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Urgent Action
UA-Nr: UA-179/2008
AI-Index: AMR 23/018/2008
Datum: 20.06.2008
SORGE UM SICHERHEIT
Kolumbien
Afro-kolumbianische Gemeinschaften am Fluss Naya in den Departements Cauca und Valle del Cauca
Angehörige der Armee haben BewohnerInnen der Flussregion Naya, die zwischen den Departements Cauca und Valle del Cauca liegt, damit gedroht, dass wieder paramilitärische Gruppierungen in die Gegend kämen. Die paramilitärischen Gruppierungen sind offiziell in einem von der Regierung durchgeführten Programm demobilisiert worden. Die Drohung mit ihrer Rückkehr in das Gebiet zeigt jedoch, dass diese Gruppierungen immer noch aktiv sind und zudem ihre Verbindungen zum Militär nach wie vor bestehen. Das Leben der Angehörigen der afro-kolumbianischen Gemeinschaften ist in Gefahr.
Soldaten der Einheiten "Brigada Movil 2" und "Batallón de Alta Montaña" kampierten vom 1. bis zum 20. April 2008 in dem Dorf San Bartolo am Fluss Naya. Sie erzählten den BewohnerInnen von San Bartolo, dass erneut paramilitärische Gruppen in die Gegend kommen würden. Die Soldaten drohten den überwiegend afro-kolumbianischen BewohnerInnen, mit den Worten: "Ihr gebt euch sehr selbstbewusst, aber diejenigen, die nach uns kommen, sind selbstbewusster als ihr." ("Ustedes andan como muy bravos, pero los que vienen detrás de nosotros, esos son más bravos que ustedes").
Als die beiden Militäreinheiten die Gegend am 20. April 2008 verließen, fand man paramilitärische Graffitis an Stellen, an denen die beiden Einheiten kampiert hatten. Ein Graffiti lautete "AUC tötet - Gott vergibt" ("AUC mata que Dios perdona"), ein anderes "ACCU Costeño tötet sieben" ("ACCU costeño mata siete"). Die ACCU - "Autodefensas Campesinas de Córdoba y Urabá" - war eine paramilitärische Gruppierung, die später Bestandteil der paramilitärischen Dachorganisation "Autodefensas Unidas de Colombia - AUC" wurde.
Am 5. Mai 2008 berichteten AnwohnerInnen, dass sie gesehen hatten, wie sich Angehörige des Militärs mit vier Paramilitärs, die möglicherweise nicht die Waffen niedergelegt haben, verbrüdert hätten. Angesicht früherer paramilitärischer Interventionen in dieser Gegend, bei denen Paramilitärs Menschen umbrachten und "verschwinden" ließen, ist die örtliche Bevölkerung durch die jüngsten Äußerungen der Angehörigen des Militärs sehr beunruhigt. Obwohl sie versucht, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden, ist es ihr nicht möglich, angstfrei zu leben.
In Cauca und Valle del Cauca operieren nach wie vor paramilitärische Gruppierungen, trotz ihrer angeblichen Demobilisierung. Am 1. April 2008 berichtete Amnesty International, dass Paramilitärs drei Mitgliedern der Nichtregierungsorganisation "Comisión Interclesial Justicia y Paz" und einem Mitglied des Gemeinderates der Flussregion Naya mit dem Tod gedroht hatten; beide unterstützen die afro-kolumbianischen Gemeinschaften darin, den Besitz an dem Land zu erhalten, das sie bewirtschaften (siehe UA-83/08, 1. April 2008). Nach Berichten, die Amnesty in jüngster Zeit erhalten hat, hat man Personen, die nicht der Gemeinschaft angehören, am 21. und 28. Mai sowie am 6. Juni 2008 dabei beobachtet, wie sie versuchten, sich Land von Gemeindemitgliedern zu verschaffen. Dies deutet darauf hin, dass das Land immer noch nicht sicher in den Händen der Gemeinschaft ist, trotz der Versuche, es zu schützen. Gleichzeitig lassen die Berichte über die jüngsten Drohungen vermuten, dass die kolumbianischen Behörden keine wirksamen Schritte unternommen haben, um die in der Flussregion des Naya lebenden afro-kolumbianischen Gemeinschaften zu schützen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
In den 1990er Jahren wurde ein Gesetz verabschiedet, wodurch die Landrechte afro-kolumbianischer Gemeinden offiziell anerkannt wurden. Viele Gemeinden, darunter auch die in der Flussregion Naya, haben sich darum bemüht, dass ihnen auf Grundlage dieses Gesetzes das Land, auf dem sie seit vielen Jahren leben übereignet wird. Die EinwohnerInnen der Gemeinden werden weiterhin regelmäßig von Paramilitärs und den Sicherheitskräften bedroht. Die Paramilitärs zwingen sie, für die Produktion von Kokain Coca anzubauen und sollen einige ihrer Grundstücke besetzt haben. Ähnlichen Berichten zufolge sollen sich auch Guerillagruppen afro-kolumbianische Gemeinden an der Pazifikküste zur Zielscheibe gemacht haben. Die Gemeinden versuchen zusammen mit "Justicia y Paz" und weiteren Menschenrechtsorganisationen der Region, ihr Recht geltend zu machen, nicht in den Konflikt der Sicherheitskräfte und paramilitärischen Gruppen mit Guerillakräften hineingezogen zu werden.
EMPFOHLENE AKTIONEN
Schreiben Sie bitte Faxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- Ihre Sorge um die Sicherheit der Angehörigen der afro-kolumbianischen Gemeinschaften in der Flussregion des Naya zum Ausdruck bringen, nachdem ihnen von Soldaten angedroht wurde, dass paramilitärische Gruppen in die Gegend zurückkehren würden;
- bei den Behörden darauf dringen, dass all diese Gemeinschaften und Organisationen in Absprache mit ihnen wirksam geschützt werden;
- die Behörden auffordern, eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Drohungen einzuleiten und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um den in der Gegend operierenden paramilitärischen Gruppierungen entgegenzutreten, sie zu demobilisieren und ihre Verbindungen mit den Sicherheitskräften zu unterbinden, wie es wiederholt von den Vereinten Nationen empfohlen worden ist.
APPELLE AN:
Staatspräsident
Señor Presidente +lvaro Uribe Vélez
Presidente de la República, Palacio de Nariño,
Carrera 8 No.7-2, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Uribe/Excmo. Sr. Presidente Uribe)
Fax: (00 57) 1 337 5890 / 342 0592
Verteidigungsminister
Sr. Juan Manuel Santos
Ministro de Defensa Nacional
Ministerio de Defensa Nacional
Avenida El Dorado ? Carrera 52 OFI. 217
Centro Administrativo Nacional (CAN),
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Sir/Estimado Sr. Ministro)
Fax: (00 57) 1 266 03 51 (wenn jemand abhebt,
sagen Sie bitte: "Me da tono de fax, por favor")
Generalstaatsanwalt
Dr. Mario Germán Iguarán Arana
Fiscal General de la Nación,
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01) Bloque C, Piso 4, Bogotá, KOLUMBIEN, (korrekte Anrede: Estimado Sr. Fiscal/Dear Mr Iguarán)
Fax: (00 57) 1 570 2000 (Sie werden auf Spanisch gebeten, nun 2017 zu wählen)
KOPIEN AN:
UNABHÄNGIGE MENSCHENRECHTSORGANISATION
Justicia y Paz Intereclesial
Calle 61 A, No. 17-26
Bogotá, KOLUMBIEN
OmbudsmanN für Menschenrechte
Sr. Volmar Antonio Pérez Ortiz,
Defensor del Pueblo, Defensoría del Pueblo,
Calle 55, No. 10-32/46 oficina 301, Bogotá, KOLUMBIEN
Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84, 10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info ät botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. August 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.
Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English or your own language:
- expressing concern for members of Afro-descendant communities in the Naya River basin area, following threats made by soldiers that paramilitary groups are returning to the area;
- urging the authorities to ensure that all these communities and organizations are protected in accordance with their own wishes;
- calling on the authorities to order full and impartial investigations into the threats, and to take decisive action to confront and dismantle paramilitary groups and investigate and break their links with the security forces, in line with repeated UN recommendations.
home
- Quelle
- http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/EB1293F2D7177CEEC12574750059C290?open
NADESHDA Mailbox e.V._ / 0211-9053863 (X.75) / 0211-9345453 (V.34)
http://www.nadeshda.org / Informationen aus Politik Umwelt Kultur
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