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Weg vom Wachstum: Nur die Energiequellen auswechseln genuegt nicht

Weg vom Wachstum um jeden Preis

Nur die Energiequellen auszuwechseln wird nicht genügen

Endlich! Nach 35 Jahren (Club of Rome, "Grenzen des Wachstums", 1972) ist die Klimadiskussion in allen oberen Ebenen angekommen und nicht länger in die Hinterzimmer der angeblich ewig meckernden Umweltverbände, Bürgerbewegungen und Zukunftsforscher verbannt.

Allerdings muss man nun aufpassen, dass die Diskussion nicht wieder versandet, nicht auf das Gleis der reinen Ökonomie geschoben wird oder in oberflächlichen Aktionismus ausartet.

Nichts gegen Leuchtstoffröhren, Biodiesel, Antiflugpropaganda: "Sylt statt Syrakus". Auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist. Doch die Rettung der Menschheit und der Vielfalt des Lebens kann nur gelingen, wenn die Lebensweise der Menschen und die kapitalistische Profitwirtschaft - Rendite unbedingt 25 % - radikal geändert wird. Das ist ein Jahrhundertschritt, und ein zweiter ist ebenso nötig: Die herrschende Marktwirtschaft muss von ihrem fast heiligen Grundprinzip abrücken, immer wachsen zu müssen.

Bis jetzt läuft die Diskussion noch so, als könnten wir den Konsum und Verbrauch so beibehalten, müssten nur die Energieerzeugung verändern, also statt Erdöl Biodiesel, statt Braunkohle Biomasse bereitstellen und alles für die Verstromung einsetzen. Dabei vergessen die meisten, dass allein für die Erzeugung von Energie und Rohstoffen durch die immer schlechteren Lagerungsbedingungen wachsende Mengen an Energie aufgewendet werden müssen. Recht bald wird die aus einem Kilogramm Uran erzeugte Energie der aufgewendeten Energie für seine Bereitstellung und Entsorgung entsprechen, Atomkraft also ein sinnloses Nullsummenspiel sein. Auch die Anbaufläche für Biomasse ist begrenzt und konkurriert schon jetzt mit der
Lebensmittelproduktion.

Es geht kein Weg an einer radikalen Einsparung von Energie vorbei und nur die erneuerbaren Energien haben eine Zukunftschance. Die Bundesregierung, das Verkehrs-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Umweltministerium müssen jetzt Strategien befördern, die dennoch erst in 20 Jahren wirksam werden.

Zusätzlich zu den schon diskutierten Maßnahmen für erneuerbare Energien hätte ich einige meines Wissens noch nicht diskutierte Vorschläge:

  1. Verbot der völligen Stilllegung von Eisenbahnstrecken und des Verkaufs oder der Umwidmung, Bebauung oder Abbaggerung dieser Flächen. Die Eisenbahn wird das Verkehrsmittel der Zukunft sein, das billigste und ökologischste.
  2. Die menschliche Arbeitskraft ist eine enorme Energiereserve. Das wurde schon in den 70er Jahren auf einer UNO-Konferenz in Afrika diskutiert. Zum Beispiel wird der Laubpuster mit Benzinantrieb wieder von Arbeitern mit der Harke ersetzt werden müssen. Keine Sorge, Schwerstarbeit soll auch in Zukunft von Maschinen geleistet werden, dies soll kein Zurück zur Arbeitssklaverei nach chinesischem Muster sein. Doch vieles kann sehr gut in Zukunft wieder von unseren Muskeln bewerkstelligt werden.
  3. Es gab, auch in den 70er Jahren, schon mal ein Programm zum Flurholzanbau für die Zelluloseherstellung. Doch ehe die Bäume abgeerntet werden konnten, waren die DDR und ihre Zelluloseindustrie zusammengebrochen. Man kann diese Idee wiedererwecken - etwas intelligenter und ökologischer: Das Holz in der Region verheizen, verbrauchen, vergären; standortgerechte und vielfältige Arten, die mehrfach auf Stock gesetzt werden können wie die Hainbuche; kein Einsatz von künstlichem Dünger und Herbiziden; Anpflanzung mehrreihig, in der ganzen Breite und Tiefe des Landes entlang von Straßen (zusätzlich zu Alleen), an Wasserläufen, Eisenbahnen, Autobahnen, Feldrainen, Hochspannungsleitungen. Und dieses Holz muss dann mit geringem Transportenergieaufwand in regionalen Bioheizwerken zu Energie umgesetzt werden.
  4. Regionaler Obst- und Gemüseanbau mit Kühlenergie aus regionalen Kraftwerken.
  5. Generelles Verbot von chemischer Düngung und Pestizideinsatz für nachwachsende Rohstoffe zur Energieerzeugung.
  6. Vermeidung von Umwandlungsenergie, stattdessen Direkteinsatz - Kraft-Wärme-Kopplung.
  7. Massive Förderung der Erneuerbaren Energien statt Subventionierung der Kernforschung - wie zur Zeit in der EU mit dem zehnfachen Umfang der Erneuerbaren.

Da diese Punkte bei Freiwilligkeit im besten Falle sehr langsam voran kommen werden, muss der Staat statt weniger Beteiligung mehr Einsatz und Einwirkung zeigen. So schlimm das für neoliberale Marktwirtschaftler klingen mag, es ist eine Planungsbehörde für Infrastrukturmaßnahmen der Daseinsfürsorge nötig. Und diese Daseinsfürsorge gehört in staatliche, gesellschaftliche, kommunale Hände. Und dazu gehört besonders die Energieversorgung.

Wolfgang Heger

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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - August/September 07 Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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30.10.07    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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