|
Urgent Action
UA-Nr: UA-111/2008
AI-Index: AMR 41/019/2008
Datum: 01.04.2008
SORGE UM SICHERHEIT / GESUNDHEITSZUSTAND
- Mexiko
-
Herr Tiburcio Gómez Pérez, Insasse des Gefängnisses "Los Llanos"
und Mitglieder der Gefangenengruppe "La Voz de los Llanos",
weitere indigene Gefangene, welche die Gruppe unterstützen
Zehn Insassen des Gefängnisses "Los Llanos" in San Cristobal de las Casas, im südlichen Bundesstaat Chiapas sind, offenbar mit dem Einverständnis der Gefängnisbehörden, von Mithäftlingen angegriffen und brutal geschlagen worden. Laut einer örtlichen Menschenrechtsorganisation soll der Angriff eine Repressalie für die Beschwerden der Gefangenen über Misshandlungen und Korruption im Gefängnis gewesen sein. Sie wurden nicht medizinisch versorgt, und es könnten ihnen weitere Übergriffe drohen.
Am 21. April 2008 wurden sieben indigene Gefangene, die eine Selbsthilfegruppe mit Namen "Die Stimme von Los Llanos" ("La Voz de los Llanos") und drei ihnen nahestehende Gefangene von einer zwanzigköpfigen Bande von Mithäftlingen angegriffen. Nach Zeugenaussagen der Betroffenen wurden die Angreifer von einer Gruppe Krimineller namens "Los Precisos" angeführt, die die Mithäftlinge durch Drohungen, Gewalt, Erpressung und offenbar mit dem Einverständnis der Gefängnisbehörden kontrolliert. Die Opfer berichteten, sie seien mit Stöcken attackiert, getreten und geschlagen worden, während die Gefängniswärter zugesehen hätten. Sie geben an, dass sie Verletzungen wie Prellungen und möglicherweise Knochenbrüche sowie innere Verletzungen davongetragen haben, aber dennoch keinerlei medizinische Versorgung erhielten, noch einen Arzt aufsuchen konnten, um ihre körperliche Verfassung feststellen zu lassen.
Laut der örtlichen Menschenrechtsorganisation "Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de las Casas" haben die Mitglieder von "La Voz de los Llanos" schon mehrfach Misshandlungen und Drangsalierungen erdulden müssen. Zwei der führenden Vertreter von "La Voz de los Llanos", Tiburcio Gómez Pérez und Aureliano +lvarez Gómez, hatte man im März 2007 in das "Los Llanos"-Gefängnis gebracht, um sie vor Belästigungen und Folter zu schützen, die ihnen in einem anderen Gefängnis widerfahren war, nachdem sie dort eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen hatten (siehe UA 197/06, 19. Juli 2006). Doch kurz nachdem man sie in das neue Gefängnis verlegt hatte, wurden die beiden in Zellen getrennt von den anderen Gefangenen verlegt. Sie geben an, dies hätte man veranlasst, da sie sich geweigert hatten, auf die Erpressungen durch das Gefängnispersonal einzugehen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Berichte über Folter und andere Misshandlungen in Gefängnissen sind in Bundesstaaten wie Chiapas nach wie vor an der Tagesordnung. Angaben zufolge kommen die Bedingungen von Untersuchungshäftlingen und verurteilten Strafgefangenen in manchen Bundesstaaten grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung gleich, wobei Korruption und Gewalt grassieren. In Chiapas traten zwischen März und April 2008 zahlreiche Gefangene, die ihre Festnahme, ihre Gerichtsverfahren und die Verurteilungen nach unfairen Verfahren für politisch motiviert halten, in den Hungerstreik, um ihre Freilassung zu fordern. Fast 100 wurden daraufhin mit der Begründung freigelassen, die Gerichtsverfahren gegen sie seien unseriös gewesen. Doch andere wie Tiburcio Gómez Pérez befinden sich weiter in Haft.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte E-Mails, Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- Ihre Sorge um die Sicherheit der indigenen Gefangenen der Gruppe "La Voz de los Llanos" und deren Unterstützer ausdrücken;
- die Behörden auffordern, allen am 21. April 2008 angegriffenen Personen Zugang zu jeglicher Art von nötiger medizinischer Versorgung zu gewähren;
- die Behörden auffordern, für die Sicherheit der bedrohten Personen zu sorgen;
- die Behörden auffordern, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der mutmaßlichen Schläge und Misshandlungen der Gruppe durch andere Gefangene einzuleiten;
- die Behörden auffordern sicherzustellen, dass Gefängnispersonal, welches die Angriffe und Drohungen seitens Gefangener gegenüber Mitgefangenen angeordnet, begünstigt oder gebilligt hat, vom Dienst suspendiert und zur Verantwortung gezogen wird.
APPELLE AN:
Gouverneur des Bundesstaates Chiapas
Lic. Juan José Sabines Guerrero
Gobernador del Estado de Chiapas
Palacio de Gobierno
Av. Central y Primera Oriente, Colonia Centro,
C.P. 29009, Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Gobernador)
Telefax: (00 52) 961-618 8050 (Durchwahl 21122)
Justizminister des Bundesstaates Chiapas
Lic. Amador Rodríguez Lozano
Ministro de Justicia del Estado de Chiapas
Libramiento Norte s/n, tercer nivel
Col. Infonavit "El Rosario", CP 29049
Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Minister/ Señor Ministro)
Telefax: (00 52) 961 61 657 24
Verwaltungdirektor der Gefängnisse von Chiapas
Lic. Juan José Mora Mora
Secretario Ejecutivo
Consejo de Ejecución de Sanciones Penales y Medidas de Seguridad
3a. Poniente Sur No. 157, Col. Centro
C.P. 29000 Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Secretary/ Señor Secretario)
Telefax: (00 52) 961 61-33 154 oder -21821 (wenn jemand abhebt, sagen Sie bitte: "Me da tono de fax, por favor")
E-Mail: jmora ät secesp.chiapas.gob.mx
KOPIEN AN:
Menschenrechtsorganisation "Fray Bartolomé de Las Casas"
Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de Las Casas, A.C.
Calle Brasil 14, Barrio Méxicanos,
29240 San Cristóbal de Las Casas
Chiapas, MEXIKO
E-Mail: accionurgente ät frayba.org.mx
Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
S. E. Herrn Jorge Castro-Valle Kuehne
Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin
E-Mail: mail ät embamexale.de
Telefax: 030-26 93 23-700
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. Juni 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Spanish or your own language:
- expressing concern for the safety of Indigenous prisoners belonging to the group "La Voz de los Llanos" and supporters of the group;
- calling for those attacked on 21 April to be given immediate access to all the medical care they may require;
- calling for the authorities to guarantee the safety of those at risk;
- calling for an impartial, prompt and impartial investigation into the reported beating and ill-treatment suffered by the group at the hands other prisoners;
- calling on the authorities to ensure that any prison official found to have ordered, encouraged or tolerated attacks and threats by inmates against other inmates to be suspended from duty and held to account
- Quelle
- http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/325F639DE189110DC12574390047C63d?open
NADESHDA Mailbox e.V._ / 0211-9053863 (X.75) / 0211-9345453 (V.34)
http://www.nadeshda.org / Informationen aus Politik Umwelt Kultur
|