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Sotschi 2014: Eine verhaengnisvolle Entscheidung

Sotschi 2014: Winterspiele unter Palmen

Eine verhängnisvolle Entscheidung

Mit Unverständnis und Kritik hat die GRÜNE LIGA auf die Wahl von Sotschi am Schwarzen Meer als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2014 reagiert. "Mit der Entscheidung, Russland den Zuschlag zu geben, führt das Internationale Olympische Komitee seine eigenen Grundsätze ad absurdum", sagte die Osteuropa-Expertin des Umweltverbandes, Annette Baumann. Das IOC hatte bei seiner Session 2006 in Turin bestätigt, dass Natur- und Umweltschutzaspekte bei der Auswahl der Austragungsorte berücksichtigt werden müssen. "Sicher sind wir uns der Bedeutung Olympias für Russland durchaus bewusst", so Baumann, "aber es hätte dort Alternativen mit weniger schwerwiegenden Eingriffen in wichtige Naturräume gegeben, die auch traditionell dem Wintersport verbunden sind."

Im Fall Sotschi sollen alle olympischen Objekte in den wertvollen, teilweise unberührten Naturlandschaften des Westkaukasus errichtet werden. Sieben Objekte sind direkt im Nationalpark Sotschi geplant, drei davon (die Bobbahn, das Olympische Dorf, die Biathlonanlagen) sogar in der schmalen Pufferzone des Staatlichen Kaukasischen Biosphärenschutzgebietes, dem seit 1999 als Weltnaturerbe anerkanntem Totalreservat. Alle anderen Objekte sollen in einem noch weitgehend natürlichen Tal mit für Russland einzigartig erhaltenen Sumpfgebieten angesiedelt werden, welches unter anderem als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel dient.

Das Weltnaturerbe "Westkaukasus" ist das einzige Beispiel einer großräumigen, weitestgehend unbeeinflusst gebliebenen Hochgebirgslandschaft Europas und Westasiens und gehört zu den 25 weltweit bedeutendsten Naturräumen und am meisten gefährdeten ökologischen Regionen der Welt, den sogenannten Hotspots. Es steht seit über hundert Jahren unter strengem Naturschutz und repräsentiert fast alle Ökosystemtypen des Großen Kaukasus. Hier können sich Tier- und Pflanzenwelt völlig ungestört entwickeln.

Die GRÜNE LIGA befürchtet, dass die für Olympia geplanten Bauten und insbesondere ihre spätere Weiternutzung zu einer Degradierung und weitgehenden Zerstörung bisher natürlicher Ökosysteme führen und sich der Nutzungsdruck auf das angrenzende Weltnaturerbegebiet erhöhen wird.

"Problematisch ist die Entscheidung nicht nur hinsichtlich der Gefahr für Natur- und Umweltschutz", kritisierte Annette Baumann. "Einmal mehr werden demokratische Entscheidungsprozesse ausgehebelt werden müssen, um alle Bauvorhaben wie geplant durchzuführen." Schon jetzt werde auf Teile der Bevölkerung Sotschis wie auch betroffener Bergdörfer erheblicher Druck ausgeübt, um ihre Grundstücke und Wohnhäuser den Bedürfnissen der Olympiaplanung unterzuordnen. Die GRÜNE-LIGA-Expertin zitierte den Leiter des russischen Olympischen Komitees: "Wenn bestimmte Leute beginnen, mit der Verfassung zu wedeln und zu schreien, dass man nichts abholzen darf, dann wird es einfacher sein, die Verfassung umzuschreiben."

Die GRÜNE LIGA, die sich seit vielen Jahren in der Region engagiert, will gemeinsam mit dem Naturschutzbund (NABU) die Umsetzung der Olympiapläne und die Einhaltung umweltverträglicher Standards kritisch begleiten.

Matthias Bauer

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30.10.07    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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