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Bonn/Wien – Konservative sind meist theoriefaul. Dies mag ein Grund dafür
sein, warum sie in Debatten mit Linken häufig den Kürzeren ziehen. Immer
wieder gibt es Bestrebungen, diesem Mangel abzuhelfen. Die Politische
Akademie der Österreichischen Volkspartei http://www.modernpolitics.at
unternimmt mit den beiden Bänden „Stichwortgeber für die Politik“ jetzt
einen neuen Anlauf. Auf jeweils knapp zehn Seiten erfährt der
interessierte Leser das Wichtigste über konservative und liberale Denker
wie Edmund Burke, Ludwig von Mises, Ludwig Erhard, Leo Strauss, Arnold
Gehlen, Hermann Lübbe, Eric Voegelin, Paul Nolte, Nicolás Gómez-Davila,
Russel Kirk, Panajotis Kondylis, Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Roland
Baader, Carl Schmitt, Robert Spaemann etc. Jedes Kapitel schließt mit ein
paar besonders aussagekräftigen Zitaten des Porträtierten.
Günther Burkert-Dotollo, Direktor der Politischen Akademie und
Mitherausgeber des Sammelbandes, macht in seinem Vorwort klar, was ihn an
der Rhetorik des politischen Gegners stört. Die Linke übe sich weniger in
der Kunst der Argumentation, sondern eher in der Kunst der
Gesinnungsethik: „Moralisierung der Politik, staatlich alimentierte
Volkspädagogik und Meinungen ersetzen aber nicht den vorurteilsfreien
politischen Diskurs.“ Mit den beiden Büchern soll eine Art Klammer
zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlossen werden: „Die Autoren
zeigen, welche Erkenntnisse der Stichwortgeber für sie auch heut noch
Gültigkeit besitzen. Sie sollten nicht vorzeitig auf dem Altar des
Zeitgeistes geopfert werden.“
Von Edmund Burke lernen wir, dass sich auch heute noch ein
„institutionenbejahender, pragmatischer, skeptischer und immer
wirklichkeitsbezogener Zugang zu politischen Fragen“ lohnt. Burke ist
insofern ein typischer Anti-Linker, als er utopische Programme zu Weltund
Gesellschaftsverbesserung ablehnte. Religion war in seinen Augen für
das Zusammenleben der Menschen unverzichtbar, weil sie das Gemeinwesen
zusammenhält. Die beiden sozialistischen Gewaltregime des 20. Jahrhunderts
haben eindrucksvoll dokumentiert, wohin der Abfall von Gott und der
Anspruch, die Menschheit mit einer verbrecherischen Ideologie beglücken zu
wollen, führen kann.
Eine Wiederentdeckung wert ist sicher auch Arnold Gehlen, weil er eine
Sozialphilosophie prägte, die den Konservatismus erstmals mit dem
technischen Fortschritt versöhnte. „Seine Thesen und Argumentationsfiguren
sind generell technologieaffin. Damit bilden seine Thesen ein notwendiges
Korrektiv zu den postmaterialistischen Schwärmereien der neuen sozialen
Bewegungen. Gleichzeitig richten sie sich auch dezidiert gegen den
anti-technischen Affekt vieler konservativer Theoretiker“, schreibt
Bernhard Moser. Gehlen ist viel moderner als manche seltsamen Vertreter
der so genannten „Neuen Rechten“, die ihn heute für ihre politischen
Überzeugungen vereinnahmen wollen. Leider haben die Konservativen in
Deutschland – auch abseits jener nicht ernst zu nehmender Gruppierungen –
ihre Probleme mit dem technischen Fortschritt und stimmen aktuell auch
ganz gern in den Chor der Klimahysteriker ein.
Es ist unmöglich, eine Inhaltsangabe der beiden empfehlenswerten Bände
vorzulegen. Man sollte sie einfach bestellen und lesen. Abschließend lässt
sich noch feststellen, dass die Konservativen in Österreich etwas mutiger
zu sein scheinen als ihre Gesinnungsfreunde in Deutschland. Das gilt für
die Partei wie die parteinahe Stiftung.
Burkert-Dottolo, Günther/ Moser, Christian Sebastian (Hg.): Stichwortgeber
für die Politik (Set) Band I & II. Band I. ISBN: 3-200-00674-9. 160 Seiten,
broschiert. Band II ISBN 978-3-200-00711-6. 194 Seiten, broschiert. Preis:
€ 19.00. Eigenverlag der Politischen Akademie, Wien 2007.
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