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***Rezension: Das Elend der Oekonomie - Von einer Wissenschaft, die keine ist

Mathe mit Müll

Die führende Ökonomie wird als Scheinwissenschaft entlarvt

Von Arabella Walter

Mehr Markt, mehr Privatisierung, weniger Staat - danach schreien die Vertreter des Neoliberalismus immer noch. Für jeden unerwünschten Nebeneffekt ihrer Wirtschaftspolitik wie Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger haben sie eine Erklärung, ein Schlagwort parat. Der Arbeitsmarkt sei nicht flexibel genug, genau wie der wirtschaftende Mensch. So genannte Managementfehler, zu hohe Löhne und staatliche Reglementierungen sind schuld an den Wirtschaftsproblemen. Für Laien ist es nicht leicht, den immergleichen Phrasen der gängigen Ökonomie etwas entgegenzustellen. Wo kann man ansetzen?

Der studierte Volkswirt Alexander B. Voegele wagt mit seinem Buch "Das Elend der Ökonomie - Von einer Wissenschaft, die keine ist" den Versuch, uns die Ehrfurcht vor den undurchschaubar scheinenden Formulierungen und der Dominanz der Wirtschaftswissenschaften zu nehmen. Das gelingt ihm, indem er Schritt für Schritt der Frage nachgeht: Liefert die herrschende Ökonomie als Wissenschaft gesicherte Erkenntnisse für eine neoliberale Wirtschaftspolitik? Die Antwort ist ein klares Nein.

Mit viel Ironie und auch für Laien recht verständlich nimmt Voegele das Herz des Neoliberalismus auseinander - die Theorie der Neoklassik. Er zeigt ihre inneren Widersprüche auf, bemängelt ihre beträchtliche Mathematisierung und beweist ihre Inkompetenz, moderne wirtschaftliche Vorgänge wie die Kapitalwanderung, die Vermehrung des Geldes aus sich selbst heraus oder gar die Globalisierung zu erklären. Begriffe wie "Flexibilisierung des Arbeitsmarktes" und "Managementfehler" werden als Kampfbegriffe neoliberaler Propaganda enttarnt. Der Autor argumentiert unter anderem, dass Lohnnebenkosten nicht existent seien und auch mit weniger Arbeit das gleicht Wohlstandsniveau gehalten werden könne. Die Neoklassik könne weder den Vorteil von mehr Markt und Privatisierung erklären, noch könne sie Gewinne rechtfertigen. Dabei beruft sich Voegele auch auf Erkenntnisse, die es schon seit Karl Marx und John Maynard Keynes gibt.

Ganz nach der Maxime "Um etwas Neues zu machen, muss man das Alte gut kennen" schafft Voegele mit diesem Buch auf seine Art die Grundlage für die Formulierung von Alternativen zur aktuellen Wirtschaftspolitik. Moralische Angriffe auf den Kapitalismus und Globalisierungskritik sind seiner Meinung nach keine brauchbaren Ansätze. Stattdessen bedürfe es einer tauglichen Werttheorie und einer Antwort auf die Frage, was Unternehmen ständig zur Profitmaximierung zwingt. Andere konkrete Lösungsvorschläge sind leider nicht zu finden.

Doch am Ende kann der Leser aufatmen. Der Neoliberalismus scheint nicht so unangreifbar zu sein, wie er sich gerne darstellt. Die Beschränktheit der dahinter stehenden Theorie wird auf sehr interessante Weise und ohne viel Mathematik aufgezeigt. Seine Daseinsberechtigung muss nach der Lektüre dieses Buches auch aus wirtschaftlichen Gründen angezweifelt werden. Es bleibt aber auch die entsetzte Frage: Wie kommt es dazu, dass soviel unwissenschafflicher Müll, wo doch akademische Erkenntnisse heute so geschätzt werden, die Grundlage für die momentane globale Wirtschaftspolitik ist?

Alexander B. Voegele
Das Elend der Ökonomie
Von einer Wissenschaft, die keine ist
Rotpunktverlag, Zürich 2007
180 Seiten, 16,50 Euro
ISBN: 978-3-85869-357-0

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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 2008 - Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147 raberalf@grueneliga.de - www.grueneliga-berlin.de/raberalf

22.08.08    DNR Matthias Bauer <matthias.bauer@dnr.de>
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