|
"Politikersprech"
Tipps und Tricks für Diskussionen mit Politikern
Was sagen Politiker und was meinen sie damit? Diese Frage zu klären verspricht die Broschüre "Politikersprech". Dabei steht für die AutorInnen, beide Mitglieder der Naturfreundejugend Deutschlands, stets die Kommunikation von Jugendlichen und PolitikerInnen im Vordergrund. Das ganze Heft ist gespickt mit Tipps, wie im direktem Gespräch kritische Fragen gestellt werden, wie mit ihnen selbstbewusste Vereinbarungen getroffen und wie diese auch kontrolliert werden können. Es entstand im Rahmen des "Projektes P" - P steht für Partizipation - des Deutschen Bundesjugendrings, der Bundeszentrale für Politische Bildung und des Bundesfamilienministeriums.
Aber "Politikersprech" ist nicht einfach nur ein Ratgeber: Mit viel (Selbst-)Ironie, Witz - vor allem über PolitikerInnen-Marotten - und Abwechslung bringen die AutorInnen auf den Punkt, was Nicht-PolitikerInnen ohnehin denken: Politik ist Selbstdarstellung! Das Wort "Politikersprech" bezieht sich übrigens auf den von George Orwell in seinem Roman "1984" erschaffenen Begriff "Neusprech" für künstlich veränderte Sprache.
Den Hauptteil bildet ein Glossar, worin von PolitikerInnen häufig benutzte Phrasen wie "zwingend erforderlich", "man muss wissen" oder "ich werde mich persönlich darum kümmern" übersetzt und deren Notwendigkeit für die Karriere der Nutzer erklärt werden. Auf die Frage, was die LeserInnen daraus lernen sollen, haben Simone Rieth und Ansgar Drücker eine schlagfertige Antwort: "Das sollten sie sich besser selbst überlegen, aber wir reden jetzt noch viel lieber mit PolitikerInnen". Neben Ratschlägen zum Umgang mit ihnen findet sich für Jugendliche vor allem die Ermutigung, PolitikerInnen auch zu eigenen Veranstaltungen einzuladen.
Mutig: Wo in fast jeder neuen Publikation im Vorwort darauf hingewiesen wird, dass Personenbezeichnungen in männlicher Form für beide Geschlechter gelten, da zeigt "Politikersprech" Experimentierfreude: Im Glossar wird nur die männliche Form verwendet, während die AutorInnen in den anderen Kapiteln durchgehend weibliche Formen benutzen.
LeserInnen werden vielleicht den Eindruck haben, dass das offensive, sich selbst als "lästerliche Broschüre" bezeichnende Heft nicht gerade zimperlich mit den PolitikerInnen-Seelen umgeht. Aber dies erweist sich bald als falsch, denn "eigentlich haben wir sie ganz lieb und beschäftigen uns gerne mit Ihnen".
Stefanie Senger
--
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Oktober/November 05
Prenzlauer Allee 230, 10405 Berlin, Tel. 030 / 443391-47, Fax -33
raberalf@grueneliga.de, www.grueneliga-berlin.de/raberalf
|