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Urgent action: Brasilien: Morddrohungen / Sorge um Sicherheit

Urgent Action

UA-Nr: UA-313/2007
AI-Index: AMR 19/021/2007
Datum: 21.11.2007

MORDDROHUNGEN / SORGE UM SICHERHEIT

Brasilien

Frei Henri de Rosiers, etwa 77-jähriger Menschenrechtler und Anwalt

Der Anwalt und Menschenrechtler Bruder Henri de Rosiers, auch bekannt unter dem Namen Frei Henri, schwebt in großer Gefahr.

Die kirchliche Organisation "Comiss+o Pastoral da Terra" (CPT) hat von der Militärpolizei in Xinguara im Süden des brasilianischen Bundesstaates Pará erfahren, dass im Oktober 2007 drei Männer beauftragt worden sein sollen, Frei Henri für eine Summe von 50.000 brasilianischen Real (etwa 19.000 Euro) zu ermorden. Frei Henri wird im Zusammenhang mit seiner Menschenrechtsarbeit seit Jahren mit dem Tod bedroht (siehe UA 134/00 vom 25. Mai 2000). Sein Name soll auf einer "Abschussliste" örtlicher Landbesitzer stehen.

Frei Henri erhält rund um die Uhr Personenschutz der Militärpolizei, seit die Umweltaktivistin Schwester Dorothy Stang im Februar 2005 ermordet wurde. Sie hatte vor ihrem Tod häufig Morddrohungen erhalten. Doch die Behörden scheinen weder der letzten Morddrohung gegen Frei Henri nachgegangen zu sein, noch ernsthaft versucht zu haben, frühere Morddrohungen oder die Existenz der "Abschussliste" zu untersuchen. Ebenso wenig haben sie Schritte unternommen, um örtliche Milizen zu entwaffnen.

Frei Henri de Rosiers arbeitet seit vielen Jahren als Anwalt für die CPT in Xinguara. Die CPT setzt sich in einem für seine Gewalttaten und die damit einhergehende Straffreiheit bekannten Bundesstaat Brasiliens für Landrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Landarbeiterinnen und -arbeiter sowie für Landlose ein.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Der Süden des Bundesstaates Pará ist eine der gefährlichsten Gegenden Brasiliens. Zwischen 1971 und 2006 wurden laut der CPT 814 Personen im Zusammenhang mit Landrechtskonflikten getötet. 2006 dokumentierte die CPT 118 Fälle, bei denen Personen, die sich für Landrechte einsetzten, Morddrohungen erhielten.

Berichten der staatlichen Menschenrechtskommission zufolge, haben Sicherheitsfirmen, die als bewaffnete Milizen fungieren, Kopfgelder auf Aktivistinnen und Aktivisten ausgesetzt, die für Menschen- und Landrechte kämpfen. Im Jahr 2005 wurde Schwester Dorothy Stang von einem Auftragsmörder, der für die örtlichen Landbesitzer arbeitete, umgebracht. Dieser Fall hat zwar international Aufmerksamkeit erregt und zu Anklagen geführt, aber Hunderte von Morden sind bis heute nicht untersucht worden. Laut der CPT wurden 568 Fälle bisher nicht aufgeklärt. Von 92 Strafverfahren hat nur eins mit einer Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe geendet.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie:

darauf drängen, dass Frei Henri de Rosiers auch weiter den nötigen Polizeischutz erhält, da drei Männer beauftragt worden sein sollen, ihn zu ermorden; die Behörden auffordern, die Morddrohung gegen Frei Henri gründlich zu untersuchen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen; darum bitten, über die Ergebnisse der Untersuchung informiert zu werden; die Behörden auffordern, die strukturellen Menschenrechtsverletzungen im Süden des Bundesstaates Pará einschließlich der Existenz von Auftragsmördern und örtlichen Milizen gründlich zu untersuchen; darauf drängen, dass die Aufragsmörder und Milizen zusammen mit ihren Auftraggebern entwaffnet und vor Gericht gestellt werden; auf das Versagen des Bundesstaates Pará hinweisen, die seit Jahren herrschende Gewalt und die lange Tradition der Straflosigkeit zu unterbinden; die Bundesbehörden daran erinnern, dass sie verpflichtet sind, sicherzustellen, dass Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtler ihre Tätigkeit ohne Angst vor Gewalttaten ausüben können.

APPELLE AN:

Gouverneurin des Bundesstaates Pará
Governadora do Estado do Pará
Exma Senhora Governadora do Estado do Pará
Ana Júlia de Vasconcelos Carepa
Palácio dos Despachos,
Rodovia Augusto Montenegro, s/nº, Km 9 -
Icoaraci 66.823-010 - Belém/PA
BRASILIEN
(korrekte Anrede: Vossa Excelência)
Telefax: (00 55) 91 3248 0133

Justizminister
Exmo. Sr. Ministro da Justiça do Brasil
Tarso Fernando Herz Genro
Ministério da Justiça
Esplanada dos Ministérios,
Bloco "T 4 andar
70.712-902 - Brasília/DF, BRASILIEN
(korrekte Anrede: Vossa Excelência)
Telefax: (00 55) 61 3322 6817

KOPIEN AN:

kirchliche Organisation in Pará, die sich für Landrechte einsetzt Commiss+o Pastoral da Terra
Tv. Bar+o do Triunfo, 3151
66093-050 - Belém/PA, BRASILIEN

Botschaft der Föderativen Republik Brasilien
S. E. Herrn Herr Luiz Felipe De Seixas Corrêa
Wallstraße 57, 10179 Berlin
Telefax: 030-7262 8320 oder 030-7262 8321
E-Mail: brasil ät brasemberlim.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. Januar 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Portuguese or your own language:

  • ensure that Frei Henri de Rosiers continues to receive police protection that meets his needs, following reports that three men have been hired to kill him;
  • calling on the authorities to thoroughly investigate the death threat against Frei Henri, and bring those responsible to justice;
  • asking to be informed of the results of this investigation;
  • calling on the authorities to thoroughly investigate the pattern of human rights abuses in the south of Pará state, including the existence of hired gunmen and local militias;
  • calling for these gunmen and militias to be disarmed and brought to justice, along with those who hire them;
  • noting the failure of the Pará state authorities to deal with the violence over many years, and the long record of impunity in the state;
  • reminding the federal authorities of their duty to ensure that human rights defenders should be able to carry their work without fear of violence.
    Quelle
    http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/EAA898BE1AE85C57C12573AA0061C17a?open

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08.12.07    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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