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Rhein-Neckar-Zeitung
REGIONAL - MANNHEIM 31.12.2003
SEK räumt das besetzte Gebäude
Friedliches Ende einer Hausbesetzung
Ein massiver Polizeieinsatz beendete gestern die fünftägige Besetzung
eines Hauses im Stadtteil Jungbusch. Rund hundert Beamte und ein
Spezialkommando räumten das Gebäude am Verbindungskanal Linkes Ufer. Die
Bahn AG hatte als Eigentümerin am Vortag Strafantrag gestellt. Die
dreizehn jungen Leute ließen sich widerstandslos festnehmen und sind
wieder auf freiem Fuß. Foto: Proßwitz
boo. Nach fünf Tagen beendete die Polizei gestern kurz vor acht Uhr die
Besetzung eines leer stehenden Hauses im Stadtteil Jungbusch. Rund
hundert Polizeibeamte, voran ein Sondereinsatzkommando, räumten das
zweistöckige Gebäude. Die elf Männer und zwei Frauen, im Alter zwischen
20 und 25 Jahren beendeten ihre Aktion darauf hin absolut friedlich und
ließen sich festnehmen. Auf dem Polizeipräsidium wurden ihre Personalien
aufgenommen, dann kamen sie auf freien Fuß. Allerdings müssen sie nun
mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen. Nachdem die Deutsche
Bahn AG als Eigentümerin des Gebäudes am Montag Strafantrag gestellt und
ein Gespräch zwischen Vertretern der Bahn und den jungen Besetzern kein
Ergebnis gebracht hatte, erließ Oberbürgermeister Gerhard Widder in
einer Krisenbesprechung mit Vertretern der Polizei die Verfügung zur
Räumung. Am frühen Morgen landete dann ein Hubschrauber mit SEK-Beamten
auf dem Dach, die Spezialisten nahmen das Gebäude ein. Polizeisprecher
Martin Boll begründete den massiven Einsatz:" Wir wollten verhindern,
dass jemand in der Dunkelheit aus dem Fenster oder vom Dach springt" In
dem Gebäude herrschten eisige Temperaturen und Dunkelheit, da bereits an
den Vortagen Strom, Heizung und Wasser abgestellt worden waren. Die
Besetzer aus der linken Szene protestierten gegen die ihrer Ansicht
"Luxus-Sanierung" des Stadtteils mit Pop-Akademie und teuren Wohnungen
und befürchteten die Vertreibung angestammter Bewohner.
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SEK weckt die Hausbesetzer Gebäude im Jungbusch geräumt / Erneute Demo
am Abend
Nun blies die Stadt Mannheim doch schneller Alarm als zunächst erwartet:
Gestern morgen stürmte ein Sondereinsatzkommando das besetzte Haus im
Jungbusch. Gegen acht Uhr wirbelte ein Hubschrauber den Staub rund um
das linke Ufer mit der Hausnummer 20 auf.
Elf Männer und zwei Frauen standen im Visier der Polizei. Seit dem
ersten Weihnachtsfeiertag hatten sie das von der Deutschen Bundesbahn
gepachtete Gebäude für sich beansprucht, wollten dort einen autonomen
Freiraum für sozialschwache Bewohner aus dem Jungbusch schaffen. Sie
hausten ohne Strom, ohne fließend Wasser, am Montag kappte die Polizei
auch die Lebensmittelversorgung. Am nächsten Morgen dann das Ende - noch
bevor der große Hunger kam. Von einem Hubschrauber aus seilten sich die
SEK-Beamten ab, sicherten sämtliche Ausgänge und Fenster. Durch den
Eingang, eine gut verriegelte Schiebetür aus Stahl, ebnete sich die
Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit den Weg in die oberen Etagen, wo
die Gruppe schlief.
Am Tag zuvor hatte die Bahn Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs
gestellt. Sämtliche Verhandlungen mit den Hausbesetzern verliefen
ergebnislos. "Die Leute wurden aufgefordert, das Gebäude zu verlassen",
erklärte Werner Graf, Pressesprecher der Deutschen Bahn, gestern auf
Anfrage - aber nichts geschah. Doch die Hausbesetzer schienen die
Räumung geahnt zu haben, ohne Widerstand verließen sie in Begleitung der
Beamten ihr Quartier. "Man musste ihnen nicht mal Handschließen
anlegen", versicherte Polizeisprecher Martin Boll. Alle Namen seien
polizeilich gespeichert, die Fingerabdrücke genommen. Zwar sind die
Personen wieder auf freiem Fuß, doch die Ermittlungen laufen weiter.
Trotz des stürmischen Einsatzes am Morgen fegten auch am Mittag noch
zahlreiche Personen übers Gelände am linken Ufer. "Wir sorgen vor", ließ
sich Graf gern in die Karten schauen: "Das Haus soll nicht nochmal
besetzt werden." Ein Aufräumkommando schlug die Fenster ein, dann eilte
die Feuerwehr herbei, hinterließ überall wässrige Spuren, die in der
Nacht gefrieren sollen. Gestern Abend zogen rund 100 friedliche
Demonstranten nochmals vom Paradeplatz bis zum Hauptbahnhof und zurück.
"In der zweiten Januarwoche wird das Haus definitiv abgerissen",
erklärte Graf. "Dann ist unser Vertrag abgelaufen und das Ganze
erledigt." ast
Mannheimer Morgen - 31.12.2003
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