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Pollenalarm
Bekommen wir den Gentechnik-Honig?
von Anne Hilbert
Die Deutschen sind die Nummer Eins im Verbrauch von Honig. 1,2 Kilogramm
verspeist der Bundesbürger im Durchschnitt. Lange Zeit gab es kritische
Fragen zum Reinheitsgrad des Honigs, doch jetzt bestätigten Experten
offiziell, was lange Zeit gemunkelt wurde: Der Bienenhonig kann durch Pollen
aus Feldern mit gentechnisch verändertem Saatgut belastet sein. Die Bienen
trifft dabei natürlich keine Schuld. Sie können nicht unterscheiden zwischen
gentechnisch veränderten oder biologisch reinen Pflanzen. Auch der Mensch
kann wenig gegen den Bienenflug auf den genetisch manipulierten Feldern tun,
denn der Flugradius einer Honigbiene beträgt mehrere Kilometer und ist
praktisch nicht auf einzelne Gebiete einzugrenzen. Politiker und
Gentechnikkonzerne haben bis jetzt noch keine Lösung für die Sicherstellung
einer gentechnikfreien Produktion von Honig vorgelegt.
Im Gegenteil: Allein in Deutschland sind für dieses Jahr schon 3.700 Hektar
Anbaufläche für den gentechnisch veränderten Mais MON 810 der Firma Monsanto
gemeldet. Für Futtermittel ist dieser zugelassen, jedoch nicht für
Lebensmittel. Hier schließt sich der Kreis. Gentechnisch veränderte
Nahrungsmittelbestandteile gelangen durch die transportierten Pollen der
Bienen in den Honig und somit den menschlichen Organismus. Auch die
Auswirkungen auf den tierischen Organismus sind nicht geklärt, aber die
Tatsache, dass Bienen ihren Eiweißbedarf vorrangig aus Maispollen decken,
ist erschreckend in Verbindung mit dem umfangreichen Anbau gentechnisch
veränderter Maissorten. Doch vielleicht ist das Ganze kein
zukunftsrelevantes Thema, denn über die Bienen und die Verunreinigung des
Honigs brauchen wir uns kaum noch Gedanken zu machen, wenn das Bienensterben
weiter so fortschreitet wie in den letzten fünfzig Jahren. Im Laufe dieser
Zeit sank die Anzahl der Bienenvölker von rund zwei Millionen auf schmale
800.000. Auch die Imkergemeinde wird zusehends kleiner und älter. Viele von
ihnen betreiben das Imkergeschäft auch eher als Hobby und besitzen keine
großen Bienenvölker.
Verantwortlich dafür ist vor allem die zunehmende mono-kulturelle
Bewirtschaftung der Agrarflächen, durch welche sich die Bienen nicht
ausgewogen und ausreichend ernähren können. Die Bienen kommen so nur schwer
durch den Winter. Oft sterben bei der Überwinterung bis zu einem Drittel der
Tiere. Parallel kommt hinzu, dass Bienen einer großen Vielfalt von höchst
aggressiven Pestiziden ausgesetzt sind, die dazu beitragen, dass sie
anfälliger für Krankheiten sind. So meint Thomas Radetzki, Imkermeister und
Mitarbeiter von Mellifera, "Die Widerstandkraft der Bienen ist geschwunden".
Vor zwanzig Jahren verkrafteten die Tiere deutlich mehr Befall von Parasiten
als derzeit.
Der Schaden bleibt jedoch nicht allein bei den Bienen. Würde das Bestäuben
nachlassen oder auch komplett wegfallen, so wäre die Existenz vieler
Blütenpflanzen deutlich gefährdet oder nur eingeschränkt möglich.
http://www.bienen-gentechnik.de/
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - August/September 07
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