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Gelobt und interviewt: Freimut Woessner kriegt den Berliner Naturschutzpreis 2007

Bruder Baum und Schwester Sonne: Umweltschutz mit Papier und Bleistift

Der Karikaturist Freimut Wössner im Portrait

Seine Figuren reden sich um Kopf um Kragen: Fast könnten sie einem leid tun, die Menschen, die Freimut Wössner unter die Feder geraten - wäre da nicht dieser liebevolle Strich, der auch noch den bösesten Alltagsbeobachtungen des Karikaturisten einen Hauch von wohlwollendem Spott verleiht.

Seit über 30 Jahren beschreibt Freimut Wössner in Wort und Strich, was unter deutschen Dächern los ist. Seine Cartoons und Karikaturen, stete Begleiter in vielen Printmedien und besonders Berlinern vertraut aus taz und zitty, widmen sich dem ganz normalen Wahnsinn des privaten und öffentlichen Alltags, bringen uns zum Lachen, zum Nach- und ganz sicher auch Umdenken.

Freimut Wössner, Jahrgang 1945, wuchs in Stuttgart auf. 1969 verschlug es ihn nach Berlin. Seinen beruflichen Werdegang fasst er selbst lapidar unter "branchenübliche Irrungen und Wirrungen" zusammen. Satiriker, Co-Schwabe und Freund F. W. Bernstein beschreibt Wössners Weg zum Zeichnen so: "Bis in die 70er Jahre hat Freimut Wössner viel gemacht, aber keinen Strich gezeichnet. Dann absolviert er einen Zeichenkurs in der Volkshochschule Schöneberg. Seitdem ist er im Gespräch. Er zeichnet Cartoons. Und was für welche! Er wird zum Chronisten unseres postmodernen Biedermeiers."

Seit 1980 ist Wössner als freischaffender Karikaturist tätig; und so ist es vielleicht kein Zufall, dass die Umweltbewegung der 80er und das, was daraus wurde, bis heute zu seinen Lieblingssujets gehören. Mit feinem Ohr und scharfem Auge beobachtet er die "BioFritzen".

Neben dem Spaß am Spott über Leute der eigenen Couleur liefert Wössner den Umwelt- und Naturschützern oft Argumente von besonderer Schlagkraft in Wort und Bild. Sei es das Waldsterben oder der Klimawandel - Wössner praktiziert Umweltschutz mit Papier und Bleistift, wenn er den Opa inmitten einer toten Waldlandschaft zur Enkelin sagen lässt: "Ja meinst du denn im Ernst, da wäre auch nur einer noch in sein Auto gestiegen, wenn wir das gewusst hätten damals?!"

Wenn Freimut Wössner Umweltpolitik "behandelt", dann meist auf diese Art: Auf den ersten Blick harmlos, auf den zweiten schonungslos. Ein sicheres Ohr für Tonfälle und sein literarisches Training durch Nonsens-Texte helfen ihm bei der Inszenierung und dramatischen Zuspitzung. Ebenso hilfreich für das Wössner'sche Werk ist wie man hört, seine Hängeregistratur: Freimut Wössner sammelt Bild- und Wortmaterial, fein säuberlich geordnet nach Stichworten, in Sammelmappen. Nur so ist wahrscheinlich auch die Fülle an Publikationen zu erklären, die bis jetzt von ihm veröffentlicht wurde. Naturverbundenheit zeigt der Wahlberliner und Familienvater aber nicht nur im politischen Sinn, sondern immer auch im künstlerischen. Neben seinen satirischen Werken zeichnet und malt Freimut Wössner Landschaften. Die Motive hierfür findet er in Berlin, der Mark Brandenburg und in seiner schwäbischen Heimat; künstlerisch kompetent begleitet wird er dabei stets von der Malerin Ade Frey, mit der er verheiratet ist.

Manchmal träumt Freimut Wössner von einem ökologischen Utopia. Das hört sich dann so an: "Handwerker und Dichter, Bauern und Denker haben das Land in eine Oase des ökologischen Friedens verwandelt ... Lautlos gleiten Solarbusse an mir vorüber ... hie und da dringt das andächtige Knirschen der Kornmühlen aus einem geöffneten Fenster und das sanfte Knattern der Hirsewaffeln klingt vom nahe gelegenen BioKiosk...".

Erwacht er aus solchen Träumen, greift er wieder zum Stift und zeichnet weiter: Immer gegen den Strich und vielleicht für eine etwas bessere Welt.

Katharina Hasslinger

Die Autorin ist Mitarbeiterin der Stiftung Naturschutz Berlin.


Ein paar Fragen an Freimut Wössner

RABE RALF: Naturschutz? Warum ist das wichtig? Haben Sie etwa Kinder oder so?

Wössner: Ich fühle mich sehr wohl in der freien Natur, deshalb möchte ich sie schützen. Ich kam ja aus dem schönen Schwabenland in die zubetonierte Insel Westberlin. Auf jeden Westberliner kam damals ungefähr ein Baum und ein halber Hund. Im Frühjahr gab es auf den Strassen regelmäßig Freudentänze um Löwenzähne und Gänseblümchen, die auf den Baumscheiben den Ausscheidungen der Hunde getrotzt hatten.

RABE RALF: Lesen Sie die Texte im Raben Ralf auch durch - oder ist der nur als Belegexemplar für Sie interessant?

Wössner: Nur ausgewählte Texte. Weil ich eh schon viel zum Thema lese, fühle ich mich gut informiert.

RABE RALF: Sie stellen dem Raben Ralf Ihre Karikaturen immer noch kostenlos zur Verfügung. Wie lange können Sie sich das noch leisten?

Wössner: Das mache ich gern. Sobald ich allerdings das Gefühl habe, dass mit dem Raben die dicke Kohle gemacht wird, dann möchte ich auch was abhaben, damit ich meinen Kindern endlich mal ein paar warme Handschuhe kaufen kann. Obwohl man die ja wahrscheinlich bald nicht mehr brauchen wird.

Interview: Thomas Lemmer

30.10.07    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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