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BüroFÖJlerin besucht Bauernhofjunkies

Alles Pinke Panke oder was?

BüroFÖJlerin besucht Bauernhofjunkies

Mittwoch, 13. April. Der Tag verspricht sonnig zu werden. Ich bin auf dem Weg zum Kindernbauernhof Pinke Panke. Ich will Maren und Malex besuchen, zwei Kollegen aus meiner Seminargruppe, die wie ich seit dem letzten September ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolvieren. Heute werde ich das Bauernhofleben mitten in der Großstadt kennen lernen. Pünktlich zum Dienstbeginn treffe ich am Bürgerpark in Pankow ein.

Eine angemeldete Kindergruppe ist schon richtig aktiv. Meine erste Begegnung ist aber das Minischwein Olga. Die noch nicht mal ein Jahr alte Lady ist schon der Star des Bauernhofs. Die Kinder warten gespannt darauf, das kleine Schweinchen mit Leckerbissen zu verwöhnen. Nach einer kurzen Einführung - die Kinder sagen, was sie in Olgas Futter erkennen - geht der Spaß auch schon los. Papayastücken, Erdbeeren, Mohrrüben, Graubrot... sind ratz-fatz in der kleinen Steckdosenschnauze verschwunden. Olga ist sichtlich zufrieden und genießt die Aufmerksamkeit der kleinen Zuschauer. Auch ich lasse es mir nicht nehmen und füttere mit. Zum Schluss das Highlight: eine Tomate! "Achtung Kinder - bitte Abstand halten." Schon zerbeißt Olga die rote Frucht, alles spritzt kreuz und quer. Puh, geschafft, keiner wurde getroffen und wir verabschieden uns vom Minischwein.

Als nächstes führt uns der Weg zu den Gastkaninchen Hasi, Charlie, Kira-Cotta und Miriam, die noch am selben Tag abgeholt werden und zurück in ihre Heimat kommen.

Auch die Gänse genießen das tolle Sonnenscheinwetter und planschen im kleinen Teich. Nach ausgiebigem Bad klauen die frechen Gänse den Kaninchen auch noch ihr Futter, doch die Mümmeltiere sehen's eher gelassen. Eine weitere Gruppe von Kaninchen werden die "Buddelsüchtigen" genannt. Das Gehege erinnert eher an einen Maulwurfsbau. Die Lieblingsbeschäftigung dieser kleinen Racker ist Wühlen, Wühlen und nochmals Wühlen. Der ausgeschaufelte Sand wird gelegentlich als Barriere vor die Tür des Geheges platziert, so dass Maren und ihre Mitarbeiter sich schon mal den Weg freischaufeln müssen.

Nun wechselt die Größe der Tiere erheblich, denn Esel Momo und Pony Paul stehen als nächstes auf der Besucherliste. Die beiden sind ein echt süßes Paar. Momo kann blitzschnell Türen öffnen und weiß immer, wo es Futter gibt. Paul, der beste Kumpel von Momo, steht den Kindern auch ab und zu zum Reiten zur Verfügung.

Das Flüsschen Panke, Namensgeber des Kinderbauernhofs, begrenzt zur einen Seite das Grundstück. Eine Bank lädt zum Relaxen ein. Maren und Malex erzählen mir von ihrer Arbeit und antworten auf all meine Fragen. Festangestellte, Freiwillige, ein bis zwei PraktikantInnen, Hilfskräfte und Freizeitarbeiter sind auf dem Bauernhof beschäftigt. Maren und Malex arbeiten im Dreischichtsystem. Im Winter ist die Schicht auf sechs bis sieben Stunden verkürzt. Ansonsten sind sie acht Stunden täglich bei Pinke Panke. Pausen werden gemacht, wenn es sich anbietet, wird mir erklärt. Es gibt jederzeit viel zu tun, so dass nie Langeweile aufkommt.

Ein Glockengebimmel läutet die Fütterungszeit ein. Um 16 Uhr werden alle Tiere gesäubert und gefüttert. Die Kinder freuen sich und sind stolz auf ihre geleistete Hilfe. Freiwillig die Verantwortung für die Tier zu übernehmen, und wenn auch nur zum Teil, bereichert die Kinder in ihrer Entwicklung. Der Leitgedanke auf dem Kinderbauernhof: Der Weg ist das Ziel. Es werden keine Perfektionisten erwartet, sondern Kinder, die Freude haben am Experimentieren und Spielen. Pinke Panke soll ein Ort sein, den die Kinder selbst gestalten können. Der Umgang mit den Elementen Feuer, Wasser, Erde, Boden und Luft ist möglich. Motorik und Sinneswahrnehmung der Kleinen werden geschärft - ein Lernort für junge Menschen, mitten in der Großstadt, in ländlichem Flair.

Ein zweites Glockenläuten lädt zur Teatime. Nach der Fütterung gibt es Törtchen, Kuchen und kleine Speisen für Kinder und Betreuer. Beim dritten Läuten der Glocke ist Feierabend, doch daran ist jetzt noch nicht zu denken.

Weiter geht es zum Garten und anschließend zu den Werkstätten. In der Fahrradwerkstatt können die Kinder zusammen mit den Betreuern ihre Fahrräder reparieren und daran rumbauen.

Die Holzwerkstatt steht zum Basteln und Filzen bereit. Zum Filzen wird sogar die Wolle der eigenen Schafe benutzt und eine Wippe für Olga entstand auch an diesem Ort. Derzeit wird fleißig an einer Frühlingsdeko gebastelt. Maren und ihre Kollegin schmücken einen riesigen Maibaum fürs Frühlingsfest. Die Zeit nutze ich und helfe Malex beim Ausmisten des Ziegen- und Schafgeheges. Den Bock Gilbert sperren wir vorsichtshalber ein, denn der Schlingel boxt manchmal, wenn er sich nicht beobachtet fühlt. Er sieht's gelassen und schaut uns beim Saubermachen zu. Die kleinen Ziegen springen lustig umher und erobern die Mistkarre im Nu.

Auf dem Bauspielplatz wird fleißig gearbeitet, und mir werden die Spielregeln erklärt. Das Werkzeug kann bei einem Betreuer ausgeliehen werden. Neue Nägel erhalten die Kinder, wenn sie zwei alte aus den Brettern ziehen. So wird verhindert, dass die Bretter voller Nägel sind. Die Kinder werden immer von einem Betreuer beaufsichtigt, bei Kindergruppen übernehmen die Erzieher die Aufsicht.

Im Mittelpunkt des Bauernhofes steht das neue Spielhaus. Es wurde allein durch Spenden nach und nach aufgebaut und soll bald fertig sein. Neue Aufenthaltsräume, Büro, Lager und Spielräume sollen den derzeitigen Bauwagen ersetzten. Über Spenden, auch Sachspenden, freut man sich sehr.

Auch auf die Umwelt wird hier sehr geachtet. Dachbegrünung, ökologische Baustoffe, Solaranlagen, Mülltrennung - der ökologische Gedanke steht überall im Vordergrund.

Verabschiedet werde ich mit der Einladung zum 14. Geburtstag, der Anfang Juni zum Thema "Mittelalter - Zurück ins 14. Jahrhundert" gefeiert wird, wobei dann wieder mächtig was los ist in Pinke Panke. Ich freue mich auf ein Wiedersehen!

Alex

Kinderbauernhof Pinke Panke, Am Bürgerpark 15-18, Berlin-Pankow (S-Bhf. Wollankstraße) Di-Fr 12-18.30 Uhr, Sa/So/Feiertage/Ferien 10-18.30 Uhr, im Winter bis 17.30 Uhr Tel./Fax 47552593
www.kinderbauernhof-pinke-panke.de


DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 05
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18.06.05    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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