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Offener Brief an die Grüne Abgeordnete MdB Deligöz
IBKA Pressemitteilung vom 23.02.2007
Sehr geehrte Frau Deligöz,
nicht ohne Irritation nimmt der Internationale Bund der Konfessionslosen
und Atheisten e. V. (IBKA) Ihre Äußerungen zur Gründung des
"Zentralrats der Ex-Muslime" zur Kenntnis.
Denn wenn Sie sagen, es könne nicht darum gehen, den Glauben zu
bekämpfen, stattdessen müsse die Religion modernisiert werden, so mag
das Ihre private Position sehr treffend beschreiben, und diese zu
verfolgen ist selbstverständlich ein Recht, das Ihnen niemand bestreitet.
Jedoch, so wie dieser Satz in den Medienberichten dargestellt wird,
sagen Sie dies nicht über sich selbst und Ihre eigenePosition, sondern
über jene, deren Anliegen es ganz offensichtlich war, einen Zentralrat
der Ex-Muslime zu gründen.Dazu möchten wir zunächst einmal festhalten,
daß es selbstverständlich sehr wohl darum gehen kann, organisierter
Religion, deren öffentlicher Subventionierung und politischen
Herrschaftsansprüchen, sowie auch irrationalen Inhalten, mit Aufklärung
und systematischer Kritik entgegen zu treten.
Wie viele halbaufgeklärte Gläubige im Christentum scheinen auch Sie
nicht fähig zu sein, Nicht-Gläubige als eben solche zurKenntnis zu
nehmen und zu respektieren. Überdeutlich wird diese Ignoranz, wenn Sie
die Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime zwar begrüßen, darin aber
eine Kritik an dem Anspruch der muslimischen Verbände sehen, alle
Muslime zu vertreten, und damit gerade das zentrale Anliegen der
Mitglieder des Verbandes mit Füßen treten: Es soll endlichzur Kenntnis
genommen und respektiert werden, daß sie eben keine Muslime sind.
Die gerade auch in Ihrer Partei beliebte Verwechslung von Migration mit
Religion und die gerne propagierte Lösung vonIntegrationsproblemen,
durch Übertragung staatskirchenrechtlicher Privilegien auf islamische
Verbände, ist auch Teil der Fehlentwicklung, gegen welche sich die
Neugründung des Zentralrates der Ex-Muslime bereits erkennbar doch
richtet.Unbewusst ergreifen Sie mit Ihren Äußerungen die Partei jener,
welche die Mitglieder des Zentralrats mit dem Tod bedrohen.
Denn wenn Sie auch - dies sei Ihnen unbestritten - diese Drohungen
ablehnen, so bestätigen Sie doch im Grunde deren moralisches Urteil über
die "Abgefallenen":
Wenn Sie in der Bezeichnung "Ex-Muslime" einen "negativen Beigeschmack"
zu erkennen meinen, so drückt dies ebenso eine moralische Abwertung der
sich so Nennenden aus, wie dann, wenn Sie der aktiven Ablehnung des
Glauben die Legitimität absprechen und die Betroffenen stattdessen für
eine Reform des Islams in die Pflicht zu nehmen versuchen, und
ihnendamit indirekt vorwerfen, diese fiktive Verpflichtung durch ihre
grundsätzliche Abwendung zu verletzen.Wie schon einst Christa Nickels in
Bezug auf die katholische Kirche, verwechseln Sie die öffentlichen
Erfordernisse der weltanschaulichen Neutralität eines politischen
Mandates mit dem privaten Interesse der inneren Reformation einer
Glaubensgemeinschaft. Dies macht Sie blind gegen die Rechte und
Interessen jener, die eben nicht glauben, die einer Gemeinschaft deshalb
weder angehören noch angehören wollen - und die deshalb auch weder ein
Interesse noch gar eine Pflicht haben, sich um die Fortentwicklung einer
solchen Gemeinschaft zu sorgen; die jede Legitimation haben, eine solche
Gemeinschaft als das nehmen, was sie eben realiter darstellt, statt als
das, zu dem einige einflußlose Mitglieder sie gerne reformieren würden;
und die alles Recht der Welt haben, sich gegen von einer derartigen
Gemeinschaft ausgehendeÜbergriffe auch zu wehren.
Mit freundlichen Grüßen,
Rudolf Ladwig
(IBKA e.V., 1. Vors.)
Über den Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V.:
Der IBKA versteht sich als Interessenvertretung des
konfessionslosenBevölkerungsteils, der in Deutschland mittlerweile auf
über 30% angewachsen ist. Wir setzen uns für die Verwirklichung
desVerfassungsgebotes der weltanschaulichen Neutralität des Staates ein
– in Deutschland wie in Europa.Der IBKA tritt ein für die allgemeinen
Menschenrechte als unveräußerliche individuelle Rechte des einzelnen
Menschen. Er wendetsich gegen Diskriminierungen aus religiösen oder
weltanschaulichen Motiven. Zu diesem Zweck fordert er eine konsequente
Trennung desstaatlichen Bereichs von Kirchen, Religionen und
Weltanschauungen.
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