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Braune Flecken
Dokumentiert Antisemitismus, Neofaschismus, Rassismus, Revanchismus
und Gegenwehr in Chemnitz, Sachsen und überhaupt
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Ausgabe 07/04 - 12. März 2004
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März 2004
Berlin (epd/ND). Vertriebenenpolitiker von CDU und CSU haben die
Errichtung eines "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin gefordert.
Das Zentrum müsse von den Bundesländern finanziell unterstützt
werden, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung.
Darüber hinaus forderten die Unionspolitiker aus Bund und Ländern,
den Jahrestag der Unterzeichnung der Charta der deutschen
Heimatvertriebenen, den 5. August, zum nationalen Gedenktag für die
Opfer der Vertreibung zu machen. Deutsche Zwangsarbeiter aus dem
zweiten Weltkrieg sollten entschädigt werden. (ND 6./7.03.2004)
Keinen Cent für revanchistische Gräuelstätten!
Wolfenbüttel (epd/ND). Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta
Limbach, hat den Streit um muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch
kritisiert. Das Stück wird zum Fetisch, sagte die frühere
Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts in Wolfenbüttel in einem
Vortrag über Toleranz im 21. Jahrhundert. Limbach lehnte ein
Kopftuchverbot ab. Die Schüler seien schlau genug, um sich davon
nicht beeinflussen zu lassen. Der moderne Verfassungsstaat muss
nach den Worten Limbachs die kulturelle und religiöse
Verschiedenheit zulassen, pflegen und verteidigen. Zur Toleranz
gehörten auch wechselseitige Achtung und Verständigung,
unterstrich Limbach. Sie kritisierte, dass Migranten nicht nur auf
Ämtern geringschätzig behandelt, geduzt oder in verkümmerten
Deutsch angesprochen würden. (ND 6./.7.03.2004)
Rassismusverbot für die Berliner Puppenkiste!
Parteitag wählt Dortmunder Ratsherrn zum Spitzenkandidaten zur
Europawahl
Hamburg (ots) - Sehr geehrte Damen und Herren,
Mit dem Wahlslogan "Islamisierung Deutschlands verhindern - Nein
zum EU- Beitritt der Türkei" wird die Partei Rechtsstaatlicher
Offensive am 13. Juni bundesweit zur Europawahl antreten. Auf der
heutigen Nominierungsversammlung wählten die 140 Delegierten der
Partei Rechtsstaatlicher Offensive mit absoluter Mehrheit den
40-jährigen Dipl.- Chemiker Detlef Münch.
Der ehrenamtlich als Mitglied des Rates der Stadt Dortmund und
Verwaltungsrichter tätige Spitzenkandidat führt die Partei mit dem
Wahlslogan "Islamisierung Deutschlands verhindern - Nein zum EUBeitritt
der Türkei" in den Europawahlkampf.
Münch:" Wir sind grundsätzlich gegen einen EU- Beitritt der Türkei
oder eine priveligierte Partnerschaft. Dies unterscheidet uns von
CDU und FDP, in deren Regierungszeit im übrigen die höchste
Zuwanderung von Ausländern nach Deutschland überhaupt stattgefunden
hat. Die Integration der bei uns lebenden 2,5 Millionen Türken ist
weitgehend gescheitert. Ich respektiere Kultur und Religion des
türkischen Volkes, aber aufgrund der grundverschiedenen Mentalität
und Wertevorstellungen wäre ein Beitritt der islamischen Türkei in
die EU der Untergang des christlichen Abendlandes."
ots-Originaltext: Partei Rechtsstaatliche Offensive LV Hamburg
Hamburg. Der Rechtspopulist Jörg Haider hat bei der Landtagswahl im
österreichischen Bundesland Kärnten mit seiner Partei FPÖ ersten
Hochrechnungen zufolge mehr als 40 Prozent der Stimmen erhalten.
Haider hatte zuvor erklärt, ein Stimmenanteil von "35 plus" könnte
ihn die zweite Amtszeit als Kärntner Ministerpräsident bringen. Die
Sozialdemokraten wurden indes in Salzburg stärkste Partei. (ap)
(Freie Presse 08.03.2004)
Der Architekt des Berliner Holocaust-Mahnmals, Peter Eismann, hat
den von ihm ausgelösten Eklat im Kuratorium des Mahnmals bedauert.
Er habe sich beim Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums,
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, entschuldigt, sagte Eismann.
Nach Darstellung des Kuratoriumsmitglied Alexander Brenner hat
Eismann in der Sitzung einen "Witz" erzählt. Er sei bei einem
Zahnarztbesuch in New York gefragt worden, ob seine Goldfüllungen
von der Firma Degussa aus den Zähnen ermordeter Juden stammten.
Brenner hatte darauf unter Protest die Sitzung verlassen. (ddp)
(Freie Presse 08.03.2004)
Die 13. Tage der Jüdischen Kultur beginnen an diesem Donnerstag mit
einem musikalisch-literarischen Programm in den Kunstsammlungen
Chemnitz. So wird Thomas Stecher vom Schauspiel Dresden Jiddische
Erzählungen aus "Der Brillant" von Schalom Asch lesen. Der bekannte
Pianist Vladimir Stoupel aus Berlin spielt u. a. Franz Schubert.
Das Programm geht bis zum 20. März und umfasst eine Reihe von
verschiedenen Angeboten, die von einem Konzert mit Klezmers
Techtern bis zu einem Abend mit Tim Fischer in der Stadthalle
reichen. (Freie Presse 08.03.2004)
Schwäbisch Hall (dpa/ND). Am Rande eines Neonazi-Aufmarsches ist es
am Sonnabendabend in Schwäbisch Hall zu Tumulten zwischen der Polizei
und linken sowie rechten Demonstranten gekommen. Antifaschisten
hatten einen erlaubten Aufmarsch der Bewegung "Deutsche
Volksgemeinschaft" blockiert. Beamte wurden laut Polizei mit Flaschen,
Steinen und Knallkörpern angegriffen. Auch mehrere der 130 Teilnehmer
der Neonazi-Versammlung stürmten gegen Polizeibeamte. Die Polizei nahm
mehr als 100 Menschen aus dem linken Spektrum vorläufig fest.
(ND 08.03.2004)
Köln (dpa/ND). Mit der neuen Wanderausstellung "Die Braune Falle" will
der Bundesverfassungsschutz auf die rechtsextremistische Szene und ihr
Werben um Jugendliche hinweisen. Die Schau "sei besonders wichtig, da
wir neben dem Islamismus auch den Rechtsextremismus in Deutschland
nicht vergessen dürfen", sagte ein Sprecher am Montag in Köln. Die
Ausstellung, die am 10. März in Schwerin eröffnet und danach in allen
Bundesländern gezeigt werden soll, informiert über rechtsextremistische
Gruppierungen, ihre "Verführungs"-Methoden, volksverhetzende SkinheadKonzerte
und Propaganda. Bei den rechtsextremistisch motivierten
Straf- und Gewalttaten war nach dem Verfassungsschutzbericht 2002 erneut
ein Anstieg zu verzeichnen, um 8,4 Prozent auf fast 11000 Fälle. 10700
Personen galten als gewaltbereite Rechts- extremisten. In der Szene
werden junge Leute häufig wegen eines Gemeinschafts- und
Kameradschaftsgefühl gelockt. Propaganda wird vor allem über das
Internet und durch im Verborgenen organisierte Konzerte verbreitet.
(ND 09.03.2004)
Wiederau. Zum Frauentag, der von Clara Zetkin initiiert wurde, würdigte
Ulrike Bretschneider, Vorsitzende des PDS-Kreisverbandes Mittweida und
Landtagsabgeordnete, das Wirken der Frauenrechtlerin. Viele Anwesende
zum Frauenforum von PDS und Heimatverein im Wiederauer Museum "Alte
Dorfschule" legten Blumen an der Gedenkstätte ab. (ChW)
(Freie Presse 09.03.2004)
POGROMSTIMMUNG IN JENA
Nazis und rassistische Bürgerinitiative machen in Jena gegen
Flüchtlingsheime mobil
Es ist unfassbar, was in Thüringen derzeit passiert. In Gera wird ein
Mensch von Nazis hingerichtet und die Polizei und Presse weiß nichts
besseres, als die Tat herunterzuspielen bzw. zu relativieren. In Jena
herrscht derzeit regelrechte Pogromstimmung, da in Jena zwei
AsylbewerberInnenheime gebaut werden sollen. Ein Sprecher einer
rassistischen "Bürgerinitiative" gegen die Heime kündigte bereits
Anschläge an, und zwar nicht nur von Seiten der Rechtsextremen(!),
sollte das Heim in Jena-Lobeda erbaut werden. Ein Kindergarten in
Jena, der als Objekt in Frage kommen würde, wurde bereits angezündet
und brannte nieder. Auch in der Nähe von Gera wurde Anfang letzten
Jahres ein AsylbewerberInnenheim Ziel eines rassistischen
Brandanschlags.
Zur Stadtratssitzung am 03. März in Jena ging der deutsche Mob Hand
in Hand gegen das Heim vor. So wurden Parolen wie "Wir wollen keine
Asylantenheime" und "BRD heißt das System, morgen wird es untergehen"
nicht nur von Nazis skandiert. Die Nazis kamen aus Weimar, Erfurt und
dem Umfeld der Jenaischen Straße 25 in Jena-Lobeda.
Antifa-Gruppen aus Jena zeigten sich nicht, sie hatten wohl besseres
vor?! Lediglich wenige AntifaschistInnen aus Ostthüringen und die
Junge Gemeinde Jena stellte sich dem rassistischen Mob in den Weg und
verhinderte, dass diese der Stadtratssitzung beiwohnen konnten.
Es ist allerhöchste Zeit, dem rassistischen Mob in Jena Einhalt zu
gebieten und eine weitere Eskalation zu verhindern.
Nazigegner und Journalisten im Visier der Rechten
Von Peter Nowak
Potsdamer Rechtsextremisten wollen auf einer eigens eingerichteten
Homepage Daten über Linke und kritische Journalisten sammeln. Hinter der
Anti-Antifa-Website stehen offenbar Nazi-Schläger.
Die Internetseite der Anti-Antifa-Sektion Potsdam ist noch "im Aufbau".
Trotzdem ist bereits deutlich erkennbar, welchen Zweck sie dienen soll.
Auf der Startseite stellen sich die Initiatoren "als Kameraden, die es
sich zur Aufgabe gemacht haben, regional entgegen der Antifa zu arbeiten",
vor. Daten aller Art sollen von Nazigegnern erfasst werden. Dazu gehören
Arbeits- und Wohnorte wie auch private Gewohnheiten und Autokennzeichen.
Einige Rubriken sind alternativen Projekten und besetzten Häusern gewidmet,
die in Klammern mit dem Vermerk "Drecklöcher" versehen sind. Zwei Personen
sind bisher mit Fotos auf der Homepage erfasst gewesen. Das Konterfei des
Tagesspiegel-Journalisten Frank Jansen, der seit Jahren über die rechte
Szene berichtet, wurde allerdings wieder aus dem Netz genommen. Weiter am
virtuellen Pranger steht allerdings eine Potsdamer Mitarbeiterin der
Initiative Opferperspektive, die Opfer rechter Gewalttaten betreut. Für die
Betroffene bedeutet das eine Gefährdung. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft
die Ermittlungen wegen der Homepage aufgenommen.
Mitarbeiter des in Berlin erscheinenden Antifaschistischen Infoblatts
legten am Montag auf einer Pressekonferenz Materialien vor, die belegen,
dass die Macher der Anti-Antifa-Homepage dem gleichen Personenkreis
zuzurechnen sind, der auch für zahlreiche Gewalttaten verantwortlich ist.
So habe der den Freien Kameradschaften nahe stehende Oliver Kalies die
Homepage entworfen und ist auch für die Einleitungstexte zuständig.
Erst Ende februar war der Potsdamer Neonazi Heiko Groch zu einer
sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er mit Freunden einen
linken Jugendlichen misshandelt hatte. Während des Verfahrens waren
Aktivisten der neonazistischen Märkischen Heimatfront anwesend, die Fotos
von den anwesenden Antifaschisten machten. Unter dem auf der rechten
Internetseite an vorderster Stelle genannten Projekten steht auch das
alternative Potsdamer Projekt Chamäleon. Es war zu Silvester 2002 von
Neonazis überfallen und mit Signalmunition beschossen worden.
(ND 10.03.2004)
Zuwanderungsgesetz auf der Kippe
Von Uwe Kalbe
Flüchtlingsorganisationen hatten bereits abgewinkt: Das einst mit so
vielen Hoffnungen verknüpfte Zuwanderungsgesetz drohte hinter den IstZustand
des Asyl- und Ausländerrechts in Deutschland zurückzufallen. Dann
schon lieber kein Gesetz als dieses, so lautete der logische Schluss. Nun
plötzlich bescheinigen sich die Unterhändler mehr oder weniger minder
ausgeprägten Bewegungswillen. Doch alles, was durch die Ritzen der
geschlossenen Türen der Runde von sieben Köpfen dringt, birgt wenig Anlass
zu Beifall.
Ein Gesetz, das den unbefriedigenden Zustand der Regelung von
Arbeitsmigration nicht verbessert, wird nicht gebraucht. Und es als das
modernste seiner Art in Europa zu preisen, ist lächerlich. Ein Gesetz, das
nicht dafür sorgt, Menschen, die hier absehbar auf lange Zeit leben werden,
einen menschenwürdigen Status zuzubilligen, ist überaus fragwürdig. Ein
Gesetz, das internationale menschenrechtliche Standards unterbietet, statt
sie zu festigen, ist unmoralisch. Eine Härtefallregelung solle vereinbart
werden, heißt es. Das ist zu begrüßen. Sie dient dazu, Lösungen für Menschen
zu finden, die kein Aufenthaltsrecht haben, deren Abschiebung aber
offenkundig nicht vertretbar wäre. Das Gesetz selbst könnte vermehrt
Regelungsbedarf schaffen. (ND 10.03.2004)
Rom (epd/ND). Die jüdische Gemeinde von Mailand hat die Freilassung des
wegen NS-Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilten Erich Priebke (91)
gefordert. Es gehe nicht um eine Gnadengeste, sondern um die Freilassung von
Häftlingen nach erreichen einer zu bestimmenden Altersgrenze, so GemeindeSprecher
Yacha Reibman. In der Debatte um die Begnadigung des früheren
SS-Manns tritt die Gemeinde für eine Gesetzesreform ein.
Priebke (91), in Rom im Hausarrest, bittet unter Hinweis auf sein hohes Alter
um Begnadigung. Präsident Carlo Azeglio Ciampi hatte dies am Wochenende bei
einem Treffen mit Bundespräsident Johannes Rau ausgeschlossen. Dies setze
voraus, dass die Angehörigen der Opfer dem Täter vergeben hätten. Priebke
wurde 1998 wegen des Massakers in den Adreatinischen Höhlen bei dem 335
römische Zivilisten erschossen wurden, verurteilt. (ND 10.03.2003)
Wiederaufbau der Synagoge unterstützen
Neonazi-Aufmarsch verhindern
Seit einigen Wochen hetzen neonazistische Gruppen - angeführt von der NPD -
gegen den Bau einer neuen Synagoge in Bochum. Mit der Parole "Stoppt den
Synagogenbau - 4 Millionen für's Volk" wollen sie am 13. März in dieser
Stadt demonstrieren.
Die Synagogen von Bochum und Wattenscheid wurden in der Pogromnacht vom 9.
November 1938 von SA-Mitgliedern und anderen Anhängern der NSDAP in Brand
gesteckt und vollkommen vernichtet. Jüdische Bürger wurden misshandelt,
deportiert und umgebracht. Nur wenig später wurden Millionen europäischer
Juden vom Nazi-Regime ermordet.
Die geplante Demonstration der Neonazis steht mit ihrer Forderung nach
einem "Stopp des Synagogenbaus" in direkter Tradition der Pogromnacht und
erneuert die nationalsozialistische Hetze gegen jüdische Menschen und ihre
Einrichtungen. Der Versuch, die sozialen Ängste und Ohnmachtgefühle vieler
Menschen angesichts der aktuellen Sozialpolitik für ihre antisemitische
Propaganda zu nutzen, setzt dies in widerlicher Weise fort.
Der Wiederaufbau der Synagoge in Bochum ist sichtbares Zeichen der in
dieser Stadt wieder entstandenen und wachsenden jüdischen Gemeinde, und
Symbol dafür, dass der Lebenswille und Kampf jüdischer Menschen über den
nationalsozialistischen Vernichtungswillen gesiegt hat. Wir begrüßen die
Wiederentfaltung jüdischen Lebens in unserer Stadt.
Daher werden wir am 13. März mit Entschiedenheit für den Bau der Synagoge
auf die Straße gehen. Und sollte der Neonazi-Aufmarsch in letzter
juristischer Instanz nicht verboten werden, sind wir entschlossen, ihn zu
verhindern; wenn nötig auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsams. Denn die
Aufhebung des polizeilichen Demonstrationsverbots in erster Instanz durch
das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zeigt deutlich, dass der Widerstand
gegen faschistische und antisemitische Propaganda nicht allein Polizei,
Gerichten und anderen Behörden überlassen werden darf. Er ist vor allem
eine politische und gesellschaftliche Herausforderung.
In den vergangenen Wochen haben viele verschiedene Gruppen, Organisationen
und Einzelpersonen öffentlich erklärt, dass diese Neonazi-Demonstration
nicht stattfinden darf. Auch der Oberbürgermeister und die Parteien im
Stadtrat haben erklärt, sämtliche politischen und rechtlichen
Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen, um antisemitische und
menschenverachtende Aktivitäten in Bochum zu unterbinden. Sollte also die
Demonstration der Neonazis in letzter Instanz erlaubt werden, werden wir
alle zeigen müssen, wie ernst es uns damit ist, antisemitische und
faschistische Hetze in dieser Stadt nicht zuzulassen.
Wir rufen auf zu einer Demonstration, um den Wiederaufbau der Synagoge zu
unterstützen und den Neonazi-Aufmarsch zu verhindern.
Treffpunkt: Hauptbahnhof Bochum, 13. März, 10 Uhr
Es rufen auf (Stand 4.3.): ag feminstische theorie und praxis;
AG soziale Grundrechte; AGOT Bochum; Alternative Liste Bochum; Alternative
Liste Duisburg; Anti-Atom-Plenum; AStA RWTH Aachen; AStA Uni Bielefeld;
AStA der RUB; AStA FH Düsseldorf; AStA HHU Düsseldorf; AStA Uni Dortmund;
AStA FH Köln; AStA Uni Köln; AStA Uni Münster; AStA GHS Siegen;
attac Bochum; attac campus; Bahnhof Langendreer/Politik & Nord-Süd Büro;
BezirksschülerInnenvertretung Bochum; Bochumer Friedensplenum; Bochumer
Initiative Südliches Afrika; Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Bochum;
Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Gruppe
Bochum; Deutsches Forum für Figurentheater; Deutsche Pfadfinderschaft Sankt
Georg Bezirk Bochum und Wattenscheid; DKP Bochum; DPWV - Der Paritätische
Bochum; Erinnern für die Zukunft e.V.; Evangelische Studierendengemeinde
Bochum; Fachschaft Geographie; Fachschaftsrat Sozialwissenschaft; Frauen
für den Frieden in der EKvW, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bochum,
Stadtverband Bochum; Heimsprecherkonferenz Bochum e.V., Dachverband der
Studentischen Selbstverwaltungen in Bochumer Studierendenwohnheimen;
IFAK e.V.; JungdemokratInnen/Junge Linke NRW; JungdemokratInnen/Junge
Linke Bochum; JungdemokratInnen/Junge Linke Duisburg; Jugend-Antifa Bochum;
Kinder- & Jugendring Bochum; LabourNet Germany; LinkeListe Bochum;
Ludwig Quidde Forum; Medizinische Flüchtlingshilfe; MSB Spartakus HHU;
PDS Bochum; PDS-Velbert / Kreis Mettmann; Personen aus dem ehemaligen
Antifa-Plenum Bochum und der Ex-Roma-UnterstützerInnen-Gruppe; Ratsfraktion
der Grünen, Bochum; SDAJ Bochum; ['solid]-velbert; Soziale Liste Bochum;
Sozialforum Bochum; terre des hommes - Hilfe für Kinder in Not,
Arbeitsgruppe Wattenscheid und Bochum; virus31; VVN - Bund der
Antifaschisten, Kreisverband Bochum
Eine Band namens Haftbefehl wuchs im Schutz eines städtischen Jugendclubs
auf und verbreitet vom Vogtland aus Hetze und verbotene Symbole
Von Ulrich Riedel
Reichenbach. Reichenbach schien das Problem mit dem Rechtsradikalismus in den
Griff bekommen zu haben. Seit das Auerbacher Amtsgericht Ende der 90er Jahre
Rädelsführer abgeurteilt und die Szene entschieden geschwächt hatte. Seit dem
7. Oktober 2003 setzt sich indes die Erkenntnis durch, dass man einem Irrtum
erlegen war oder der Stadt jetzt eine braune Renaissance droht.
Beamte der Polizeidirektion Gera stürmten an jenem Morgen das wenige Monate
zuvor in der Reichenbacher Innenstadt eröffnete Szenegeschäft Ragnarök. Im
Rahmen einer Razzia wurden in Reichenbach, Aue, Greiz, Gera und Erfurt Privatund
Geschäftsräume durchsucht und zwei von 16 Verdächtigen in U-Haft genommen.
Der Vorwurf: schwerer Betrug in Millionenhöhe und Urkundenfälschung.
Da zumindest im Umfeld dieser "Bande" (O-Ton Polizei Gera) Jugendliche und
junge Männer zu den Stammkunden des Reichenbacher Jugendclubs "Lila Pause"
gehörten, musste das Rathaus der nordvogtländischen Stadt reagieren. Oberb
ürgermeister Dieter Kießling, aufgeschreckt von einem im Nachrichtenmagazin
Spiegel-TV gesendeten Beitrag über ostthüringische-westsächsische Nazi-Netzwerke,
zog personell und konzeptionell die Notbremse. Die Clubleiterin wurde
in eine andere Jugendeinrichtung versetzt. Das zuvor von Polizei und
Fachleuten gelobte Konzept, der rechten Problemgruppe Räume anzubieten, um sie
so im Auge zu haben, erklärte der OB für beendet: "Wir werden keinerlei
rechtsradikale Tendenzen mehr dulden."
Das sah aus wie ein Schlussstrich, doch inzwischen kommen weitere Details ans
Licht. Dreh- und Angelpunkt der Rechten in der Region ist eine Band namens
Haftbefehl. Deren düstere Klänge drangen aus der "Lila Pause", wo den Jugendlichen
Jahre lang ein Proberaum zur Verfügung stand. Welchen Weg die
"Haftbefehl"-Musiker eingeschlagen haben, zeigt die Homepage der Gruppe. Dort
gibt es unter der Rubrik "Lustiges" das Spiel "Zielschießen". Auf dessen
Startseite sind Fotos von Juden und politisch Linken zu sehen, darunter Michael
Freidman, Ignatz Bubis und Martin Luther-King. Die Bildauswahl sei "zufällig",
heißt es in einem Verweis, und die Darstellung "nicht politisch". Die InternetSeite
zeigt aber auch Konzert-Fotos, deren brisanteste Stellen wegretuschiert
sind. Aber nicht alle: Denn hier ragt ein Arm zum Hitlergruß ins Bild hinein,
dort ist ein Hakenkreuz zu sehen. Das Verwenden und Verbreiten dieser Symbole
gilt als Straftatbestand. Reichenbachs OB erklärte gestern, er habe den Hinweis
umgehend an die Polizeidirektion Plauen weiter- geleitet. Der Staatsschutz
kümmere sich darum.
Was Dieter Kießling dann die Sprache verschlug: Unter der Rubrik "Unsere
Mädels" tauchte auf der "Haftbefehl"-Homepage ein Bild der "Lila Pause"-ExLeiterin
auf. Nicht nur dass mit Steuermitteln die Entfaltung rechter
Strukturen begünstigt und gefördert wurde, sondern nun auch noch der Schulter-
schluss zwischen Nazis und öffentlich Bediensteten?
"Ich habe sofort ein Personalgespräch geführt", erklärte der OB. Er habe die
junge Frau stehenden Fußes aus dem Bereich Jugendarbeit entfernt und ihr eine
andere Tätigkeit zugewiesen. "Aus Rücksicht auf die persönlichen Lebensumst
ände", fügte das Stadtoberhaupt hinzu, gebe er ihr nun die letzte Chance zur
Bewährung. Und in den Clubs werde es scharfe und konsequente Kontrollen geben,
versicherte Kießling.
Die Stück für Stück aus der Jugendarbeit entfernte Mitarbeiterin ist ehrenamtliche
Vorsitzende eines vor drei Jahren in die Kritik geratenen Tierschutzvereins.
Einer der Vorwürfe: Aus einem Berliner Tierheim wurden drei
Staffordshire-Mischlinge ins Vogtland geholt. Und diese Rasse gilt als eine
der gefährlichsten und aggressivsten. (Freie Presse 11.03.2003)
### Braunbuch, 09004 Chemnitz PF 443 ###
GEGEN DAS VERGESSEN!
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