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ANTIRASSISTISCHE INITIATIVE E.V.
Dokumentationsstelle
Mariannenplatz 2 Haus Bethanien Südflügel 10997 Berlin
Fon 030 617 40 440 Funk 0177 37 55 924 Fax 030 627 05 905
ari-berlin-dok@gmx.de <mailto:ari-berlin-dok@gmx.de> www.ariberlin.
org/doku/titel.htm <http://www.ari-berlin.org/doku/titel.htm>
Neu erschienen!
15. aktualisierte Auflage der Dokumentation
Berlin, 10.3.2008
Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen
(1993 bis 2007)
30.12.07: Berlin. Der Tunesier Mohamed Mechergui (28) erhängt sich im
Abschiebegefängnis. 11.12.07: Amberg. Der Iraner Kamal X. (28)
übergießt sich mit Benzin, zündet sich an und erliegt den
Verletzungen. 29.8.07: Rostock. Soran Ali Khorshid aus dem Irak
stirbt an einer Überdosis Tabletten. 13.8.07: Mostar in Bosnien. Amru
Aljiti (63) stirbt an fehlendem Insulin. Der Schwerkranke war vier
Wochen zuvor abgeschoben worden. 27.6.07: Frankfurt am Main. Der
Kurde Mustafa Alcali (30) erhängt sich in Abschiebehaft. 7.6.07:
Luanda in Angola. Sherry Alex (24) stirbt nach der Abschiebung an
Malaria. 11.4 07: Lotte in Nordrhein-Westfalen. Ein 34 Jahre alter
Flüchtling aus Nepal ersticht sich in der Flüchtlingsunterkunft.
4.2.07: Tschechisch-deutsches Grenzgebiet in Sachsen. Zwei
äthiopische Flüchtlinge werden von einem Nahverkehrszug erfaßt und
tödlich verletzt. 12.12.06: Niedersachsen. Der kurdische Flüchtling
G. Y. erhängt sich in einer psychiatrischen Klinik. 4.12.06: Hamburger
Hafen. Die Kolumbianer Wilson O. (35) und Justiano A. (33) werden tot
im Frachtraum des Bananenfrachters "Regal Star" gefunden. Sie sind
erstickt. 26.10.06: JVA Stadelheim. Asseged Admaso (32) aus Äthiopien
erhängt sich in Abschiebehaft. 5.10.06: Sachsen. Ein 28 Jahre alter
Flüchtling aus Tschetschenien erhängt sich im Flüchtlingheim. 1.8.06:
Dannenreich in Brandenburg. Vier vietnamesische Flüchtlinge sterben bei
einem Autounfall nach Verfolgungsjagd durch die Polizei.
Diese Toten sind eine Folge der vor 15 Jahren am 1. Juli 1993 - mit
der Grundgesetz-Änderung festgelegten faktischen Abschaffung des
Asylrechts und der damit grundgesetzlich festgeschriebenen Absage an
Flüchtlinge, in der BRD Schutz zu bekommen. Die weiteren gesetzlichen
Restriktionen, die im November 1993 in Form des
Asylbewerberleistungsgesetzes, dessen Verschärfungen im Juni 1997 und
September 1998, dem Zuwanderungsgesetz am 1. Januar 2005 und wiederum
dessen Verschärfungen Ende August 2007 (EU-Richtlinien-
Umsetzungsgesetz), zeigen den klaren Willen der Bundesrepublik, die
Mauern im Lande für Flüchtlinge immer höher zu errichten und ihnen ein
Existenzrecht eindeutig abzusprechen.
Die Umsetzung dieser Gesetze und Verordnungen durch die
Behörden geschieht reibungslos. Die gesetzlichen Vorgaben werden
konsequent umgesetzt. Der Apparat funktioniert unerbittlich.
Gesetzesbrüche und Rechtswidrigkeiten kommen vor werden als
"Kollateralschäden" billigend in Kauf genommen. Aber auch menschlichmoralische
Grenzen und Menschenrechte spielen für die Behörden selten
eine Rolle. Der Abschiebewille ist unumstößlich auch nach 15 bis 20
Jahren Deutschland-Aufenthalt der Betroffenen.
Menschen, die im Asylverfahren rechtlich als Flüchtlinge
anerkannt wurden, müssen seit einigen Jahren damit rechnen, daß ihr
Status widerrufen wird und sie ihre einmal erkämpfte Sicherheit und
Existenz wieder verlieren. Allein von 2004 bis 2007 wurden vom
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 51.887 Widerrufsverfahren
eingeleitet und 41.639 Flüchtlingen der Aufenthaltstitel aberkannt.
Zunehmend gefährlich werden für anerkannte politische Flüchtlinge
Auslieferungsersuchen der Verfolgerstaaten (v.a. Türkei).
Die Zahl der Flüchtlinge, die in der BRD Asyl beantragten,
war 2007 mit 19.164 die niedrigste seit 31 Jahren. Zugleich wurden bei
28.572 Entscheidungen des Bundesamtes nur 304 (!) Personen als
Asylberechtigte anerkannt (1,1 %). 6.893 (24,1 %) Menschen erhielten
einen Abschiebeschutz nach § 60 Abs.1 des Aufenthaltsgesetzes.
Die vorliegende Dokumentation zeigt in über 5000
Einzelgeschehnissen die Auswirkungen des staatlichen und
gesellschaftlichen Rassismus auf die Betroffenen. Auf Flüchtlinge, die
gehofft hatten, in diesem Land Schutz und Sicherheit zu finden, und
letztlich an diesem System zugrunde gingen oder zu Schaden kamen. Die
jährlichen Zahlen der Dokumentation sinken im Gegensatz zu den Zahlen
der AsylbewerberInnen n i c h t. Sie bleiben konstant. Auszugehen ist
von einer wesentlich höheren Dunkelziffer.
Die Dokumentation umfaßt den Zeitraum vom 1.1.1993 bis 31.12.2007.
174 Flüchtlinge starben auf dem Wege in die Bundesrepublik
Deutschland oder an den Grenzen, davon allein 130 an den deutschen
Ost-Grenzen,
475 Flüchtlinge erlitten beim Grenzübertritt Verletzungen, davon 295 an
den deutschen Ost-Grenzen,
149 Flüchtlinge töteten sich angesichts ihrer drohenden Abschiebung
oder starben bei dem Versuch, vor der Abschiebung zu fliehen, davon
56 Menschen in Abschiebehaft,
746 Flüchtlinge verletzten sich aus Angst vor der Abschiebung oder aus
Protest gegen die drohende Abschiebung (Risiko-Hungerstreiks) oder
versuchten, sich umzubringen, davon befanden sich 449 Menschen in
Abschiebehaft,
5 Flüchtlinge starben während der Abschiebung und
356 Flüchtlinge wurden durch Zwangsmaßnahmen oder Mißhandlungen während
der Abschiebung verletzt,
29 Flüchtlinge kamen nach der Abschiebung in ihrem Herkunftsland zu
Tode, und
441 Flüchtlinge wurden im Herkunftsland von Polizei oder Militär
mißhandelt und gefoltert oder kamen aufgrund ihrer schweren
Erkrankungen in Lebensgefahr,
70 Flüchtlinge verschwanden nach der Abschiebung spurlos,
13 Flüchtlinge starben bei abschiebe-unabhängigen Polizeimaßnahmen,
405 wurden durch Polizei oder Bewachungspersonal verletzt, davon
129 Flüchtlinge in Haft.
67 Flüchtlinge starben bei Bränden oder Anschlägen auf
Flüchtlingsunterkünfte,
744 Flüchtlinge wurden z.T. erheblich verletzt,
14 Flüchtlinge starben durch rassistische Angriffe auf der
Straße und
719 Menschen wurden verletzt.
Durch staatliche Maßnahmen der BRD kamen seit 1993 mindestens 370
Flüchtlinge ums Leben durch rassistische Übergriffe und Brände in
Flüchtlingsunterkünften starben 81 Menschen.
Die Dokumentation umfaßt zwei Hefte. Beide Hefte zusammen kosten 16
plus 3,20 Porto & Verpackung.
HEFT 1 (1993 1999) 6 für 174 S. HEFT 2 (2000 2007) 11,40
für 270 S.- plus je 1,60 Porto & Verpackung.
Im Netz (zur Zeit noch die 14. Auflage) unter der Adresse: www.ariberlin.
org/doku/titel.htm <http://www.berlinet.de/ari/titel.htm>
Seit der polizeilichen und gewaltsamen Räumung des Hausprojektes
YORCK59 (www.yorck59.net <http://www.yorck59.net> )
mit seinen politischen und kulturellen Projekten am 6.6.05 und der
Besetzung des Südflügels vom Haus Bethanien am 11.6.05 hat die
Dokumentationsgruppe der Antirassistischen Initiative eine
neue Adresse
Antirassistische Initiative Berlin >> DokumentationsStelle <<
Mariannenplatz 2 - 10997 Berlin - Haus Bethanien - Südflügel
Kontakt: ari-berlin-dok@gmx.de <mailto:ari-berlin-dok@gmx.de> -
Fon 030 617 40 440 - Fax 030 627 05 905
"Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen":
www.ari-berlin.org/doku/titel.htm <http://www.ari-
berlin.org/doku/titel.htm>
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