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Buergerkrieg im Handy: Globalisierungskritische Stadtfuehrungen

Bürgerkrieg im Handy

Globalisierungskritische Stadtführung bietet Denkansätze

"Was hat dein Handy mit dem Bürgerkrieg im Kongo zu tun?" - "Woher kommt deine Jeans und wie viele Kilometer hat sie zurückgelegt?" - "Wer verdient eigentlich wie viel an den von dir gekauften Turnschuhen?"

Mit solchen Fragen versucht das Team der globalisierungskritischen Stadtführung seine Zuhörer für die Themen Globalisierung und nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren. Die SchülerInnen, aber auch andere Interessierte haben sich dazu vor der Filiale einer Warenhauskette eingefunden. "Stadtführung" bedeutet hier keine Besichtigung der schönsten Orte der Stadt - die Führung will vielmehr aufklären: über die eigene Konsumverantwortung und über die Möglichkeiten, Einfluss auf verschiedene Prozesse der Globalisierung zu nehmen. Deshalb stellt meist eine Einkaufsstraße oder ein Einkaufscenter den Treffpunkt dar.

Mit Hilfe interaktiver Spiele erarbeitet die Gruppe zum Beispiel den Werdegang einer Jeans, der meist durch viele über die Welt verstreute Länder führt. Baumwolle aus Indien, Billigarbeitskräfte aus China und Taiwan, deutsche Webmaschinen in Polen, Design und Washinglabels auch aus der EU, zum Nähen wieder ins Entwicklungsland und Stone-Washed-Effekt in Griechenland. Das alles für eine in Deutschland erhältliche Jeans. Die Stadtführung zeigt dabei die sozialen und ökologischen Folgen auf.

Dass wir mit dem Kauf vieler elektronischer Geräte indirekt den Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo mitfinanzieren, war für viele Teilnehmer ein neuer Aspekt der Globalisierung. Um das Eisenerz Coltan - zum Beispiel für die Herstellung von Mobiltelefonen benötigt - tobt ein erbitterter Kampf zwischen rivalisierenden Militärs und Rebellen, die mit ausländischen Firmen Geschäfte machen. Unter lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten oft Kinder in den Coltan-Minen.

Seit 2003 bietet das niedersächsische Jugendumweltnetzwerk JANUN eine solche Stadtführung an. Das von JANUN und der BUNDjugend ins Leben gerufene Gemeinschaftsprojekt KonsumGlobal gibt es bereits in 15 Städten, darunter Berlin, Köln, Hannover und Chemnitz. Das Themenspektrum reicht von Genussmitteln wie Schokolade und Tabak über Handys, Textilien und Sportwaren bis hin zu den internationalen Finanzmärkten.

KonsumGlobal will mit der konsum- und globalisierungskritischen Stadtführung keineswegs die Teilnehmer für ihr Verhalten verurteilen. Vielmehr wird in lockerer Atmosphäre auf die Möglichkeiten eines alternativen, nachhaltigen Konsums hingewiesen. So endete die von mir besuchte Führung auch mit einem leicht selbstironischen: "Und jetzt ab zu McDonald's."

Für Schulklassen und Gruppen mit geringen Vorkenntnissen kann die Stadtführung ein sehr guter Einstieg in das auf den ersten Blick sehr abstrakt wirkende Thema Globalisierung sein.

Isabel Oettinger

www.konsum-global.de

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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 2008 - Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147 raberalf@grueneliga.de - www.grueneliga-berlin.de/raberalf

23.08.08    DNR Matthias Bauer <matthias.bauer@dnr.de>
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