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Junge Welt 17.12.2003
Inland
Jan Rohlfs
Ewiggestrige Flaneure
In Nürnberg veranstalteten Burschenschaften am Sonntag ihren
alljährlichen »Thomasbummel«
Am vergangenen dritten Advent stand Nürnberg wieder einmal im
Mittelpunkt des studentischen Verbindungswesens. Beim jährlichen Treffen
»bummeln« die Korporierten am sogenannten Thomastag von der Nürnberger
Lorenzkirche zum Weißen Turm. Hier drehen sie, erkennbar an ihren bunten
Mützchen, teilweise auch in vollen Wichs gekleidet und mit Säbeln
bewaffnet, einmal im Jahr ihre Runden. Am Sonntag nachmittag löste sich
die Versammlung nach knapp zwei Stunden wieder auf.
»Alte Herren« waren schon am Samstag abend zu Besuch gekommen, um sich
und ihre Verbindung zu feiern. Beim »Thomasbummel« bestätigten die
Burschenschafter durch ihr gemeinsames Auftreten erneut, daß ihre gern
vorgebrachten Distanzierungen von offen rechtsextremen Verbindungen nur
Lippenbekenntnisse sind. Losungen wie »treudeutsch« sind auch auf den
Bannern von »liberalen« Verbindungen keine Seltenheit.
Zum dritten Mal gab es am Sonntag, organisiert vom Freien Zusammenschluß
von StudentInnenschaften (fzs), der Nürnberger Studierendenvertretung
StuVe und der linken Gruppe Praxis, Proteste gegen dieses Treiben. Doch
das Häuflein derer, die öffentlich gegen die Zelebration
rechtskonservativen Gedankenguts auftraten, war erneut erschütternd
klein. 2 000 Korporierten standen ganze 20 Kritiker gegenüber. Zumindest
informierten die linken Studenten die oft vom Aufmarsch überraschten und
über ihn empörten Besucher der Nürnberger Innenstadt und des
Christkindlmarktes mit Flugblättern über das zumeist nationalistische,
autoritäre und sexistische Weltbild der Burschenschaften.
Einige Antifaschisten, die sich den Korporierten in den Weg setzten,
wurden kurze Zeit später durch die Polizei entfernt. Der dort aufgebaute
Infotisch der Protestierenden wurde fast die gesamte Zeit von
Korporierten belagert, die immer wieder gerne unten den Augen der
Polizei auf die Protestierer eintraten. Erst, wenn sich die
Antifaschisten zur Wehr setzten, schritten die Beamten ein. Unter
Pfiffen vollzogen die Korporierten, denen man ihren starken
Glühweinkonsum anmerkte, ihren Thomasbummel.
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