwaltung darf er zwar für den Stadtrat kandidieren, falls er gewählt
wird, muss er sich allerdings entscheiden: entweder Job oder Mandat.
Bei der PDS ist man unbeeindruckt. Stadtverbandsvorsitzender Karl-Friedrich
Zais: "Mir fehlt er nicht." gvl (Chemnitzer MoPo 20.03.2004)
Auch ist es ein falscher und fauler Trost, dass die Massen, die jetzt der
Faschismus aufgewühlt hat, keine bewussten Anhänger und Kämpfer für die
faschistische Diktatur sind. Das ist auch gar nicht nötig für den Sieg der
faschistischen Diktatur. (...) Sein Weg zur macht setzt nicht die
Bewusstheit der großen Massen voraus, sondern gerade die Unbewusstheit, die
Trübung und Verwirrung ihres Klassenbewusstseins, nicht ihre Aktivität
sondern ihre Passivität.
Gestützt auf diese Passivität und Verwirrung der Massen, auf Grund ihres
Gewährenlassens, kann eine aktive und bewusste konterrevolutionäre
Minderheit zur Macht gelangen, und sie ist nie anders zur Macht gelangt.
Wilhelmshaven/Weimar/München (dpa). Rund 1700 Menschen haben am Sonnabend
in München, Wilhelmshaven und Weimar gegen Aufmärsche der NPD protestiert.
Allein in Wilhelmshaven protestierten mehr als 1000 Menschen gegen die
Demonstration der etwa 100 Rechtsextremisten. In München versuchten 400
Gegendemonstranten unter "Nazis raus"-Rufen den Zug der etwa 100 Neonazis
aufzuhalten. In Weimar hatte die Stadtverwaltung verhindert, dass 110
Rechtsextremisten durch die Innenstadt marschieren konnten. (ND 22.03.2004)
Tutzing (epd/ND). Die Migrationbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise
Beck, hat vor einer "Botschaft der Ausgrenzung" durch ein generelles
Kopftuchverbot für Lehrkräfte gewarnt. Dieses würde der Integration von
Ausländern schaden und den Islamisten in die Hände spielen, sagte sie am
Sonnabend beim Politischen Club in Tutzing.
Der bayrische Landesbischof Johannes Friedrich hat sich dagegen erneut für
ein Kopftuchverbot für Lehrkräfte im Unterricht ausgesprochen. So könne
auch den Islamisten "deutlich eine Grenze gezeigt werden". Das Kopftuch
sei ein Symbol für die Unterdrückung der Frau. Die meisten muslimischen
Frauen würden es nicht tragen, wenn sie nicht dazu gezwungen würden.
(ND 22.03.2004)
Menschen, die an Rechts, Links, Braun, Schwarz und Rot glauben, werden
enorme Schwierigkeiten haben, die Verbindungen, die sich hier andeuten zu
verstehen. Aus der Sicht dieser Netzwerke sind aber Leute, die an die
Demokratie glauben, wählen gehen und über "Skandale" erschrocken sind, nur
unmündige Kinder, denen man einen Sandkasten namens Demokratie gönnt,
damit sie nächstes mal wieder zur Urne gehen.
"Schwerer Fehler" nach Wahlen in Kärnten
Von Hannes Hofbauer, Wien
Der Internationalismus-Sekretär der französischen Sozialisten, Pierre
Moscovici, las der österreichischen Schwesterpartei die Leviten, als
Kärntens SPÖ mit Jörg Haider einen Fünf-Jahres-Pakt abschloss.
Kärntens Landtagswahl am 7. März sah Jörg Haider als triumphalen Sieger.
Der Gottseibeiuns der österreichischen Innenpolitik verwies mit 42,5
Prozent der Stimmen die Sozialdemokraten auf Platz zwei (39 Prozent). Die
ÖVP wurde zertrümmert (11,5 Prozent). Landespolitik ohne Jörg Haider war
danach nicht mehr möglich. Ohnehin schreibt die Kärntner Landesverfassung
eine "Konzentrationsregierung" vor: Alle Parteien mit Fraktionsstärke
sind automatisch in der Regierung vertreten. Die Wahl brachte der FPÖ
drei, der SPÖ ebenfalls drei und der ÖVP einen Regierungssitz.
Für die Kärntner Sozialdemokraten ging es nun darum einer rechts-rechten
Koalition, wie sie auf Bundesebene seit 2002 existiert, zuvorzukommen.
Bereits drei Tage nach dem Urnengang fixierten SPÖ-Landeschef Peter
Ambrozy und Jörg Haider ein Arbeitsübereinkommen, das für fünf Jahre
gelten soll. Strategischer Kern ist die Abmachung, keine ÖVP-Hilfe gegen
den jeweils anderen Partner in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig
garantierte die SPÖ, die Wahl Jörg Haiders zum Landeshauptmann zu
ermöglichen, ohne für ihn stimmen zu müssen. Die Landesverfassung sieht
für diese Wahl eine einfache Mehrheit der anwesenden Mandatsträger vor, so
dass die SPÖ-Abgeordneten nur den Sitzungssaal verlassen müssen, um Haider
zu inthronisieren.
Die Attacke des ehemaligen Europaministers Pierre Moscovici war also an
jenem Punkt peinlich, in dem er Exekutive und Legislative durcheinander
brachte und gar nicht in Erwägung zog, dass in einem föderalen Staat eine
Landesverfassung von der auf Bundesebene üblichen Art der
Regierungsbildung abweichen kann. Moralisch traf er allerdings die
österreichischen Sozialdemokraten ins Mark. Wohl konnten sie Jörg Haider
nach dessen Wahlsieg in Kärnten nicht mehr verhindern, doch hätten sie
andererseits nicht offensiv agieren müssen. Damit wäre der ÖVP die
Schmutzarbeit zur Wahl Haiders zugefallen.
Dies haben auch die SPÖ-Granden wie Wiens Bürgermeister Michael Häupl
erkannt, der den Pakt als "schweren Fehler" einstufte. Bundespolitisch
wurde auf diese Weise ein neues Kapitel österreichischer Innenpolitik
aufgeschlagen. Die von den Sozialdemokraten über 15 Jahre betriebene
Ausgrenzungspolitik gegenüber Haider geht zu Ende. Damit öffnet sich die
Möglichkeit, dereinst auch auf Bundesebene mit der FPÖ politische
Geschäfte zu machen. Die Empörung darüber ist auch innerhalb der SPÖ
groß. (ND 23.03.2004)
Ein österreichisches Flüchtlingslager
Im Flüchtlingslager Traiskirchen, das von der privaten Firma "European
Homecare" verwaltet wird, brachte eine Asylwerberin eine Vergewaltigung
zur Anzeige. Ein Mitarbeiter des Österreichischen Wachdienstes (ÖWD)
hatte sie in einem Dienstzimmer "eingesperrt und zum Sex gezwungen", so
die 35-jaehrige Frau aus Kamerun.
Auch Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen die Zustände
in Traiskirchen: Aufgrund diverser Schilderungen sei Traiskirchen "als
ein Lager zu qualifizieren, in dem Angst und Einschüchterung herrschen".
So sei zum Beispiel unlängst ein Georgier von Mitarbeitern des Lagers
festgehalten, geschlagen und mit einer Zigarette verbrannt worden,
nachdem er sich geweigert hatte, das Flüchtlingslager zu verlassen.
### Braunbuch, 09004 Chemnitz PF 443 ###
GEGEN DAS VERGESSEN!
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