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Neue Mobilität der Stadt
Verkehr in Zahlen - Berliner gehen mehr zu Fuß oder fahren mit Bus, Bahn oder Fahrrad
Der Verkehr in Berlin wird in den letzten Jahren umweltfreundlicher, er ist jedoch zu laut. Das sind zwei Ergebnisse aus dem neuen Bericht "Mobilität der Stadt", herausgegeben von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Der Abteilungsleiter Verkehr, Friedemann Kunst, stellte die alle zwei Jahre erscheinende Studie zur Verkehrs- entwicklung Ende März vor. Auf Berlins Straßen wird immer mehr geradelt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Zugleich sinkt die Zahl der Hauptstädter, die mit dem eigenen Auto unterwegs sind.
Für den obersten Verkehrsplaner des Senats ist diese Entwicklung "ein Erfolg der Berliner Verkehrspolitik", die auf eine Stärkung der Verkehrsmittel Fahrrad und Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) im Rahmen des "Umweltverbundes" setze. Der Anteil der Wege, die zu Fuß, mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurückgelegt werden, sei erheblich gestiegen, sagte Kunst.
Die Zahl der regelmäßigen Radler hat sich laut früheren Untersuchungen auf täglich 400.000 in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Mittlerweile werden zwölf Prozent aller in Berlin zurückgelegten Wege mit dem Rad erledigt. Das ergab 2007 eine Verkehrszählung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. In der Innenstadt nimmt der Anteil des Umweltverbundes (ÖPNV, Rad, zu Fuß) am Gesamtverkehrsaufkommen zu.
Weniger Autos in Berlin
Dagegen haben immer weniger Berliner ein eigenes Auto vor der Haustür stehen. Die so genannte Motorisierungsrate, gemessen an der Zahl der zugelassenen Pkw pro 1000 Einwohner, sank laut der Senatszählung von 329 im Jahr 2000 auf 317 im Jahr 2006. Damit ist die Motorisierung in Berlin deutlich geringer, als in anderern deutschen Großstädten. So sind in Städten wie Frankfurt/Main, Hamburg oder Stuttgart jeweils 600 bis 700 Pkw auf 1000 Einwohner zugelassen. Für Verkehrsplaner Kunst hat dies unterschiedliche Ursachen. Die geringe Quote hänge sicher auch damit zusammen, dass viele Berliner/innen "einfach weniger Geld haben", sagt er.
Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln war in den 90er Jahren noch ein Rückgang der Fahrgastzahlen zu verzeichnen. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass die Zahl der Nutzer von Bus und Bahn in Berlin seit Anfang 2000 kontinuierlich gestiegen ist. 2006 wurden insgesamt mehr als 1,3 Milliarden Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln gezählt.
Zuwachs beim Fahrradverkehr
Verkehrszählungen belegen, dass der Anteil des Radverkehrs in den vergangenen Jahren besonders in Berlin-Mitte deutlich angestiegen ist, so im Jahr 2007 um 18 Prozent gegenüber 2001. Das besonders in der östlichen Innenstadt gewachsene Radwegenetz leistete einen wichtigen Beitrag zu dieser ökologischen Entwicklung. Auch für den Freizeitverkehr sind neue Radwege entstanden, zum Beispiel auf dem früheren Mauerstreifen. Außerdem konnten zwischen 2004 und 2006 rund 20 Kilometer neue Radfahrstreifen auf der Fahrbahn angelegt werden. Insbesondere die Kombinationsmöglichkeit mit anderen Verkehrsmitteln und verbesserte Fahrradparkplätze haben zu dem deutlichen Zuwachs beim Radverkehr beigetragen. Die Anzahl der Fahrradabstellplätze an den Bahnhöfen in Berlin und im Umland hat sich in den letzten drei Jahren von 17.000 auf 24.500 erhöht. Die mit dem Anstieg der Fahrradfahrer-Zahlen leider verbundenen höheren Unfallzahlen - 2007 starben 14 Fahrradfahrer auf Berliner Straßen - sieht Senats-Verkehrsplaner Kunst mit Sorge. Es sei wichtig, dass weiterhin Fahrradstreifen ausgewiesen werden, sagt er. Jährlich seien es derzeit gut zehn Kilometer. "Damit soll das Hauptverkehrsnetz für Radfahrer sicherer und der Fahrradverkehr sichtbarer werden." Aber auch Informationspolitik und aktive Verkehrsschulungen etwa in Schulen seien wichtig. Insgesamt sind diese Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit bei Radfahrern in Berlin aber nicht ausreichend. Hier gibt es insbesondere für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch viel zu tun. In den letzten Jahren flossen in Berlin große Geldsummen in den Verkehr. Allein im Jahr 2006 hat das Land Berlin für Investitionen, Betriebszuschüsse sowie Bestellungen im ÖPNV und im Schienenpersonennahverkehr 776 Millionen Euro ausgegeben. Hinzu kamen 219 Millionen Euro Investitionen des Bundes für den Ausbau des Fern- und Regionalbahnnetzes in Berlin. 2006 investierte Berlin 202 Millionen Euro in den Neubau und die Unterhaltung von Straßen einschließlich der Ausgaben für das Radwegenetz.
Lärm- und Schadstoffbelastung
Nicht zu übersehen sind aber auch negative Folgen und Probleme, die mit der Entwicklung des Verkehrs in Berlin verbunden sind. So sind über eine Million Berliner Lärmbelastungen ausgesetzt, die oberhalb des umweltmedizinisch relevanten Schwellenwertes von 55 Dezibel liegen. Straßenverkehr und Luftverkehr sind mit einem Anteil von zusammen 80 Prozent die Hauptverursacher. Ein weiteres Problem ist die Luftschadstoffbelastung. Sowohl bei Feinstaub als auch bei Stickoxid-Immissionen werden an vielen Orten in der Stadt die EU-Grenzwerte noch überschritten. Ob die im Januar 2008 in der Berliner Innenstadt eingeführte Umweltzone hier Verbesserungen bringt, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.
Die zahlreichen Daten und Zeitreihen zum Thema Verkehrssicherheit belegen, dass die Zahl der Unfälle mit Personenschäden in den Jahren 2005 und 2006 wieder leicht zugenommen hat. Im Berliner Straßenverkehr besteht weiterhin ein besonders hohes Risiko für Fußgänger und Fahrradfahrer. So liegt ihr Anteil an den schwerverletzten Personen im Durchschnitt der letzten Jahre bei etwa 50 Prozent. Ihr Anteil an den getöteten Personen im Berliner Straßenverkehr macht über die Jahre hinweg mehr als die Hälfte aus. Nach wie vor ist überhöhte Geschwindigkeit der Autofahrer eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle.
Da die Einwohnerzahl der Stadt zumindest bis etwa 2015 konstant bleiben soll, rechnen die Planer der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auch nicht mit weniger Verkehr. Klar ist für sie angesichts der aktuellen Zahlen, dass Radler und Fußgänger im Straßenverkehr besser geschützt werden müssen.
Jochen Mühlbauer
www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/verkehr_in_zahlen
www.adfc-berlin.de
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 2008 - Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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