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40. Jahrestag des Attentats auf Rudi Dutschke

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40. Jahrestag des Attentats auf Rudi Dutschke

Berlin (dpa) - Das Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 traf eine charismatische Figur der damaligen Studentenbewegung. Mit seinen Kampagnen gegen Vietnamkrieg, Große Koalition und Springer-Konzern war Dutschke nicht nur zum Idol der rebellischen Jugend geworden.

Der junge Mann mit den dunklen, langen Haaren - oft mit gestreiftem Pullover oder Lederjacke - erregte mit seinen stakkatoartigen Reden auch Hassgefühle in der Bevölkerung. Dutschke wurde am 7. März 1940 bei Luckenwalde (Brandenburg) als jüngster Sohn eines Postbeamten geboren. Seine älteren Brüder Helmut und Manfred erinnern sich heute in einem Gespräch mit dem Audiodienst der dpa an ihn als einen eher ruhigen Typ.

Helmut Dutschke sagt aber auch: "Er war immer der führende Mann vorne, der die anderen immer wieder motivieren wollte." Der "verrückte Sportler" hatte eigentlich Sportjournalismus studieren wollen. Nachdem er in einer Rede in seiner Luckenwalder Schule den Dienst in der Nationalen Volksarmee abgelehnt hatte, wurde ihm das Studium von den DDRFunktion ären jedoch verwehrt.

So pendelte Rudi Dutschke nach West-Berlin, machte dort noch einmal das Abitur, um im Westen studieren zu können, und kehrte 1961 nach dem Bau der Mauer nicht mehr zu seiner Familie in die DDR zurück. Als Soziologiestudent an der Freien Universität (FU) schloss er sich 1963 der "Subversiven Aktion" an, die 1964 im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) aufging. Der SDS war Mitte der 60er Jahre Motor der Studentenbewegung und der außerparlamentarischen Opposition - und Dutschke mit seinen radikal-sozialistischen Ideen eine seiner herausragenden Figuren.

Das Attentat auf ihn bedeutete für den Revolutionär eine tiefe Zäsur. Die Schüsse, die der Gelegenheitsarbeiter Josef Bachmann auf ihn abfeuerte, beschädigten sein Gehirn. Mit eisernem Willen fand er seine Sprache und sein Gedächtnis wieder.

In seiner Autobiografie "Aufrecht gehen" schrieb Dutschke später: "Dem Leser möge es erspart bleiben, eine Situation zu erleben, in der sich herausstellt: nicht mehr lesen, die Alltagssprache nur äußerst eingeschränkt handhaben zu können und die eigenen Erfahrungen, die eigene Begriffswelt und vieles mehr in einem langen und schmerzhaften Prozess voller Fort- und Rückschritte zurückgewinnen zu müssen." Dennoch schrieb der "christlich motivierte Sozialist" (Biograf Ulrich Chaussy) versöhnliche Briefe an seinen Attentäter.

Er schaffte es, erneut politisch und wissenschaftlich aktiv zu werden. Die Jahre nach dem Attentat waren eine Odyssee durch Europa. Nicht überall war Dutschke willkommen. 1970 begann er ein Studium an der Universität Cambridge. Nach der Ausweisung aus England wurde er Dozent an der dänischen Universität Aarhus. Ein Jahr vor seinem Tod notierte er resigniert: "Wenige, lumpige Jahre aktiv im Leben politischer Arbeit gewesen zu sein und Kugeln in den Kopf zu bekommen, welche Notwendigkeit war da?"

Auch in der Bundesrepublik wurde Dutschke wieder politisch aktiv, engagierte sich gegen Berufsverbote und nahm an Anti-AtomkraftDemonstrationen teil. 1973 promovierte er an der FU Berlin. 1979 wurde er Mitglied der Bremer Grünen Liste.

Kurz vor dem Gründungskongress der Grünen starb er am 24. Dezember 1979 mit nur 39 Jahren an den Spätfolgen des Attentats. Im Haus seiner Familie in Aarhus ertrank er nach einem epileptischen Anfall in der Badewanne. Neben seiner schwangeren Frau Gretchen hinterließ er die Kinder Hosea Che und Polly Nicola. Das dritte Kind, Rudi Marek, wurde erst Monate später geboren.

"Wo Rudi begraben werden sollte, war keine Frage: in Berlin. Dorthin gehörte er", schrieb Gretchen Dutschke-Klotz in ihren Erinnerungen ("Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben"). Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem kleinen St. Annen-Friedhof unweit der FU - 1999 vom Senat in ein Ehrengrab umgewidmet. Möglicherweise wird auch bald ein Teil der Kochstraße in Berlin-Kreuzberg - an der der Axel-Springer-Verlag liegt - in Rudi-Dutscke-Straße umbenannt.

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Dokument erstellt am 11.04.2008 um 10:24:02 Uhr
Letzte Änderung am 11.04.2008 um 11:08:51 Uhr
Erscheinungsdatum 11.04.2008

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