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Lichtblick verkauft jetzt auch Biogas, doch 'bio' ist daran nur der Name

Ökostromer auf Abwegen

Lichtblick verkauft jetzt auch Biogas, doch "bio" ist daran nur der Name

Als Anbieter von Ökostrom ist die Firma Lichtblick im deutschen alternativen Strommarkt schon seit längerem etabliert. Nun ist sie auch in das Gasgeschäft eingestiegen: Seit September 2007 bietet Lichtblick nach eigenen Angaben als erster Anbieter weltweit ein "klimafreundliches" Gasprodukt an. Es besteht aus einem Erdgas-Biogas-Gemisch.

Das Angebot sei besonders klimafreundlich, da es einen garantierten Biogasanteil von mindestens fünf Prozent enthält. Mehr sei derzeit noch nicht verfügbar. Der Biogasanteil soll aber kontinuierlich erhöht werden, langfristig strebt Lichtblick sogar den vollständigen Ersatz von Erdgas bei der Versorgung seiner Kunden an. Biogas verbrennt laut Lichtblick "klimaneutral", es werde also nur so viel CO2 verbrannt wie die Pflanzen der Luft zuvor entzogen haben.

Bei solchen Berechnungen wird aber regelmäßig die Art und Weise der Produktion ausgeblendet. So bleibt der Landmaschineneinsatz genauso auf der Strecke wie die Herstellung von Pestiziden und Düngemitteln. Bei der Verwendung von Kunstdünger werden noch dazu große Mengen Lachgas frei gesetzt, das als Treibhausgas 300-mal aggressiver wirkt als CO2. Biogasanlagen, die zum Beispiel mit Mais betrieben werden, der in Monokulturen angebaut wird, sind aus Umweltsicht nicht zu verantworten.

Warme Wohnung dank Schweinemast

Lichtblick bezieht sein Biogas vor allem aus einer Großanlage im brandenburgischen Jüterbog. Laut Unternehmensangaben werden darin "Maissilage und Gülle von den landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung" vergoren. Über dem Pressetext verströmt eine treu blickende Kuh vor grüner Wiese Naturnähe, Freilandhaltung und gutes Gewissen für den potenziellen Kunden. Sauberer Strom aus umweltfreundlichen Kraftwerken wird suggeriert, bezogen von bäuerlichen Betrieben und aus nachhaltiger Produktion.

Leider sieht die Realität anders aus. Die Biogasanlage Jüterbog ist mit einer Kapazität von 1,7 Megawatt eine der größten Anlagen dieser Art in Brandenburg. Um die Dimensionen deutlich zu machen: Insgesamt sollen rund 24.500 Tonnen Schweinegülle und 31.500 Tonnen Maissilage jährlich vergoren werden. Laut Angabe der Epuron GmbH, der die Anlage gehört, werden Gülle und Maissilage "von einem angrenzenden Schweinemastbetrieb sowie der Agrargenossenschaft Jüterbog geliefert."

Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass die Ernte von etwa 2000 Hektar Mais in die Anlage gekippt wird. Diesen Mais bezieht Epuron von der Jüterboger Agrargenossenschaft, einem agroindustriellen Großbetrieb. Statt naturnahem Anbau ist damit der Einsatz von Agrochemikalien wie Kunstdünger und Pestiziden garantiert. Auch der Schweinemastbetrieb ist mit 10.000 Mastplätzen das Gegenteil von dem, was der ökologisch bewusste Kunde erwartet. Der Umweltverband BUND kritisierte im Rahmen des
Genehmigungsverfahrens bereits das negative Image für die gesamte Region durch die Schweinemastanlage. Von bäuerlicher Landwirtschaft ist also weit und breit keine Spur. Auch beim Betreiber der Anlage handelt es sich keineswegs um einen mittelständischen Betrieb. Die Epuron GmbH ist eine Tochter der Conergy AG, laut eigenen Angaben "der europaweit führende Systemanbieter im Bereich der regenerativen Energien". In den Gremien von Conergy tummeln sich Namen, die man im Bereich der Erneuerbaren Energien nicht vermutet hätte. Neben Bankern findet sich eine illustre Runde von Aufsichtsratsvorsitzenden der Kosmetikindustrie, Handyanbietern und zu guter Letzt auch Andreas Büchting, Mehrheitsaktionär des deutschen Saatgutkonzerns KWS.

Surfen auf der Ökostrom-Welle

Das Beispiel Lichtblick macht eines deutlich: Auch bei den Erneuerbaren Energien ist ein kritischer Blick nötig. Ob "Bio"-Diesel oder "Bio"-Gas - zunehmend entdecken Unternehmen die Strahlkraft der angeblich "grünen" Energie für den Kunden. Doch hier ist bei weitem nicht alles Gold, was dem wohlmeinenden Verbraucher von den Hochglanzbroschüren entgegenglänzt. Wie viele Stromkunden wären schon begeistert, wenn sie wüssten, dass Palmöl von ehemaligen Regenwaldflächen in deutschen Kraftwerken verheizt wird - und wie viele Lichtblick-Kunden würden sich mit tierquälerischer Massentierhaltung solidarisieren, die ihnen nun über das "klimafreundliche" Biogasangebot von Lichtblick ins Haus kommt?

Worum geht es also wirklich? "Große Biogasanlagen wie hier in Jüterbog harmonieren mit den landwirtschaftlichen Strukturen im Osten Deutschlands. Durch große Ackerflächen und einen hohen Anteil Viehzucht ist die langfristige Versorgung der Anlagen mit Inputstoffen gesichert - und somit auch die Renditen für unsere Investoren", so die Epuron GmbH.

Christina Hacker, Andreas Bauer

Quelle und weitere Informationen: "Agro-Sprit - Die verheerende Bilanz der Energiepflanzen" (Agenda 21 München, Dezember 2007), www.umweltinstitut.org ("Agro-Kraftstoffe")


Biogas von Lichtblick

Seit Herbst 2007 liefert der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick auch Biogas - nach eigenen Angaben als erster Versorger weltweit. Das Erdgas-Biogas-Gemisch mit einem Biogas-Anteil von mindestens fünf Prozent ist zunächst in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein erhältlich. Ziel ist eine bundesweite Versorgung mit stetiger Erhöhung des Biogas-Anteils. mb


[FOTO] Glückliche Schweine - nur für die Werbung. Zur Erzeugung von Lichtblick-Biogas bitte im Stall bleiben und durch den Spaltenboden pinkeln. Foto: S. Bauer/ARS

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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Februar / März 2008 Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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03.04.08    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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