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Afghanistan: ROG kritisiert parteiliche Berichterstattung vor der
Präsidentschaftswahl
Berlin (ots) - Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert die
unausgewogene und parteiliche Berichterstattung in den afghanischen
Medien vor der Präsidentschaftswahl am 20. August. "Viele Fernsehund
Hörfunkstationen haben in ihren Programmen ausgewählte Kandidaten
bevorzugt. Vor allem das staatliche Fernsehen und die meisten
staatlichen Hörfunkprogramme enthalten den Wählern unabhängige
Informationen vor: Sie unterstützen eine Wiederwahl des amtierenden
Präsidenten Hamid Karsai", kritisiert ROG.
Zwar habe die "Unabhängige Wahlkommission" eine "Medienkommission"
eingerichtet, die helfen soll, eine ausgewogene Berichterstattung
während der Wahlkampfzeit zu gewährleisten. Aber diese Maßnahme
reicht nach Ansicht von ROG nicht aus. "Die Sicherheit und Freiheit
der afghanischen Journalisten müssen dringend mit Hilfe eines neuen
Mediengesetzes garantiert werden", fordert ROG.
Die Mehrheit der privaten Sender habe zwar einer Charta der
Medienkommission zugestimmt, in der zu einer gerechten
Berichterstattung über die Kandidaten in den Nachrichtenprogrammen
aufgerufen wird. In ihren anderen Programmen hätten die Medien jedoch
weiter den einen oder anderen Kandidaten favorisiert, kritisiert ROG.
Viele Journalisten würden sich aus Angst vor Drohungen und Gewalt
nicht trauen, frei und unabhängig zu berichten. Nicht nur die Taliban
bedrohen nach Angaben der Organisation zur Verteidigung der
Pressefreiheit einheimische und ausländische Journalisten, sondern
auch kriminelle Gruppen sowie Politiker und Sicherheitsbeamte.
"Gewalt gegen Journalisten und insbesondere die wachsenden
Übergriffe auf Journalistinnen dürfen nicht straffrei bleiben, sonst
geben die wenigen Frauen in den Medien ihre Arbeit auf", warnt ROG.
In einem Brief an die wichtigsten Kandidaten der
Präsidentschaftswahl, darunter Hamid Karsai, Abudllah Abdullah,
Aschraf Gahni, Ramasan Baschardost und Sajed Dschalal Karim, hat ROG
zu konkreten Schritten zur Verbesserung der Lage der Pressefreiheit
aufgefordert.
"Ermittlungen in den Fällen von Mord und gewalttätigen Übergriffen
gegen Journalisten müssen wieder neu aufgenommen werden", lautet eine
der ROG-Forderungen in dem Schreiben vom 30. Juli. Straffrei
entkommen seien beispielsweise die Mörder von Sakia Saki, die
ehemalige Leiterin der Hörfunkstation "Friedensradio", von Abdul
Rohani, Reporter der BBC, und Jawed Ahmad, der für verschiedene
kanadische Medien arbeitete.
In dem Brief kritisiert ROG außerdem, dass ein neues Mediengesetz
immer noch politisch blockiert wird. "Die zukünftige Regierung muss
dafür sorgen, dass Medien ungehindert, ohne Angst vor
Strafverfolgung, berichten können und per Gesetz die
Arbeitsbedingungen von Medienmitarbeitenden verbessern", appelliert
ROG.
Afghanistan steht auf der aktuellen ROG-Rangliste zur Lage der
Pressefreiheit weltweit auf Platz 156 von insgesamt 173 Staaten. Zwar
verfügt das Land über eine relativ große Medienvielfalt - mehrere
hundert Medien einschließlich privater Radio- und TV-Stationen
existieren in dem westasiatischen Land. Aber unabhängige Medien sind
in der islamischen Republik in der Minderheit. Es ist gängig, dass
Medien von politischen Parteien, ethnischen Gruppen oder
ausländischen Regierungen finanziell unterstützt werden, die auch die
politische und religiöse Ausrichtung der Berichterstattung diktieren.
Zudem hat die Gewalt gegen Journalisten in den vergangenen Jahren
weiter zugenommen.
Hier lesen Sie den ROG-Brief vom 30. Juli an Hamid Karsai. Das
gleiche Schreiben richtete ROG auch an andere Spitzenkandidaten der
Präsidentschaftswahl.
www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/rte/docs/2009/Brief_Af.pdf
Hier lesen Sie den ROG-Bericht zur Entwicklung der Medien- und
Meinungsfreiheit seit dem Amtsantritt von Präsident Hamid Karsai.
www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/rte/docs/2009/Afghanistan.pdf
Originaltext: Reporter ohne Grenzen e.V.
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