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Entschlossen gegen Gentechnik
Freiwillige Feldbefreiungen sollen auch 2006 stattfinden
Gewaltfreier Widerstand hat in Indien eine lange Tradition. 1998 kündigte die Bauernbewegung KRRS, die über 10 Millionen indische Bauern vereint, ihren entschlossenen Widerstand gegen eine Versuchsreihe des US-Konzerns Monsanto mit Gentechnik-Baumwolle an. Bei Tage und vor laufenden Kameras betraten Hunderte Bauern immer wieder neue bekannt gewordene Baumwollfelder und rissen die Gentechpflanzen aus. Sie verbrannten die "Ernte" noch auf dem Acker. Monsanto musste die Versuchsreihe abbrechen.
In Europa sind Feldbefreiungsaktionen noch relativ neu. In Frankreich gibt es über 5000 "Freiwillige Mäher", in Großbritannien sind es rund 3000 Aktive, auch in Polen und Spanien finden solche Aktionen statt. Im Juli 2005 nahmen in der Nähe von Strausberg in Brandenburg 300 Menschen an einer Feldbefreiungsaktion teil. Und auch 2006 lädt die Initiative "Gendreck-weg - Freiwillige Feldbefreiung" zu zwei öffentlichen Aktionswochenenden ein.
Der Konflikt um die Gentechnik ist zugespitzt. Politisch wittern die Agrokonzerne Morgenluft: Die Kanzlerin persönlich hat darüber gewacht, dass die Agro-Gentechnik im Koalitionsvertrag nicht zu stiefmütterlich behandelt wurde. Landwirtschaftsminister Seehofer plant die weitere Verwässerung des Gentechnikgesetzes.
Auf der anderen Seite häufen sich Beweise für die Gesundheitsgefährdung durch Gentechnik auf den Feldern. Agrogentechnik bedroht die biologische Vielfalt und treibt Bauern in die Abhängigkeit von den Agrarkonzernen. Bauern, in deren Nachbarschaft Gentech-Pflanzen wachsen, können nicht verhindern, dass Pollen über ihre Felder weht oder von Bienen dorthin getragen wird. Imker können keinen gentechnikfreien Honig mehr anbieten, sobald ein Gentechfeld im Flugradius ihrer Bienen zu blühen begonnen hat. Das geht schnell an die Existenz.
Obwohl die Industrie Millionen für Werbung investiert hat, sprechen sich in Umfragen 80% der Menschen gegen Gentechnik in der Nahrung aus - und immer mehr werden aktiv.
Es bleibt nicht viel Zeit: In den nächsten Jahren wird sich in Deutschland und Europa zeigen, ob die Agrogentechnik sich breit macht oder gestoppt werden kann. Die Folgen für Landwirtschaft und Ernährung sind gravierend - und das weltweit. Obwohl die meisten Kleinbauern in den Ländern des Südens dagegen sind, würden etliche Großbauern und Regierungen die Agrogentechnik wohl ausprobieren, wenn wir in Europa erst einmal Gentech-Importe zugelassen haben.
Die Initiative "Gendreck-weg - Freiwillige Feldbefreiung" ging von Bauern und Bäuerinnen sowie Imkern in Süddeutschland aus. Inzwischen haben sich viele Menschen aus allen Bundesländern angeschlossen. Sie kündigen an, am Pfingstmontag zur Notwehrmaßnahme der Feldbefreiung zu greifen. Am Pfingstwochenende (2.-5. Juni) wird ein buntes Zeltlager gegen Gentechnik in der Nähe eines süddeutschen Gentech-Feldes stattfinden. Ein weiteres Camp samt Aktion im Nordosten der Bundesrepublik ist für das letzte Juli-Wochenende geplant. Menschen, die selbst an der Feldbefreiung teilnehmen möchten oder mit den Aktiven solidarisch sind, geben bereits jetzt öffentliche Erklärungen dazu ab und erhöhen so den Druck auf die Politik. Die Aktionen finden statt, wenn mindestens 250 Absichtserklärungen zusammen gekommen sind.
Jutta Sundermann
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - April/Mai 06
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