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FIAN Pressemitteilung vom 6. März 2008
Jean Ziegler beklagt Schizophrenie bei der Hungerbekämpfung
FIAN fordert Bundesregierung zum "Kohärenzcheck" ihrer Handelspolitik auf
Der UN Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung, Jean Ziegler,
beklagt in seinem Abschlussbericht an den UN Menschenrechtsrat eine
"Schizophrenie im System der Vereinten Nationen und in der Politik der
Staaten". Einerseits verpflichten die Menschenrechtspakte der UNO die
Regierungen zur Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung. Andererseits treiben
die Weltbank, der Internationale Währungsfond (IWF) und die
Welthandelsorganisation (WTO) die Privatisierung von öffentlichen Diensten,
die Liberalisierung des Agrarhandels und die Kommerzialisierung der Ressource
Land voran. Diese Politik habe sich auf das Recht auf Nahrung aber
katastrophal ausgewirkt. FIAN teilt diese Einschätzung und ruft die
Bundesregierung dazu auf, die Kohärenz zwischen ihrer Handelspolitik und ihren
menschenrechtlichen Verpflichtungen zu überprüfen.
Der am kommenden Dienstag vom UN Menschenrechtsrat zu debattierende Bericht
schließt die achtjährige Amtszeit von Ziegler ab. "Ziegler hat mit seiner
Arbeit wesentlich dazu beigetragen, dass Hunger nicht länger als Schicksal,
sondern als Menschenrechtsverletzung wahrgenommen wird. Als Mahner und
Provokateur hat er zu Recht auf die große Mitverantwortung von Konzernen und
Regierungen des Nordens am alltäglichen Skandal des Hungers hingewiesen. Wir
hoffen, dass die Staaten nun die an Weltbank und IWF gerichtete Anklage ernst
nehmen", so Ute Hausmann, Grundsatzreferentin bei FIAN Deutschland. Schon 2001
hat der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte die
deutsche Regierung aufgefordert, sicherzustellen, dass internationale
Organisationen nicht zu Menschenrechtsverletzungen beitragen.
Eine große Gefährdung des Rechts auf Nahrung sieht Ziegler auch in den
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA"s), die im Dezember 2007 zwischen der
Europäischen Union und den Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifik (AKP)
vereinbart wurden. "Die Abkommen schränken die Möglichkeiten der Staaten
extrem ein, die Rechte von Kleinbauern vor subventionierten Billigimporten aus
Europa zu schützen", so Armin Paasch, Handelsreferent bei FIAN Deutschland.
"Die EU darf die EPA"s nur dann ratifizieren, wenn sie
Menschenrechtsverletzungen als Folge ausschließen kann." FIAN fordert die
Bundesregierung auf, sich in der EU für eine menschenrechtliche Überprüfung
und Revision dieser Abkommen einzusetzen.
Am kommenden Montag wird das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seinen Menschenrechtsaktionsplan bis 2010
vorstellen. Das BMZ hat in der Bundesregierung sowohl für die
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen als auch für die Weltbank die Federführung.
FIAN hofft, dass Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im Aktionsplan und bei
der Umsetzung auch in diesen Politikbereichen Akzente setzt und damit der
Aufforderung der UN von 2001 nachkommt.
- Kontakt
- Ute Hausmann, FIAN Deutschland; u.hausmann ät fian.de; 0221-7020072
Armin Paasch, FIAN Deutschland; a.paasch ät fian.de; 0176-22630755
Download des Berichts von Ziegler an den UN Menschenrechtsrat:
http://www.fian.de/fian/downloads/pdf/ran/2008ziegler.pdf
FIAN-Deutschland e.V.
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FIAN (FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk) ist eine internationale
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