Nadeshda
Forum: cl.politik.antifa-presseschau
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>

Wie korrupt ist die Geraer Polizei?

Betrifft: Politischer Skandal in Gera
++ Presseerklärung Antifaschistische Aktion Gera [AAG] 10.03.04 ++

Wie korrupt ist die Geraer Polizei?
AntifaschistInnen fordern die sofortige Absetzung von
Polizeidirektor Lothar Kissel

Am 1. März fand im städtischen "Kulturzentrum Comma" eine
Podiumsdiskussion der Geraer CDU zum Thema "Innere Sicherheit und Ordnung in Gera und Thüringen" statt. In der Einladung hieß es u.a. "Die günstige geographische Lage des Freistaates in Europa bietet besonders Straftätern aus osteuropäischen Staaten einen Ausgangspunkt für kriminelle Aktivitäten."
Auf demselben "Niveau" befanden sich die Beiträge der
Podiumsteilnehmer, wie die eines Herrn Peter Granderath, seines Zeichens Landgerichtspräsident, welcher im latent rassistischen Stereotyp eines "Achmed" eine Bedrohung der Inneren Sicherheit sieht. Der Geraer Polizeidirektor Lothar Kissel war wieder mal Garant für die inhaltliche Untermalung des Abends anhand regionaler
Geschehnisse. Dabei handelte sich dieser Zwischenrufe ein, als er den mittlerweile von der Staatsanwaltschaft zugegebenen, rechten Täterhintergrund der vier Mörder von Oleg, wiederholt zu leugnen versuchte.
Seine Ausführungen gipfelten in der Behauptung, dass es in
Gera "keine politische Polizei" gäbe. In Anbetracht des OTZInterviews mit Lothar Kissel vom 29. Januar, kurz vor der OlegGedenkdemonstration, ist es der blanke Hohn, sich als unpolitisch zu preisen. Verunglimpfte der Polizeidirektor potentielle
DemoteilnehmerInnen als "Linksautonome" und suggerierte im Laufe des Interviews eine vermeintliche Gewaltbereitschaft der
DemonstrantInnen. "Die unbewiesenen Behauptungen der linksautonomen Gruppen sind in hohem Maße geeignet, unserer Region den Stempel politischer Gewalttätigkeit aufzudrücken und werden in keiner Weise der Realität gerecht." Letztlich krönte er seine politische Auffassung mit der Empfehlung an die BürgerInnen Geras, nicht zu der besagten Demonstration zu gehen.
Darüber hinaus hätte sich Kissel für die CDU- Veranstaltung besser gleich wieder ausladen lassen sollen, stand doch in NPD- Manier folgendes im Aufruf der CDU: "Die offenen Grenzen in Europa werden zum Einfallstor für illegale Zuwanderungen, für Waffen- und Drogenschmuggel, für organisierten Menschenhandel. Die grenzenlose Freizügigkeit wird zur Gehilfin des internationalen organisierten Verbrechens."
Gegen Kissel laufen seit Jahren Ermittlungen wegen der so
genannten "Thüringer Rotlichtaffäre". Kissel wird beschuldigt, damit zusammenhängende Akten frisiert zu haben und damit "strafrechtlich relevante Verfehlungen mehrer Führungskräfte" der Thüringer Polizei vertuscht zu haben.
Nach der CDU- Veranstaltung am 1. März, erhielt einer der
Störenfriede prompt eine Anzeige wegen einer über acht Monate zurückliegenden Demonstration gegen Nazistrukturen in Gera. Die Vorladung wurde einen Tag nach der CDU-Veranstaltung versendet - und vermutlich auch am selben Tag erst erstellt.

Der Chefredakteur der Ostthüringer Zeitung, Uwe Müller,
veröffentlichte am 06. März einen Jahresbericht der Polizeidirektion Gera, in dem von 124 "politisch motivierten Straftaten" die Rede ist. Dabei wird verstärkt betont, dass die Straftaten aus
dem "linksextremen Spektrum" zugenommen hätten.
Immerhin 37 Straftaten seien der linken Szene in Gera zuzurechnen. Dies bezieht sich jedoch größtenteils auf nichtige Kleinigkeiten, also Sachbeschädigungen wie Sprühereien oder geklebte
Plakate/Aufkleber, die in anderen thüringischen Städten überhaupt nicht polizeilich aufgenommen werden. Die restlichen 87 Straften der Rechten, zum Beispiel der Brandanschlag auf ein
AsylbewerberInnenheim, werden hingegen nur marginal erwähnt. Wie Kissel darauf kommt, dass die rechten Straftaten zurückgegangen seien, ist in keinster Weise nachvollziehbar. Insbesondere seit dem Jahreswechsel haben rechte Angriffe und Diskriminierungen
zugenommen, zwei Menschen starben aufgrund rassistischer
Auseinandersetzungen. Aber wie die OTZ mit brisanten Themen umgeht, die den Standort Gera gefährden könnten, hatte die Reaktion auf den brutalen Nazimord im Januar gezeigt. So wird erneut verschwiegen und verharmlost, um Sicherheit zu simulieren.
Dies alles vor Augen, scheint es so, dass die Geraer Polizei und insbesondere Lothar Kissel hier mit ausgestrecktem Zeigefinger von der eigenen Korrumpierbarkeit abzulenken versucht. Für
Schuldzuweisungen müssen dann, ganze Stadtteile in Schutt und Asche legende, jede Nacht Häuserwände beschmierende, Senioren die Tasche am hellichten Tage klauende, nie arbeiten gehen wollende und natürlich ständig Bomben bastelnde, so genannte"Linksautonomen" herhalten.

Die Anmelder der Gedenkdemonstration vom 01. Februar 2004 in Gera fordern in einer Erklärung vom 20. Februar die sofortige Absetzung Kissels. Die Forderung unterstützen:
Vertreter des Bündnisses Gegen Rechts Gera, Autonomes Zentrum Klaushaus, Mitglieder der DGB- Jugend Ostthüringen, Vertreter des RJA Ostthüringen, Vorstand und Mitglieder der PDS- Jugend Gera, Mitglieder der ver.di, Ak Asyl, Christel Wagner- Schurwanz (B'90 / Grüne KV Gera, ehrenamtlich ABAD Gera), Antifaschistische Aktion Gera, ['solid] Gera, U.U.R.S.T. e.V., Infobüro Gera,
Antifaschistische Aktion Lüneburg / Uelzen, Rote Hilfe e.V. OG Erfurt, Angelo Lucifero (Gewerkschaftssekretär, LAG-
Antirassismus/Antifaschismus Thüringen), Antifaschistisches Aktionsbündnis Nürnberg, Infoladen Ludwigsburg, OA Nürnberg, Antifaschistische Gruppe im Prenzlauer Berg (AGiP) Berlin, Autonome Antifa Ludwigsburg, Uwe Schubert (ehem. ABAD Gera), Autonome Antifa Schwerin [AAS]
UnterstützerInnenliste aktualisiert am 10.03.04

Thüringer Landeszeitung (TLZ) Gera vom 06.03.04
Linksextreme ziehen bei Straftaten nach
Kissel fühlt sich an Weimarer Republik erinnert

Gera.(-um-) 124 politisch motivierte Straftaten hat die
Polizeidirektion Gera 2003 registriert. Davon gehen zwei Drittel auf das Konto der rechten Szene. Das geht aus der von Polizeidirektor Lothar Kissel vorgestellten Kriminalitätsstatistik für Gera, das Altenburger Land und den Landkreis Greiz hervor. Gehen seit drei Jahren rechtsmotivierte Taten zurück, nehmen Delikte aus dem linksextremen Spektrum zu. Von 75 Straftaten, die 2003 in Thüringen der linken Szene zugerechnet wurden, fielen 37 auf Gera. Als Beispiel für rechtsextreme Straftaten nannte Kissel einen
Brandanschlag auf das Asylbewerberheim Greiz. In Gera kam es bei einer antifaschistischen Kaffeefahrt zu gewaltsamen Übergriffen, führte Kissel ein Beispiel für Straftaten der linksextremen Szene an. Ihr werden außerdem zwei Drittel der politisch motivierten Sachbeschädigungen zugeordnet. Verfolgt werden ebenso
Internetveröffentlichungen, die zu gewalttätigen Übergriffen aufrufen oder sie befürworten. "Die politische Auseinandersetzung erinnert an die Weimarer Republik, als Linke und Rechte die Straße zum Schlachtfeld gemacht haben. Ich gehe aber davon aus, dass unsere Demokratie stärker ist. Ich lasse mich nicht beirren: Wir sind keine Region, in der sich Rechtsextreme ungestört tummeln können", betont Kissel. Und fügte hinzu: "Viele, die uns beschuldigen, auf dem rechten Auge blind zu sein, sollten sich selbst an die Normen des Staates erinnern."

Kommentar hierzu auf Indymedia:
Kissels Welt
Paul 07.03.2004 13:56

In Gera ticken die Uhren halt anders: Der PD-Leiter will in seinem Bereich nicht nur die Hälfte aller in Thüringen
gezählten "linksextremistischen" Straftaten ausgemacht haben, nein Gera ist nach Meinung von Kissel auch "unterproportional" vom Rechtsextremismus heimgesucht. Da hat jeder andere PD-Bereich in Thüringen mehr Straftaten aufzuweisen, als Ostthüringen. Logo: Zwar organisieren die Neonazis in Gera öffentliche Skinheadkonzerte, werden Flüchtlingsunterkünfte angezündet und Spätaussiedler ermordet - aber vom "Rechtsextremismus" keine Spur. Dafür wird eine unverantwortliche Hetze gegen Linke betrieben (wenigstens da stimmt Herrn Kissels Vergleich mit der "Weimarer Republik").
Zur Zeit fordern KommunalpolitikerInnen, Antifa und
BürgerrechtlerInnen die Absetzung von Kissel. Wird auch höchste Zeit: Im Bereich der PD Gera waren Polizeibeamte im
Frauenhandel/organisierte Kriminalität verstrickt, wurden Nazi-Kader (BloodandHonour-Verbot) vor Durchsuchungen gewarnt und findet eine gezielte Desinformation/Kampagne der Öffentlichkeit statt. Damit muss Schluss sein! In Gera muss nicht nur der Braune Sumpf - sondern auch der Polizeisumpf trockengelegt werden!

Mehr zum Polizeiskandal in Gera/Thüringen und der Kriminalisierung von Geraer AntifaschistInnen unter: http://aag.antifa.net

11.03.04    Infotelefon Garfield <infotelefon.garfield@gmx.de>
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>
Forum: cl.politik.antifa-presseschau