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Urgent Action
UA-Nr: UA-238/2005-4
AI-Index: AMR 34/002/2008
Datum: 21.05.2008
MORDDROHUNGEN
Weitere Informationen zu UA 238/05 (AMR 34/038/2005, 14. September 2005, AMR 34/001/2006, 13. Januar 2006, AMR 34/009/2006, 16. März 2006, und AMR 34/002/2008, 7 Februar 2008)
Guatemala:
Herr Fredy Peccerelli, Leiter der Stiftung FAFG
Frau Bianka Peccerelli Monterroso, Schwester von Fredy Peccerelli
Herr Omar Bertoni Girón, forensischer Anthropologe, Mitglied der FAFG, ihr Ehemann
Herr Gianni Peccerelli, Bruder von Fredy und Bianka Peccerelli
andere Mitglieder der Familie Peccerelli und FAFG-Mitglieder
Und nun auch:
Herr José Suasnavar, stellvertretender Direktor der Stiftung FAFG
Herr Leonel Paiz, Leiter der archäologischen Abteilung der FAFG
Am 19. Mai 2008 erhielt Fredy Peccerelli per E-Mail eine Morddrohung gegen ihn, seine Schwester und vier führende Mitglieder der von ihm geleiteten Organisation, die Exhumierungen aus Massengräbern der Zeit des Bürgerkriegs in Guatemala durchführt. Zeuginnen und Zeugen des guatemaltekischen Genozids Ende der 1980er Jahre haben kürzlich ihre Zeugenaussagen vor einem Gericht in Guatemala-Stadt beendet.
Fredy Peccerelli leitet die "Stiftung für forensische Anthropologie Guatemala" (Fundación de Antropología Forense de Guatemala - FAFG). Seine Schwester Bianka Peccerelli Monterroso und drei weitere Mitglieder der FAFG, Biankas Ehemann, Omar Bertoni Girón, José Suasnavar und Leonel Paiz, haben die selbe Morddrohung erhalten.
In der E-Mail wurde angekündigt, man würde Fredy Peccerelli, seinen Schwager und seine Schwester umbringen sowie weitere Mitglieder FAFG. Die Schwester würde man vorher vergewaltigen und dann in Stücken an die FAFG zurückschicken.
Am Morgen des Tages, an dem die E-Mail versandt wurde, war ein Artikel über den letzten Tag der Zeugenbefragung zusammen mit dem Foto einer Exhumierung, auf dem man auf einem Schild deutlich den Namen der FAFG erkennen konnte, in einer der wichtigsten guatemaltekischen Tageszeitungen, "Prensa Libre", erschienen. Ein spanisches Gericht sammelt derzeit Beweismaterial gegen acht Männer, die des Genozids beschuldigt werden, darunter befinden sich auch ehemalige Militäroffiziere. Das spanische Gericht bat bereits 2006 um die Zeugenaussagen, doch erst jetzt konnten erstmalig Zeuginnen und Zeugen vor einem guatemaltekischen Gericht in dem spanischen Gerichtsverfahren aussagen.
Am 20. Mai 2008 gab der Richter, der das Verfahren in Guatemala leitet, bekannt, dass er am Wochenende des 17.-18. Mai 2008 telefonische Drohungen wegen seiner Tätigkeit erhalten habe.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die FAFG trägt durch forensische Untersuchungen und die Exhumierung von Massengräbern dazu bei, dass Mitglieder der früheren guatemaltekischen Militärregierung strafrechtlich verfolgt werden können.
Im Februar 2008 erhielten Fredy Peccerelli, sein Bruder Gianni Peccerelli, seine Schwester Bianka Peccerelli Monterroso und ihr Ehemann Omar Girón de León eine Drohung, genau an dem Tag, als ein Zeitungsartikel über die in Spanien zu machenden Zeugenaussagen zu dem Genozid erschien. In einem anderen Artikel stand, dass die Zahl der für den Personenschutz abgestellten Polizisten verringert worden sei.
Im Jahr 2002 hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission die Regierung aufgefordert, Fredy Peccerelli, José Suasnavar, Leonel Paiz, weitere FAFG-Mitglieder und ihre Angehörigen unter Polizeischutz zu stellen. Im Jahr 2006 wiederholte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte diese Forderung und verlangte die Durchführung einer Untersuchung. Die daraufhin erfolgten Schutzmaßnahmen scheinen jedoch unzureichend gewesen zu sein. Nach Kenntnis von Amnesty International ist auch noch niemand für die von den Mitgliedern der FAFG erhaltenen Drohungen zur Verantwortung gezogen worden.
EMPFOHLENE AKTIONEN
Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- Ihre große Sorge um die Sicherheit von Fredy Peccerelli, José Suasnavar, Leonel Paiz, Omar Bertoni Girón und Bianka Peccerelli Monterroso zum Ausdruck bringen, die am 19. Mai 2008 Morddrohungen erhalten haben;
- bei den Behörden darauf dringen, umgehend alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der FAFG-Mitglieder und der Angehörigen von Fredy Peccerelli einzuleiten, wie es die Interamerikanische Menschenrechtskommission 2002 und der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte 2006 gefordert haben;
- die Behörden auffordern, sofort eine gründliche Untersuchung zu diesen Drohungen sowie den am 2. Februar 2008 erhaltenen einzuleiten, die Verantwortlichen zu ermitteln und sie ohne weitere Verzögerungen vor Gericht zu stellen;
- die Behörden daran erinnern, dass Menschenrechtlerinnen und -rechtler das Recht haben, ihren Aktivitäten ohne Einschränkungen oder Angst vor Repressalien nachzugehen, wie es in der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern festgeschrieben ist.
APPELLE AN
Innenminister
Carlos Vinicio Gómez Ruíz
Ministro de Gobernación
6ª Avenida 13-71, Zona 1
Palacio de la Policía Nacional Civil
Ciudad de Guatemala, GUATEMALA
(korrekte Anrede: Señor Ministro/ Dear Minister)
Fax: 00 502 2413 8888
(kombinierter Telefon-/Faxanschluss:
"Por favor, tono de fax)
Leiterin der Sonderstaatsanwaltschaft für Menschenrechte
Rosa María Salazar Marroquín
Jefa de la Sección de Derechos Humanos
Ministerio Público
10ª Calle 10-14, Zona 1, Edificio UP, 5º nivel
Ciudad de Guatemala, GUATEMALA
(korrekte Anrede: Estimada Fiscal/Dear Madam)
Fax: 00 502 2230 6033
(kombinierter Telefon-/Faxanschluss:
"Por favor, tono de fax")
KOPIEN AN
Stiftung für forensische Anthropologie Guatemala
Fundación de Antropología Forense de Guatemala (FAFG)
Avenida Simeón Cañas 10-64, Zona 2,
Ciudad de Guatemala, Guatemala
Fax: 00 502 2288 7297
00 502 2288 7302
(kombinierter Telefon-/Faxanschluss: "Por favor, tono de fax"; bei Anrufbeantworter drücken Sie nach dem Ton "senden")
Botschaft der Republik Guatemala
Herrn Nelson Rafael Olivero Garzia
Geschäftsträger a.i. (Gesandter)
Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG., 10557 Berlin
Fax: 030-2064 3659
E-Mail: embaguate.alemania ät t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. Juli 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.
Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English, Spanish or your own language:
- expressing grave concern for the safety of Fredy Peccerelli, José Suasnavar, Leonel Paiz, Omar Bertoni Girón and Bianka Peccerelli Monterroso, who received a death threat on 19 May;
- urging the authorities to take immediate steps to provide effective protection to FAFG members and the relatives of Fredy Peccerelli, as requested by the Inter-American Commission on Human Rights in 2002 and the Inter-American Court of Human Rights in 2006;
- calling on them to order an immediate and thorough investigation into these threats and those received on 2 February 2008, identifying those responsible and bringing them to justice without further delay;
- reminding the authorities of the right of human rights defenders to carry out their activities without any restrictions or fear of reprisals, as set out in the UN Declaration on the Rights and Responsibilities of Individuals, Groups and Institutions to Promote and Protect Universally Recognised Human Rights and Fundamental Freedoms.
- calling for the release of all those who were arrested for exercising their right to freedom of expression of assembly during the crackdown, as well as all prisoners of conscience held before the recent events.
NADESHDA Mailbox e.V._ / 0211-9053863 (X.75) / 0211-9345453 (V.34)
http://www.nadeshda.org / Informationen aus Politik Umwelt Kultur
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