|
Urgent Action
UA-Nr: UA-106/2008
AI-Index: AFR 25/004/2008
Datum: 23.04.2008
WILLKÜRLICHE INHAFTIERUNG / DROHENDE FOLTER UND MISSHANDLUNG / STAATLICHER MORD
Äthiopien / Somalia:
mehr als 40 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 18 Jahren
Am 19. April 2008 stürmten äthiopische Truppen die Al-Hildya-Moschee im Nordosten von Mogadischu und brachten über 40 Kinder und Jugendliche, die am Religionsunterricht in der Moschee teilgenommen hatten, in ihre Gewalt. Sie werden gegenwärtig in einem Militärlager in der Nähe einer Nudelfabrik im Norden von Mogadischu festgehalten. Äthiopische Soldaten sollen angegeben haben, die Kinder und Jugendlichen würden freigelassen, sobald die Ermittlungen gegen sie abgeschlossen und sofern sie "keine Terroristen" seien. Einige wenige sollen inzwischen freigelassen worden sein, die meisten der Kinder befinden sich jedoch nach wie vor in Haft.
Während der Militäraktion sollen die äthiopischen Streitkräfte mindestens 21 Personen getötet haben. Elf Personen, bei denen es sich um Angehörige der Zivilbevölkerung gehandelt haben soll, wurden in der Moschee getötet. Weitere zehn töteten die Soldaten in umliegenden Gebäuden. Sieben Personen wurde die Kehle durchgeschnitten - eine häufig von äthiopischen Truppen in Somalia angewandte Form der Tötung.
Angesichts der Umstände der Inhaftierung der Kinder und Jugendlichen befürchtet amnesty international, dass sie in großer Gefahr sind, gefoltert oder anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ausgesetzt zu werden. Wenn die äthiopischen Soldaten glauben, dass die Kinder und Jugendlichen Verbindungen zu bewaffneten Gruppierungen haben, die in Opposition zur somalischen Übergangsregierung und den äthiopischen Truppen stehen, sind die Kinder sogar in Gefahr, von den Soldaten extralegal hingerichtet zu werden. amnesty international fordert die sofortige Freilassung der Kinder und Jugendlichen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Ende Dezember 2006 kamen äthiopische Soldaten nach Somalia, um die dortige Übergangsregierung zu unterstützen, nachdem diese im Kampf gegen die unter der Bezeichnung "Islamic Courts Union" (ICU) bekannten islamistischen Milizen einige Niederlagen erlitten hatte. Die Truppen der somalischen Übergangsregierung und die äthiopischen Soldaten brachten Mogadischu unter ihre Kontrolle, aber seit März 2007 kommt es immer wieder zu Kämpfen in der Hauptstadt, an denen Kämpfer der ICU, al-Shabab-Milizen und andere bewaffnete Gruppierungen beteiligt sind, die gegen die Truppen der Regierung und äthiopische Soldaten kämpfen.
Seit Januar 2007 sind im Zuge des Konflikts in Somalia über 6000 Menschen getötet und mehr als 700.000 Menschen vertrieben worden. In den vergangenen Monaten haben die al-Shabab-Milizen den Konflikt auf andere Städte in Süd- und Zentralsomalia ausgedehnt. Seit April 2008 eskaliert der Konflikt auch erneut in Mogadischu, wobei es vor allem im Nordosten der Stadt zu Kampfhandlungen kommt. Allein in der vergangenen Woche sind Schätzungen zufolge 80 somalische Staatsbürger getötet und über 100 verletzt worden.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- Verlangen, dass die Kinder und Jugendlichen, die im Zuge einer Militäraktion von äthiopischen Soldaten in der Al-Hidya-Moschee festgenommen und verschleppt wurden, sofort freigelassen werden;
- die äthiopische Regierung auffordern, sicherzustellen, dass die von ihren Soldaten festgenommenen somalischen Staatsbürger nicht misshandelt oder gefoltert werden;
- die äthiopischen Behörden auffordern, eine unabhängige Untersuchung der Berichte einzuleiten, denen zufolge bei der Militäroperation in der Al-Hidya-Moschee mindestens 21 Menschen von Soldaten getötet wurden;
- fordern, dass die Soldaten, die für diese Tötungen verantwortlich sind, entsprechend internationalen Standards für faire Prozesse vor Gericht gestellt werden, ohne dass die Todesstrafe verhängt wird.
APPELLE AN:
Verteidigungsminister
Mr Kuma Demeksa
Ministry of National Defence
PO Box 1373
Addis Ababa
ÄTHIOPIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister)
Telefax: (00 251) 11 551 6053
Stabschef der Armee
Major General Samora Younis
PO Box 1373,
Addis Ababa,
ÄTHIOPIEN
(korrekte Anrede: Dear Major General)
Telefax: (00 251) 11 551 6053
Premierminister
His Excellency Meles Zenawi,
Prime Minister
Prime Minister's Office
PO Box 1031
Addis Ababa
ÄTHIOPIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
KOPIEN AN:
Botschaft der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien
S. E. Herrn Kassahun Ayele Tesemma
Boothstraße 20 a, 12207 Berlin
Telefax: 030-772 0624
E-Mail: Emb.ethiopia ät t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Amharisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. Juni 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English or your own language:
- demanding that the children and youths detained by Ethiopian troops after their raid on the Al-Hidya mosque be immediately released;
- demanding that the Ethiopian government to ensure that Somalis detained by Ethiopian troops are not tortured, otherwise ill-treated or executed.
- demanding that the Ethiopian government conduct an independent investigation into the killing of at least 21 individuals during the raid on the Al Hidya mosque. Soldiers responsible for these killings should be tried in accordance with international fair trial standards without recourse to the death penalty.
NADESHDA Mailbox e.V._ / 0211-9053863 (X.75) / 0211-9345453 (V.34)
http://www.nadeshda.org / Informationen aus Politik Umwelt Kultur
|