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Urgent Action
UA-Nr: UA-293/2007
AI-Index: AMR 19/020/2007
Datum: 06.11.2007
SORGE UM SICHERHEIT / SEXUELLE GEWALT
Brasilien: 700 Angehörige
der indigenen Gemeinschaft der Guarani Kaiowá in Nhanderu Marangatu
Die indigene Gemeinschaft der Guarani Kaiowá in Nhanderu Marangatu im Verwaltungsbezirk Antonio Jo+o des Bundesstaates Mato Grosso do Sul befindet sich in einer sehr gefahrvollen Situation. Etwa 30 Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes, die für örtliche Landbesitzende arbeiten, haben die Gemeinschaft wiederholt bedroht, indem sie in ihrer Nähe Schüsse in die Luft abgegeben haben. Die Sicherheitsleute werden außerdem beschuldigt, in diesem Jahr schon mindestens drei Frauen der Guarani Kaiowá vergewaltigt zu haben. Die ständige Angst und die Einschüchterungen lassen ein normales Leben bei den Guarani Kaiowá nicht mehr zu.
Seit Anfang Oktober haben die Sicherheitsdienste wiederholt in nur 50 Meter Entfernung der Häuser der Guarani in die Luft geschossen, einmal zielten sie dabei nur knapp neben eine Gruppe spielender Kinder. Vergangene Woche wurde einer der Sicherheitsleute von einer Frau der Guarani beschuldigt, sie beim Feuerholzsammeln vergewaltigt zu haben. Ihren Mann soll man geschlagen haben, als er versuchte, ihr zu helfen. "Ohne Feuerholz können wir nicht kochen und die Kinder bleiben hungrig", sagte die Sprecherin der Guarani, Léia Aquino. "Seit Anfang Oktober hat sich die Lage hier verschlimmert. Wir haben die Vorfälle angezeigt, aber es ist noch niemand von der FUNAI Nationale Behörde für Indigenenangelegenheiten - Fundaç+o Nacional do Indio hierher gekommen."
Die indigene Gemeinschaft hat die Vorfälle auch der Bundesstaatsanwaltschaft (Ministério Publico Federal) und der Bundespolizei gemeldet. Doch laut den Guarani reagiert die Polizei nur auf Klagen der Landbesitzenden. Am 31. Oktober 2007 kam die Bundespolizei genau zu dem Zeitpunkt in das Gebiet der Gemeinschaft, als diese ein Ritual zur Ehren ihrer Toten abhielt. Die Bundespolizei wollte dabei Beschwerden der Landbesitzenden nachgehen, denen zufolge die Gemeinschaft versucht haben soll, das angrenzende Land zu besetzen.
Bei der letzten großen Versammlung der Guarani vom 26.-28. Oktober 2007 in Sombrerito beklagten Sprecher aus Marangatu, dass die privaten Sicherheitsdienste ihnen ein Leben dort unmöglich machten. Sie forderten das Oberste Bundesgericht auf, endlich über die Demarkierung ihres Landes als indigenes Gebiet zu entscheiden.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Der brasilianische Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva ratifizierte am 23. März 2005 offiziell die Demarkierung des 9.316 Hektar großen Nhanderu Marangatu-Gebiets. Nach Einlegung von Rechtsmitteln seitens der ehemaligen Landbesitzenden setzte der damalige Präsident des Obersten Bundesgerichts (Supremo Tribunal Federal, STF), Nelson Jobim, die Ratifizierung des Präsidenten jedoch bis zur endgültigen gerichtlichen Entscheidung aus. Am 15. Dezember 2005 setzten 150 schwer bewaffnete Militärpolizisten unter Einsatz von Hubschraubern eine Räumungsklage durch und vertrieben die Gemeinschaft in ein provisorisches Hüttendorf an der Schnellstraße. UA 178/05, AMR 19036/2005, 16. August 2005 Kurz darauf, am 24. Dezember 2005, wurde Dorvalino Rocha, ein Sprecher der Gemeinschaft, von bei den Landbesitzenden beschäftigten Sicherheitsleuten erschossen.
Nach sieben Monaten am Rande der Straße wurde die Gemeinschaft mit dem Einverständnis der örtlichen Landbesitzenden erneut umgesiedelt, um die Asphaltierung der Straße zu ermöglichen. Man brachte sie auf 100 Hektar des vorher bewohnten Landes zurück. Die Landbesitzenden lassen das Grundstück seither von einer großen Zahl privater Sicherheitsleute kontrollieren. Die Entscheidung über die Rechtsmittel der Landbesitzenden ist beim Obersten Bundesgericht immer noch anhängig, dadurch befinden sich die Guarani in einer von Gewalt geprägten und wirtschaftlich schwierigen Lage.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie:
Ihre Sorge um die Sicherheit der Angehörigen der indigenen Gemeinschaft der Guarani Kaiowá in Nhanderu Marangatu, Verwaltungsbezirk Antonio Jo+o im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, zum Ausdruck bringen;
bei den Behörden darauf drängen, unverzüglich Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen und auch durch den Abschluss des Ratifizierungsverfahrens des von ihnen traditionell bewohnten Landes langfristig ihre Sicherheit zu garantieren;
darauf drängen, dass die Drohungen und Angriffe gegen die Guarani Kaiowá, insbesondere auch die Vergewaltigungen der drei Guarani Kaiowá-Frauen, in vollem Umfang und transparent untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden;
die Bundesbehörden auffordern, private Sicherheitsfirmen und ihre Rolle bei Menschenrechtsverletzungen an indigenen Völkern gründlich zu überprüfen und sie auffordern, eine Gesetzgebung in Übereinstimmung mit Menschenrechtsstandards zu schaffen, die diesen Wirtschaftszweig kontrolliert;
die Behörden daran erinnern, dass den Guarani Kaiowás physische Gewalt und wirtschaftliche Härte droht, weil ihnen die in der brasilianischen Verfassung verankerten Landrechte nicht garantiert werden.
APPELLE AN:
Justizminister
Exmo. Sr. Tarso Genro
Ministério da Justiça do Brasil
Esplanada dos Ministérios, Bloco "T", Edificio Sede
70712-902 Brasília - D.F.
BRASILIEN
(korrekte Anrede: Vossa Excelência)
Telefax: (00 55) 61-322 6817
KOPIEN AN:
Präsidentin des Obersten Bundesgerichts
Exma. Presidente Ellen Gracie Northfleet, Supremo Tribunal Federal
Praça dos Três Poderes, Edifício Sede, 3° Andar
70.175-900 - Brasília
BRASILIEN
Telefax: (00 55) 61 3217 4249
Menschenrechtsbeauftragter im Außenministerium
Secretaria Especial de Direitos Humanos
Exmo. Secretário Especial
Sr. Paulo de Tarso Vannuchi
Esplanada dos Ministérios - Bloco "T" - 4º andar
0.064-900 - Brasília -D.F.
BRASILIEN
Telefax: (00 55) 61 3226 7980
regierungsunabhängige Indigenenorganisation
Conselho Indigenista Missionário (CIMI - local NGO)
Cimi Regional Mato Grosso do Sul
Av. Afonso Pena, 1557 Sala 208 Bl.B,
Campo Grande - MS - CEP 79002-070
Telefax: (00 55) 61 2106 1651
Botschaft der Föderativen Republik Brasilien
S. E. Herrn Luiz Felipe De Seixas Corrêa
Wallstraße 57
10179 Berlin
Telefax: 030-7262 8320 oder 030-7262 8321
E-Mail: brasil ät brasemberlim.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Dezember 2007 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Portuguese or your own language:
- expressing concern for the safety the Guarani Kaiowá community of Nhanderu Marangatu in the Antonio Jo+o municipality, Mato Grosso do Sul state who are under threat of imminent violence;
- urging the authorities to adopt immediate measures for their protection, as well as guaranteeing their long-term security by ensuring the completion of the process of land ratification;
- urging that the threats and attacks against the Guarani Kaiowá, especially the rapes of three Guarani Kaiowá women, be fully and transparently investigated and those responsible for carrying out the attacks be brought to justice;
- urging the federal authorities to thoroughly investigate private security companies and their role in cases of human rights violations against indigenous peoples, and calling on them to introduce regulations in accordance with human rights standards to control this industry;
- reminding the authorities the failure to fulfil the Guarani Kaiowá's constitutional rights to land has put them at risk of both physical violence and economic deprivation.
- Quelle
- http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/2FA64A11CBDCC6D2C12573A30047D8b8?open
NADESHDA Mailbox e.V._ / 0211-9053863 (X.75) / 0211-9345453 (V.34)
http://www.nadeshda.org / Informationen aus Politik Umwelt Kultur
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