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Von Ansgar Lange
Bonn/Hamburg – Seit ein paar Jahren geistert der Begriff der „neuen
Bürgerlichkeit“ durch die Gazetten. Christan Rickens, früher bei Brandeins
http://www.brandeins.de, heute Redakteur beim Manager-Magazin
http://www.manager-magazin.de, hält die „neuen Bürgerlichen“ für Spießer.
Der Schlachtruf dieser Personen lautet: „Hilfe, wir Deutschen sterben
aus“. Immer mit an vorderster Front: Herwig Birg. Er ist der neue Star
unter den „Demographiehysterikern“, die ihre Botschaft über alle Kanäle
transportieren. Wer ständig in den Medien auftaucht oder in die Medien
will, muss über einen gewissen, in Maßen auch gesunden Geltungsdrang
verfügen. In seinem Buch über die Vergartenzwergung Deutschlands
beleuchtet Rickens den Lebenslauf von Deutschlands bekanntestem
Demographen Herwig Birg. Dessen wissenschaftliche Karriere sei eher
unauffällig verlaufen. Außerhalb seiner Zunft sei Birg lange Zeit
überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden: „Ein Schicksal, das er
übrigens mit vielen anderen Demographen teilte: Die Angehörigen dieser
Disziplin galten jahrelang als wissenschaftliche Hilftstruppe, als
Zahlenhuber, denen jenseits ihrer Sterbetabellen leider die notwendige
Sensibilität fehlt, um im politischen Diskurs ernst genommen zu werden.“
Dieses Image habe sich erst mit dem Aufkommen der neuen Bürgerlichen
gewandelt – „und Birg avancierte im fortgeschrittenen Alter zum
Medienstar“. Doch die Berühmtheit des Demographen lasse nicht unbedingt
auf die Zuverlässigkeit seiner Aussagen schließen, da Birg „seriöse
Demographie mit eigenen konservativen Werturteilen und allerlei
halbwissenschaftlichen Anleitungen bei Nachbardisziplinen wie
Volkswirtschaftlehre und Politologie“ mische. In seinem neuen Buch weist
Rickens nach, dass Birg in der Substanz „kaum mehr als akademischen
Stammtisch“ bietet. Im internationalen Vergleich sei die Geburtenrate in
Deutschland nämlich ziemlich normal. Birg hingegen erwecke den
gegenteiligen Eindruck. Problematisch sei auch Birgs Haltung zur
Zuwanderung: „Er stellt pauschal den Einfluss von Fremden mit kulturellem
Niedergang gleich“.
Rickens wirft Birg und Co. vor, dass sie die Demographiedebatte moralisch
aufladen, um ganz eigene Interessen zu verfolgen. Sie sind eine Art
Missionare der Unfreiheit: „Sie haben wenig Hemmungen, regulierend in das
Leben anderer einzugreifen und dafür anerkannte demokratische und liberale
Grundsätze über Borg zu werfen. So fordert Birg neben der bevorzugten
Einstellung von Müttern auch die Einführung eines Eltern- oder
Familienwahlrechts.“ Dies heißt im Klartext: Die Stimme eines
Familienvaters (oder eine Mutter) zählt mehr als die einer kinderlosen
Person. Es gehört zu den Vorzügen dieses Landes, dass jeder seine Meinung
sagen darf. Allerdings ist bei manchen Stimmen, die sich lautstark in den
Medien positionieren, mittlerweile Vorsicht geboten. Die Bürger müssen
sich dagegen wehren, dass nicht wieder jener Freiraum eingeschränkt wird,
den sich die „Bürger mühsam über Jahrhunderte dem Staat abgetrotzt haben“.
Daher sollte man verstärkt beobachten, mit welchen Forderungen Birg und
seine Mitstreiter an die Öffentlichkeit treten. Denn gegen die Reaktion
hilft nur die Aufklärung.
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