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Vom Glück, Zeit zu haben
Eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens ist, glücklich zu sein. Wie aber funktioniert dieses Glücklichsein? Warum sind Menschen nicht von sich aus glücklich? Was hindert sie daran?
"Zum Glück Zeit?!" hieß die Podiumsdiskussion des IZT (Institut für Zukunftsforschung) und des Berliner Netzwerks für Nachhaltigkeit, die dieser Frage im Rahmen der "Woche der Zukunftsfähigkeit" nachgehen wollte. Geladen waren der Glücksforscher Ulrich Golüke, Peter Gäng vom buddhistischen Studienverlag, Stefanie Raab, Expertin für kulturelle und soziale (Wohn-)Projekte, und die Arbeitssoziologin Ulrike Schumacher.
Mit sehr persönlichen Berichten näherte sich die ExpertInnenrunde dem Begriff Glück, um im Folgenden mit dem stark eingebundenen Publikum den Brückenschlag zur gesamtgesellschaftlichen Herausforderung einer nachhaltigen Gesellschaft zu wagen. Darf man der Bilanz der Diskussion glauben, so ist Glück eine sehr individuelle Sache. Sie besteht aus den vielen kleinen Momenten des bewussten Daseins, dem Gefühl von Verbundenheit mit der Welt und den Mitmenschen und auch aus der Fähigkeit dankbar zu sein und etwas geben zu können.
So berichtete Stefanie Raab von glücklichen Momenten mit der Familie und den Kindern. Weiterhin erzählte sie von Nachdenkpausen zwischen den unterschiedlichsten Formen von Arbeit und der Möglichkeit sich von äußeren Zwängen zu befreien und sich selbst "Aufträge zu erteilen". Ulrich Golüke verwies hingegen auf die neue Freiheit in der modernen, überproduktiven Gesellschaft. Diese würde erst die Selbstverwirklichung ermöglichen, die heute zunehmend in Stress ausarte, weil wir nicht gelernt hätten, wie man wirklich glücklich wird. Zum Beispiel indem wir die menschliche Fähigkeit zur Kommunikation nutzen und uns anderen öffnen, um nicht gemeinsam, aber schweigend am Küchentisch zu enden. Peter Gäng beschrieb die säkularisierte Welt, in der wir vergeblich versuchen würden, auf Sinnstiftendes oder Identitätsbildendes zu verzichten. Denn hinter den unterschiedlichen Lifestyles und Marketingstrategien unserer Zeit verbirgt sich zu selten ein tieferer Gedanke, der uns wirklich Orientierung geben könnte. Demgegenüber erläuterte Ulrike Schumacher den menschlichen Wunsch nach Transzendenz, danach etwas zu schaffen, das bleibt, das "echten" Wert hat.
Der Transfer der persönlichen Erfahrungen in den gesamtgesellschaftlichen, politischen Kontext erwies sich im Diskussionsverlauf als schwierig, aber nicht unmöglich: Eine Politik der kleinen Schritte und des konkreten Umsetzens wurde verlangt. Man solle sich endlich den Taten zuwenden, um neue Erfahrungswerte zu schaffen und die Angst vor dem Fehlermachen aufgeben. Außerdem gehe es darum, sich von lieb gewonnenen, aber nicht haltbaren (Wachstums-)Vorstellungen zu verabschieden und sich neue Leit- und Vorbilder zu schaffen. Im politischen Geschäft müsse man sich wieder mehr Zeit nehmen, um genau hinzuschauen, zu verstehen und um bei der Umsetzung politischer Programme wieder ethische Ansprüche zur Geltung zu bringen. Was hier umrissen wurde, war das Szenario einer sehr anderen Gesellschaft, die, hoffnungsvollerweise, plötzlich gar nicht mehr so abwegig erschien.
Und so bleibt der Eindruck, dass es den ExpertInnen und engagierten GesprächsteilnehmerInnen wirklich ernst mit dem Bemühen um eine menschlichere, glücklichere Welt ist. Hier wurde philosophiert und politisiert um Zufriedenheit finden und geben zu können. Und tatsächlich lag etwas von glücklicher Gemeinschaft in der Luft. Vielleicht war dies die eigentliche Botschaft des Abends.
Uwe Birkel
www.izt.de
www.nachhaltigkeitinberlin.de
www.woche-der-zukunftsfaehigkeit.de
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Oktober/November 06
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