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Ostdeutsche Agrarbetriebe sollen ihre Umwelt-Hausaufgaben machen

Wiedergutmachung an der Natur

EU-Agrarbetriebe Ostdeutschlands sollen ihre ökologischen Hausaufgaben machen

von Wolfgang Heger

Die Europäische Union will langfristig ihre hochsubventionierte Landwirtschaft auf gesündere Beine stellen. Im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden jährlich 35 Millionen Euro gekürzt. Die Auszahlung der Beihilfen an die Betriebe wird überdies von der Einhaltung ökologischer Standards abhängig gemacht. Unter der Leitung von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel werden derzeit konkrete Gesetzesvorschläge dazu erarbeitet.

Die EU will damit erreichen, dass die Agrarbetriebe ihren Wasserverbrauch senken, weniger Pestizide und Düngemittel einsetzen und den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Damit trage man dem Klimawandel Rechnung und auch nachwachsende Rohstoffe würden gefördert werden, so die Begründung aus Brüssel. Die Förderung soll den kleineren Betrieben zugute kommen, welche Arbeitsplätze schaffen und nicht nur teure, energiefressende Großtechnik einsetzen.

Bisher haben gerade die ostdeutschen Großbetriebe, oft aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR hervorgegangen, hohe Beihilfen bekommen. Diese könnten mit den Subventionsplänen der EU nun verloren gehen.

Für die ostdeutschen Großbetriebe wird sich das fatal auswirken, wenn sie nicht vorher gegensteuern und endlich ihre ökologischen Hausaufgaben machen. Denn diese Betriebe sind im Gegensatz zu den westdeutschen Agrargroßbetrieben kapitalarm, weniger technisiert und beschäftigen mehr Arbeitskräfte.

Die LPG entstanden in den 60er Jahren und arbeiteten unter Missachtung jeglicher ökologischer Prinzipien. Sie haben der Natur schwere Schäden zugefügt, zum Beispiel durch Begradigung von Bächen, Zuschütten von Tümpeln und Seen, Beseitigung von Hecken und Windschutzgehölzen.

Dies ist eindeutig ein DDR-Unrecht, dass es zu beseitigen oder abzumildern gilt. Seit Jahren wird versucht, Unrechtsjustiz und Enteignungen mit teils gutem Erfolg aufzuarbeiten und auszugleichen. Ebenso wollte man die großen Sünden an Natur und Umwelt aus dieser Zeit beseitigen, wie die Wunden aus dem Braunkohlentagebau und der Urangewinnung.

Flurbereinigung trieb Wildtiere in die Städte

Aber völlig ausgeblendet werden die vielen "kleinen" Sünden, die in den vergangenen 40 Jahren der Tier- und Pflanzenwelt und der gesamten Feldflur durch Flurbereigung angetan wurden. Beispiele für Berlin und Brandenburg lassen sich zuhauf benennen, zum Beispiel in der Uckermark, dem Oderbruch, in Linum im Rhinluch, in Berlin-Buch und Malchow. Überall sind nur noch riesigr Felder übriggeblieben. Im Naturschutzgebiet Niedermoorwiesen in Berlin-Pankow legt man seit 1995 große Heckenstrukturen an, um wenigstens dort diese Maßnahmen der 70er Jahre rückgängig zu machen.

Die Tiere der freien Landschaft (und viele Pflanzen mit ihnen) wurden im Zuge der Industrialisienmg der Landwirtschaft aus ihren angestammten Bereichen vertrieben (Siehe Artikel in letzter RABE-RALF- Ausgabe). Rund 75 Prozent der Tierarten werden als gefährdet eingeschätzt, die Feld- und Wiesenvögel haben in den letzten 25 Jahren um 44 Prozent abgenommen. Viele sind ganz verschwunden, weil ihnen die Nahrungsgrundlage (Pollen, Insekten, Kräuter, Samen) entzogen wurde. Manche konnten sich in die Städte flüchten, in denen es noch viele Brachflächen, Friedhöfe, ungemähte Wiesen und Parkanlagen gibt. Hier leben heute mehr Arten als auf dem Lande.

In einem Bericht der Sächsischen Staatsverwaltung ist nachzulesen, dass der Uhu in der Sächsischen Schweiz nach wie vor vom Aussterben bedroht ist. Der Grund: Er findet durch die intensive Landwirtschaft der Umgebung keine Nahrung mehr, denn Hasen, Kaninchen, Igel und Rebhühner sind verschwunden. 2006 wuchs dort bei neun Paaren nur ein Jungtier auf. Nach 18 Jahren ist es an der Zeit, auch in der Landwirtschaft in Ostdeutschland etwas zu tun. Tümpel und Teiche müssen wieder geöffnet werden. Wir brauchen auch breitere Uferstreifen an Gewässern, die völlig naturbelassen bleiben. Ebenso wichtig sind auch Feldraine. Denn durch die Flurbereinigung hat die Landwirtschaft enorme Flächengewinne gemacht, klagt aber nun über Wind- und Wassererosion.

Es ist darum sinnvoll, wenn man die Zahlung der EU-Beihilfen davon abhängig macht, ob die Agrarbetriebe einen bestimmten Anteil der Zuschüsse ökologisch investieren. Möglichkeiten gibt es viele: Wasserrückhaltung, Rückbau von Bächen, natürliche Schädlingsbekämpfung, Flurholzanbau, Speicherung von Kohlendioxid, Anlage von Windschutzstreifen oder Moor-Renaturierung.

Nötig ist eine Wiedergutmachung an der Natur. Dies ist aber natürlich keine spezifisch ostdeutsche Frage. In der alten Bundesrepublik wurden ja die Maßnahmen der Flurbereinigung schon ab den 60er Jahren intensiv betrieben und waren ein ebenso großes Verbrechen an der Natur. Selbst die Moorentwässerung und die Begradigung von Flüssen haben eine jahrhundertealte Tradition und zeigen heute ihre Schattenseiten.

Gerade im Zuge der Diskussion um den Klimawandel ist es an der Zeit, Wasser wieder in der Landschaft zu halten, der Winderosion weniger Angriffspunkte zu bieten, Hecken- und Flurholzanbau mit der Energiegewinnung aus Biomasse zu verknüpfen-, Vielleicht kann so die Landwirtschaft zwn Vorreiter für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz werden.

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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Februar/März 2008 - Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147 raberalf@grueneliga.de - www.grueneliga-berlin.de/raberalf

23.08.08    DNR Matthias Bauer <matthias.bauer@dnr.de>
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