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Der fleischige Essgenuss
Wie sehen die Alternativen zur Massentierhaltung und Schlachtung aus?
In der letzten RABE RALF-Ausgabe wurde über die Massentierhaltung und -schlachtung berichtet. Können wir den Sonntagsbraten überhaupt noch guten Gewissens zubereiten?
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, besuchten wir zwei Bauern, die donnerstags auf dem Ökomarkt am Kollwitzplatz ihre Ware zum Kauf anbieten. Unser erstes Ziel war der bäuerliche Familienbetrieb Connys Hof in Plattenburg, einer 35-Seelen-Gemeinde in der Westprignitz.
Cornelia Schmidt und ihre Eltern hatten sich vor acht Jahren für die Zucht von "Bunten Bentheimer Schweinen", einer vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse, entschieden. Dazu kamen die "Angler Sattelschweine" und Kreuzungen dieser Rassen. Insgesamt leben rund 200 Schweine in ganzjähriger Freilandhaltung auf dem Hof. Beim ersten Blick auf die Tiere konnten wir unsere Freude über die agil herumrennenden Ferkel kaum verbergen. Die 25 Muttersauen sind direkt am Hof untergebracht. Die Familie betreibt Ackerbau für den Eigenbedarf und wechselt dafür jährlich die ungefähr 100 bis 200 Quadratmeter großen Flächen, wo sich die Sauen mit ihren Jungtieren aufhalten. Mit der Landwirtin fuhren wir direkt nach unserer Ankunft auf ein nahe gelegenes Stück gepachtete Wiese, die zum Teil gemäht war. Das frische Grünfutter luden wir während unseres Gesprächs auf einen Anhänger und begaben uns anschließend zu den Schweinen, die uns laut quiekend begrüßten. Da die Futterpreise enorm gestiegen sind, wie uns Cornelia Schmidt berichtete, hat die Familie nach Alternativen gesucht. Das Grünfutter lässt die Tiere zwar langsamer wachsen, aber es stellt eine Abwechslung im Speiseplan dar. Wir erfuhren, dass die Mast ungefähr 12-14 Monate dauert, bis die Tiere geschlachtet werden.
Ein Bioviehzuchtbetrieb muss biologisch korrekt schlachten lassen, auch wenn er mit den Bedingungen der Schlachterei nicht einverstanden ist. Die Großschlachterei in Perleberg mit einer Schlachtstrecke für Bioschweine und der Auflage, die Tiere 12 Stunden vor der Schlachtung in Stallung zu halten, und dies in einer großen Halle, stellte Cornelia Schmidt vor die Entscheidung: Biosiegel ja oder nein. Denn die Fleischqualität leidet, wenn die Tiere vor der Schlachtung unter Stress stehen. Die drei bis fünf Tiere, die wöchentlich geschlachtet werden, kommen nun zu einem kleineren Schlachtereibetrieb, wo sie sofort geschlachtet und unmittelbar danach verarbeitet werden.
Die "Bunten Bentheimer" sind keine Normschweine, sie sind kleiner und ihr Fleisch ist dunkler und kräftiger als das vom herkömmlichen rosa Hausschwein. Da der Markt gern genormte Ware anbietet, hat sich Cornelia Schmidt gezwungenermaßen auf die Direktvermarktung ihrer Produkte spezialisiert.
Wir erhielten auf Connys Hof einen guten Einblick in das Leben der Bauernfamilie, die allmorgendlich um halb sechs aufstehen muss und keine weiten und lang andauernden Reisen machen kann. Der enorme körperliche und zeitintensive Einsatz für die Tiere hat uns beeindruckt.
Britta Richter
Mehr Informationen zum ökologischen Landbau:
www.bio-berlin-brandenburg.de
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 2008 - Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
raberalf@grueneliga.de - www.grueneliga-berlin.de/raberalf
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