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Bonn – Die Linken sind einfach cleverer. Diese Aussage bezieht sich nicht
auf ihre Politik, denn da haben Konservative und Liberale meist die Nase
vorn. Grüne und Sozis sind aber in jedem Fall die besseren
Verpackungskünstler. Nach Ansicht junger Leute aus dem Umfeld der CDU muss
sich dies ändern. „Die deutsche Linke und insbesondere deren
Marketing-Strategen schaffen es oft, scheinbar neutrale Begriffe in die
Diskussion zu bringen und damit teilweise schleichend die Diskurshoheit zu
erringen. Eine vergleichbare Dominanz hat für das bürgerliche Lager bislang
nur der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler erreicht – wenn auch nur
für kurze Zeit und vor allem durch provokante Äußerungen“, schreibt Philipp
Mißfelder, Bundesvorsitzender der Jungen Union Deutschlands
http://www.junge-union.de, in dem von ihm herausgegebenen Büchlein
„Wort-Wahl“.
Diese Dominanz hat sicher nicht nur etwas mit Personen zu tun, sondern vor
allem mit Programmatik. Selbstverständlich ist Ronald Pofalla als
Geißler-Nachfolger eine sehr schwache Figur, die vom politischen Gegner
nicht ernstgenommen wird. Doch viel stärker liegt die argumentative
Schwäche der Union daran, dass sie den Kampf um die politischen Begriffe
nicht beherrscht. Ein Beispiel: Die SPD redet von der
„Bürgerversicherung“. Alle finden den Begriff toll, obwohl eine solche
Einrichtung unser Gesundheitssystem nicht unbedingt bereichern würde. Die
CDU nannte ihr Konzept „Kopfpauschale“. Dabei denkt man direkt an einen
Kopfgeldjäger; und obwohl das dahinter stehende Konzept vielleicht viel
überzeugender ist als der Vorschlag der Gegenseite, wenden sich alle mit
Grausen ab. Dass die CDU-Politiker dann auf das Wort „Gesundheitsprämie“
auswichen, machte das Ganze nur noch schlimmer.
Mißfelder weist zurecht darauf hin, dass die Bürgerlichen in den USA,
Frankreich und in Großbritannien nicht so naiv sind wie in Deutschland. In
den genannten Ländern habe die Entwicklung von politischen Begriffen einen
hohen Stellenwert, so Missfelder. Sie würden ähnlich wie bei der
Produkteinführung in der Industrie mit professionellen Werbestrategien
begleitet. Dieser Zweig der Kommunikation sei in Deutschland extrem
unterentwickelt. In dem Sammelband versuchen sich 14 junge und unionsnahe
Autoren daran, Begriff wie konservativ, soziale Gerechtigkeit,
Solidarität, Patriotismus, das „hohe C“ im Parteinamen, Neoliberalismus,
Antifaschismus und so weiter zu definieren.
Jörg Hackeschmidt hält der Linken zugute, dass sie den Diskurs für wichtig
nimmt. Daher behauptet sie häufig auch die Diskurshoheit. Warum können die
Sozen das so gut? Weil sie gelernt haben, sehr grundsätzlich zu
argumentieren, aggressiv zu polemisieren und weil sie keine Angst vor
politischem „hardball“ haben. Das Thema Rechtschreibreform sei ein schönes
Lehrstück, so der Autor. „Schon mal versucht, ‚bürgerliche Dichter’ wie
Thomas Mann in der GEW-Rechtschreibung zu lesen?“ fragt Hackeschmidt. Die
FAZ, die Welt und einige Dichter, Denker und Wissenschaftler mobilisierten
den Widerstand. Von der Union kam nichts. Schlimmer, sie reichte der
Gegenseite sogar noch die Hand zur gemeinschaftlichen Verhunzung der
deutschen Sprache.
Sehr lesenswert ist auch der Aufsatz von Tim Peters unter dem Titel „Was
ist Antifaschismus?“. Peters macht deutlich, dass dieser Begriff
vornehmlich im linksextremistischen Spektrum Anklang und Verwendung
findet. „Viele Antifaschisten neigen dazu, bereits bestimmte Positionen
der bürgerlichen Mitte als rechtsradikal zu diffamieren, wie etwa
Forderungen nach einer konsequenten Politik der Inneren Sicherheit, nach
einem kompromisslosen Vorgehen gegen militante Islamisten oder nach einem
marktwirtschaftlichen Umbau der Sozialsysteme.“ Gern rufen die selbst
ernannten „Antifaschisten“ zum „Kampf gegen rechts“ auf. Würde sich zum
Beispiel die SPD an einer Demonstration „gegen links“ beteiligen, könnte
man ketzerisch fragen. Peters empfiehlt dagegen das Engagement „für
Demokratie und gegen Extremismus“. Der historisch belastete Begriff des
„Antifaschismus“ hat ausgedient, da nicht zuletzt Kommunisten
millionenfache Verbrechen im Namen des „Antifaschismus“ verübt haben.
Der ganze Band ist überaus lesenswert und lässt die Hoffnung keimen, dass
der politische Nachwuchs der CDU nicht nur aus weichgespülten Juristen,
Volkswirten und Consulter-Nasen besteht, sondern durchaus auch aus
ernsthaften jungen Menschen, die mit der Sprache umgehen können. Das
politische Geschäft ist nichts für Weicheier. Also auf in den Kampf um die
Diskurshoheit.
Philipp Missfelder (Hg.): Wort-Wahl. Politische Begriffe in der
Diskussion. Weiss-Verlag 2006, 152 Seiten, ISBN 978-3-923632-03-9
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