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http://www.welt.de/data/2006/12/27/1157959.html
Die Welt, 27.12.06
Jahresrückblick
Polit-Alphabet 2006: Problembär, Schwampel und Titanic
Gut, dass es Andrea Ypsilanti gibt. Ohne die SPD-Politikerin hätte Peter Dausend doch tatsächlich eine Lücke in seinem alphabetischen Jahresrückblick gehabt. So aber ist das satirische Politlexikon des Jahres 2006 komplett - einschließlich Sommermärchen, Schröder-Show und Schwampel.
Von Peter Dausend
Waschen und rasieren? Ein innovativer Ansatz im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Wolfgang Tiefensee? Der beste Cello-Spieler unter den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeistern. Klicken Sie sich durch die Schlagwörter des Jahres 2006 und ihre Definitionen!
A wie Arm aber sexy
Arm aber sexy: 1. Etikett, das Berlins Regierender Bürgermeister seiner Stadt angeklebt hat, weil die "pleite und verlebt"-Buttons gerade vergriffen waren. 2. Unzutreffende Selbstwahrnehmung von Henrico Frank, "Deutschlands frechstem Arbeitslosen" ("Bild").
Ärzteproteste, die: 1. ritualisierter Widerstand einer weißbekittelten Lobbygruppe gegen die Gesundheitsreform, der die Frage aufwirft, wer eigentlich all die Menschen operiert hat, die in 2006 auf dem Operationstisch gelandet sind. 2. politische Langzeitveranstaltung mit dem Unterhaltungswert eines Barbecues in Trinwillershagen.
Atomausstieg, der: Gegenstand eines politischen Scheindramas in deutlich mehr als fünf Akten, von dem sowohl Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) als auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) profitieren. Der erste, indem er sich als entschiedener Verteidiger inszeniert - und der zweite, indem er die Rolle des unermüdlichen Dranrumrüttlers übernimmt. Applaus garantiert. Für den einen vom linken Teil des Publikums, für den anderen vom rechten.
B wie Bremer Taliban
Barbecue, das: Grillsportveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern, zu der die Kanzlerin den US-Präsidenten einlädt, wenn dieser mal etwas typisch Ostdeutsches erleben will
Beck, Kurt: 1. Sozialdemokratischer Politiker, der nicht schnell genug auf dem Baum war, als Matthias Platzeck vom Posten des SPD-Vorsitzenden zurücktrat. 2. Begründer jenes Zweigs der Wirtschaftswissenschaften, der "waschen und rasieren" als effektivstes Instrument zur Wiederherstellung der Vollbeschäftigung propagiert. 3. Spaßbremse, die das Satiremagazin Titanic verklagte, nur weil es ihn Problembär Kurti nannte - und zum Abschuss freigab.
Bleiberecht, das: 1. Dauerhafte Aufenthaltserlaubnis für all jene Ausländer, die schon so lange geduldet werden, dass man sie, wie Howard Carpendale, Johannes Heesters oder den Cocker Spaniel, beinahe für Deutsche halten könnte. 2. Was Edmund Stoiber als bayerischer Ministerpräsident in den Augen der CSU-Basis längst verwirkt hat. 3. Regelung, ohne die Hertha BSC keine Profi-Mannschaft hätte.
Bremer Taliban, der: Begriffspaar, das den Wohnort von Kurnaz, Murat mit dessen unterstellter politischer Gesinnung verbindet. Hätte sich der B.T. an den zweiten Teil des ersten Beckschen Axioms ("waschen und rasieren")gehalten, wäre er womöglich nie entführt und viereinhalb Jahre im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten worden.
Bundespräsident, der: 1. deutsches Staatsoberhaupt, das exakt das zeigt, was sich das deutsche Volk von der deutschen Regierung gewünscht hätte: eine klare Linie. 2. Mann mittleren Alters, der an akuter Unterschriftblockade leidet, sobald ihm die große Koalition mal wieder ein verfassungswidriges Gesetz vorlegt.
C wie CDU-Ministerpräsidenten
CDU-Ministerpräsidenten, die: 1. in der großen Koalition Synonym für "Opposition". 2. Männerverein, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Abfeuern von Querschüssen so zu perfektionieren, dass es wie politischer Alltag erscheint.
Charterflugzeug, das: Lufttransportmittel, das die Bundesregierung immer dann einsetzt, wenn mal wieder freiwillig in ein ausländisches Krisengebiet gereiste und dort entführte Deutsche nach ihrer Freilassung, bei der - wie immer - kein Geld gezahlt wurde, nach Hause gebracht werden müssen.
D wie Durchbruch
Du, Angela: Persönliche Form der Anrede, der eine gewisse Nähe zugrunde liegt und die Edmund Stoiber seit dem 24. März 2006 ungeohrfeigt gegenüber der deutschen Bundeskanzlerin verwenden darf. Bei einem gemeinsamen Abendessen hatte der Ältere der Jüngeren das "Du" angeboten: "Ich heiße äh, äh Ädmund."
Durchbruch, der: Was die Kanzlerin nach Marathonverhandlungen mit der SPD über die Gesundheitsreform frühmorgens verkündet - und nach einem Gespräch mit der Opposition, also den CDU-Ministerpräsidenten, abends wieder einkassiert.
E wie Elterngeld
Eckpunkte, die: Innovatives Instrument zur Vermeidung von Diskussionen in den Bundestagsfraktionen der Regierungsparteien. Die E. werden im Koalitionsausschuss beschlossen und anschließend unverändert umgesetzt, da die jeweiligen Spitzenpolitiker ja nicht beschädigt werden dürfen. In besonders hinterhältiger Form auch als Rahmeneckpunkte vorzufinden.
Ein-Prozent-Klausel, die: Undurchdringliches Detail der Gesundheitsreform, das erst von der großen Koalition beschlossen, dann von der Opposition, also den CDU-Ministerpräsidenten heftig be- und schließlich vom Bundesrat rückstandsfrei zerschossen wird. Mit dem Ergebnis, dass das Gesundheitreformieren wieder von vorn losgeht. Weil.s so schön flutscht (siehe auch Durchbruch).
Elite-Uni, die: 1. Titel, den die beiden Münchner Universitäten und die Technische Hochschule Karlsruhe tragen dürfen, seitdem Experten festgestellt haben, dass sie näher an Harvard, Yale und Princeton liegen als die Hochschulen in West-, Ost, und Norddeutschland.
El Masri, Khaled: der von der CIA in ein afghanisches Geheimgefängnis verschleppte Beweis dafür, dass deutsche Staatsbürger in aller Regel heutzutage exotischere Namen tragen als etwa Horst Köhler, Peter Müller oder Klaus Kleinfeld. Ganz zu schweigen von Cherno Jobatey.
Elterngeld, das: Grund dafür, dass der Lieblingsspruch hochschwangerer Frauen in diesen Tagen nicht mehr lautet: Hauptsache gesund", sondern "Hauptsache nicht vor dem 1.1. 2007."
Exzellenz-Initiative, die: Förderung der universitären Spitzenforschung, damit deutsche Außenminister nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt nicht bis Princeton reisen müssen, um ihren Bedeutungsverlust nicht verarbeiten zu können.
F wie Fanmeile
Fanmeile, die: 1. Wort des Jahres in Deutschland, das sich aus einem nichtdeutschen Begriff für "begeisterter Anhänger" und einer nichtdeutschen Längenmaß zusammensetzt. 2. Ort zur Anbahnung sexueller Kontakte während einer Fußball-Weltmeisterschaft. 3. Nationale Trauerstätte ab der 119. Minute des Halbfinalspiels Deutschland - Italien 4. In der deutschen Innenpolitik gänzlich unbekannt.
Föderalismusreform, die: sagenumwobene Großleistung der großen Koalition. Die Föderalismusreformer haben den Föderalismus so lange reformiert, bis niemand mehr wusste, wer im reformierten Föderalismus für den Nichtraucherschutz zuständig ist - und wer für die Verbraucherinformation. Außer der Bundespräsident natürlich.
Fonds, der: Detail der Gesundheitsreform, über das so lange gestritten wurde/wird, bis niemand mehr wusste/weiß, ob es nun noch ein Detail der Gesundheitsreform ist oder was es warum und in welcher Form nicht in Kraft treten wird.
G wie Gammelfleisch
Gammelfleisch, das: 1. Totes Tier, das schon länger tot ist als es je gelebt hat, was es aber nicht vor dem traurigen Schicksal schützt, von Menschen verzehrt zu werden. 2. Kurzfassung des Slogans: Aus bayerischen Lagern madig auf den Tisch.
geil: Umgangssprachlicher Ausdruck für "saustark" oder "rattenscharf", der in keinem Satz eines deutschen Fußballnationalspielers fehlt, wenn dieser sich an die Fans wendet. Kommt besonders häufig in den berufsgerechten Drei- bis Vierwortsätzen "Ihr seid geil" und "Ihr seid die Geilsten" vor.
Gesundheitsreform, die: Unwort des Jahres.
Gleichbehandlungsgesetz, allgemeines: Was herauskommt, wenn die Kanzlerin die Antidiskriminierungsrichtlinie der EU 1:1 umsetzen will, die Justizministerin aber Brigitte Zypries heißt: ein lupenrein rot-grünes Gesetz in großkoalitionärer Zeit.
Grillfest, das: altdeutscher Ausdruck für Barbecue.
große Koalition, die: 1. anderer Ausdruck für "enttäuschte Erwartung". 2. Was man bekommt, wenn man nicht wählen kann. 3. Politisches Bündnis, das sich die Großschreibung von "groß" erst noch verdienen muss.
H wie Henrico
Henrico: 1. Mensch, der sich - entgegen landläufiger Erwartung - waschen und rasieren kann. 2. eingedeutschte Variante eines italienischen Vornamens, vergleichbar etwa mit Henzo, Hpaolo. Hfrancesco, Handrea.
Hörsturz, der: Was einem brandenburgischen Ministerpräsidenten widerfährt, der zum SPD-Vorsitzenden aufsteigt und plötzlich rufen 570.000 verbliebene Genossen, er solle sie doch bitte schön zurückführen ins gelobte Land der 40 Prozent.
I wie Idomeneo
Idomeneo: 1. Singspiel, bei dem so lange Köpfe diverser Religionsführern über die Bühne rollen, bis die Intendantin ihren verliert. 2. Hochsicherheitsoper, in die man schwerer reinkommt als aus Stammheim raus.
Islam-Konferenz, die: Multikulti-Veranstaltung, bei der Teilnehmer aus aller Herren Länder feststellen, dass man mit Multikulti-Seligkeit die Probleme einer Multikulti-Gesellschaft nicht in den Griff bekommt.
Italien: Alesia? Ich kenne kein Alesia.
J wie Jamaika
Jamaika: 1. Insel in der Karibik, die für Reggae, Rasta, Sichzudröhnen und politische Utopien bekannt ist. 2. Politische Utopie, die in den Nebeln des eigenen Unterbewusstseins auftaucht, wenn man Bob Marley auflegt, Locken in Haaren dreht - und sich anschließend ordentlich zudröhnt
Jung, Franz-Josef: 1. Deutscher Verteidigungsminister, der - wie der SPD-Fraktionsarzt Dr. Stiegler diagnostizieren würde - an "verbaler ejaculatio praecox" leidet. Plaudert munter drauf los, wo alle anderen schweigen. 2. Roland-Koch-Vertrauter, der in Berlin aufpasst, dass die Bundeskanzlerin nichts anstellt, was der Weltmacht Hessen missfallen könnte.
K wie Kongo
Karneval, der: Vierwöchiges deutsches Sommerspektakel, bei dem sich Fußballanhänger so lange schwarz-rot-gold anmalen, bis politische Kommentatoren von Patriotismus, unbeschwert schwafeln.
Kofferbomben, die: Was stehen bleibt, wenn Islam-Konferenzen mit ihrem Persisch am Ende sind.
Kongo: Albtraum-Destination des Reiseveranstalters "Bundeswehr Adventure Tours".
Kurnaz, Murat: 1. bürgerlicher Name des Bremer Taliban. 2. phänotypisch potenzielles Anwendungsgebiet für einen Ratschlag von Beck, Kurt. Könnte in etwa so lauten: "Waschen und rasieren Sie sich - dann bekommen Sie auch nicht Guantanamo."
L wie Lebenslüge
Lebenslüge, die: 1. Selbstwahrnehmung von Jürgen Rüttgers als Politiker mit sozialem Profil. 2. Die Vorstellung von Jürgen Rüttgers, die CDU müsse die SPD links überholen, um Wahlen in NRW zu gewinnen. 3. Die Überzeugung von Jürgen Rüttgers, er könne mit einer Debatte über Lebenslügen der CDU der CDU neues Leben einhauchen - oder neue Wahrheiten.
Leistungsträger, die: Menschen, an die sich Beck, Kurt gerne wenden würde, wenn er nicht so beschäftigt damit wäre, all jene Debatten über Unterschichten, waschen und rasieren Henrico Prekariat abzuwürgen, die er selbst angestoßen hat
Libanon-Mission, die: Vergeblicher Versuch von Jung, Franz-Josef, sein Leiden zu unterdrücken.
M wie Mehrwertsteuererhöhung
Maschinenraum, der: Jener Ort in der großen Koalition, an dem SPD-Generalsekretär Hubertus Heil seine Partei wähnt. In Wirklichkeit quält sie sich aber schon seit Monaten bei 30 Prozent rum (siehe Sonnendeck)
Mehrwertsteuererhöhung, die: 1. extraterrestische Rechenart, bei der die Summe aus zwei und null drei ergibt. 2. Rezept aus der politischen Küchenpsychologie, das der Unmutsbeschleunigung dient. 3. Instrument der politischen Selbstverstümmelung.
N wie No-Go-Areas
nackt: Zustand, in dem der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen und seine Kabinettschefin Petra Erler die Industriepolitik der EU an der litauischen Küste besprechen.
No-Go-Areas, die: 1. Jene Zonen in Deutschland, an denen unbeschwerte Patrioten ihren Patriotismus gänzlich unbeschwert - vor allem von Ausländern - ausleben können. 2. "40 Prozent plus" für die ehemaligen Volksparteien SPD und CDU.
O wie Ostsee-Pipeline
Ostsee-Pipeline: 1. deutsch-russisches Projekt, das Gerhard Schröder einst in seiner Übergangs-Rolle als deutscher Bundeskanzler politisch in die Wege geleitet und nun in seiner Dauer-Rolle als deutscher Putinversteher wirtschaftlich weiter betreibt. 2. Notorischer Polenverärgerer. Funktioniert besser als jeder Polen-Witz von Harald Schmidt oder jeder Vergleich von polnischen Präsidenten mit polnischen Kartoffeln - und fast so gut wie Erika Steinbach.
P wie Problembär
Patriotismus, unbeschwerter: 1. Intellektuelle Überhöhung des Karnevals der Kulturen aus der Zeit des Sommermärchens. 2. Vorläufer für Fankrawalle, rassistische Schmähungen und Ausländerfeindlichkeit in unteren deutschen Fußballligen aus der Zeit nach dem Sommermärchen. 3. Besondere Form der Begriffsvermummung. Wer sich ein schwarz-rot-goldene Fähnlein ans Auto klebt, ist kein unbeschwerter Patriot, sondern ein kleiner Spießer, der nichts dringender braucht als ein eigenes Leben.
Prekariat, das: Fremdwort, das die Oberschicht benutzt, damit die Unterschicht nicht mitbekommt, dass die Oberschicht gerade über sie redet
Princeton: 1. US-Flüchtlingslager für abgewählte deutsche Außenminister. 2. Amerikanische Elite-Uni im Bundesstaat New Jersey, die nach der deutschen Exzellenz-Initiative fürchten muss, von der Technischen Hochschule Karlsruhe an die Wand von Nassau Hall genagelt zu werden. 3. Ort, an dem ehemalige deutsche Außenminister aktive deutsche Journalisten beschimpfen.
Problembär, der: 1. Putzige Bezeichnung für braunfellige Tiere, die abgeknallt werden, sobald sie Bayern betreten. 2. Putzige Bezeichnung für christlich-soziale Minister, die belächelt werden, sobald sie über Wirtschaft reden. 3. Putzige Bezeichnung für humorfreie SPD-Vorsitzende, die Satiremagazine verklagen, sobald sie als P. bezeichnet werden.
Public Viewing: englischer Ausdruck für "sich öffentlich auf Großbildschirmen Fußballspiele anschauen", der nur deshalb nicht deutsches Wort des Jahres wurde, weil er sich auf Deutsch nicht geil genug anhört.
Q wie Querschüsse
Querschüsse, die: Politisches Passspiel zum Zweck der Ergebnisverhinderung, das CDU-Ministerpräsidenten so leidenschaftlich betreiben, dass zum Regieren im eigenen Bundesland kaum noch Zeit bleibt.
R wie Rütlischule
Rahmeneckpunkte, die: Im Kern identisch mit Eckpunkten. Nur dass das Präfix "Rahmen-" den Abgeordneten der Regierungsparteien suggeriert, sie hätten Einfluss. Was sich natürlich als Illusion erweist.
Rente mit 67: Reform der großen Koalition, die dazu führt, dass die Leser von WELT.de noch bis zum Jahr 2030 ein Jahres-ABC lesen müssen. Und nicht, wie ursprünglich erhofft, nur bis 2028.
Rütlischule, die: 1. Ausbildungsplatz des Nachwuchs-Prekariats im Berliner Stadtteil Neu-Kölln. 2. Primärquelle des Nachmittagsprogramms im Privatfernsehen.
S wie Schwampel
Schröder-Show, die: Fortsetzung und Vervollkommnung der Gerd-Show. Einst inszenierte Gerhard Schröder lediglich seine Kanzlerschaft für die Fernsehkamera. Heute liest er sogar vor der Fernsehkamera vor, wie er einst seine Kanzlerschaft für die Fernsehkamera inszenierte.
Sommermärchen, das: 1. Unerwarteter Erfolg jener Klinsmannschaft, der im Frühjahr noch ein Sommeralbtraum prophezeit wurde. 2. Im fußballerischen Trübsinn von Champions League und Uefa-Cup vorzeitig verblasster Mythos. 3. Fanfilm, der darunter leidet, dass der Filmemacher mehr Fan als Filmemacher war. 4. Klimatischer Vorbote der Winterhitze.
Sonnendeck, das: jener Teil der großen Koalition, an dem SPD-Generalsekretär Hubertus Heil die CDU wähnt. In Wirklichkeit räkelt sie sich aber schon seit Monaten bei 30 Prozent rum (siehe Maschinenraum)
SPD-Vorsitzender: politisches Amt, das nach dem gestrengen Prinzip des "Wer will noch mal, wer hat noch nicht" vergeben wird.
Schwampel, die: Deutsch für Jamaika. Vom onomatopoetischen (jamaikanisch für: lautmalerischen) Standpunkt aus nicht zwingend wünschenswert.
T wie Titanic
Tiefensee, Wolfgang: bester Cello-Spieler unter den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeistern; seit dem 22.11. 2005 vermisst
Titanic, die: Satiremagazin, das - im Unterschied zu Bayern - für die Jagd auf Problembären von deutschen Gerichten bestraft wird.
Totenschädel, der: unverzichtbares Utensil, wenn deutsche Soldaten in Afghanistan mal wieder ihrem Hang zur Weltliteratur nachgehen und, so zum Zeitvertreib, die erste Szene des dritten Aktes von William Shakespeares "Hamlet" aufführen. Schließlich sind Soldaten ja Bildungsbürger in Uniform.
Trinwillershagen: Ort in Mecklenburg-Vorpommern, in den Angela Merkel den US-Präsidenten lockt, wenn in ganz Berlin nicht mehr die typisch deutsche Spezialität "halbverkohltes Wildschwein an waschechtem Ossi" aufzutreiben ist
U wie Unterschicht
Unterschicht, die: 1. Begriff, der Beck, Kurt rausgerutscht ist, weil ihm Prekariat gerade entfallen war. 2. Das, was es laut dem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Franz Müntefering, gar nicht gibt - kurioserweise aber seinen Haushalt dramatisch belastet.
Urlaubsverzicht, der: 1. Interessanter Vorschlag von Finanzminister Peer Steinbrück, der bestens geeignet scheint, die Erosion der Volkspartei SPD weiter zu beschleunigen. 2. Interessanter Vorschlag von Finanzminister Peer Steinbrück, der bestens geeignet scheint, intensiv an den handwerklichen Mängeln der großen Koalition zu arbeiten
V wie Vätermonate
Vätermonate, die: 1. Verkürzung einer im Schnitt 30-50 jährigen Aufgabe auf acht Wochen. 2. Zwangsmammaisierung ausgewachsener Machos. 3. Gelegenheit, das eigene Kind auch mal mit Vornamen kennenzulernen.
Vogelgrippe, die: medialer Vorbote des Gammelfleischs
W wie WM-Fieber
waschen und rasieren: 1. Innovativer Ansatz im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. 2. Chance für langhaarige, nasenberingte, wanzenbarttragende Arbeitsverweigerer es auf die Seite 1 der "Bild"-Zeitung zu schaffen.
Wildschwein, das: arme Sau, die dran glauben muss, wenn eine Brandenburgerin einen Texaner in Mecklenburg-Vorpommern in die ostdeutsche Wunderwelt des Barbecues einführt.
WM-Fieber, das: Deutschlandweite Epidemie, die das Feierstoppzentrum im Hirn angreift und einen für vier Wochen vergessen lässt, von wem man eigentlich regiert wird
X wie x-mal
x-mal: 1. exakte Anzahl der Ärzteproteste. 2. exakte Anzahl der Querschüsse von Seiten der CDU-Ministerpräsidenten.
Y wie Ypsilanti
Ypsilanti, Andrea: 1. Die SPD-Spitzenkandidatin gewordene Garantie dafür, dass Hessen auch nach der Landtagswahl Anfang 2008 von Roland Koch regiert wird. 2. SPD-Politikerin, der wir dankbar sind, dass sie nach der Scheidung von ihrem griechischen Ehemann nicht wieder ihren Mädchennamen Dill angenommen noch ihren Freund Klaus-Dieter Stork geheiratet hat. Träfe nur eins von beiden zu, hätten wir bei "Y" eine Leerstelle.
Z wie Zwischendeck
Zwischendeck, das: Wahrer Aufenthaltsort von SPD und CDU in der großen Koalition. 30 Prozent sind für das Sonnendeck zu wenig - und für den Maschinenraum zu viel.
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