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News von Connection e.V.
Türkei: Kriegsdienstverweigerer Ismail Saygi in Istanbul verhaftet
Connection e.V. fordert seine sofortige Freilassung
Pressemitteilung vom 20. März 2008
Wie die "Solidaritätsinitiative Ismail Saygi" mitteilte, wurde vor wenigen
Tagen der Kriegsdienstverweigerer Ismail Saygi in Istanbul verhaftet. Er hatte
am 15. November 2006 seine Kriegsdienstverweigerung erklärt, nachdem er bereits
sieben Monate beim Militär gewesen war.
Die Türkei verfolgt Kriegsdienstverweigerer auf zweierlei Art und Weise. Zum
einen wird das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht anerkannt. Verweigerer
wie Osman Murat Ülke oder Mehmet Tarhan wurden wegen Befehlsverweigerung bzw.
Ungehorsam bis zu sieben Mal verurteilt. Zum anderen werden öffentliche
Äußerungen gegen das Militär, wie die öffentliche Erklärung der
Kriegsdienstverweigerung, unter Strafe gestellt. Etwa 50 Wehrpflichtige haben
bislang öffentlich ihre Kriegsdienstverweigerung erklärt. Zudem entziehen sich
in der Türkei Zehntausende der Ableistung des Militärdienstes.
Die Türkei weigert sich zudem, einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte vom 24. Januar 2006 im Fall von Osman Murat Ülke nachzukommen.
Darin hatte das Gericht festgestellt, dass "die zahlreichen Anklagen in
Verbindung mit der Möglichkeit, dass er einer lebenslangen Strafverfolgung
unterliegen könnte, im Missverhältnis zu dem Ziel stehen, die Ableistung des
Militärdienstes sicherzustellen" und damit die Europäische
Menschenrechtskonvention verletzen. Das Leben im Geheimen, das Osman Murat Ülke
aufgrund seiner Gewissensentscheidung als Kriegsdienstverweigerer führen müsse,
sei als "ziviler Tod" zu bezeichnen. Der Ministerausschusses des Europarates
hatte die Türkei zuletzt am 17. Oktober 2007 aufgefordert, "ohne weiteren
Verzug eine Gesetzesreform zu verabschieden, die notwendig ist, um ähnliche
Verletzungen der Konvention zu vermeiden."
Nach seiner Verhaftung ließ die Militärstaatsanwaltschaft den
Kriegsdienstverweigerer Ismail Saygi in das Militärgefängnis Maltepe
überstellen.
Zu seiner Unterstützung gab es bereits am 19. März 2008 auf dem
Galatasaray-Platz in Istanbul eine Protestaktion, zu der die
"Solidaritätsinitiative Ismail Saygi" aufgerufen hatte: "Mit unserer Aktion
werden wir unsere Solidarität mit Ismail Saygi deutlich machen. Es ist der
Auftakt für eine langanhaltende Unterstützungskampagne."
Connection e.V. fordert die türkische Regierung dazu auf, Ismail Saygi umgehend
aus der Haft und dem Militärdienst zu entlassen, die Verfolgung von
Kriegsdienstverweigerern einzustellen und die Kriegsdienstverweigerung
anzuerkennen. Weitere Solidaritätsaktionen sind in Vorbereitung.
gez. Rudi Friedrich
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