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Rotbauchunken sollen weiter rufen
Der Energiekonzern Vattenfall bedroht die Lacomaer Teichlandschaft
Das sorbische Sprichwort "Gott schuf die Lausitz und der Teufel legte die Kohle darunter" erlangt wieder bittere Aktualität. Nachdem der Tagebau Cottbus-Nord bereits die Dörfer Tranitz, Groß und Klein Lieskow und damit eine der Kernzonen des Siedlungsgebietes der sorbischen Minderheit zerstörte, ist nun Lacoma akut bedroht. Die Relikte des kleinen Dorfes in der Nähe von Cottbus und seine über Jahrhunderte gewachsene Teichlandschaft sollen verschwinden, um einer 65 Hektar großen Braunkohlegrube Platz zu verschaffen.
Die betroffenen Flächen gehören dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall, der vor einigen Jahren die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) aufkaufte und auch Eigentümer der Berliner Bewag ist. Nach der Umsiedlung Lacomas im Jahr 1990 waren nur noch wenige Häuser stehen geblieben. Die meisten wurden zwischen September 2003 und März 2005 unter Polizeischutz abgerissen. Ihre Nutzungsverträge waren abgelaufen und darin sah man trotz fehlenden Beschlusses über die Zukunft des Gebietes einen Freibrief zur Zerstörung der Gebäude. Dies geschah vor den Augen von Protestierern und Bewohnern des Ortes. Demonstrationen, Petitionen, das Besetzen der Hausdächer durch Aktivisten und ein Hungerstreik wurden vom Konzern nicht "wahrgenommen". Ein Armutszeugnis für Vattenfall. Im 20. Jahrhundert wurden bereits mehr als 25.000 Menschen aus 78 Orten der Lausitz von der Braunkohleindustrie umgesiedelt!
Lacomaer Teichlandschaft
Die 300 Hektar große Lacomaer Teichlandschaft, bestehend aus vierundzwanzig Fischteichen, ist bisher von direkten Eingriffen des Tagebaus verschont geblieben. Dieser nähert sich jedoch von Südosten dem Teichgebiet und soll es bereits ab 2006 vernichten. Würde dies geschehen, so wäre Deutschland um ein ökologisch wertvolles Stück Natur ärmer. Denn in diesem einmaligen Lebensraum leben mehr als 170 bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die auf der Roten Liste verzeichnete und akut vom Aussterben bedrohte Rotbauchunke weist in diesem Gebiet eines ihrer letzten größeren Vorkommen in Deutschland auf. Zudem sind hier seltene Vogelarten zu finden, wie z.B. Zwergrohrdommel, Schellente, Eisvogel, Seeadler und Schwarzstorch.
Die Entdeckung des europaweit prioritär geschützten Eremitenkäfers war Anlass, die Teichlandschaft im Jahr 2003 als potentielles FFH-Schutzgebiet nach Brüssel zu melden. Parallel dazu jedoch läuft seit 2002 (!) das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren zur Beseitigung der Teiche, das unter Beteiligung der Bürger, des Bergbauamtes und der EU-Kommission über Umfang und Art, Sinn oder Unsinn der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Lacoma entscheiden soll. Gegen das Vorhaben gingen 2000 Bürgereinwendungen ein. Da anscheinend rechtliche Probleme befürchtet werden, wird eine Entscheidung immer wieder verschoben. Die Haltung der Umweltverbände und der Lacomaer Aktivisten ist klar: "Lacoma ist weder ver- noch ersetzbar".
Wassermangel
Der an das Gebiet angrenzende Kohleabbau führte in diesem Sommer schon zur schleichenden Austrocknung des Gebietes. Ausschlaggebend dafür sind die für den Tagebau notwendigen Grundwasserabsenkungen, die die Versickerungsverluste aus den Teichen in die Höhe treiben. In diesem Sommer fiel aufgrund von Wassermangel erstmals sogar der benachbarte Hammergraben auf mehreren hundert Metern trocken. Bereits im letzten Jahr hatte die GRÜNE LIGA Brandenburg einen Eilantrag beim Cottbuser Verwaltungsgericht eingereicht, der die Unterbindung der Beeinträchtigungen des geschützten Gebietes durch Grundwasserentzug forderte. Doch das Gericht enttäuschte die Kläger und wies den Antrag ab. Regional gesehen wird durch den Tagebau der Wassermangel in Brandenburg verstärkt. Dabei zählt das Bundesland schon jetzt zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands.
Energiewende gefordert
Es ist ein Umdenken in der Energiepolitik notwendig, um nicht noch mehr Brandenburger Natur durch den Braunkohletagebau abbaggern zu lassen. Angelika Zahrnt, Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), fordert eine grundlegende Wende. Man solle von Braunkohleenergie abkommen, da diese Art der Stromerzeugung "ineffizient" sei. Zudem führe sie im Vergleich mit anderen Energieträgern zu einem höheren Ausstoß von Kohlendioxid. Die Zukunft liege in den regenerativen Energien.
Sie können helfen!
Der beste Schutz für den bedrohten Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen ist die Öffentlichkeit. Der Skandal sollte bundesweit publik gemacht werden. Des Weiteren können Sie z.B. Protestmails und -briefe an Vattenfall oder an die brandenburgische Landesregierung schreiben. Indirekt helfen Sie, wenn Sie Ihren Stromanbieter wechseln. Weg von der Bewag und damit weg vom Naturzerstörer Vattenfall - hin zu einem Ökostromanbieter (siehe www.zukunftsenergie.org) . Sie entziehen dem Konzern damit Ihre persönliche finanzielle Unterstützung.
Leben Sie bewusster und beschränken Sie Ihren direkten und indirekten Energieverbrauch. Sie sind zudem eingeladen, sich beim Lacoma-Verein zu engagieren, der für den Erhalt des Ortes und seiner Landschaft kämpft. Er organisiert Konzerte und Lesungen und bietet jeden ersten Sonntag des Monats Wanderungen im Gebiet an.
Über die Zukunft der geschützten Teichlandschaft ist bisher noch nicht entschieden. Geht das Planfeststellungsverfahren negativ für das geschützte Teichgebiet aus, dann sind inhaltliche Fehler offensichtlich. Einer Klage gibt das wiederum gute Chancen. Für die notwendigen rechtlichen Schritte sind die anerkannten Naturschutzverbände Brandenburgs zuständig. Für die zu erwartenden hohen Kosten sind sie auf Spenden angewiesen. Die Gelder für das Klageverfahren zur Rettung der Lacomaer Teichlandschaft werden von der GRÜNEN LIGA Brandenburg verwaltet.
Lieber Vattenfall-Konzern: Die Natur- und Kulturschätze, die Sie für Ihren kurzfristigen Gewinn vernichten, werden für alle Generationen verloren sein!
Mandy Lukas
www.lacoma.info
www.bi-lacoma.de
www.lacoma-bleibt.de
Spenden unter dem Stichwort "Lacomaer Teiche"
Kto. 1000 55 000, Grüne Liga Brandenburg
VR Bank Lausitz eG, BLZ 180 626 78
"Lacoma und der Konzern"
Der Buchbäcker Verlag hat den Dokumentarfilm "Lacoma und der Konzern" veröffentlicht, der in 120 min die "Allmacht des Vattenfall-Konzerns" aufzeigt, wie er "sich durch die Brandenburger Landschaft frisst", aber auch "den Widerstand gegen eine Energiepolitik, die jegliche Perspektive, jedes Maß, jedes Ziel verloren zu haben scheint". Der Preis des Films enthält 3 Euro für den Klagefonds der Grünen Liga.
Lacoma und der Konzern (2005)
DVD und VHS, 16,90 Euro
www.buchbaecker.de
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Oktober/November 06
Prenzlauer Allee 230, 10405 Berlin, Tel. 030 / 443391-47, Fax -33
raberalf@grueneliga.de, www.grueneliga-berlin.de/raberalf
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