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PM ai 20.11.04: Tag des Kindes / Mittelamerika

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amnesty international Deutschland

PRESSEMITTEILUNGEN

INTERNATIONALER TAG DES KINDES / MITTELAMERIKA

"Sagt endlich, wo unsere Kinder sind!"

Schicksal Tausender Minderjähriger auch Jahre nach Ende der Bürgerkriege in Guatemala und El Salvador ungeklärt / Regierungen sind untätig / amnesty international fordert Suchkommissionen, Zusammenarbeit mit Angehörigen und Ende der Straflosigkeit

Berlin, 19. November 2004 - In Guatemala und El Salvador suchen noch immer Tausende Eltern nach ihren Kindern, die ihnen während Kriegswirren entrissen wurden. Darauf weist amnesty international (ai) anlässlich des morgigen Internationalen Tags des Kindes hin. Während der blutigen Bürgerkriege in Guatemala (1960 - 1996) und El Salvador (1980 - 1992) entführte die Armee zahlreiche Kinder. Von vielen hat man nie wieder gehört. Manche konnten ins Ausland fliehen. Andere wurden in Waisenhäuser gebracht oder - meist unter neuem Namen - in die Adoption vermittelt, möglicherweise auch nach Deutschland. "Wir fordern die Regierungen der beiden zentralamerikanischen Länder auf, dem Schicksal der verlorenen Kinder nachzugehen, die Angehörigen dabei zu beteiligen und endlich dafür zu sorgen, dass die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden", sagte Christa Rahner-Göhring, Mittelamerika-Expertin von ai.

In El Salvador hat die Familienorganisation "Asociación Pro-Búsqueda de Niñas y Niños Desaparecidos" inzwischen das Schicksal von mehr als 200 Kindern aufklären können. Viele von ihnen waren zur Adoption freigegeben worden und leben heute im Ausland. Die Regierung verweigerte bis vor kurzem jegliche Zusammenarbeit mit der
Organisation. Sie ignorierte auch eine Aufforderung der
Interamerikanischen Menschenrechtskommission, das Schicksal zweier Mädchen aufzuklären. Der Fall ist inzwischen vor dem
Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig. Das Urteil wird in den nächsten Wochen erwartet.

Auch in Guatemala hat die Regierung das Schicksal der ca. 5.000 "verschwundenen" Kinder bisher ignoriert. Die Wahrheitskommission hatte in ihrem Bericht von 1999 die Regierung aufgefordert, eine Suchkommission einzurichten. Die Kommission existiert bis heute nicht. Seit 2002 sucht nun die Angehörigen-Organisation "Comisión Nacional de Búsqueda de la Niñez Desaparecida" nach diesen Kindern. Sie hat bereits mehr als 1.000 Fälle dokumentiert, konnte aber bisher erst etwa 60 Familien wieder zusammenführen, weil ihnen der Zugang zu den staatlichen und militärischen Archiven verweigert wird.

In den kommenden Wochen machen lokale Gruppen von ai bundesweit mit Veranstaltungen und Vorlagen für Appellbriefe eine breite
Öffentlichkeit auf das Thema der verschwundenen Kinder in
Mittelamerika aufmerksam.

Für Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an die ai-Pressestelle, Dawid D. Bartelt oder Meike Zoega, Tel. 030 - 420248-306, mail: presse@amnesty.de.

http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/DDAEC5EE42DB3602C1256F510047D9D5?Open

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