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Naturschutz-Praktikum in Lateinamerika: Der Praktikant zahlt

Der Praktikant zahlt

Wie ich Entwicklungshilfe bekam - Ein Erfahrungsbericht

Von Malea Caroline Birke

Aus einem Zeitungsartikel weiß ich, wie ich heiße: Die Generation der Praktikanten. Seit dem letzten Jahr weiß ich, dass ich mir diesen Titel selber kaufen muss: Nach zwei Jahren Naturschutz-Studium durfte ich in einer Kakaofarm in Ecuador arbeiten - und dafür zahlen. Die Prostitution war nicht teuer: 160 Dollar, umgerechnet 120 Euro. Später lerne ich im Unterricht, dass man "Investition" sagt. Es stimmt: Ich kann nun Spanisch sprechen, Kakao machen, Bananen pflanzen und alles für nur 120 Euro im Monat. Ich habe sogar Glück gehabt, sagte man mir. Und das stimmt auch, denn sie hat abenteuerlich angefangen. Die Suche, meine ich.

Aus meiner Erfahrung ist es besser hinzufahren und sich vor Ort etwas zu suchen. Das geht aber wegen den Geldförderern wie BaföG und DAAD und wegen den Hochschulen selber nicht: Sie wollen vorher Verträge. So begann ich mich an Leute zu erinnern, die vor mir durch die Lande zogen, um nach "dem Richtigen" zu suchen. Und mir fiel das ASA-Programm ein, Doch ich war zu jung: ASA schickt ins Ausland nur Leute mit Grundstudium. Dann wollte ich ganz clever sein: Ich schrieb an Greenpeace und WWF. Auch die wollten mich nicht - wegen meiner fehlenden Erfahrung. Ich bin Zusatzarbeit. Und deshalb bekam ich lange Listen zugeschickt von so genannten "Partnern". Das Gleiche gilt für die Heinrich-Böll-Stiftung, die gar extra unter
www.boell-latinoamerica.org wirbt. Sie machen keine konkrete Naturschutzarbeit, sagten sie. Und ich bekam eine Emailadresse eines Redakteurs, der Umweltthemen behandelt. War das die Lösung? Nein, denn ich sprach natürlich kein Spanisch.

Ich suchte weiter, ging die Links durch, die sie mir sandten. Ich fand vieles. Doch das hatte seinen Haken: Die Organisationen, die sich die englische Sprache leisten, wollen Monatsmieten. Und die sind zwischen 250 und 400 Dollar hoch. Die Organisation Instituto ALLPA gibt mir für acht Stunden Arbeit ein Essen und nimmt mir 250 Dollar ab. Die Organisation Fundación Curiquingue sogar 360 Dollar, das Essen ist diesmal vollständig. Die Arbeit ist Freizeitbeschäftigung: Ein Mädchen erzählt, dass sie Zementwege im Dschungel angelegt haben und einen "Botanischen Garten", den es schon zwei Kilometer weiter gab. Ich wurde immer kleiner und die Organisationen auch. Ich geriet an Agenturen, die Adressen verkaufen (Soned in Berlin). Sie fragten, was genau ich wolle. Ich wollte helfen, Spanisch lernen, die Pflanzenwelt kennenlernen - und eben für Kost und Logis arbeiten! Ich suchte weiter und landete in Schulklassen-Kooperationen: Deutsche wanderten aus und leben nun von Praktikanten. Dass mir das passieren konnte!

Dann lernte ich einen Ecuadorianer kennen. Das ecuadorianische Umweltministerium sei was für mich, sagte er. Ich sah mir das Ministerio del Ambiente an und war beeindruckt: UN-geförderte Projekte. Wir schrieben eine Online-Bewerbung, die vor Höflichkeitsfloskeln platzte. Das Problem: die Posteingänge auf der Internetseite des Ministeriums werden offenbar nicht abgerufen. Wir erhielten jedenfalls nie eine Antwort. War ich schon mittendrin in der Korruption?

Nach acht Monaten hatte ich deutsche, spanische und englische Bewerbungen in meinem Computer. Ich hatte seitenweise Adressen und paradoxerweise keine Bleibe. Endlich - ich wollte schon nach Osteuropa - beichtete ich meine Suche einer Freundin. Sie lachte, sagte "kein Problem" und gab mir eine private Adresse: Yamile Roldán, eine ausgewanderte Kolumbianerin in Ecuador. Yamile hat eine kleine Schokoladen-Finca. Auch sie nimmt Geld. Mir war alles egal. Wem kann ich es nun übel nehmen: Yamile oder meinem Wunsch, "dort drüben" etwas zu verbessern? - Neulich hat mich jemand gefragt: "Warum musstest du auch ins Ausland?"

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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - August/September 07 Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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30.10.07    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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