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Berlin hat seinen umstrittenen Naturschutzpreis umbenannt

Wendland ade - tut Scheiden weh?

Der Victor-Wendland-Ehrenring wird nicht mehr verliehen und das ist auch gut so. Ein neuer moderner Umweltpreis ersetzt den schon etwas verstaubten Ehrenring, so sollen neue Akzente gesetzt werden. Bei der Verleihung des neuen Preises wurden vereinzelt Stimmen laut, die zur Absetzung des Ringes Unverständnis, ja Unmut äußerten. Ich kann und will hier nicht für die Preisstifter sprechen, die sicher ihre eigenen Gründe haben und gut selbst vertreten können. Ich möchte hier aber einige Gründe dafür aufführen, dass die Entscheidung aus meiner Sicht gut und richtig war.

Victor Wendland war umstritten, das erkennen auch diejenigen, die den Preis gern weiter verleihen würden. Es gibt zu Wendland einige Fragen, die beantwortet werden müssten, wenn man weiterhin einen Preis nach ihm benennen wollte:

  1. Victor Wendland hat als "Fachmann für slawische Sprachen" im Oberkommando der Wehrmacht Karriere gemacht und ist dort in den höchstmöglichen Beamtenrang aufgestiegen. Was hat er dort genau getan? Da das Oberkommando der Wehmacht die Führungsspitze einer (kriegs)verbrecherischen Organisation war, ist die Beantwortung dieser Frage eine existenzielle Voraussetzung für die Entscheidung, ob man in einer Organisation, die Wert auf Menschenrechte und Demokratie legt, einen Preis nach ihm benennt oder nicht. Die ehemaligen Verleiher des Preises haben diese Frage vermutlich nicht gestellt, ihnen reichte offenbar der Hinweis, er habe, so die damaligen Veröffentlichungen, in "einem Ministerium" gearbeitet. Erschienen ihnen weitere Fragen nicht wichtig, obwohl sie dazu - er lebte noch - gute Gelegenheit gehabt hätten?
  2. Victor Wendland war nicht nach dem zweiten Weltkrieg ein "führender Kopf" (eine seltsame Formulierung für eine Person, die nach 45 gar keine offizielle Führungsrolle ausübte) im Berliner Naturschutz, sondern im Dritten Reich. 1934 wurde er Leiter der Ortsgruppe Berlin des Reichsbunds für Vogelschutz und blieb dies bis 1944. Damals galten "Judentum und deutsche Natur" als "unvereinbare Begriffe", der Berliner Reichsbund führt einen Arierparagraphen ein und diskutiert die Frage, ob der Satz "Juden werden nicht aufgenommen!" fett gedruckt im Briefkopf erscheinen soll. Welche Bedeutung hatte damals der Satz: "Naturschutz ist soziales Gebot" für Wendland? Wie hat er sich - in seiner Verantwortung als Leiter - jüdischen Mitgliedern gegenüber verhalten? Auch diese Frage ist bisher unbeantwortet, ob sie damals anlässlich der Preisverleihung gestellt wurde, weiß ich nicht.
  3. Victor Wendland war seit 1923 Mitglied im Volksbund Naturschutz. Im gleichen Jahr wurde auch Max Hilzheimer Mitglied im wissenschaftlichen Beirat dieses Volksbunds. 1936 wurde Hilzheimer, der zu dem Zeitpunkt ebenfalls schon im neunten Jahr Berlins Naturschutzbeauftragter war, aus dem Volksbund entlassen, weil er als Jude diskriminiert wurde. Wie hat Wendland - in diesem Fall in seiner Rolle als einfaches Mitglied - seinen Satz "Naturschutz ist soziales Gebot" definiert? Wie hat er sich Hilzheimer gegenüber verhalten?
  4. Victor Wendland wird 1959 als Mitglied des Volksbunds Naturschutz Redakteur der Berliner Naturschutzblätter, von deren Vorläufer war Max Hilzheimer von 1929 bis 1936 Mitherausgeber. Warum hat Wendland diese Gelegenheit nicht genutzt, um Hilzheimer zu rehabilitieren und in die Berliner Naturschutzgeschichte zurückzuholen? Ein Artikel von ihm ist dazu nicht bekannt, wohl aber andere Artikel, in denen Altersgenossen Hilzheimers gefeiert werden, die im Nationalsozialismus aktiv geblieben waren.

Solange diese Fragen nicht eindeutig beantwortet werden können, erscheint mir die Vergabe eines Preises unter Wendlands Namen kompromittierend für demokratische Preisträger. Seine Absetzung ist daher die richtige Entscheidung. "Wir wissen nicht, was Victor Wendland getan hat", so äußerte sich anlässlich der Debatte um Hilzheimer und Wolf Herr Dr. Meisner. Eben das war der Skandal.

Bernd Schütze

Mehr zum Thema:
Bernd Schütze: Verdrängte Geschichte - Juden im Naturschutz http://de.indymedia.org/2005/01/103804.shtml

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30.10.07    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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