|
Betreff: Leserbrief zur Treitschkestraße
Lieber Herr Buchwald,
den folgenden Leserbrief zur Mitteilung „Treitschkestraße bleibt“ in der RNZ
vom 20.12.03 bitte ich in Ihrer Zeitung abzudrucken.
Mit freundlichen Grüßen,
Dieter Fehrentz
Treitschkestraße, ein Skandal
Es ist nicht zu fassen: Da gibt es in Heidelberg eine Treitschke-Straße, die
nach dem wohl prominentesten Einpeitscher des Antisemitismus im 19.
Jahrhundert benannt ist. „Bis in die Kreise der höchsten Bildung hinauf...
ertönt es ..: die Juden sind unser Unglück!“ So lautet ein Kernsatz in Prof.
Heinrich von Treitschkes Hetzschrift „Unsere Aussichten“ aus dem Jahre 1879.
Da wird ein Antrag auf eine längst fällige Umbenennung der Straße und
Beseitigung dieses Makels von der Stadt gestellt. Er findet Zustimmung im
zuständigen Bezirksausschuss wie auch im Finanzausschuss mit der
Favorisierung von Emil Julius Gumbel als neuen Namen. Schließlich wird der
Antrag in der Gemeinderatsitzung vom 17.12.03 völlig unverständlich von
einer konservativen Allianz aus CDU, FWV, Heidelbergern und Frau Hommelhoff
(FDP) niedergestimmt. Man kann daran zweifeln, ob sich diese Damen und
Herren darüber im Klaren sind, welche Schande sie mit ihrer Ablehnung der
Stadt bereitet haben. Werden sie doch nicht müde, bei jeder Gelegenheit ihr
Bedauern und ihre Trauer über die Vertreibung und Ermordung unserer
ehemaligen jüdischen Mitbürger auszudrücken. Um so mehr müsste ihnen die
Unvereinbarkeit dieser Haltung mit der Ehrung eines geistigen Anstifters der
Judenverfolgung aufgefallen sein. Der Vorgang zeigt ein weiteres Mal, wie
der Rechtsradikalismus – gewollt oder nicht - aus der Mitte unserer
Gesellschaft Nahrung erhält. Heidelberg muss jetzt weiterhin diesen
unsäglichen Straßennamen ertragen, bei dessen Erklärung einem die Schamröte
ins Gesicht steigt.
Prof. Dieter Fehrentz
Für den Vorstand der VVN-BdA HD
|