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Urgent action: Kolumbien: Morddrohungen

Urgent Action

UA-Nr: UA-083/2008
AI-Index: AMR 23/011/2008
Datum: 01.04.2008

MORDDROHUNGEN

Kolumbien

Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial Justicia y Paz: Herr Frank William Cayapur Delgado
Herr Edward Mina Cuero
Herr Yimi Armando Jansoy Muñoz
sowie Herr Isabelino Valencia, Mitglied des Gemeinderats der Flussregion Naya

Eine paramilitärische Gruppierung, die sich selbst die "Schwarzen Adler" (Aguilas Negras) nennt, hat Morddrohungen an die vier oben genannten Menschenrechtsverteidiger geschickt, die afro-kolumbianischen Gemeinden in der Flussregion Naya (in den Departements Cauca und Valle del Cauca im Westen des Landes) dabei helfen, ihre Eigentumsrechte über das von ihnen bewirtschaftete Land zu sichern. Die Menschenrechtler befinden sich in ernster Gefahr.

Drei der Männer sind für die regierungsunabhängige Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial Justicia y Paz tätig. Isabelino Valencia ist Mitglied des Gemeinderates der Flussregion Naya. In den afro-kolumbianischen Regionen, die Eigentumsrechte von Grundstücken innehaben, sind die Gemeinderäte für die Regulierung regionaler Angelegenheiten verantwortlich, dazu gehört auch die Kontrolle über die Ressourcen.

Isabelino Valencia erhielt am 24. März 2008 um 7 Uhr morgens einen Anruf auf seinem Mobiltelefon, von einem Mann, der ihm sagte: "Wir verfolgen dich. Pass auf, was du sagst." (nosotros los estamos siguiendo cuiden lo que hablan y dicen.) Davor fand man Morddrohungen in dem Haus in der Gemeinde San Francisco Naya, Departement Valle del Cauca, wo die Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial Justicia y Paz wohnten. Die erste traf am 19. März 2008 um etwa 1 Uhr morgens ein und beinhaltete Zeichnungen eines Totenkopfs und eines Grabsteins. Darauf stand: "Tod. Lest weiter und gebt acht, Justicia y Paz. Nachdem wir eure Arbeit beobachtet haben, fordern wir euch auf, die Region zu verlassen, da wir keine Hindernisse haben möchten. Wir wollen euch hier nicht, wir meinen es ernst". In der Morddrohung wurde auf Frank William Cayapur Delgado, Edward Mina Cuero, Yimi Armando Jansoy Muñoz und Isabelino Valencia Bezug genommen. Unterzeichnet war das Schreiben mit "Schwarze Adler von Naya in Buenaventura".

Zwei ähnliche Briefe wurden kurz danach abgegeben. Einen fand man am selben Tag gegen 10 Uhr morgens im Hinterhof des Hauses, den anderen am nächsten Tag auf einem Fensterbrett.

Die vier Menschenrechtsverteidiger haben außerhalb der Region Zuflucht gesucht, planen aber zurückzukommen. Die Morddrohungen sind nicht nur an sie persönlich gerichtet, sondern an alle Mitarbeiter von Justicia y Paz, die den afro-kolumbianischen Gemeinden helfen, ihre Eigentumsrechte an Grundstücken zu sichern. Sollte die Organisation vertrieben werden, sind die Gemeinden in weitaus größerer Gefahr, von Paramilitärs angegriffen zu werden.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

In den 1990er Jahren wurde ein Gesetz verabschiedet, wodurch die Landrechte afro-kolumbianischer Gemeinden offiziell anerkannt wurden. Viele Gemeinden, darunter auch die in der Flussregion Naya, haben sich darum bemüht, dass ihnen auf Grundlage dieses Gesetzes das von ihnen seit vielen Jahren bewirtschaftete Land übereignet wird. Die Einwohner der Gemeinden werden weiterhin regelmäßig von Paramilitärs und den Sicherheitskräften bedroht. Die Paramilitärs zwingen sie, für die Produktion von Kokain Coca anzubauen und sollen einige ihrer Grundstücke besetzt haben. Ähnlichen Berichten zufolge sollen sich auch Guerilla-Gruppen afro-kolumbianische Gemeinden an der Pazifikküste zur Zielscheibe gemacht haben. Die Gemeinden versuchen zusammen mit Justicia y Paz und weiteren Menschenrechtsorganisationen der Region, ihr Recht geltend zu machen, nicht in den Konflikt der Sicherheitskräfte und paramilitärischen Gruppen mit Guerillakräften miteinbezogen zu werden. Die Regierung behauptet, dass alle paramilitärischen Gruppen demobilisiert wurden, obwohl diese nach wie vor operieren.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie:

  • Ihre Sorge um die Sicherheit der Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial Justicia y Paz, Frank William Cayapur Delgado, Edward Mina Cuero und Yimi Armando Jansoy Muñoz, sowie von Isabelino Valencia zum Ausdruck bringen, die aufgrund ihrer Arbeit für die afro-kolumbianischen Gemeinden in den Departements Cauca und Valle del Cauca Morddrohungen erhalten haben;
  • bei den Behörden darauf dringen, in Absprache mit allen vier Männern Schutzmaßnahmen für sie einzuleiten;
  • die Behörden auffordern, dass eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Drohungen eingeleitet wird, sowie die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;
  • fordern, dass die Behörden wirksame Maßnahmen einleiten, paramilitärische Gruppierungen aufzulösen und ihre Verbindungen zu den Sicherheitskräften zu kappen, wie es die Vereinten Nationen mehrfach empfohlen haben.

APPELLE AN:

Staatspräsident
Sr. Presidente +lvaro Uribe Vélez
Presidente de la República, Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26 Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Uribe / Excmo. Sr. Presidente Uribe) Telefax: (00 57) 1-337 5890 / (00 57) 1-342 0592

Verteidigungsminister
Sr. Juan Manuel Santos, Ministro de Defensa Nacional
Ministerio de Defensa Nacional
Avenida El Dorado - Carrera 52 OFI. 217
Centro Administrativo Nacional (CAN)
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Sir / Estimado Sr. Ministro)
Telefax: (00 57) 1 266 03 51 (falls jemand abhebt, fragen Sie: "me da tono de fax, por favor")

Generalstaatsamwalt
Dr. Mario Germán Iguarán Arana
Fiscal General de la Nación, Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01) Bloque C, Piso 4 Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Fiscal / Dear Mr Iguarán)
Telefax: (00 57) 1 570 2000 (sie werden gebeten, die Durchwahl 2017 einzugeben)

KOPIEN AN:

Nichtstaatliche Menschenrechtsorganisation
Justicia y Paz Intereclesial
Calle 61 A, No. 17-26
Bogotá, KOLUMBIEN

Ombudsman für Menschenrechte
Sr. Volmar Antonio Pérez Ortiz
Defensor del Pueblo
Defensoría del Pueblo
Calle 55, No. 10-32/46 oficina 301
Bogotá, KOLUMBIEN

Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84, 10787 Berlin
Telefax: 030-2639 6125
E-Mail: info ät botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Mai 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Spanish or your own language:

  • expressing concern for Comisión Intereclesial Justicia y Paz members Frank William Cayapur Delgado, Edward Mina Cuero and Yimi Armando Jansoy Muñoz, and also Isabelino Valencia, who have received death threats because of their work on behalf of Afro-descendant communities in the departments of Valle del Cauca and Cauca;
  • urging the authorities to ensure that all four are protected in accordance with their own wishes;
  • calling on the authorities to order full and impartial investigations into the threats, publish the results and bring those responsible to justice;
  • calling on the authorities to take decisive action to confront and dismantle paramilitary groups and investigate and break their links with the security forces, in line with repeated UN recommendations.
    Quelle
    http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/E6B557A4982AFD91C125741F0056F133?open

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03.04.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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