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Papierkonzern Stora Enso laesst Frauenproteste gegen illegale Monokulturen gewaltsam unterbinden

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http://www.pro-regenwald.de/new_stor.php

Pro REGENWALD - 7.3.2008

Papierproduktion oder Essen für Hungernde

Stora Enso verantwortlich für Gewalt gegen Frauen

Jouko Karvinen ist ein Mann und muss sich kurz vor dem internationalen Frauentag vorwerfen lassen, für die Misshandlung mehrer dutzend und der Verhaftung mehrer hundert Frauen in Brasilien verantwortlich zu sein. In Solidarität mit den misshandelten Frauen hat Pro REGENWALD-Vorständin Simone Hörner gegen die Gewaltanwendung protestiert und einen sofortigen Rückzug aus der umstrittenen Region im Staat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens gefordert. Jouko Karvinen ist nicht irgendein Mann. Er ist CEO des schwedisch-finnischen Papiermultis Stora Enso und somit Herr über mehrere tausend Mitarbeiter, über hunderttausende Hektar Wald und Plantagen und er verantwortet einen jährlichen Umsatz von fast 15 Milliarden Euro. Um die Geschäfte weiter voranzubringen, hat Stora Enso kürzlich rund 45.000 Hektar Land gekauft: Es soll mit schnellwachsenden Eukalyptusbäumen bepflanzt werden und so den Nachschub für große Papierfabriken garantieren.

Monokulturplantagen sind nicht nur eine ökologische Belastung ohnesgleichen. Sie sind auch direkte Konkurrenz um Land, welches tausende hungernde Bauern in Brasilien für sich einfordern und auch erhalten sollten, wie die Farmerorganisation 'Via Campesina' hervorhebt. Denn der Verkauf von Land an ausländische Unternehmen ist im Grenzstreifen zu Uruguay gesetzlich verboten.

Um ihrem Anspruch Nachdruck zu verleihen, hatten am 4. März rund 900 Frauen von Via Campesina eine 2.100 Hektar große Farm besetzt. Sie begannen umgehend, die fremdländischen Eukalyptusbäume der frisch angelegten Plantage durch einheimische Baumarten zu ersetzen und das zerstörte Ökosystem wiederherzustellen. Kurz darauf ließ das Unternehmen durch massiven Einsatz der Militärbrigade PM die Frauen entfernen und die eigenen illegalen Aktivitäten schützen. 700 Frauen wurden dabei festgenommen und 60 verletzt. Aus Protest und als Zeichen der Solidarität mit den Frauen blockierten daraufhin Bauernorganisationen acht Landstraßen in dem Bundesstaat und klagten den brasilianischen Staat als Handlanger eines ausländischen Unternehmens an.

"Die Vorstellung, dass künftig Papier aus dieser Konfliktregion nach Deutschland auf den Markt kommt, ist vollkommen unakzeptabel", sagt Simone Hörner von Pro REGENWALD. "Kein Verbraucher würde Papiertücher kaufen wollen, die unter solchen Umständen produziert wurden. Alle würden Stora Enso mit Hunger und Gewalt gegen Frauen in Verbindung bringen."

In einem Aufruf zu den Protesten heißt es: "Wir, die Frauen der Via Campesina in Rio Grande do Sul, sind in dieser Woche auf der Straße, um unseren Kampf gegen das Agrobusiness und für die Verteidigung der Ernährungssicherheit der brasilianischen Bevölkerung fortzusetzen. Die Ernährungssicherheit ist ein Recht der Bevölkerung, Nahrungsmittel unter Erhalt der Biodiversität und in traditioneller Form in jeder Region zu produzieren".

Weitere Info (in Englisch): www.viacampesina.org

Videoclip von der Aktion
Teil 1 http://youtube.com/watch?v=4g5V0VzPf28
Teil 2 http://youtube.com/watch?v=ZLu4QATtdJI


Hintergrund

Militärpolizei geht mit Gewalt gegen weibliche Protestierer auf einer Plantage von Stora Enso in Brasilien vor

Am Dienstag, den 4. März 2008, wurden etwa 900 Frauen der internationalen Kleinbauernbewegung Via Campesina von der Militärpolizei gewaltsam von einer 2.100 ha großen Stora Enso-Plantage der Taruma Farm in Rio Rio Grande do Sul, Brasilien, hinausgeworfen. Einer Mitteilung Via Campesinas zufolge wurden etwa 60 Frauen schwer verletzt und 800 verhaftet. 250 Kinder im Dorf wurden so von ihren Eltern getrennt. Zelte wurden zerstört und den Frauen ihre Werkzeuge weggenommen.

Die Frauen protestierten gegen Stora Ensos Eukalyptus-Plantagenmonokultur, die die Firma derzeit in Rio Grande do Sul errichtet. Am Dienstag um 6 Uhr kamen die Frauen an der Taruma Farm an und begannen damit, Eukalyptusbäume zu fällen und sie durch Setzlinge einheimischer Baumarten zu ersetzen.

In einer Erklärung von Via Campesina heißt es: "Unsere Aktion ist rechtmäßig. Stora Enso ist illegal. Die Pflanzung dieser grünen Wüste im Grenzgebiet ist ein Verbrechen gegen die Gesetze unseres Landes, gegen das Ökosystem und gegen die Ernährungssouveränität unseres Staates, der immer weniger Land zur Nahrungsproduktion zur Verfügung hat. Wir halten auf, was schlecht und pflanzen, was gut ist für die Umwelt und die Menschen von Rio Grande do Sul."

Nach brasilianischen Recht ist es Ausländern ohne ein spezielles Genehmigungsverfahren nicht erlaubt, innerhalb eines Gebietes von 150 Kilometern vor der Grenze, Land zu kaufen. Stora Enso kauft große Flächen Land nahe der Grenze zu Uruguay, wo die Firma ebenfalls Plantagen besitzt. Stora Enso plant auf über 100.000 ha die Errichtung von industriell genutzten Plantagen und den Bau einer Zellstofffabrik mit einer Kapazität von einer Million Tonnen pro Jahr.

Zunächst versuchte Stora Enso, das Land mittels des Tochterunternehmens Derflin zu erwerben, die dies aber als ausländische Firma nicht konnte. Daraufhin gründete Stora Enso eine Firma - Azenglever Agropecuriá Ltd. - um das Land in ihrem Namen zu kaufen. Via Campesina weist darauf hin, dass Azenglever zwar zwei Brasilianern gehört, diese aber Führungskräfte von Stora Enso sind: Joao Fernando Borges ist Forstdirektor und Otávio pontes ist Vizepräsident von Stora Enso in Lateinamerika. Via Campesina zufolge sind diese beiden derzeit die größten Landbesitzer im Staat Rio Grande do Sul.

Via Campesina berichtet, dass insgesamt bereits 45.000 ha auf den Namen Azenglever Agropecuária eingetragen sind und, dass die Bundespolizei "von diesen illegalen Tätigkeiten Kenntnis hat, aber nichts unternommen hat, um das Vordringen dieser grünen Wüste zu verhindern." Unterdessen kauft Stora Enso weiterhin Land.

In einer Pressemitteilung bestätigt Stora Enso, dass sie "Land im Grenzgebiet Brasiliens gekauft haben" und, dass Azenglever ein "vorübergehendes Arrangement" sei, gegründet, "um Stora Ensos Landerwerb zu schützen". Die Firma erklärt, dass sie Azenglever Agropecuária gegründet haben, "um das Land zu verwalten, bis die rechtmäßige Autorisierung gegeben ist". Außerdem behauptet Stora Enso, dass sie "die kompetenten Behörden angefragt haben, um die Eindringlinge legal und friedlich zu entfernen".

Allerdings war die Räumung alles andere als friedlich. Die Militärpolizei in Rio Grande do Sul ist bekannt für ihr gewaltsames Vorgehen gegen die friedlichen Aktionen sozialer Bewegungen. Die Räumung fand so schnell statt, weil Stora Enso vom Gericht in Rio Grande do Sul bereits eine Genehmigung hatte, die bestätigte, dass kein weiteres Gerichtsurteil nötig sei, um die Protestierer von diesem Land zu entfernen. Yeda Crusius, die Gouverneurin, die der Militärpolizei die Erlaubnis zur Entfernung der protestierenden Frauen gab, erhielt etwa 500.000 Reais Wahlkampfspenden von Plantagenfirmen. Auch von Stora Enso.

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Pro REGENWALD
Tel.: 089-359 8650
info ät pro-regenwald.de
www.pro-regenwald.de

29.03.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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